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»Drei Tage. Aber ich war schon in der zweiten Nacht nach seinem Tod bewußtlos.«

»In der zweiten …!« Und wieder dieser Blick.

Richards Gereiztheit kehrte zurück. »Wieso seht Ihr Euch ständig auf diese Weise an?«

Schwester Vernas Stimme klang sehr sanft. »Weil es nicht viele wie dich gibt, Richard. In mancherlei Hinsicht. Noch nie ist uns so viel Unerwartetes in einer einzigen Person begegnet.«

Kahlan schlang einen Arm um seine Hüfte. »Ihr habt recht, es gibt nicht viele wie ihn. Und ich liebe ihn. Was könnt Ihr tun, um ihm zu helfen?« Sie befürchtete, er könnte ihnen Angst einjagen und sie würden ihm dann nicht mehr helfen wollen.

»Es gibt bestimmte Regeln, die er befolgen muß. Wir alle müssen das, sie dürfen nicht gebrochen werden. Für Verhandlungen gibt es keinen Spielraum. Er muß sich ganz in unsere Hände geben und uns zum Palast der Propheten begleiten.« Schwester Grace wirkte traurig, als sie hinzufügte: »Und zwar allein.«

»Für wie lange?« wollte Richard sofort wissen. »Wie lange dauert das?«

Schwester Grace’ Haar leuchtete im Schein der Fackeln auf, als sie sich zu ihm umdrehte. »Das hängt davon ab, wie schnell du lernst. Es dauert so lange, wie es eben dauert. Du mußt bleiben, bis es abgeschlossen ist.«

Kahlan spürte, wie etwas ihre Brust zusammenschnürte, als Richard ihr den Arm um die Hüfte legte. »Darf ich ihn besuchen?«

Schwester Grace schüttelte langsam den Kopf. »Nein. Und da ist noch etwas.« Für einen winzigen Moment streifte ihr Blick den Strafer. Sie griff in ihr Gewand und holte einen Gegenstand hervor. Es war ein Ring aus Metall, kaum mehr als eine Hand im Durchmesser. Er sah aus, als sei er aus einem Stück, und doch tat Schwester Grace irgend etwas, und er schnappte auf und ließ sich an einem Gelenk zu zwei Halbkreisen öffnen. Seine mattsilberne Farbe warf den Schein des Feuers zurück. Sie hielt ihn vor Richard in die Höhe. »Dies wird Rada’Han genannt. Es ist ein Halsring. Du mußt ihn anlegen.«

Richard trat einen Schritt zurück, er löste die Hand von Kahlans Hüfte und griff sich an den Hals. Er wurde blaß im Gesicht und riß die Augen auf. »Warum?« fragte er kaum hörbar.

»Die Regeln gelten ab sofort. Die Diskussion ist vorbei.« Schwester Verna und Schwester Elizabeth stellten sich hinter Schwester Grace, während diese sprach. Dort blieben sie mit den Händen in den Hüften stehen, während die schwarzhaarige Frau den Halsring mit beiden Händen vor sich hielt. »Dies ist kein Spiel. Von nun an kann es nur nach den Regeln gehen. Hör gut zu, Richard.

Man wird dir drei Chancen geben, den Rada’Han anzunehmen; drei Chancen, unsere Hilfe anzunehmen — eine Schwester für jede Chance. Vor jedem Angebot — und deiner Gelegenheit, sie zu verweigern — wird dir jeweils eine andere Schwester einen der Gründe nennen. Nach jeder Nennung bekommst du Gelegenheit, anzunehmen oder abzulehnen.

Nach der dritten Weigerung gibt es keine weitere Chance — was du hoffentlich nicht erleben wirst. Du wirst keine weitere Hilfe von den Schwestern des Lichts erhalten. Du wirst durch die Kraft der Gabe sterben.«

Richard hielt noch immer seine Kehle umklammert. Noch immer war seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. »Warum muß ich diesen Halsring tragen?«

Schwester Grace warf sich mit ihrer ganzen Autorität in die Brust. »Keine Diskussionen. Du wirst zuhören. Du mußt dir den Rada’Han selbst um den Hals legen, aus freien Stücken. Ist er einmal angelegt, kannst du ihn nicht mehr entfernen. Nur eine Schwester des Lichts kann das. Dort wird er bleiben, bis wir sagen, daß er abgenommen werden kann. Und das geschieht erst dann, wenn deine Ausbildung abgeschlossen ist. Vorher nicht.«

Richards Brust hob sich unter jedem mühevollen Atemzug. Er brachte es nicht fertig, seinen starren Blick von diesem Halsring zu lösen. Er hatte etwas seltsam Wildes, Gequältes in den Augen, das Kahlan noch nie bei ihm gesehen hatte. Sie war wie erstarrt, als sie bemerkte, wie entsetzt er war — und sie selbst auch.

