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Ein donnerndes Krachen ertönte, ein Beben teilte die Luft und schleuderte die beiden auseinander. Richard landete an einem Rand der Lichtung auf dem Rücken, Liliana am gegenüberliegenden. Das Schwert der Wahrheit lag in der Mitte. Die Mriswiths und die andere Kreatur verschmolzen wieder mit den dunklen Schatten zwischen den Bäumen.

Richard rang keuchend nach Atem. Er setzte sich auf und schüttelte den Kopf. Die Statuette lag in der Mitte auf dem Boden, in der Nähe seines Schwertes. Das orangene Leuchten war erloschen.

Liliana kam mühelos, als würde sie schweben, auf die Beine. Es sah aus, als hätte eine unsichtbare Hand sie behutsam auf die Füße gestellt. Die Nackenhaare sträubten sich ihm, als er das sah.

Sie lächelte ihn voller Bosheit an. Richard hatte nie gedacht, daß Liliana zu einem derart widerlichen Grinsen fähig wäre. Die Zehen rollten sich in seinen Stiefeln ein.

»Ah, Richard, ich war ganz dicht davor. Ich habe noch nie etwas Vergleichbares erlebt. Du hast ja keine Vorstellung, wie herrlich das ist, was du besitzt. Aber ich werde es doch noch bekommen.«

Richard sah kurz nach beiden Seiten, um zu entscheiden, in welche Richtung er fliehen sollte. Er kam sich vor wie ein Narr, gleichzeitig aber überkam ihn das Gefühl eines schweren Verlustes. »Liliana, ich habe Euch vertraut. Ich dachte, Ihr mögt mich.«

Sie zog die Augenbrauen hoch. »Tatsächlich?« Das verhaltene Lächeln kehrte zurück. »Vielleicht hab’ ich das. Vielleicht habe ich es deshalb auf die angenehme Art versucht. Jetzt werden wir es auf die harte Tour machen.«

Richard sah sie ungläubig an. »Die harte Tour? Wie meint Ihr das?«

»Der Quillion, das war der leichte Weg. Ich habe vielen Männern ihre Gabe abgenommen. Doch du hast dich gewehrt, wo sie es nicht konnten. Jetzt muß ich dich bei lebendigem Leib häuten, um deine Gabe zu bekommen. Zuerst werde ich dich kampfunfähig machen. Und du wirst dabei hilflos zusehen.«

Sie strecke eine Hand aus. Ein Schwert kam hinter einer Eiche hervorgeschwebt, aus der Dunkelheit, und landete in ihrer Hand.

Mit einem schrillen Aufschrei stürzte sie über die Lichtung auf ihn zu. Ihr Schwert blinkte im Mondschein.

Ohne nachzudenken hob Richard seine Hand und rief sein Schwert und dessen Magie herbei. Die Reaktion erfolgte prompt. Der Zorn überflutete ihn. Er spürte, wie das Heft in seine Handfläche schlug, als Liliana mit ihrem Schwert ausholte. Das Schwert, die Magie, die Seelen, alles stand ihm bei. Er riß die Klinge hoch und blockierte ihren Schlag.

Benommen fragte sich Richard, wieso sein Schwert das ihre nicht zerbrach. Doch dann war er in Bewegung. Der Tanz mit dem Tod hatte begonnen.

Er konterte ihre Schläge, und sie die seinen. Er wich Attacken aus, die ihn eigentlich hätten treffen müssen, und sie vereitelte Angriffe, mit denen er sie hätte erwischen müssen. Sie wirbelte wie der Wind, parierte oft im allerletzten Augenblick. Er hatte das Gefühl, gegen einen Schatten anzukämpfen. Kein Mensch konnte sich so bewegen, wie sie es in diesem Augenblick tat. Nicht einmal er.

Hinter sich spürte er das grauenhafte Etwas. Er parierte den Stoß ihrer Klinge, riß das Schwert mit der Geschwindigkeit des Lichts herum. Einen Augenblick lang sah er ein Gewirr aus Reißzähnen, ein boshaft wütendes Funkeln, dann traf das Schwert auf etwas Festes, und was immer es gewesen war, es wurde bei seiner Vernichtung bis zur Unkenntlichkeit zerstört.

Er fühlte ihre Klinge kommen und machte einen Satz über den zusammensinkenden Koloß. Er rollte sich ab und kam auf die Füße und erwiderte ihren Angriff. Wieder und wieder hallte das Klirren von Stahl auf Stahl durch die Nachtluft.

Richard erkannte, daß ihre Klinge der seinen ähnlich sein mußte. Sie besaß eine Waffe, die dem Schwert der Wahrheit ebenbürtig war. Darüber hinaus beherrschte sie die Magie, wie er es sich nur erträumen konnte. Viel Zeit zum Träumen blieb ihm nicht.

