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Sie lief zu Richard und schlang die Arme um ihn, als er sich keuchend nach vorn beugte. »Alles in Ordnung?«

Er drückte sie mit seiner freien Hand an sich und nickte. Sie hielt ihn lange Minuten fest, während die aufgebrachten Jäger mit den Fackeln sie umringten. Richard ließ das Schwert zurück in seine Scheide gleiten. Im Schein der Fackeln sah sie den häßlichen Riß an seinem Oberarm. Sie riß ein Stück von seinem Ärmel ab und wickelte es um die blutende Wunde.

Daraufhin wandte sie sich den Jägern zu, die alle mit schußbereitem Bogen oder einem Speer warteten. »Sind alle in Sicherheit?«

Chandalen trat in den Schein der Fackeln und sprach zu Kahlan. »Ich wußte, daß ihr Arger mit euch bringt.«

Sie erwiderte seinen harten Blick, schließlich dankte sie ihm und seinen Männern jedoch für den Versuch zu helfen.

»Kahlan, was war das für ein Untier? Und was in aller Welt hast du getan?« Richard sackte in sich zusammen.

Sie legte ihm den Arm um die Hüfte. »Man nennt sie Screelings, glaube ich. Und was ich getan habe, weiß ich selbst nicht ganz genau.«

»Screeling? Was ist ein …?«

Er preßte sich die Hände an die Schläfen, zuckte zusammen und schloß die Augen. Dann sank er auf die Knie. Kahlan konnte sein Gewicht nicht halten. Savidlin war zur Stelle und wollte nach ihm greifen, doch noch bevor er den Arm um Richard legen konnte, kippte Richard nach vorn aufs Gesicht. Er brüllte etwas in den Staub.

»Savidlin, hilf mir, ihn zurück ins Haus der Seelen zu schaffen, und schicke jemanden, der Nissel holen soll. Bitte sag ihnen, sie sollen sich beeilen

Savidlin brüllte, einer seiner Leute solle laufen und die Heilerin holen. Er und einige andere hoben Richard auf. Nur Chandalen, auf seinen Speer gestützt, sah zu.

Eine von Fackeln beschienene Prozession wand sich zurück zum Haus der Seelen. Savidlin und die Männer, die Richard trugen, begleiteten Kahlan ins Haus. Sie legten Richard vor dem Feuer ab und plazierten seinen Kopf vorsichtig auf eine Decke. Savidlin schickte seine Männer hinaus, blieb aber selbst bei ihr.

Kahlan kniete neben Richard nieder und befühlte mit zittriger Hand seine Stirn. Der Sucher war eiskalt und schweißgebadet und schien kaum mehr bei Bewußtsein zu sein. Sie biß sich auf die Lippe und versuchte, nicht loszuheulen.

»Nissel wird ihn wieder auf die Beine bekommen«, versuchte Savidlin sie zu beruhigen. »Du wirst sehen. Sie ist eine gute Heilerin. Sie wird wissen, was zu tun ist

Kahlan konnte nur nicken. Richard murmelte Unverständliches und warf den Kopf hin und her, als suchte er nach einer Stellung, die ihm keinen Schmerz bereitete.

Sie saßen schweigend da, bis Savidlin fragte: »Mutter Konfessor, was war das gerade? Wie hast du diesen Blitz erzeugt?«

»Wie ich es gemacht habe, weiß ich nicht genau. Aber es ist ein Teil der Zauberkraft eines Konfessors. Man nennt es Con Dar

Savidlin musterte sie eine Weile, während er dahockte und die sehnigen Arme um die Knie geschlungen hatte. »Ich wußte nicht, daß Konfessoren den Blitz herbeizaubern können

Sie sah ihn an. »Ich weiß es selbst erst seit ein paar Tagen

»Und was war dieses schwarze Ungeheuer?«

»Möglicherweise eine Kreatur aus der Unterwelt

»Vom selben Ort, wo damals auch die Schatten herkamen?« Kahlan nickte. »Und warum sollte es ausgerechnet jetzt auftauchen?«

»Tut mir leid, Savidlin, aber darauf weiß ich keine Antwort. Aber wenn noch weitere kommen, dann sag deinen Leuten, sie sollen sich langsam gebend rückwärts von ihnen entfernen. Bleibt weder stehen, noch lauft fort. Geht einfach weg und holt mich

Er dachte schweigend über ihre Worte nach. Schließlich öffnete sich quietschend die Tür, und eine gebückte Gestalt, flankiert von zwei Fackelträgern, kam herein. Kahlan sprang auf, lief ihr entgegen und ergriff ihre Hand. »Nissel, danke, daß du gekommen bist

