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Kahlan behielt ihre Konfessorenmiene bei, um nicht in Tränen auszubrechen. »Mir tut bloß leid, daß ich mein ganzes Leben den Menschen der Midlands hingegeben habe. Hätte ich gewußt, wie undankbar sie sind und welchen Unfug sie glauben, nach allem, was ich für sie geopfert habe, wäre ich egoistischer gewesen und hätte sie echter Tyrannei überlassen.«

Ranson blickte finster auf sie herab. »Ihr habt Euer ganzes Leben lang dem Hüter zugearbeitet.« Erneut heulte die Menge entsetzt auf. »Ihm dient Ihr. Dafür arbeitet Ihr. Ihr opfert die Seele Eures Volkes Eurem Herrn und Meister, dem Hüter der Unterwelt.«

Auf den Baikonen schrien Menschen entsetzt auf. Wütende Schreie und Rufe nach Rache hallten unter der Kuppel wider. Die Fäuste schüttelnd, versuchte die Menschenmenge im Hauptteil des Saales nach vorn zu drängen, doch die Wachen breiteten die Arme aus und hielten sie zurück. Ranson hob die Hände und bat um Ruhe.

Kahlan ließ ihren Blick über die Menschen zu beiden Seiten schweifen.

»Ich überlasse euch der Imperialen Ordnung«, rief sie mit lauter Stimme. »Ich mühe mich nicht länger ab, um euch zu retten. Ihr werdet für eure gedankenlose Bereitschaft, diese Lügen zu glauben, bestraft werden. Bestraft durch das, was eure eigenen egoistischen Wünsche euch bringen. Ihr werdet die Qualen noch bedauern, auf die ihr euch so bereitwillig eingelassen habt. Glücklicherweise werde ich dann tot sein und nicht in Versuchung kommen, euch zu helfen. Ich bedauere bloß, auch nur eine Träne für euer Leiden vergossen zu haben. Zum Hüter mit euch allen!«

Kahlan funkelte den spöttisch grinsenden Zauberer Ranson wütend an. »Macht schon! Schlagt mir den Kopf ab! Ich bin diese Verhöhnung der Wahrheit leid! Ihr und Eure Imperialer Ordnung habt gewonnen. Tötet mich, damit ich aus diesem Leben erlöst werde und in die Welt der Seelen eintreten kann, wo ich nicht leiden muß, um jemandem zu helfen. Ich gestehe alles. Richtet mich hin. Ich bin in allen Punkten schuldig.« Ihr Blick fiel auf den toten Körper zu ihren Füßen. »Bis auf die Ermordung dieses keltonischen Schweins. Ich wünschte, ich hätte ihn getötet, aber leider kann ich dieses Verdienst nicht für mich in Anspruch nehmen.«

Ranson zog die Augenbrauen hoch. »Eine Lügnerin bis zum Schluß, Mutter Konfessor? Nicht einmal über diesen Mord könnt Ihr die Wahrheit zugeben?«

Lady Ordith betrat den Saal, die Nase in die Luft gereckt, und bezeugte, sie habe erst am Abend zuvor gehört, wie Kahlan Prinz Fyren bedroht hätte. Der gesamte Rat bekundete laut und deutlich, auch sie hätten gehört, wie sie gedroht habe, ihm die Kehle durchzuschneiden.

»Das ist Euer Beweis?« fragte Kahlan.

Ranson machte eine Handbewegung zur Seite hin. »Schafft die Zeugin rein. Ihr seht, Mutter Konfessor, wir kennen die Wahrheit. Eine Eurer früheren Freundinnen wollte dabei helfen, die Wahrheit über Euch zu verschleiern, daher mußten wir zum Äußersten greifen, bis sie mit uns zusammenarbeitete, doch am Ende tat sie es.«

Man führte das zitternde Fräulein Sanderholt in den Saal. Zu beiden Seiten ihres gebeugten, dürren Körpers standen Wachen. Ihr Gesicht war ausgezehrt, ihre roten Augen wirkten durch die dunklen Ränder unter ihnen schwer. Ihre gewohnte Lebendigkeit war dahin. Sie schwankte leicht und erweckte den Eindruck, als könne sie sich ohne fremde Hilfe kaum auf den Beinen halten.

Fräulein Sanderholt hielt ihre verstümmelten Hände weit vor den Körper, aus Angst, sie könnten irgendwo anstoßen. Man hatte ihr sämtliche Fingernägel mit der Zange ausgerissen, Kahlan kam die Galle hoch.

Neville Ranson blickte mit versteinerter Miene auf die Frau herab. »Erzählt uns, was Ihr über diesen Mord wißt.«

Fräulein Sanderholt sah ihn an, ohne mit der Wimper zu zucken.

Sie biß sich auf die Unterlippe. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Es war offenkundig, daß sie nicht sprechen wollte.

