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Savidlin bohrte mit der Spitze seines Messers eine kleine Vertiefung, dann packte er den Zahn mit den Zehen und setzte sich auf den Boden. In das Loch streute er ein paar Sandkörner, dann drückte er den Stab hinein. Er spuckte in die Hände und zwirbelte den Stab rasch zwischen seinen Händen hin und her, wobei er gelegentlich eine kleine Pause einlegte, um ein paar Sandkörner nachzulegen und ein wenig Speichel in die Vertiefung zu schmieren. Es dauerte nicht lange, und er hatte den Zahn vollständig durchbohrt. Mit dem Messer säuberte er die rauhe Öffnung, wo der Bohrer auf der anderen Seite des Zahns durchgedrungen war, dann hielt er ihn grinsend in die Höhe, so daß alle das Loch sehen konnten. Richard lachte und bedankte sich bei ihm. Dann zog er ein Lederband durch den Zahn und hängte ihn sich um den Hals — neben die Pfeife des Vogelmannes und den Strafer der Mord-Sith.

Er hatte schon einiges beisammen. Wenn ihm auch nicht alles gefiel.

Savidlin wischte seine Schale mit einem Stück Tavabrot aus und fragte: »Geht es deinem Kopf schon besser?«

»Ein wenig, aber es tut noch immer höllisch weh. Nissels Blätter helfen. Es ist mir peinlich, daß man mich gestern abend zurücktragen mußte.«

Savidlin lachte. »Ich wurde auch einmal böse verwundet, hier.« Er zeigte auf eine bogenförmige Narbe an seiner Seite. »Ich wurde von Frauen nach Hause getragen.« Er beugte sich vor und hob eine Braue. »Frauen!« Weselan warf ihm einen tadelnden Blick zu. Er tat, als würde er es nicht bemerken. »Meine Männer haben herzlich darüber gelacht, als sie herausfanden, daß Frauen mich nach Hause getragen hatten.« Er stopfte sich den letzten Bissen Tavabrot in den Mund und kaute einige Minuten. »Dann habe ich ihnen erzählt, welche Frauen mich nach Hause getragen haben, und sie hörten auf zu lachen und wollten wissen, wie sie sich auch so eine Wunde holen konnten, um von denselben Frauen nach Hause getragen zu werden

»Savidlin!« wies sie ihn empört zurecht. An die anderen gewandt, meinte sie: »Wenn er nicht schon eine Wunde gehabt hätte, ich hätte ihm eine verpaßt. Und zwar eine ordentliche

»Und woher hattest du diese Verwundung?« erkundigte sich Richard.

Savidlin zuckte mit den Achseln. »Wie ich meinen Männern gesagt habe: es war ganz einfach. Man braucht nur wie ein erschrockenes Kaninchen dazustehen, während ein Eindringling einen mit einem Speer durchbohrt

»Und wieso hat er dich nicht getötet?«

»Weil ich ihm ein paar Zehnschrittpfeile verpaßt habe.« Er deutete auf seine Kehle. »Und zwar hier

»Was ist ein Zehnschrittpfeil?«

Savidlin griff neben sich und zog einen spitzen, mit Federn versehenen Pfeil aus seinem Köcher. »Das ist einer. Siehst du den dunklen Fleck? Das ist Gift. Zehnschrittgift. Wirst du davon getroffen, hast du nur noch zehn Schritte, dann bist du tot.« Er lachte. »Daraufhin beschlossen meine Männer, sich etwas anderes zu überlegen, damit die Frauen sie auf Händen tragen

Weselan beugte sich vor und stopfte ihrem Gatten den Rest des Tavabrotes in den Mund. An Kahlan gewandt, meinte sie: »Männer erzählen sich gern die schrecklichsten Geschichten.« Sie setzte ein verlegenes Lächeln auf. »Aber ich habe mich um ihn gekümmert, bis er wieder gesund war. Ich wußte, daß es soweit war, als er zu mir kam und Siddin zeugte. Danach brauchte ich mir keine Sorgen mehr zu machen

Kahlan hatte übersetzt, bevor ihr die Bedeutung der Worte bewußt wurde. Sie fühlte, wie ihr die Ohren brannten. Anstatt Richard ins Gesicht zu sehen, konzentrierte sie sich ganz auf ihren Brei. Sie war froh, daß das Haar wenigstens ihre Ohren verdeckte.

Savidlin sah Richard mit dem Blick des gekränkten Mannes an. »Auch Frauen erzählen sich gern Geschichten

Kahlan bemühte sich verzweifelt, das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken. Ihr fiel nichts ein. Zum Glück gelang das Savidlin. Er lehnte sich zurück und schaute zur Tür hinaus.