Nissel tätschelte lächelnd ihre Schulter. »Wie geht es seinem Arm, Mutter Konfessor?«

»Er ist verheilt. Das hat er dir zu verdanken. Nissel, irgend etwas stimmt mit Richard nicht. Er hat fürchterliche Kopfschmerzen…«

Nissel lächelte. »Ja, Kind. Wir werden ihn uns einmal ansehen

Einer der beiden Männer in Nissels Begleitung reichte ihr einen Stoffbeutel, während sie sich neben Richard hinkniete. Die Gegenstände im Beutel stießen klirrend aneinander, als sie ihn auf den Boden legte. Sie bat den Mann, die Fackel herbeizuschaffen. Dann nahm sie den blutigen Verband ab und drückte die Wunde mit den Daumen auseinander. Nissel warf einen Blick auf Richards Gesicht, um zu sehen, ob er es gespürt hatte. Er hatte nichts gemerkt.

»Ich werde mich zuerst um die Wunde kümmern, solange er noch schläft

Sie reinigte den klaffenden Schnitt und vernähte ihn, während Kahlan und die drei Männer schweigend zusahen. Die Fackeln fauchten und zischten und tauchten das Innere des fast leeren Seelenhauses in ein grelles, flackerndes Licht. Auf den Seitenborden verfolgten die Schädel zusammen mit allen anderen das Geschehen.

Gelegentlich beim Nähen vor sich hin murmelnd, schloß Nissel die Wunde, legte eine nach Kiefernpech duftende Packung darauf und umwikkelte den Arm mit einer frischen Bandage. Sie kramte in ihrer Tasche und sagte den Männern, sie könnten gehen. Savidlin legte Kahlan im Vorbeigehen die Hand mitfühlend auf die Schulter und meinte, sie würden sich am nächsten Morgen sehen.

Als sie gegangen waren, unterbrach Nissel ihr Herumgekrame und sah zu Kahlan hoch. »Wie ich höre, willst du den Mann hier ehelichen.« Kahlan nickte. »Ich dachte, du dürftest niemanden liehen, weil du Konfessor bist und deine Kraft ihn überwältigen würde … wenn ihr Kinder zeugt

Kahlan lächelte die Heilerin über Richard hinweg an. »Richard ist etwas Besonderes. Er besitzt magische Kräfte, die ihn vor meiner Kraft beschützen.« Die beiden hatten Zedd versprochen, niemals die Wahrheit preiszugeben: daß es seine Liebe für sie war, die ihn beschützte.

Nissel lächelte und legte Kahlan ihre wettergegerbte Hand auf den Arm. »Ich freue mich für dich, Kind.« Sie beugte sich nach hinten zu ihrer Tasche und holte schließlich einige kleine, verstöpselte Fläschchen hervor. »Hat er diese Kopfschmerzen häufiger?«

»Er hat mir gesagt, daß er manchmal üble Kopfschmerzen bekommt, aber das hier ist etwas anderes, es ist schmerzhafter, so als wollte etwas aus seinem Kopf heraus. Er meinte, etwas Vergleichbares hätte er noch nicht erlebt. Glaubst du, du kannst ihm helfen?«

»Wir werden sehen.« Sie entkorkte ein Fläschchen nach dem anderen und hielt sie ihm der Reihe nach wedelnd unter die Nase. Eins von ihnen riß Richard schließlich aus dem Schlaf. Nissel schnupperte selbst an dem Fläschchen, um zu sehen, was es war. Sie nickte, murmelte etwas und griff ein weiteres Mal in ihren Beutel.

»Was ist denn?« stöhnte Richard.

Kahlan beugte sich vor und küßte ihn auf die Stirn. »Nissel wird etwas gegen deine Kopfschmerzen tun. Beweg dich nicht

Richard bäumte sich auf und kniff vor Schmerz die Lider zusammen. Er preßte sich die zitternden Fäuste an die Schläfen.

Die Heilerin drückte mit den Fingern sein Kinn nach unten, zwang ihn, den Mund zu öffnen, und verabreichte ihm mit der anderen Hand ein paar kleine Blätter. »Sag ihm, er soll kauen. Immer weiter

»Sie meint, du sollst die Blätter kauen. Sie werden dir helfen.«

Richard nickte und rollte sich beim Kauen vor Schmerzen auf die Seite. Kahlan kämmte ihm mit den Fingern die Haare nach hinten. Sie kam sich hilflos vor und hätte gern mehr für ihn getan. Es machte ihr angst mitanzusehen, wie er sich quälte.