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»Der Su…«, hätte Schwester Elizabeth fast laut gerufen. »Du bist der Sucher?«

Die drei sahen sich wieder an.

»Sagt, was Ihr von mir wollt«, verlangte Richard. »Und zwar sofort.«

Diesmal war es Schwester Grace, die ungeduldig Luft holte. »Richard, wir sind nicht hier, um dir Schaden zuzufügen. Machen dir drei Frauen so sehr angst?«

»Selbst eine Frau ist Grund genug, Angst zu bekommen. Das habe ich in einer bitteren Lektion gelernt. Ich habe keine törichten Hemmungen mehr, Frauen umzubringen. Zum letzten Maclass="underline" sagt, was Ihr von mir wollt, oder die Unterredung ist beendet.«

Ihr Blick fiel auf den Strafer an seinem Hals. »Ja, wir sehen, daß du einige Lektionen gelernt hast.« Ihr Ausdruck wurde etwas versöhnlicher. »Richard, du brauchst unsere Hilfe. Wir sind gekommen, weil du die Gabe besitzt.«

Richard blickte jeder einzeln ins Gesicht, bevor er etwas erwiderte. »Man hat Euch völlig falsch unterrichtet. Weder besitze ich die Gabe, noch will ich irgend etwas damit zu schaffen haben.«

Er ließ das Schwert zurück in die Scheide gleiten. »Es tut mir leid, daß Ihr umsonst von so weit her gekommen seid.« Er nahm Kahlans Arm. »Die Schlammenschen mögen keine Eindringlinge. Die Spitzen ihrer Waffen sind vergiftet, und sie zögern nicht, sie zu gebrauchen. Ich werde ihnen sagen, daß man Euch freies Geleit gewähren soll. Ich rate Euch, ihre Geduld nicht auf die Probe zu stellen.«

Richard führte Kahlan am Arm zur Tür. Sie spürte den Zorn, den er verstrahlte, sah seinen Augen an, wie verärgert er war, aber auch noch etwas anderes: seine Kopfschmerzen. Sie sah, unter welchen Qualen er litt.

»Die Kopfschmerzen werden dich töten«, meinte Schwester Grace ruhig.

Richard erstarrte auf der Stelle. Er atmete schwer, sein Blick war nach vorn ins Leere gerichtet. »Ich habe mein ganzes Leben Kopfschmerzen gehabt. Ich bin daran gewöhnt.«

»Aber nicht an solche«, fügte Schwester Grace hinzu. »Das sehen wir deinen Augen an. Wir sehen darin die Kopfschmerzen der Gabe. Das ist unsere Aufgabe.«

»Es gibt hier eine Heilerin, die sich darum kümmert. Sie ist sehr gut. Sie hat mir bereits geholfen, und ich bin zuversichtlich, daß sie mich von ihnen kurieren wird.«

»Das kann sie nicht. Das kann niemand außer uns. Wenn du dir nicht von uns helfen läßt, werden dich deine Kopfschmerzen töten. Deshalb sind wir hier: um dir zu helfen, nicht, um dir Schaden zuzufügen.«

Richard griff nach dem Riegel der Tür. »Um mich braucht Ihr Euch nicht zu sorgen. Ich bin mit der Gabe nicht gestraft. Bei mir ist alles bestens. Eine gute Reise, meine Damen.«

Kahlan legte ihm sacht die Hand auf den Arm und hinderte ihn daran, den Riegel zu ergreifen. »Richard«, sagte sie leise. »Vielleicht sollten wir sie wenigstens anhören. Was kann es schaden, ihnen zuzuhören? Du könntest etwas erfahren, was dir gegen deine Kopfschmerzen hilft.«

»Ich besitze diese Gabe nicht! Ich will nichts zu schaffen haben mit Magie! Magie hat mir nichts als Ärger eingebracht, nichts als Qualen. Ich besitze die Gabe nicht, und ich will sie nicht besitzen.«

Er griff erneut nach dem Riegel. »Und vermutlich willst du uns auch weismachen, deine Eßgewohnheiten hätten sich nicht plötzlich verändert«, sagte Schwester Grace. »Sagen wir, erst in den letzten Tagen.«

Richard blieb erneut wie festgefroren stehen. »Jeder bevorzugt mal dieses und mal jenes.«

»Hat dich irgend jemand im Schlaf beobachtet?«

»Was?«

»Wer dich im Schlaf beobachtet hat, wird bemerkt haben, daß du jetzt mit offenen Augen schläfst.«

Kahlan fühlte, wie sie ein kaltes Frösteln überlief. Allmählich wurden ihr die Zusammenhänge klar. Alle Zauberer hatten seltsame, eigene Eßgewohnheiten, und manchmal schliefen sie mit offenen Augen, selbst die, die die Gabe nicht besaßen. Bei denen, die wie Zedd die Gabe hatten, kam es häufiger vor.

