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»Vielleicht wollen wir alle deswegen wieder Kinder sein

Weselan nickte. »Gut möglich.« Ein freundliches Lächeln überzog ihr sonnengebräuntes Gesicht. Ihre dunklen Augen funkelten. »Welche Farbe möchtest du tragen, wenn du deinen Mann heiratest?«

Kahlan warf sich mit beiden Händen das Haar über die Schultern und dachte einen Augenblick lang nach. Dann kam ein Lächeln aus der Tiefe ihres Inneren hervor. »Richard mag Blau am liebsten

Weselan faltete die Hände. »Oh, dann wäre das genau das richtige. Ich habe genau das Passende für dich. Ich habe es für eine besondere Gelegenheit aufgehoben

Sie ging in ihr kleines Schlafzimmer und kam mit einem Ballen Stoff zurück. Sie setzte sich zu Kahlan auf die Bank und faltete ihn vorsichtig auf ihrem Schoß auseinander. Das Tuch war fein gewoben, tiefblau und mit einem Blumenmuster in einem helleren Blau bedruckt. Bestimmt ließ sich daraus ein entzückendes Kleid machen.

Kahlan probierte den Stoff zwischen Daumen und Zeigefinger. »Er ist wundervoll. Woher hast du ihn?«

»Ich habe ihn getauscht.« Sie deutete mit einer Handbewegung über ihren Kopf. »Bei Leuten aus dem Norden. Ihnen gefallen die Schalen, die ich mache. Dagegen habe ich ihn eingetauscht

Kahlan erkannte einen feinen Stoff, wenn sie ihn vor sich hatte. Weselan mußte viele Schalen dafür eingetauscht haben. »Es wäre mir unangenehm, ihn zu verwenden, Weselan. Du hast hart dafür gearbeitet. Er gehört dir

Weselan hielt die Ecken des blauen Tuchs in die Höhe und musterte es kritisch. »Unsinn. Ihr beide kommt zu uns und zeigt unserem Volk, wie man Dächer baut, die kein Wasser durchlassen. Ihr rettet Siddin vor diesen Schattenwesen und befreit uns dabei gleich noch von einem alten Narren, wodurch Savidlin zu einem der sechs Ältesten werden kann. Er war noch nie so glücklich. Als Siddin verschleppt wird, findet ihr ihn und bringt ihn zurück zu uns. Ihr vernichtet den Mann, der uns zu Sklaven gemacht hätte. Ihr beide seid zu Beschützern unseres Volkes geworden. Was ist dagegen ein Stück Stoff?

Ich werde stolz darauf sein, daß die Mutter Konfessor der gesamten Midlands in einem Kleid heiratet, das ich genäht habe. Ich, eine einfache Frau. Für dich, meine Freundin, die aus der Ferne kommt, wo es so großartige Dinge gibt, die ich mir nicht einmal erträumen kann. Du nimmst mir dadurch nichts. Du schenkst mir etwas

Kahlan traten die Tränen in die Augen. Ihre Unterlippe bebte. »Du weißt gar nicht, welche Freude du mir damit machst, Weselan. Konfessor zu sein, heißt, gefürchtet zu werden. Mein ganzes Leben lang haben die Menschen mich gefürchtet, sind mir aus dem Weg gegangen. Niemand hat mich einfach nur als Frau behandelt, mit mir als Frau gesprochen. Immer nur als Konfessor. Vor Richard hat mich niemand als Mensch gesehen. Vor dir hat noch keine Frau mich in ihrem Heim willkommen geheißen. Keine Frau hat mich jemals ihr Kind halten lassen.« Sie wischte sich die Tränen von der Wange. »Es wird das allerschönste Kleid sein, das ich je getragen habe, das meistgeliebte Kleid, das ich je besitzen werde. Ich werde voller Stolz sagen, daß eine Freundin es für mich genäht hat

Weselan sah sie von der Seite an. »Wenn dein Mann dich in diesem Kleid sieht, wird er dir ein Kind machen

Kahlan lachte und weinte und drückte Weselan an sich. Sie hätte sich niemals träumen lassen, daß sie je so etwas erleben würde, daß man sie je anders denn als Konfessor behandelte.

Kahlan und Weselan verbrachten den größten Teil des Vormittags damit, die ersten Vorbereitungen für das Kleid zu treffen. Weselan schien ebenso aufgeregt zu sein, das Kleid zu nähen, wie Kahlan, es zu tragen. Selbst die Näherinnen in Aydindril hätten es nicht besser machen können als Weselan mit ihren feinen Knochennadeln. Sie einigten sich auf einen einfachen Schnitt in der Form eines Miederkleides.

