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Richard sah ihr in die Augen. »Das tut mir leid, Kahlan.« Er beugte sich zu ihr und küßte sie auf die Stirn. »Tut mir leid«, sagte er leise noch einmal.

Er lehnte sich wieder zurück und zog den Grashalm durch die Zähne.

»Das war vor langer Zeit.«

»Und zu was macht dich das? Bist du jetzt eine Prinzessin, eine Königin, oder was?«

Sie mußte lachen, als sie die Frage hörte, als sie merkte, wie seltsam ihm das alles vorkommen mußte. Noch immer wußte er nur wenig über ihr Leben, über ihre Welt. »Nein. Ich bin die Mutter Konfessor. Die Tochter eines Konfessors ist ein Konfessor, nicht die Tochter ihres Vaters.« Es war ihr unangenehm, ihren Vater scheinbar herabzuwürdigen. Es war nicht sein Fehler, daß ihre Mutter ihn erwählt und überwältigt hatte. »Möchtest du mehr über ihn wissen?«

Er zuckte mit den Achseln. »Sicher. Du bist auch ein Teil von ihm. Ich möchte gern alles über dich wissen.«

Kurz überlegte sie, wie er wohl reagieren würde. »Nun, er war der Mann von Königin Bernadine, als meine Mutter ihn zum Gatten wählte.«

»Deine Mutter hat einen Mann erwählt, der bereits verheiratet war?«

Sie spürte Richards Blick auf ihrem Körper. »Es ist nicht so, wie es dir scheinen muß. Die Ehe zwischen ihm und der Königin war abgesprochen. Er war Krieger, ein großer Befehlshaber. Mit der Hochzeit wurde sein Reich mit den von Königin Bernadine regierten Ländern vereint, wodurch das Land Galea entstand. Er hat es für sein Volk getan und ein vereintes Land unter einer Krone geschaffen, das den feindseligen Nachbarn die Stirn bieten konnte. Die Königin war eine weise und verantwortungsbewußte Führerin. Sie hat meinen Vater nur für das Wohl Galeas geheiratet. Sie und mein Vater haben sich nie geliebt. Er schenkte ihr und dem Volk von Galea eine hübsche, kräftige Tochter, Cyrilla, und dann einen Sohn, Harold.«

»Dann hast du also einen Halbbruder und eine Halbschwester.«

Sie zuckte mit den Achseln. »In gewisser Weise. Aber nicht so, wie du es dir vorstellst. Ich bin ein Konfessor, ich gehöre nicht zur Erbfolge. Doch habe ich sowohl Cyrilla als auch Harold kennengelernt. Sie sind sehr nett. Cyrilla ist mittlerweile Königin von Galea. Ihre Mutter ist vor ein paar Jahren gestorben. Prinz Harold ist der Oberbefehlshaber der Armee, genau wie sein Vater. Sie sehen mich nicht als Verwandte, und ich sie auch nicht. Ich bin Konfessor und gehöre zum Reich der Magie.«

»Und deine Mutter? Wann ist sie zu alldem gekommen?«

»Sie war damals gerade Mutter Konfessor geworden. Sie wollte einen starken Gatten, einen, der ihr eine kräftige Tochter schenken konnte. Sie hatte gehört, daß die Königin in ihrer Ehe nicht glücklich war, und ging zu ihr, um mit ihr zu sprechen. Königin Bernadine erklärte meiner Mutter, daß sie ihren Mann nicht liebe, daß er ein Hahnrei sei. Obwohl sie einen anderen liebte, respektierte sie Wyborn als Mann, als Führer und als geschickten Krieger und hätte es meiner Mutter nicht verziehen, wenn sie ihn mit ihrer Kraft überwältigt hätte.

Während meine Mutter noch überlegte, was sie tun sollte, überraschte Wyborn die Königin im Bett eben jenes Liebhabers. Er hätte sie fast umgebracht. Als meine Mutter davon hörte, kehrte sie nach Galea zurück und löste sämtliche Probleme, bevor er seine Gattin und ihren Liebhaber ermordete. Ein Konfessor muß vieles fürchten, doch die Schläge ihres Mannes gehören nicht dazu.«

»Es muß hart sein, einen Gatten wählen zu müssen, den man nicht liebt.«

Sie lächelte und drückte ihren Kopf gegen seinen Körper. »Ich war mein Leben lang überzeugt, niemanden zu finden, den ich liebe. Ich wünschte, meine Mutter hätte die Freude der Liebe auch erleben dürfen.«

»Wie war es, ihn als Vater zu haben?«

Sie faltete die Hände über dem Bauch. »Für mich war er ein Fremder. Er hatte keinerlei Empfindungen außer für meine Mutter, kannte keine echten Gefühle außer der Hingabe an meine Mutter. Sie wollte immer, daß er Zeit mit mir verbrachte, mir beibrachte, was er wußte. Er war überglücklich, ihr den Gefallen zu tun, aber wegen ihr, nicht wegen mir.