»Ich schlafe nicht mit offenen Augen. Ihr täuscht Euch.«

»Richard«, meinte Kahlan leise, »vielleicht sollten wir doch anhören, was sie zu sagen haben.«

Er blickte sie an, als wollte er sie bitten, ihm aus dieser Sache herauszuhelfen. Als flehte er sie um Hilfe an. »Ich schlafe nicht mit offenen Augen.«

»Doch, das tust du.« Sie legte ihm die Hand auf den Arm. »Als wir Darken Rahl aufhalten wollten, habe ich dich über Monate hinweg im Schlaf beobachtet. Auf Wache habe ich dich oft schlafen sehen. Erst seit wir D’Hara verlassen haben, schläfst du wie Zedd mit offenen Augen.«

Richard kehrte den drei Frauen noch immer den Rücken zu. »Was wollt Ihr? Wie könnt Ihr mir bei meinen Kopfschmerzen helfen?« rief er über die Schulter.

»Wenn wir darüber reden sollen, dann ganz bestimmt nicht mit deinem Hinterkopf.« Schwester Verna klang, als hätte sie es mit einem trotzigen Kind zu tun. »Du wirst uns den gebührenden Respekt erweisen.«

Richard gegenüber war das in diesem Augenblick genau der falsche Ton. Er riß die Tür auf, ging hinaus und schlug die Tür hinter sich zu. Kahlan dachte, sie würde aus den Angeln brechen. Was sie zu ihm gesagt hatte, tat ihr im Herzen weh. Sie sollte zu ihm halten, das wollte er von ihr: er war nicht in der Stimmung, sich die Wahrheit anzuhören.

Sein Verhalten verwirrte sie. Normalerweise ging er der Wahrheit nicht aus dem Weg. Aber irgend etwas erfüllte ihn mit einer Todesangst. Sie drehte sich um und sah die drei Frauen an.

Schwester Grace faltete die Hände auseinander und ließ die Arme locker an den Seiten hängen. »Dies ist kein Spiel, Mutter Konfessor. Er wird sterben, wenn wir ihm nicht helfen. Er hat nicht mehr viel Zeit.«

Kahlan nickte. Ihr Zorn war verflogen und hatte einer traurigen Leere Platz gemacht. »Ich werde gehen und mit ihm sprechen«, meinte sie mit leiser Stimme, die in dem großen Raum fast verlorenging. »Bitte wartet hier. Ich hole ihn zurück.«

Richard hockte auf dem Boden und lehnte an der niedrigen Mauer, neben der Kerbe, die er vergangene Nacht, als der Screeling aufgetaucht war, mit seinem Schwert hineingeschlagen hatte. Er stützte die Ellenbogen auf die Knie und hielt die Hände mit verschränkten Fingern über seinem Kopf. Er sah nicht auf. Kahlan setzte sich neben ihn.

»Du hast im Augenblick ziemliche Kopfschmerzen, hab’ ich recht?«

Er nickte. Sie rupfte einen vertrockneten Grashalm aus, hielt ihn zwischen ihren Händen und stützte ihre Unterarme auf die Knie. Als hätte sie ihn an etwas erinnert, nahm er ein paar Blätter aus seiner Tasche und stopfte sie sich in den Mund.

Kahlan zupfte ein Blatt vom Stengel. »Sag mir, Richard, wovor hast du Angst?«

Er kaute einen Augenblick auf den Blättern herum, dann hob er den Kopf und lehnte sich zurück. »Weißt du noch, als der Screeling kam und ich ihn gespürt habe und du meintest, ich hätte ihn vielleicht nur gehört?« Sie nickte. »Als ich heute diesen Mann getötet habe, da habe ich ihn ebenfalls gespürt, genau wie diesen Screeling. Es war genau dasselbe. Gefahr. Beide Male wußte ich nicht, was es war, aber die Gefahr habe ich gespürt. Ich wußte, es würde Ärger geben, nur nicht, welcher Art.«

»Und was hat das mit den dreien dort drinnen zu tun?«

»Bevor wir das Haus der Seelen betraten, um uns mit diesen Frauen zu treffen, hatte ich genau das gleiche Gefühclass="underline" Gefahr. Was es bedeutet, weiß ich nicht, aber das Gefühl ist dasselbe. Irgendwie wußte ich, daß diese Frauen sich zwischen uns stellen würden.«

»Richard, das weißt du doch gar nicht. Sie wollen dir lediglich helfen, haben sie gesagt.«

»Doch, ich weiß es. Genau wie ich wußte, daß der Screeling da war und der Kerl mit dem Speer. Irgendwie bedeuten diese drei Frauen für mich eine Gefahr.«

Kahlan spürte, wie der Kloß in ihrem Hals dicker wurde. »Du hast auch gesagt, du wüßtest, daß die Kopfschmerzen dich töten könnten. Richard, ich habe Angst um dich.«

»Und ich habe Angst vor der Magie. Ich hasse Magie. Ich hasse die Zauberkraft des Schwertes. Ich wünschte, ich wäre sie los. Du kannst dir nicht vorstellen, mit was ich mich deswegen schon herumschlagen mußte. Du hast keine Vorstellung, was es mich gekostet hat, die Klinge weiß zu färben. Darken Rahls Magie hat meinen Vater getötet und mir den Bruder genommen. Sie hat einer Menge Menschen Schlimmes angetan.« Er stieß einen tiefen Seufzer aus. »Wie ich Magie hasse.«