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»Ich besitze auch magische Kräfte«, sagte sie leise.

»Die uns beinahe für immer getrennt hätten.«

»Aber nicht haben. Du hast einen Weg gefunden, um das zu verhindern. Ohne meine Magie hätte ich dich nie kennengelernt.« Sie strich ihm über den Arm. »Durch Magie hat Adie ihren Fuß zurückbekommen, und auch einer Menge anderer Menschen wurde geholfen. Zedd ist ein Zauberer, er besitzt die Gabe. Willst du behaupten, das sei schlecht? Zedd hat seine Gabe immer dazu benutzt, anderen zu helfen. Richard, auch du besitzt magische Kräfte. Du besitzt die Gabe. Du hast es selbst so gut wie zugegeben. Mit ihrer Hilfe hast du den Screeling gespürt. Und mich gerettet. Mit ihrer Hilfe hast du den Mann gespürt, der Chandalen töten wollte. Ihn hast du ebenfalls gerettet.«

»Aber ich will keine magischen Kräfte besitzen.«

»Mir scheint, du denkst an das Problem, nicht an die Lösung. Sagst du das nicht immer: denk an die Lösung, nicht an das Problem?«

Richard ließ den Kopf nach hinten an die Mauer sinken und schloß die Augen. Er stieß einen verzweifelten Seufzer aus. »So soll das also werden, wenn wir verheiratet sind? Du wirst mir für den Rest meines Lebens vorhalten, wie dumm ich mich benehme?«

Sie lächelte. »Hättest du es lieber, wenn ich zulassen würde, daß du dir irgend etwas Dummes einredest?«

Er rieb sich das Gesicht. »Vermutlich nicht. Ich habe solche Kopfschmerzen, wahrscheinlich kann ich deswegen nicht mehr klar denken.«

»Dann laß uns etwas dagegen tun. Gehen wir zurück und sprechen wenigstens mit den Schwestern, hören uns an, was sie zu sagen haben. Angeblich wollen sie dir helfen.«

Er sah sie finster an. »Das hat Darken Rahl auch behauptet.«

»Weglaufen ist keine Lösung. Vor Darken Rahl bist du auch nicht weggerannt.«

Er sah sie lange an und nickte dann. »Also gut, ich höre es mir an.«

Die drei standen immer noch so da, wie Kahlan sie verlassen hatte. Sie lächelten dankbar und waren sichtlich erleichtert, daß sie Richard zurückgeholt hatte. Richard und Kahlan blieben noch beieinander vor den drei Frauen stehen.

»Wir werden uns anhören — nur anhören –, was Ihr zu meinen Kopfschmerzen zu sagen habt.«

Schwester Grace sah Kahlan an. »Danke für deine Hilfe, Mutter Konfessor, aber jetzt werden wir mit Richard allein sprechen.«

Erneut flammte in Richard der Zorn auf, doch er hielt seine Zunge im Zaum. »Kahlan und ich werden heiraten.« Die drei warfen sich abermals besagten Blick zu. Diesmal war er noch etwas ernster als zuvor. »Was Ihr mir mitzuteilen habt, betrifft sie ebenso. Wenn Ihr mit mir sprechen wollt, bleibt sie hier und hört es ebenfalls. Entweder wir beide oder keiner. Entscheidet Euch.«

Wieder wechselten sie Blicke. Schließlich sprach Schwester Grace.

»Also gut.«

»Und Ihr sollt von vornherein wissen, daß ich Magie nicht mag und keinesfalls überzeugt bin, daß ich die Gabe besitze. Und wenn doch, dann gefällt mir das keineswegs, und ich will nichts weiter als sie loswerden.«

»Wir sind nicht hier, um dir zu gefallen, sondern um dir das Leben zu retten. Um das zu tun, müssen wir dir beibringen, die Gabe zu benutzen. Wenn du nicht lernst, sie zu beherrschen, wird sie dich töten.«

»Verstehe. Mit dem Schwert der Wahrheit hatte ich ein ähnliches Problem.«

»Als erstes mußt du lernen«, erklärte Schwester Verna, »uns — wie die Mutter Konfessor — mit Ehrerbietung zu behandeln. Wir haben lange hart dafür gearbeitet, Schwestern des Lichts zu werden, und erwarten den gebührenden Respekt. Ich bin Schwester Verna, dies ist Schwester Grace, und das hier Schwester Elizabeth.«

Richard funkelte sie an. Schließlich neigte er doch den Kopf. »Wie Ihr wünscht, Schwester Verna.« Er sah sie nacheinander an. »Und wer sind die Schwestern des Lichts?«

»Wir sind es, die die Zauberer ausbilden — jene, die die Gabe besitzen.«

»Und woher stammen die Schwestern des Lichts?«

»Wir alle leben und arbeiten im Palast der Propheten.«

Kahlan runzelte die Stirn. »Schwester Verna, vom Palast der Propheten habe ich noch nie gehört. Wo liegt er?«