Er opferte seine Zeit und brachte mir bei, was er wußte: Er brachte mir die Taktik seiner Feinde bei, wie man einer viel größeren Truppe den Sieg raubt und, was am wichtigsten war, wie man überlebt und triumphiert, indem man seinen Kopf gebraucht, anstatt sich an die Regeln zu halten. Manchmal saß meine Mutter dabei und sah zu, wie er mich unterrichtete. Er hob dann immer den Kopf und fragte, ob er auch alles richtig mache. Sie sagte, das tue er; er unterrichtete mich so, daß ich die Regeln des Kriegshandwerkes lernte, die er kannte, in der Hoffnung, sie nie anwenden zu müssen — und wenn doch, dann nur zum Überleben.

Er brachte mir bei, daß die wichtigste Eigenschaft eines Kriegers die Skrupellosigkeit sei. Er sagte, er hätte oftmals nur dank seiner Skrupellosigkeit gesiegt. Er meinte, das Entsetzen könne die Vernunft besiegen, und es sei die Aufgabe eines Führers, diese Art des Grauens unter den Feinden zu verbreiten. Die Dinge, die er mir beibrachte, halfen mir zu überleben, als andere Konfessoren starben. Deswegen war es mir möglich, zu töten, wenn es nötig war. Er lehrte mich, keine Angst zu haben und das zum Überleben Nötige zu tun. Ich habe ihn geliebt und gehaßt für die Dinge, die er mir beigebracht hat.«

»Also, ich liebe ihn dafür, daß er dir das Überleben beigebracht hat und du jetzt bei mir sein kannst.«

Kahlan schüttelte sacht den Kopf, während sie beobachtete, wie ein kleiner Vogel einen Raben verscheuchte. »Das Fürchterliche waren nicht die Dinge, die er wußte, sondern die Menschen, die einen dazu zwangen, diese Dinge anzuwenden, wenn man überleben wollte. Er hat niemals andere zu Unrecht angegriffen. Ich sollte ihm nicht vorwerfen, daß er wußte, wie man triumphiert, wenn man ihn zum Krieg gezwungen hat. Richard, vielleicht sollten wir uns jetzt auch überlegen, wie wir überleben können.«

»Du hast recht«, meinte er und legte den Arm um sie. »Weißt du, ich habe nachgedacht. Wir sitzen hier genau wie diese Zielscheiben. Wir sitzen hier und warten darauf, daß irgendein Pfeil kommt und uns trifft, warten darauf, was mit uns geschehen wird.«

»Was sollen wir deiner Meinung nach tun?«

Er zuckte mit den Achseln. »Ich weiß es nicht. Aber wenn wir hier sitzen bleiben, werden wir früher oder später getroffen werden. Früher oder später werden die Schwestern zurückkommen. Wieso sollten wir einfach darauf warten, daß sie zu uns kommen? Ich weiß keine Antwort, aber ich sehe auch nicht, wie uns das Herumsitzen helfen kann.«

Sie verschränkte die Arme unter ihren Brüsten und vergrub die Hände, um sie zu wärmen. »Zedd?«

Richard nickte. »Zedd wird wissen, was zu tun ist. Ich glaube, wir müssen uns mit ihm treffen.«

»Und deine Kopfschmerzen? Was, wenn du sie unterwegs bekommst? Was, wenn sie schlimmer werden und Nissel nicht bei dir ist, um dir zu helfen?«

»Keine Ahnung.« Er seufzte. »Aber ich denke, wir müssen es versuchen. Sonst habe ich keine Chance.«

»Dann sollten wir sofort aufbrechen, bevor sie schlimmer werden. Laß uns nicht warten, bis noch etwas geschieht.«

Er drückte ihre Schultern. »Bald. Aber zuerst müssen wir noch etwas anderes tun. Etwas Wichtiges.«

Kahlan drehte ihren Kopf herum und sah ihn an. »Und das wäre?«

Er lächelte sie an. »Wir müssen heiraten«, sagte er leise. »Ich werde erst abreisen, wenn ich das Kleid gesehen habe, von dem ständig die Rede ist.«

Sie drehte sich um und schloß ihn in die Arme. »Es wird wundervoll werden, Richard. Weselan kommt aus dem Lächeln gar nicht mehr heraus, seit sie daran näht. Ich kann es kaum erwarten, bis du mich darin siehst. Es wird dir bestimmt gefallen.«