Die Kämpfenden bahnten sich einen Weg quer über die Lichtung, und beide verausgabten sich mit aller verfügbaren Wut. Plötzlich sprang sie zurück und jagte einen Feuerstrahl in seine Richtung. Richard duckte sich im letzten Augenblick, und der Strahl flog vorbei und traf einen Baum. Der Stamm explodierte in einem Splitterregen. Die Baumkrone ging krachend neben ihm nieder, wobei einige der Äste ihn von den Füßen rissen.

Liliana schlug sich durch das Geäst, das so dick wie seine Arme war, um an ihn heranzukommen. Es zersplitterte wie zuvor der Stamm. Richard kam darunter hervorgekrochen und kämpfte sie zurück ins dichte Unterholz.

Während sie, einen steilen Hang hinuntersteigend, immer wieder aneinandergerieten, begann er, über ihre Taktik nachzudenken. Sie kämpfte voller Grimm, doch ohne Eleganz — wie ein Soldat im Kampf zwischen den Linien. Wie er darauf kam, wußte er nicht — vielleicht dank der Seelen aus der Magie seines Schwertes.

So wie sie ihn attackierte, in weitem Bogen um sich schlagend, war sie offen für eine gerade, schnelle Riposte. Richard bedrängte sie hart mit seinem Vorstoß, doch als es ihm endlich gelang, ihr einen Stoß in die Körpermitte zu versetzen, glitt dieser seitlich ab, dabei hätte er eigentlich treffen müssen. Irgend etwas schützte sie. Sie beherrschte die Magie auf eine Weise, die er nicht verstand.

Richard war erschöpft und kämpfte nur noch mit Hilfe der reinen Wut und Raserei seiner Magie. Sie schien nicht mal außer Atem zu sein. »Du hast keine Chance, Richard. Ich werde dich besiegen.«

»Wieso? Am Ende kannst du nicht gewinnen!«

»Ich werde meinen Lohn bekommen.«

Er duckte sich hinter einen Baum und entwischte so knapp einem Schlag, der das Holz in einem Splitterregen davonschleuderte. »Wenn du dem Hüter hilfst zu entkommen, wird er alles Leben verschlingen!«

»Glaubst du das wirklich? Da täuschst du dich. Er wird all die belohnen, die ihm dienen. Er wird mir Dinge gewähren, die der Schöpfer mir niemals gewähren könnte.«

Er stach nach ihr, doch das Schwert glitt seitlich an ihr ab. »Er belügt dich!«

Ihre Klinge verfehlte pfeifend sein Gesicht. In aller Ruhe und Bedachtsamkeit griff sie unerbittlich an. »Wir haben einen Handel abgeschlossen. Mein Eid besiegelt ihn.«

»Und Ihr glaubt tatsächlich, er wird sich an seinen Teil halten?«

»Schließ dich uns an, Richard, und ich werde dir die Herrlichkeit zeigen, die jene erwartet, die ihm dienen. Du könntest ewig leben!«

Richard sprang auf einen Fels. »Niemals!«

Sie hob den Kopf und sah ihn mit kalter Gleichgültigkeit an. »Ich dachte, dies würde vergnüglich werden, aber ich muß feststellen, daß ich mich zunehmend langweile.«

Liliana streckte schwungvoll eine Hand aus. Aus der Hand wand sich schlangelnd ein Blitz hervor, doch er war anders als alle Blitze, die er zuvor gesehen hatte.

Es war ein schwarzer Blitz.

Statt aus Hitze und einem Lichtblitz bestand er aus einer wellenförmigen Leere, die so dunkel war wie der Stein der Nacht, so dunkel wie die Kästchen der Ordnung, so finster wie der ewige Tod. Die schwach vom Mond beschienene Szene war im Vergleich dazu ein heller Sonnentag.

Richard wußte: Er hatte subtraktive Magie vor sich.

Liliana fegte mit dem schwarzen Blitz über den Fels unter seinen Füßen hinweg. Mühelos schnitt dieser eine scharfkantige Leere durch den Stein. Der Rest, auf dem er stand, sackte auf die untere Hälfte. Bis weit nach hinten gingen Bäume, die auf die gleiche Weise von eben diesem schwarzen Blitz getroffen worden waren, unter donnerndem Getöse krachend zu Boden.

Richard verlor den Halt und stürzte rücklings in den steilen Hang. Er rollte sich überschlagend den Hügel hinunter. Als er den ebenen Boden unten erreichte, breitete er die Arme aus, um sich zu bremsen, und wälzte sich augenblicklich auf den Rücken. Er hob den Kopf. Ihm stockte der Atem.

Liliana stand direkt über ihm, das Schwert mit beiden Händen erhoben. Er sah, wohin ihr Blick gerichtet war, und wußte, daß sie die Absicht hatte, ihm die Beine abzuhacken. Er erstarrte, als er sah, wie sich ihr Schwert zu senken begann.