Schwester Grace hielt seinem Blick wild entschlossen stand, als er zu ihr aufsah. »Dein erstes Angebot steht unmittelbar bevor. Jedes Angebot wird dir von einer ändern Schwester unterbreitet werden. Das erste Angebot kommt von mir. Ich, Schwester des Lichts, Grace Rendali, gebe den ersten Grund für den Rada’Han bekannt, gebe dir die erste Chance, Hilfe zu erhalten. Der erste Grund für den Rada’Han besteht darin, die Kopfschmerzen zu beherrschen und deine Gedanken zu öffnen, damit dir die Beherrschung der Gabe beigebracht werden kann.

Du hast jetzt Gelegenheit, anzunehmen oder abzulehnen. Ich gebe dir den dringenden Rat, das erste Angebot, unsere Hilfe zu bekommen, anzunehmen. Bitte glaub mir, beim zweiten Mal wird es für dich nur ungleich schwerer sein und schlimmer noch beim dritten Mal. Bitte, Richard, nimm das Angebot jetzt an, beim ersten der drei Gründe und Gebote. Dein Leben hängt davon ab.«

Sie stand still und wartete. Richards Blick wanderte zurück zu dem mattglänzenden, silbernen Halsring. Der Sucher wirkte, als stünde er kurz vor einer Panik. Im Raum war es totenstill, vom gelegentlichen Knistern des Feuers und leisen Zischen der Fackeln abgesehen.

Er hob den Kopf und öffnete den Mund. Doch kam kein Ton heraus. Mit aufgerissenen Augen begegnete er reglos ihrem durchdringenden Blick.

Schließlich blinzelte er und sprach in heiserem Flüsterton. »Ich werde keinen Halsring anlegen. Nie wieder werde ich einen Halsring tragen. Für niemanden. Aus welchem Grund es auch immer sein mag. Niemals.«

Sie richtete sich ein Stück weit auf, senkte den Ring und machte ein ehrlich überraschtes Gesicht. »Du weigerst dich, das Angebot des RadaHan anzunehmen?«

»Ich weigere mich.«

Schwester Grace blieb einen Augenblick lang stehen, ihr Blick war starr und enthielt, so schien es, eine Mischung aus Besorgnis und Trauer. Mit fahlem Gesicht wandte sie sich an die beiden Schwestern hinter sich. »Vergebt mir, Schwestern, ich habe versagt.« Sie übergab den Rada’Han an Schwester Elizabeth. »Jetzt liegt es an Euch.«

»Das Licht vergibt dir«, sagte Schwester Elizabeth leise und küßte Schwester Grace auf die bleichen Wangen.

»Das Licht vergibt dir«, flüsterte Schwester Verna und gab ihr ebenfalls zwei Küsse.

Schwester Grace wandte sich wieder Richard zu. Ihre Stimme klang ein wenig gebrochen. »Möge das Licht dich immer sanft in seinen Händen wiegen. Auf daß du eines Tages den Weg findest.«

Richards Blick erwidernd, hob sie ihre Hand und machte eine ruckartige Bewegung. Ein Messer schnellte aus ihrem Ärmel. Doch was dort aus dem Silbergriff hervorschoß, besaß eigentlich keine Schneide, sondern glich eher einem runden, spitzen Stichel.

Richard sprang zurück und zog mit einer schnellen, geschmeidigen Bewegung das Schwert. Sein unverwechselbares Klirren erfüllte die Luft.

Mit einer geschickten Bewegung hatte Schwester Grace das Messer in der Hand gedreht, so daß es mit der Spitze nicht auf Richard, sondern auf sie selbst zielte. Sie hielt es mit geübter Eleganz, ohne die Augen von Richard zu lassen.

Und dann stieß sie sich das Messer zwischen ihre Brüste.

Es gab einen Lichtblitz, der aus dem Innern ihrer Augen zu kommen schien, und sie sank tot zu Boden.

Richard und Kahlan rissen die Augen auf und traten entsetzt einen Schritt zurück.

Schwester Verna bückte sich und zog das Messer aus der toten Frau. Sie richtete sich auf und sah Richard an.

»Wie gesagt: dies ist kein Spiel.« Damit ließ sie das Messer in ihrem Gewand verschwinden. »Du mußt ihre Leiche eigenhändig begraben. Wenn du es jemand anderes für dich tun läßt, werden dich für den Rest deines Lebens Alpträume verfolgen, Alpträume, hervorgerufen durch Magie. Gegen sie gibt es kein Mittel. Vergiß nicht, du mußt sie eigenhändig begraben.« Die beiden Schwestern setzten ihre Kapuzen auf. »Du hast die erste von drei Chancen geboten bekommen und abgelehnt. Wir werden wiederkommen.«

Die beiden Schwestern gingen zur Tür und waren verschwunden.