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»Magierinnen!« japste Ruben. »Kein Wunder, daß wir nicht wissen, wer wir sind! Du hast uns zu diesen Hexen gebracht und verzaubern lassen.«

Ahern legte ihm beschwichtigend die Hand auf den Arm. »Sei still und hör zu. Du bist Zauberer.« Ruben glotzte Ahern an. Ahern wandte sich an Elda. »Und du bist eine Magierin.«

Ruben fuchtelte wild mit den Armen. »Nein, das ist nicht wahr«, fauchte er schließlich, »sonst hättest du dich längst in eine Kröte verwandelt.«

Ahern schüttelte knurrend den Kopf. »Du hast deine Kraft verloren.«

»Hm, wie?« fragte Ruben und richtete sich auf. »War ich ein begabter Zauberer?«

»Du warst gut genug, um mir deine verfluchten Finger an die Schläfen zu legen und mich zu überreden, dir zu helfen. Du meintest, manchmal müßten Zauberer Menschen benutzen, damit sie tun, was getan werden muß. Die Bürde des Zauberers, hast du es genannt. Du hast behauptet, ich hätte dir ohnehin geholfen und du hättest nur deshalb an meine ›Anständigkeit‹ appelliert, damit ich nicht so lange nachzudenken brauchte. Wie auch immer, das und mehr Gold, als ich je zuvor auf einem Haufen gesehen habe, haben mich überzeugt, etwas zu tun, auf das ich mich eigentlich nicht hätte einlassen dürfen. Mit Zauberern und Magie will ich wirklich nichts zu schaffen haben.«

»Und ich bin eine Magierin?« fragte Elda. »Eine blinde Magierin?«

»Nun, eigentlich nicht. Du warst zwar blind, konntest mit Hilfe deiner Gabe aber sehen — besser als ich mit meinen Augen.«

»Und wieso bin ich dann jetzt blind?«

»Ihr wart beide krank. Ihr wart an irgendeiner Art böser Magie erkrankt. Die drei Magierinnen waren bereit, euch zu helfen, doch um euch zu heilen, mußten sie … nun, sie mußten euch beiden etwas geben, wodurch eure magischen Kräfte, eure Gabe, verschwand. Ihr habt mich draußen warten lassen, daher weiß ich nicht, was sie gemacht haben. Ich weiß nur, was ihr mir erzählt habt, bevor ihr zum letzten Mal hineingegangen seid, um euch behandeln zu lassen.«

Ruben beugte sich nach vorn. »Das hast du dir ausgedacht.«

Ahern achtete nicht auf ihn und fuhr fort. »Die Krankheit, die ihr beide hattet, hat sich von eurer guten Magie ernährt. Ich weiß nicht, wie Magie funktioniert, und bei den Seelen, ich will es auch gar nicht wissen. Ich weiß nur, was ihr mir erzählt habt. Was ihr mir erklärt habt, als ihr herausgekommen seid, um mich zu überreden, euch zu helfen. Ihr habt gesagt, um euch zu helfen, müßten die drei Magierinnen euch etwas geben, damit eure Magie verschwindet. Nur so konntet ihr beide wieder gesund werden. Die böse Magie kann erst dann verdorren und absterben, eure Wunden können erst dann verheilen, wenn sie keine gute Magie mehr hat, von der sie sich ernähren kann.«

»Jetzt haben wir also keine magischen Kräfte mehr?«

»Also, ich weiß nicht, wie das alles funktioniert, aber so wie ich es verstehe, kann man seine Magie nicht wirklich verlieren. Die drei Frauen haben folgendes getan: Sie haben dafür gesorgt, daß ihr alles über euch Vergeßt, damit ihr nicht mehr wißt, daß ihr Magie besitzt, damit auch die böse Magie nichts mehr davon weiß. Deswegen wißt ihr beide weder wer ihr seid noch wie man Magie benutzt. Aus diesem Grund ist Elda auch blind.«

Ruben kniff die Augen zusammen. »Warum sollten uns die Magierinnen helfen wollen?«

»Hauptsächlich wegen Elda. Sie meinten, sie sei eine Legende bei den Magierinnen aus Nicobarese. Wegen irgendeiner Geschichte, als sie noch jünger war und hier gelebt hat.«

Ruben starrte den großen Mann an. »Es muß einfach stimmen.« Er drehte sich zu Elda um. »Es muß einfach stimmen. Kein Mensch könnte sich eine solch absurde Geschichte ausdenken. Was meinst du?«

»Ich bin der gleichen Meinung wie du. Ich denke, er erzählt uns die Wahrheit.«

»Gut«, sagte Ahern. »Jetzt kommt der Teil, der euch nicht gefallen wird.«

»Was wird aus unserer Magie? Wann kommt sie zurück? Wann erinnern wir uns wieder, wer wir sind?«

