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Kahlan wandte sich an den Vogelmann. »Richard fühlt sich nicht gut. Er braucht ein wenig Ruhe. Ist das in Ordnung?«

Anfangs glaubte er zu wissen, weshalb sie fortwollten. Sein Lächeln verblaßte jedoch, als er ihr besorgtes Gesicht sah. »Bring ihn zum Haus der Seelen. Dort ist es ruhig. Niemand wird ihn dort behelligen. Hole Nissel, wenn du es für nötig hältst.« Zögernd kehrte sein Lächeln zurück. »Vielleicht hat er zuviel Zeit auf dem Drachen verbracht. Ich danke den Seelen, daß mein Fluggeschenk nur von kurzer Dauer war

Sie nickte, brachte es aber nicht fertig, groß zu lächeln. Sie verabschiedete sich schnell von den anderen und wünschte ihnen eine gute Nacht. Dann hob sie ihre beiden Rucksäcke vom Boden auf, faßte Richard unterm Arm und half ihm auf die Beine. Er hatte die Augen fest geschlossen und die Brauen vor Schmerzen zusammengezogen. Der Schmerz schien ein wenig nachzulassen. Er öffnete die Augen, atmete tief durch und marschierte mit ihr los über die unbebaute Fläche.

Die Schatten zwischen den Gebäuden waren tiefschwarz, doch der Mond schien und spendete ihnen genug Licht, um den Weg zu erkennen. Der Lärm des Festes hinter ihnen verklang, bis nur noch das leise Scharren von Richards Stiefeln auf dem trockenen Boden zu hören war.

Er richtete sich ein wenig auf. »Ich glaube, es hat schon nachgelassen.«

»Hast du oft Kopfschmerzen?«

Er lächelte sie im Schein des Mondes an. »Ich bin berühmt für meine Kopfschmerzen. Wie mir mein Vater erzählt hat, bekam meine Mutter immer dieselben Kopfschmerzen wie ich, so heftig, daß einem übel wird. Es ist, als hätte ich etwas in meinem Kopf, das herauswill.« Er nahm ihr seinen Rucksack ab und warf ihn über seine Schulter. »Diesmal ist es schlimmer als sonst.«

Sie traten aus den schmalen Gassen hinaus auf die weite, freie Fläche, die das Haus der Seelen umgab. Es stand allein im Mondschein, der von einem Ziegeldach zurückgeworfen wurde, bei dessen Konstruktion Richard dem Volk der Schlammenschen geholfen hatte. Aus dem Schornstein kräuselte sich Rauch.

Um die Ecke, neben der Tür, hockte eine Reihe Hühner auf einer niedrigen Mauer. Sie sahen interessiert zu, wie Kahlan die Tür für Richard aufzog, und erschraken leicht, als die Angeln quietschten. Als die beiden im Innern verschwanden, beruhigten sie sich wieder.

Richard ließ sich vor der Feuerstelle fallen. Kahlan holte eine Decke heraus, sagte ihm, er solle sich hinlegen, und schob ihm die zusammengefaltete Decke unter den Kopf. Er legte den Arm über die Augen, als sie sich mit gekreuzten Beinen neben ihn setzte.

Kahlan kam sich hilflos vor. »Ich denke, ich sollte Nissel holen gehen. Vielleicht kann eine Heilerin etwas für dich tun.«

Er schüttelte den Kopf. »Es wird schon gehen. Ich mußte nur fort von all diesem Lärm.« Er lächelte, den Arm immer noch über den Augen. »Ist dir jemals aufgefallen, was für schlechte Gäste wir sind? Jedesmal, wenn wir auf einer Feier sind, passiert irgend etwas.«

Kahlan dachte an die Zusammenkünfte zurück, die sie gemeinsam erlebt hatten. »Ich fürchte, du hast recht.« Sie strich ihm mit der Hand über die Brust. »Wahrscheinlich ist es das beste, wenn wir unter uns bleiben.«

Richard küßte ihre Hand. »Ich hätte nichts dagegen.«

Sie nahm seine große Hand in beide Hände, wollte seine Wärme spüren, während sie zusah, wie er sich ausruhte. Im Haus der Seelen war es bis auf das leise Knistern des Feuers totenstill. Sie lauschte seinem langsamen, gleichmäßigen Atem.

Nach einer Weile zog er seine Hand zurück und sah sie an. Der Schein des Feuers spiegelte sich in seinen Augen. Da lag etwas in seinem Gesicht, in seinen Augen; etwas, auf das ihr Verstand sie aufmerksam machte. Er sah aus wie jemand, dem sie einmal begegnet war, aber wer war es? Weit hinten in ihrer Erinnerung wurde ein Name geflüstert, den sie jedoch nicht recht verstand. Sie strich ihm die Haare aus der Stirn. Seine Haut fühlte sich nicht mehr ganz so kalt an.