»Bald ist es Zeit zum Aufbruch

»Woher weißt du, wann wir aufbrechen müssen?«

Savidlin zuckte mit den Achseln. »Ich bin hier, ihr seid hier, einige meiner Männer sind hier. Wenn alle hier sind, dann ist es Zeit aufzubrechen

Savidlin ging in eine Ecke und holte einen Bogen, der größer war als der, den Kahlan ihn zuvor hatte benutzen sehen. Größer, weil er für Richard war. Unter Zuhilfenahme seines Fußes gelang es Savidlin, die Sehne des Bogens zu spannen.

Richard strahlte über das ganze Gesicht. Er erklärte Savidlin, dies sei der beste Bogen, den er je gesehen hätte. Savidlin strahlte vor Stolz und überreichte ihm einen Köcher mit Pfeilen.

Richard testete die Spannung. »Woher wußtest du, wie stark du ihn spannen mußtest? Er ist genau richtig.«

Savidlin zeigte auf sein Kinn. »Ich habe mich daran erinnert, wie groß dein Respekt für meine Kraft bei unseren ersten Treffen war. Für mich ist er zu stark gespannt, aber nach meiner Schätzung war er genau richtig für dich

Kahlan stand auf und stellte sich neben Richard. »Willst du wirklich mit? Wie geht es deinem Kopf?«

»Schrecklich. Aber ich habe die Blätter, sie helfen ein wenig. Ich denke, es wird gehen. Savidlin freut sich darauf. Ich möchte ihn nicht enttäuschen.«

Sie strich ihm mit der Hand über die Schulter. »Soll ich mitkommen?«

Richard gab ihr einen Kuß auf die Stirn. »Ich glaube, ich brauche niemanden, der mir übersetzt, wie niederschmetternd ich geschlagen werde. Außerdem will ich Chandalens Männern keine Gelegenheit bieten, mich mehr zu demütigen, als sie es ohnehin tun werden.«

»Zedd hat mir erzählt, du seist recht gut. Genaugenommen meinte er sogar, du wärst besser als gut.«

Richard warf Savidlin, der gerade den eigenen Bogen spannte, einen heimlichen Seitenblick zu. »Es ist lange her, seit ich mit dem Bogen geschossen habe. Ich wette, Zedd wollte nur ein wenig mit mir angeben.«

Er gab ihr heimlich einen Kuß, während Savidlin seine Arbeit am Bogen beendete. Dann begleitete er ihn nach draußen. Kahlan lehnte am Türrahmen. Sie spürte seine Lippen noch, als sie ihm hinterhersah.

Chandalen verriet keine Regung, als er von einem seiner Pfeile aufsah, an dem er gerade prüfend entlanggeblickt hatte. Prindin und Tossidin hatten ein verlegenes Lächeln aufgesetzt. Sie freuten sich auf das, was nun folgen würde. Richard sah sich kurz um und blickte im Vorübergehen allen Männern in die Augen. Sie schlossen sich ihm einer nach dem anderen an. Er war einen guten Kopf größer als der größte von ihnen. Sie sahen aus wie eine Gruppe von Kindern, die einem Erwachsenen hinterherliefen. Aber diese Kinder besaßen vergiftete Pfeile, und ein paar von ihnen waren Richard nicht besonders wohlgesonnen. Plötzlich kamen Kahlan Bedenken.

Weselan stand neben ihr und verfolgte den Aufbruch der Männer.

»Savidlin hat versprochen, Richard zu beschützen. Mach dir keine Sorgen. Chandalen wird keine Dummheiten machen

»Ich mache mir eher Sorgen, was Chandalen sich unter einer Dummheit vorstellt

Weselan wischte sich die Hände an einem Lappen ab und ging zurück, um auf Siddin aufzupassen. Siddin wollte nach draußen. Er hockte auf dem Boden, polkte mit dem Finger zwischen den Dielen und tat beleidigt, weil seine Mutter wollte, daß er drinnen bleibt. Weselan stand lange über ihm und sah ihn an. Er hob den Kopf, das Kinn in eine Hand gelegt. Sie verpaßte ihm einen sachten Klaps mit dem Lappen.

»Na los, geh nach draußen und spiel.« Seufzend sah Weselan ihm nach, wie er freudestrahlend durch die Tür nach draußen jagte. Sie schüttelte den Kopf. »Kinder wissen nicht, wie wertvoll das Leben ist. Und wie zerbrechlich