Ahern fuhr sich mit seinen fleischigen Fingern durch das struppige, graue Haar. »Genau das ist der Teil, der euch nicht gefallen wird. Die drei Frauen hatten Zweifel, ob ihr sie je zurückbekommen werdet. Vielleicht erinnert ihr euch nie mehr an sie. Womöglich habt ihr eure Magie für immer verloren.«

Unbehagliche Stille machte sich in der Kutsche breit. Schließlich sprach Ruben. »Warum sollten wir uns auf so etwas einlassen?«

Ahern spielte verlegen mit den Fingern. »Weil ihr keine Wahl hattet. Ihr wart beide krank. Sehr krank, Elda noch mehr als du. Sie wäre mittlerweile gestorben, und du wärst morgen, spätestens übermorgen damit drangewesen. Ihr hattet keine Wahl. Es war die einzige Möglichkeit.«

Ruben verschränkte die Hände über dem silbernen Knauf seines Stocks. »Nun, wenn es so war, mußten wir es tun. Wenn wir uns nicht erinnern, werden wir eben lernen müssen, Ruben und Elda zu sein und ein neues Leben anzufangen.«

Ahern schüttelte den Kopf. »Es gibt da noch einen Haken bei der Sache. Du hast mir erzählt, die drei Frauen hätten gesagt, wenn die böse Magie euch schließlich verlassen hätte, dann könntet ihr vielleicht euer Gedächtnis und eure Magie zurückbekommen. Du meintest, es sei ungeheuer wichtig, daß du sie zurückbekommst. Es gäbe gewaltige Schwierigkeiten in der Welt, um die du dich kümmern müßtest. Dies sei für jeden Lebenden von schwerwiegender Bedeutung. Du meintest, es gäbe da etwas, das du unbedingt erledigen müßtest.«

»Was für Schwierigkeiten? Was muß ich unbedingt erledigen?«

»Das hast du mir nicht verraten. Angeblich würde ich es nicht verstehen.«

»Schön, und wie bekommen wir nun unsere Erinnerung und unsere Magie zurück?«

Ahern sah die beiden nacheinander an. »Vielleicht kommt sie gar nicht zurück. Die drei Frauen wußten nicht, ob sie je wiederkommen würde, doch wenn, dann nur durch einen Schock. Durch eine große Gefühlserschütterung oder einen Schock.«

»Durch einen gefühlsmäßigen Schock? Zum Beispiel?«

»Zum Beispiel durch Ärger. Vielleicht, wenn du dich ausreichend ärgerst.«

Ruben runzelte die Stirn. »Und … weiter? Sollst du mich ohrfeigen, damit ich wütend werde?«

»Nein. Du hast gesagt, du wüßtest zwar nicht wieso, aber etwas Derartiges werde nicht funktionieren. Du hast auch gesagt, wenn tatsächlich irgend etwas diesen Zorn auslösen sollte, dann wäre er, wegen der Magie, grausam und fürchterlich. Du hast gesagt, du hättest trotzdem keine Wahl, denn du würdest sterben, wenn du es nicht tätest.«

Ruben und Elda saßen schweigend da und dachten nach, während Ahern sie beobachtete. »Wo bringst du uns nun also hin? Wieso sitzen wir in dieser Kutsche?«

»Nach Aydindril.«

»Aydindril? Nie davon gehört. Wo liegt das? Wie weit ist es?«

»Aydindril ist der Sitz der Konfessoren, drüben auf der anderen Seite des Rang’Shada-Gebirges. Die Reise dahin ist lang: mehrere Wochen, vielleicht einen Monat. Wir werden wohl erst kurz vor der Wintersonnenwende, der längsten Nacht des Jahres, dort sein.«

»Scheint ein ziemlich weiter Weg zu sein. Warum bringst du uns dorthin?«

»Du hast gesagt, du müßtest in die Burg der Zauberer. Du hast gemeint, man käme dort nur mit Magie hinein, doch jetzt hast du keine Magie, also hast du mir erzählt, wie ich dich hineinbringen kann. Offenbar warst du als Kind ein Lausebengel und hattest einen Geheimgang, durch den du in die Burg hinein und herausschleichen konntest, ohne die Magie auszulösen.«

Ruben rieb sich mit Daumen und Zeigefinger das glattrasierte Kinn. »Und du sagst, ich hätte behauptet, es sei eilig?«

Ahern nickte grimmig.

»Dann brechen wir wohl am besten auf.«

Kahlan hatte schon den ganzen Abend Menschen angelächelt und lächelte nun auch die Frau in dem feinen, blauen Gewand vor ihr an. Die Frau berichtete, wie besorgt alle um die Mutter Konfessor gewesen seien. Ihre Verlogenheit war ebenso durchschaubar wie die Heuchelei all der anderen. Kahlan hatte ihr ganzes Leben damit zugebracht, doppelzüngigen Menschen zuzuhören, wie sie ihr habsüchtiges Wesen hinter selbstlosen und freundschaftlichen Worten zu verbergen suchten.