Ranson schlug mit der Faust krachend auf den Tisch. »Redet! Oder wir verurteilen Euch, weil Ihr die Mörderin gedeckt habt!«

»Fräulein Sanderholt«, sagte Kahlan leise. Der Blick der Frau ging zu ihr. »Ich kenne die Wahrheit, und Ihr kennt die Wahrheit — das ist alles, was zählt. Diese Leute werden tun, was immer sie sich in den Kopf gesetzt haben, mit oder ohne Euer Dazutun. Ich will nicht, daß Ihr meinetwegen leidet. Bitte sagt ihnen, was sie hören wollen.«

Tränen liefen ihr übers Gesicht. »Aber…«

Kahlan drückte den Rücken durch. »Fräulein Sanderholt, als Mutter Konfessor befehle ich Euch, gegen mich auszusagen.«

Ein winziges Lächeln zuckte über Fräulein Sanderholts Gesicht. Sie drehte ihr Gesicht der Ratsversammlung zu. »Ich habe gesehen, wie die Mutter Konfessor sich von hinten an Prinz Fyren herangeschlichen hat. Sie hat ihm die Kehle durchgeschnitten, bevor er überhaupt merkte, daß sie da war. Sie ließ ihm keine Chance, sich zu verteidigen.«

Ranson lächelte von oben herab und nickte. »Vielen Dank, Fräulein Sanderholt. Ihr wart ihre Freundin, und doch seid Ihr vorgetreten und habt Euch bereit erklärt auszusagen, weil Ihr wolltet, daß der Rat und das Volk die Wahrheit erfahren?«

Noch mehr Tränen strömten über ihr Gesicht. »Ja. Ich habe sie geliebt, und doch mußte ich den Menschen die Wahrheit über ihr mörderisches Wesen sagen.«

Nachdem man sie hinausgeführt und der Rat Kahlan einstimmig für schuldfähig befunden hatte, erhob sich Ranson und bat mit einem Handzeichen um Ruhe, bevor er das Wort an die Versammlung richtete.

»Die Mutter Konfessor wurde in allen Punkten für schuldig befunden!« Alles grölte und brüllte seine Zufriedenheit heraus. Man schrie nach sofortiger Exekution. »Die Mutter Konfessor wird hingerichtet werden, jedoch nicht heute.« Verärgert hob er angesichts der Proteste die Hand. Die Menge verstummte. »Sie hat Verbrechen gegen alle Völker begangen. Alle müssen Gelegenheit erhalten, davon zu erfahren, daß hier dem Recht Geltung verschafft wird. Sie müssen Gelegenheit erhalten, der Enthauptung beizuwohnen. Die Hinrichtung wird in ein paar Tagen stattfinden, damit jedem, der durch diese Kriminelle zu Schaden gekommen ist, Gelegenheit gegeben wird, der Hinrichtung beizuwohnen.«

Neville Ranson stieg vom Podium herunter. Er blieb vor ihr stehen und sah ihr in die Augen. Er sprach leise, zu ihr, nicht zur Menge.

»Ihr denkt daran, Eure Kraft bei mir einzusetzen, Mutter Konfessor?«

Genau daran hatte sie gedacht: Ihre Kraft einzusetzen und dabei zu sterben. Doch sie sagte nichts.

Ransons Lächeln war kalt und grausam. »Dazu werdet Ihr keine Gelegenheit haben. Ich werde Euch drei Dinge nehmen. Erstens Eure Kraft und ihr Symbol. Zweitens Eure Würde. Drittens Euer Leben.«

Kahlan stürzte sich auf ihn. Er stand da, die Hände gefaltet, und verfolgte, wie sie sich nur zentimeterweit bewegen konnte, bevor sie in einer Verdickung der Luft feststeckte, die sie gefangenhielt. Erfolglos kämpfte sie gegen die übermächtige Kraft an.

Der Zauberer hob die Hände. Kahlan sah einen Blitz. Sie schrie auf, als sie einen kalten Schock spürte, der ihren gesamten Körper durchflutete. Es war, als wäre sie nackt in einen eiskalten Fluß gesprungen. Sie zitterte heftig. Die beißende Kälte trieb ihr die Tränen in die Augen. Der kalte Schmerz schien nicht mehr schlimmer werden zu können, tat es aber doch.

Es war, als würde ihr Innerstes auseinandergerissen, als würde ihr das Herz aus der Brust gezerrt. Sie schrie vor Schmerzen. Benommen vom Schock, stellte sie fest, daß sie auf den Knien lag. Ranson hielt seine Hände über ihren Kopf.

Als der Schmerz nachließ, überkam sie ein kribbelndes Gefühl von Panik.

Ihre Kraft war verschwunden.

Wo sie sie zuvor immer gespürt hatte, meist ohne sich ihrer bewußt zu sein, spürte sie jetzt eine tiefe Leere.

So oft hatte sie sich gewünscht, sie los zu sein, doch niemals war ihr klargewesen, wie es ohne ihre Magie sein würde. Sie schrie erneut auf. Tränen strömten ihr angesichts der Trostlosigkeit über die Wangen. Sie fühlte sich nackt vor diesem Mob.