Er setzte sich auf. »Mir ist gerade etwas eingefallen. Ich habe zwar die Ältesten um Erlaubnis gefragt, dich zu heiraten, aber nicht dich.«

Kahlan lächelte. »Stimmt, das hast du nicht.«

Plötzlich wirkte er verlegen und unsicher. Sein Blick schweifte umher. »Das war wirklich dumm von mir. Entschuldige. Das gehört sich nicht. Hoffentlich bist du nicht böse. Vermutlich bin ich nicht besonders geschickt in diesen Dingen. Es war das erste Mal.«

»Für mich auch.«

»Und wahrscheinlich ist dies auch nicht gerade der romantischste Ort für so etwas. Es hätte eine wunderschöne Gegend sein sollen.«

»Für mich ist der romantischste Ort der Welt da, wo du bist.«

»In deinen Augen sieht es bestimmt ziemlich albern aus, dir eine solche Frage zu stellen, während ich hier liege und Kopfschmerzen habe.«

»Wenn du mich nicht bald fragst, Richard Cypher«, sagte sie leise, »werde ich dich würgen, bis du es tust.«

Endlich trafen ihre Blicke sich, und er sah sie derart entschlossen an, daß es ihr fast den Atem raubte. »Kahlan Amnell, willst du mich heiraten?«

Zu ihrer eigenen Überraschung brachte sie kein Wort heraus. Sie schloß die Augen und küßte seine weichen Lippen, während eine Träne über ihre Wange rollte. Er schlang die Arme um sie und drückte sie fest gegen seinen heißen Körper. Als sie sich löste, war sie atemlos. Endlich fand sie die Stimme wieder. »Ja.« Sie küßte ihn noch einmal. »Ja, bitte.«

Kahlan legte ihm den Kopf auf die Schulter. Richard strich ihr sanft übers Haar, während sie seinem Atem und dem Knistern des Feuers lauschte. Er hielt sie zärtlich fest und gab ihr einen Kuß auf den Scheitel. Worte waren überflüssig. Sie fühlte sich in seinen Armen geborgen.

Kahlan ließ ihren Schmerzen freien Lauf: den Schmerzen, ihn mehr zu lieben als das Leben und dabei zu wissen, daß er bei den Mord-Sith Todesqualen erlitten hatte, bevor sie ihm sagen konnte, wie sehr sie ihn liebte; den Schmerzen, geglaubt zu haben, ihn nicht bekommen zu können, weil sie Konfessor war und ihre Kraft ihn zerstören könnte; der Qual, ihn so sehr zu brauchen und unkontrollierbar zu lieben.

Dann hatten sich ihre Qualen erschöpft, und an ihre Stelle trat die Freude darüber, was vor ihnen lag: ein ganzes Leben, das sie zusammen verbringen würden. Eine atemlose Aufregung ergriff von ihr Besitz. Sie klammerte sich an ihn, wollte mit ihm verschmelzen, eins mit ihm werden.

Kahlan lächelte. So würde die Ehe mit ihm sein: eins sein mit ihm, wie Zedd es ihr damals versprochen hatte — so, als hätte sie die andere Hälfte ihres Selbst gefunden.

Als sie endlich den Kopf hob, stand ihm eine Träne im Auge. Sie wischte sie ihm von der Wange, und er tat das gleiche bei ihr. Hoffentlich bedeuteten die Tränen, daß auch er seine Dämonen losgeworden war.

»Ich liebe dich«, flüsterte sie.

Richard zog sie fest an sich. Mit den Fingern zeichnete er eine Spur über leichten Erhebungen ihres Rückgrats.

»Es ist wirklich frustrierend, daß es keine besseren Worte als ›Ich liebe dich‹ gibt«, sagte er. »Sie kommen mir so unzureichend vor für das, was ich für dich empfinde. Es tut mir leid, daß ich keine schöneren Worte habe, um dir das zu sagen.«

»Die Worte genügen mir vollkommen.«

»Also gut. Ich liebe dich, Kahlan. Tausendmal, millionenmal, ich hebe dich. Für ewig.«

Sie lauschte dem Knicken und Knistern des Feuers, seinem Herzschlag. Ihrem eigenen Herzschlag. Er wiegte sie sanft. Am liebsten wäre sie für immer in seinen Armen geblieben. Plötzlich erschien ihr die Welt wunderbar.

Richard faßte sie an den Schultern und schob sie ein Stück zurück, damit er sie richtig ansehen konnte. Ein bezauberndes Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit. »Ich kann gar nicht glauben, wie schön du bist. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so schön ist wie du.« Er strich ihr mit der Hand übers Haar. »Ich bin so froh, daß ich dir damals nicht die Haare abgeschnitten habe. Du hast wundervolles Haar. Trag es nie anders.«