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»Komm!« sagte er zu der Frau. »Wir haben sie!«

Die Frau schloß sich den anderen an, und gemeinsam arbeiteten sie sich mühsam durch den Palast nach oben. Kahlan sah sich verwirrt um. Die Frau in dem Kapuzengewand war dieselbe, die vor ihr in Ohnmacht gefallen war — Jebra Bevinvier.

»Was wird hier eigentlich gespielt?« fragte Kahlan Jebra.

»Vergebt mir, Mutter Konfessor, weil ich in Ohnmacht gefallen bin. Ich hatte eine Vision, ich sah, wie man Euch enthauptet. Es war so grauenhaft, daß ich in Ohnmacht gefallen bin. Dann wurde mir klar, daß ich helfen muß, damit die Vision nicht Wahrheit wird. Ihr hattet mir erzählt, Ihr hättet einen Freund im Wald. Ich bin ihn holen gegangen.«

Sie drückten sich alle flach an eine Wand und warteten, bis eine Patrouille einen angrenzenden Raum passiert hatte. Als die Schritte der Soldaten verhallten, drehte Chandalen sich um und blickte Jebra wütend an.

»Was hast du dort mit diesem Mann getrieben?«

Sie blinzelte überrascht. »Er war der Hauptmann der Wachmannschaft. Er machte gerade mit einer ganzen Abteilung die Runde. Ich habe ihn überredet, die Wachen eine Weile fortzuschicken. Mir fiel nichts anderes ein, um zu verhindern, daß fünfzig Mann dir hier unten eine Falle stellen.«

Chandalen meinte knurrend, das ergäbe vielleicht sogar Sinn.

Während sie weiterrannten, erklärte Kahlan Jebra, sie sei sehr mutig gewesen. Sie wisse, wieviel Mut dazu gehöre. Jebra protestierte, sie sei keine Heldin und wolle auch keine sein.

An einer Kreuzung mit einem Gewölbegang wartete Fräulein Sanderholt. Kahlan stieß einen Schrei aus und schlang die Arme um die Frau. Fräulein Sanderholt streckte die bandagierten Hände aus.

»Nicht jetzt, Mutter Konfessor. Ihr müßt fliehen. Hier entlang ist die Luft rein.«

Als alles bereits in die Richtung stürzte, die Fräulein Sanderholt angegeben hatte, schlug Kahlan die entgegengesetzte Richtung ein. Sie machten kehrt und rannten ihr hinterher.

»Was tust du!« schrie Chandalen. »Wir müssen fliehen!«

»Ich muß etwas aus meinem Zimmer holen!«

»Was könnte wichtiger sein, als zu fliehen?«

»Das Messer deines Großvaters«, rief sie im Laufen.

Als ihnen klar wurde, daß sie ihre Meinung nicht ändern würde, folgten die vier ihr durch ein Labyrinth aus kleineren und weniger häufig benutzten Fluren. Mehrere Male stießen sie auf Wachen. Orsk hackte sie in Stücke, wenn sie Kahlan nachsetzen wollten.

Als sie am oberen Absatz einer Treppe um eine Ecke bogen, wirbelte ein überraschter Wachsoldat zu ihnen herum. Kahlan versenkte ihre Axt mit aller Kraft mitten in seiner Brust. Sein Schwert rutschte über den Boden, als er auf den Rücken stürzte.

Nachdem er zusammengebrochen war, stemmte Kahlan ihm einen Fuß auf seinen sich hebenden Bauch und versuchte, die Axt herauszubrechen. Blutbläschen schäumten hervor, doch die Axt saß in seinem Brustbein fest, daher griff sich Kahlan einfach das keltonische Schwert der Wache. Chandalen war verblüfft. Noch bevor sie ihr Gemach erreichten, hatte sie Gelegenheit, mit ähnlich tödlicher Wirkung von dem Schwert Gebrauch zu machen.

Die anderen warteten im Vorzimmer und versuchten, wieder zu Atem zu kommen, während sie ins Schlafzimmer eilte. Sie blieb wie erstarrt stehen, als sie ihr blaues Hochzeitskleid erblickte. Sie nahm es hoch und hielt es sich an. Deswegen war sie hergekommen. Sie hatte nicht die Absicht, jemals wieder an diesen Ort zurückzukehren und wollte es nicht zurücklassen. Kahlan vergoß eine Träne über das Kleid, rollte es zu einem festen Bündel zusammen und stopfte es in ihren Rucksack.

Man hatte alle anderen Sachen aus ihrem Rucksack ebenfalls gereinigt und für sie bereitgelegt. Sie stopfte sie in ihren Rucksack, nachdem sie sich das Knochenmesser um den rechten Arm gebunden hatte. Sie warf sich den Umhang um die Schultern. Hastig legte sie die Sehne des Bogens ein.