»In der Stadt Tanimura.«

Die Falten auf Kahlans Stirn wurden noch tiefer. »Ich kenne jede Stadt in den Midlands. Von Tanimura habe ich noch nie gehört.«

Schwester Verna sah Kahlan einen Augenblick lang in die Augen. »Und dennoch stammen wir von dort.«

»Warum wart Ihr überrascht, als Ihr erfuhrt, wie alt ich bin?«

»Weil es«, erklärte Schwester Grace, »so gut wie noch nie vorgekommen ist, daß wir auf jemanden mit der Gabe nicht bereits aufmerksam werden, solange er noch jung ist.«

»Wie jung?«

»Höchstens ein Drittel deines Alters.«

»Und weshalb, glaubt Ihr, seid Ihr nicht auf mich aufmerksam geworden?«

»Offensichtlich warst du auf irgendeine Weise vor uns verborgen.«

Kahlan merkte, daß Richard drauf und dran war, in seine Rolle als Sucher zu schlüpfen und Antworten auf seine Fragen zu suchen, bevor er ihnen verriet, was sie wissen wollten.

»Habt Ihr Zedd ausgebildet?«

»Wen?«

»Zeddicus Z’ul Zorander, Zauberer der Ersten Ordnung.«

Wieder wanderte besagter Blick zwischen ihnen hin und her. »Wir kennen den Ersten Zauberer Zorander nicht.«

»Ich dachte, es gehört zu Euren Aufgaben, alle zu kennen, die die Gabe besitzen, Schwester Verna?«

Sie richteten sich auf. »Und du kennst diesen Zauberer der Ersten Ordnung?«

»Ich schon. Warum Ihr nicht?«

»Ist er alt?« Richard nickte. »Vielleicht lag es vor unserer Zeit.«

»Vielleicht.« Richard stemmte eine Faust in die Seite, machte ein paar Schritte und blieb mit dem Rücken zu ihnen stehen. »Woher wißt Ihr von mir, Schwester Elizabeth?«

»Es ist unsere Aufgabe, über die Bescheid zu wissen, die die Gabe besitzen: über die Zauberer. Zwar warst du offensichtlich vor uns verborgen, doch als du die Gabe ausgelöst hast, haben wir davon erfahren.«

»Und wenn ich kein Zauberer sein möchte?«

»Das ist deine Sache. Unsere ist es, dir beizubringen, wie man Magie beherrscht. Wir sind nicht hier, um dich zu zwingen, Zauberer zu sein, sondern nur, um dir beizubringen, wie man Magie beherrscht, damit du überleben kannst. Danach kannst du sein, was immer dir beliebt.«

Richard machte entschlossen kehrt und schob sein Gesicht ganz nah an Schwester Verna heran. »Woher wollt Ihr wissen, daß ich die Gabe besitze?«

»Wir sind die Schwestern des Lichts. Es ist unsere Aufgabe, das zu wissen.«

»Ihr dachtet, ich wäre jung. Ihr dachtet, ich befände mich bei meinen Eltern. Ihr wußtet nicht, daß ich der Sucher bin. Ihr kennt den Ersten Zauberer nicht. Ihr scheint etwas nachlässig zu sein. Mal ganz abgesehen von diesen Irrtümern, vielleicht irrt Ihr Euch ja auch, was meine Gabe anbetrifft, Schwester Verna? Eure Fehler schaffen nicht gerade Vertrauen. Erlaubt Euch Eure Stellung derartige Ungenauigkeiten?«

Die Gesichter aller drei Frauen hatten sich dunkelrot verfärbt. Schwester Verna hatte Mühe, ihre Stimme zu beherrschen. »Richard, es ist unsere Aufgabe, unsere Berufung, denen zu helfen, die die Gabe besitzen. Dem haben wir unser Leben gewidmet. Wir kommen von weit her. Alles, was wir in Erfahrung gebracht haben, geschah aus einer großen Entfernung. Wir kennen nicht alle Antworten. Die Dinge, von denen du sprichst, sind nicht von Wichtigkeit. Wichtig ist, daß du die Gabe hast und daß du sterben wirst, wenn du dir nicht von uns helfen läßt.

Ein Grund, weshalb wir denen mit der Gabe helfen, solange sie jung sind, weshalb wir deine Eltern aufsuchen wollten, liegt in ebenjenen Schwierigkeiten, die wir jetzt mit dir haben. Wenn wir mit den Eltern sprechen, dann können wir sie auch davon überzeugen, was für ihren Sohn am besten ist. Eltern haben ein größeres Interesse am Wohlergehen ihrer Kinder als jemand deines Alters für sich selbst. Jemand deines Alters auszubilden ist in der Regel schwierig. Menschen sind gelehriger, solange sie noch jung sind.«