Zu Mittag nahmen sie eine leichte Mahlzeit aus Tavabrot und Hühnerbrühe zu sich. Weselan wollte später an dem Kleid weiterarbeiten und erkundigte sich, was Kahlan am Nachmittag vorhatte. Kahlan meinte, sie würde sehr gern etwas kochen.

Bei ihren offiziellen Besuchen hatte Kahlan niemals Fleisch gegessen, denn sie wußte, daß die Schlammenschen Menschenfleisch aßen, ihre Feinde verspeisten, um deren Wissen zu erlangen. Um sie nicht zu kränken, hatte sie sich immer darauf herausgeredet, daß sie kein Fleisch esse. Am Abend zuvor hatte Richard eigenartig auf Fleisch reagiert, daher war Kahlan einverstanden, als Weselan einen Gemüseeintopf vorschlug.

Die beiden schnitten Tava klein, ein paar andere rostfarbene Wurzeln, die Kahlan nicht kannte, Paprika, Bohnen, etwas nussiges Kuru, dann gaben sie Suppengrün und Trockenpilze in den großen Eisenkessel, der über dem Feuer in der Kochecke hing. Weselan schob ein paar Hartholzäste ins Feuer und erklärte Kahlan, die Männer wären wohl nicht vor Einbruch der Dunkelheit zurück. Sie schlug vor, zusammen mit den anderen Frauen in den Gemeindebereich zu gehen und in den Öfen dort etwas Tavabrot zu backen.

»Sehr gern«, meinte Kahlan.

»Wir werden uns mit ihnen über die Hochzeit unterhalten. Plaudereien über Hochzeiten sind immer unterhaltsam.« Sie lächelte. »Besonders, wenn keine Männer in der Nähe sind

Kahlan stellte erfreut fest, daß die jungen Frauen jetzt mit ihr sprachen. Früher waren sie immer zu schüchtern gewesen. Die älteren Frauen wollten sich über die Hochzeit unterhalten. Die jüngeren über ferne Länder. Sie wollten wissen, ob es tatsächlich stimmte, daß Männer ihren Anweisungen folgten, daß sie taten, was immer sie verlangte.

Mit großen Augen lauschten sie, wie Kahlan ihnen vom Zentralrat erzählte und wie sie die Interessen von Völkern wie dem der Schlammenschen vor der Bedrohung einer Invasion mächtigerer Länder beschützte, damit die Schlammenschen und andere, kleinere Gemeinschaften so leben konnten, wie sie es wollten. Sie erklärte, daß sie zwar Menschen befehligen konnte, sie dies aber nur deshalb tat, weil sie Dienerin sämtlicher Völker war. Als sie gefragt wurde, ob sie Armeen von Männern in der Schlacht befehlige, erklärte Kahlan, so könne man das nicht verstehen. Ihr Tun hatte den Sinn, den verschiedenen Ländern bei der Zusammenarbeit zu helfen, damit es nicht zu Kriegen käme. Sie wollten wissen, wie viele Diener sie hatte und welche phantastischen Kleider sie besaß. Die Fragerei machte die älteren Frauen nervös, und Kahlan wurde zunehmend gereizt.

Sie klatschte einen Teigklumpen auf das Brett und wirbelte eine Mehlwolke auf. Dann sah sie den jüngeren Frauen in die Augen.

»Das schönste Kleid, das ich je besitzen werde, ist das, das Weselan für mich näht, und zwar, weil sie es aus Freundschaft tut und nicht, weil ich es ihr befohlen habe. Es gibt keinen wertvolleren Besitz als Freundschaft. Für einen einzigen Freund würde ich alles geben, was ich besitze

Danach waren die jungen Frauen still, und die älteren schienen beruhigt. Der Tratsch kreiste wieder um das Thema Hochzeit, und Kahlan war froh darüber. Sie versuchte, sich herauszuhalten, und überließ den älteren Frauen die Richtung des Gesprächs.

Gegen Ende des Nachmittags bemerkte Kahlan eine Bewegung auf der anderen Seite des Feldes. Sie sah eine größere Gestalt, Richard, der sich mit großen Schritten Savidlins und Weselans Haus näherte.

Selbst aus dieser Entfernung konnte sie erkennen, daß er wütend war. Eine Gruppe Jäger folgte ihm dicht auf den Fersen und verfiel gelegentlich in einen Trab, um Schritt halten zu können.

Kahlan wischte ihre mehligen Hände an einem Lappen ab. Sie warf das Tuch auf einen Tisch, dann verließ sie den Dielenboden unter dem Schutzdach und lief das Stück hinüber zu den Männern. Sie schloß zu ihnen auf, als sie gerade in einem breiten Durchgang verschwanden.