Sie eilte durch das Vorzimmer, Rucksack und Köcher auf dem Rücken, den Bogen über der Schulter. Jetzt hatte sie alles, was sie wollte. Alles, was ihr etwas bedeutete. Sie zögerte einen Augenblick, warf einen letzten Blick in ihr Gemach, während sie spielerisch den runden Knochen an ihrer Halskette drehte, dann führte sie die anderen nach draußen, einen Nebengang entlang. Sie hielt auf eine Tür zu, die hinausführte.

Sie zählte nicht, wie viele Männer Chandalen mit seiner troga oder seinem Messer tötete. Ein großer Wachmann kam aus einem Seitengang gestürzt und versuchte sie zu überrennen. Kahlan rannte ihm das Schwert in den Körper. Die vier bewegten sich unerbittlich wie der Tod durch den Palast. Im Turm läuteten wie wild die Alarmglocken.

Auf dem Absatz, der zur großen Treppe führte, köpfte Orsk einen Posten. Seine Leiche rollte die Stufen hinunter und hinterließ dabei eine Blutspur wie einen roten Teppich, den man für sie ausrollen wollte. Der kopflose Körper blieb hilflos zappelnd am Fuß einer Statue von Magda Searus liegen, der ersten Mutter Konfessor.

Sie liefen die steinernen Stufen hinunter. Ihr Lärm hallte durch die riesige Halle. Kurz bevor sie unten ankamen, riß ein plötzlicher, stechender Schmerz Kahlan die Füße unterm Körper weg. Die letzten Stufen stürzte sie hinunter. Die anderen riefen etwas und eilten zu ihr, wollten wissen, ob ihr etwas zugestoßen sei. Sie erklärte ihnen, sie sei nur gestolpert.

Sie war nicht nur gestolpert.

Kahlan nahm ihren Bogen von der Schulter und zeigte damit nach vorn. »Durch den Saal. Los, lauft durch den Saal. Biegt am Ende rechts ab. Ich hole euch ein. Los.«

»Wir lassen dich nicht zurück!« beharrte Chandalen.

»Ich habe gesagt, lauft.« Kahlan blieb trotz der brennenden Schmerzen in ihren Beinen stehen. »Bring sie auf Trab, Orsk, sofort. Ich folge euch später. Los, verschwindet schon!«

Orsk hob die Axt und knurrte. Die beiden anderen wichen zurück in den Saal, versuchten dabei, auf Kahlan einzureden. Sie beschwerten sich, sie hätten ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um sie zu retten, und würden sie jetzt nicht im Stich lassen.

»Orsk! Schaff sie hier raus!«

»Warum?« brüllten Chandalen und Jebra wie aus einem Mund.

Kahlan zeigte mit ihrem Bogen auf die andere Seite des riesigen Saales, nach oben in eine der hinteren Arkaden. Dort stand eine Gestalt. »Weil er euch sonst töten wird!«

»Wir müssen fliehen! Dich wird er auch umbringen!«

»Wenn er überlebt, wird er uns mit seiner Magie alle zur Strecke bringen und umbringen.«

Ein gelber Lichtblitz zuckte in hohem Bogen durch den weiten Saal. Steine stürzten krachend herab und verdeckten fast die Öffnung, wo die anderen standen.

Kahlan zog einen von Chandalens Pfeilen mit flacher Spitze aus dem Köcher.

»Mutter Konfessor!« kreischte Chandalen. »Den Schuß schaffst du nie! Den würde nicht einmal ich schaffen! Du mußt fliehen!«

Sie verschwieg, daß der Zauberer ihr schneidende Schmerzexplosionen durch den Körper jagte und sie nicht fliehen konnte. Sie konnte sich gerade mit letzter Kraft noch auf den Beinen halten. »Orsk! Schaff sie raus! Sofort! Ich komme nach!«

Ein weiterer Lichtblitz schleuderte weitere Steine umher und scheuchte die drei durch den Saal, angetrieben von Orsk.

Kahlan stellte ein Knie auf den Boden, um einen festen Stand zu haben, als sie den Pfeil einlegte. Sie zog die Sehne an ihre Wange. Die Pfeilspitze lag waagerecht in ihrem Blickfeld. Sie konnte Ranson kaum erkennen, so weit entfernt war er, zudem trübte der Schmerz ihren Blick.

Aber sie konnte ihn lachen hören, während er ungestüm magische Stöße durch ihren Körper jagte. Es klang wie Darken Rahls Lachen. Sie biß sich auf die Innenseite der Wangen, um die Schmerzen zu beherrschen, um den Schrei, der sich seinen Weg nach draußen bahnen wollte, zurückzuhalten. Ein stoßweises Wimmern ließ sich nicht unterdrücken.

»Die Mutter Konfessor als Bogenschützin?« rief er ihr von weitem zu. Sein Lachen wurde vom Gestein, daß sie umgab, zurückgeworfen. »Eure Freiheit war nur von kurzer Dauer, Mutter Konfessor. Hoffentlich war sie Euch das wert. Ihr werdet eine Menge Zeit in der Grube verbringen und darüber nachdenken können.«