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»Daran, meine Zukünftige, habe ich nicht den geringsten Zweifel.«

»Alle freuen sich schon darauf. Ein Hochzeitsfest bei den Schlammenschen ist ein großes Ereignis. Tanz, Musik, Schausteller. Das ganze Dorf macht mit. Weselan meinte, es wird ungefähr eine Woche dauern, bis alles vorbereitet ist, wenn wir das Startwort geben.«

Er zog sie näher zu sich heran. »Das Wort sei hiermit gegeben.«

Sie schloß die Augen, als sie ihn küßte, trotzdem fühlte sie, daß seine Kopfschmerzen zurückgekehrt waren.

»Komm«, sagte sie, nach Atem ringend, »laß uns ein paar Pfeile schießen, damit deine Kopfschmerzen nachlassen.«

Eine Weile wechselten sie sich ab. Kahlan quiekte vor Vergnügen, als sie ihre Pfeile holen gingen und feststellten, daß sie einen seiner Pfeile gespalten hatte.

»Warte, bis das den Gardetruppen zu Ohren kommt! Sie werden grün vor Neid, wenn sie der Mutter Konfessor ein Ordensband für einen Schaftschuß überreichen müssen. Vielleicht werden sie auch schon grün vor Neid, wenn sie mich mit meinem neuen Bogen sehen!«

Richard zog lachend die Pfeile aus der Zielscheibe. »Auf jeden Fall solltest du weiter üben. Vielleicht glauben sie dir nicht, und du mußt es ihnen beweisen. Außerdem habe ich nicht die Absicht, diesen Pfeil Savidlin gegenüber zu verantworten.« Plötzlich drehte er sich zu ihr um. »Was hast du gesagt? Was hast du vorhin, nein, gestern abend über das Quadron gesagt? Rahl hat sie mit einem Zauber losgeschickt, damit Zedd sie nicht stoppen konnte?«

Der plötzliche Themenwechsel überraschte Kahlan ein wenig. »Ja, seine Magie war gegen sie wirkungslos.«

»Das lag daran, daß Zedd nur über Additive Magie verfügt. Es ist die einzige Magie, über die ein Zauberer mit der Gabe verfügt: nur die Additive. Darken Rahl besaß die Gabe für Additive Magie, hatte aber irgendwo gelernt, die Subtraktive anzuwenden. Gegen die Subtraktive Magie hatte Zedd kein Mittel. Und du genausowenig. Es waren Zauberer, die die Magie des Konfessors geschaffen haben, und Zauberer besitzen nur Additive Magie.« Sie runzelte die Stirn und nickte zum Zeichen, daß er fortfahren sollte. »Und wie hast du sie dann getötet?«

»Ich habe mich in den Con Dar versetzt.« Sie zuckte mit den Achseln. »Er gehört zu der Magie eines Konfessors, aber ich wußte früher nicht, wie man ihn einsetzt. Es ist eine Art Rauschzustand. Der Name bedeutet ›Blutrausch‹.«

»Weißt du, was du da sagst, Kahlan? Du mußt Subtraktive Magie eingesetzt haben, wie hättest du sie sonst besiegen können? Zedds Magie war wirkungslos und deine eigentliche Magie ebenfalls, denn diese Männer waren vor Additiver Magie geschützt. Folglich besitzt du Subtraktive Magie. Wenn es aber Zauberer waren, die vor langer Zeit deine Konfessorenmagie geschaffen haben, wie kann sie dann Subtraktive Elemente enthalten?«

Sie starrte ihn an. »Ich weiß es nicht. Ich habe nie darüber nachgedacht, aber es muß so sein, wie du sagst. Vielleicht kann Zedd es erklären, wenn wir nach Aydindril kommen.«

Nachdenklich zog er einen weiteren Pfeil aus dem gebündelten Gras. »Möglich. Aber wozu sollte ein Konfessor Subtraktive Magie besitzen?« Die Falten auf seiner Stirn vertieften sich. »Ich frage mich, ob es das war, womit du den Blitz erzeugt hast.«

Richard besaß die Gabe und sie Subtraktive Magie. Zwei beängstigende Vorstellungen. Sie fröstelte, aber nicht vor Kälte.

Sie schossen den Rest des Nachmittags Pfeile, bis das Tageslicht schwächer wurde. Ihre Schultern und Arme waren matt vom Spannen des Bogens. Sie erklärte, sie könne selbst dann keinen Pfeil mehr abschießen, wenn ihr Leben davon abhinge, meinte aber, er solle vor ihrer Rückkehr noch ein paar Pfeile schießen, damit seine Kopfschmerzen eine Weile fortblieben. Sie sah ihm zu, als ihr plötzlich einfiel, daß sie gar nicht versucht hatte, ihn beim Schießen abzulenken — dabei hatte er versprochen, daß sie es versuchen durfte.

Kahlan stellte sich dicht hinter ihn. »Jetzt wollen wir doch mal sehen, ob du wirklich so gut bist, wie du glaubst.«

Sie krabbelte ihn an den Rippen, als er die Sehne spannte. Er zuckte nicht einmal und schoß genauso wie zuvor. Doch als der Pfeil abgeschossen war, wand er sich lachend. Sie versuchte es immer wieder, doch es gelang ihr nie, ihn abzulenken. Dann ging sie entschlossener vor. Wenn Kitzeln nichts brachte, mußte sie sich eben etwas anderes einfallen lassen.

Kahlan schmiegte sich von hinten an ihn, als er sich aufs Zielen konzentrierte, und öffnete elegant die obersten drei Knöpfe seines Hemdes. Dann glitt sie mit der Hand hinein und streichelte ihm die Brust. Seine Haut spannte über seinen festen Muskeln. Er fühlte sich gut an. Warm. Kräftig. Fest.

Sie löste weitere Knöpfe, um ihre Reichweite zu vergrößern. Mit den Fingern einer Hand fuhr sie ihm hinten durch die Haare, während ihre andere Hand über seinen Bauch wanderte. Richard schoß unbeirrt weiter.

Der Gedanke, ihn abzulenken, rückte in den Hintergrund. Sie küßte ihn hinten auf den Hals. Kichernd zog er die Schultern hoch, nachdem der Pfeil verschwunden war. Er legte den nächsten ein. Endlich hatte sie sämtliche Knöpfe gelöst und streichelte seinen gesamten Oberkörper bis hinunter zum Gürtel. Kahlan zog ihm die Hemdzipfel aus der Hose und strich ihm mit beiden Händen über den Körper, eine oben, eine unten. Es hielt ihn nicht davon ab, die Zielscheibe zu treffen. Sie konnte seine Konzentration nicht stören. Ihr Atem ging immer schneller.

Sie beschloß, das Spiel zu gewinnen. Lächelnd preßte sie sich fester an seinen Körper und vergrößerte ihre Reichweite.

»Kahlan!« Ihm stockte der Atem. »Kahlan … das ist nicht fair!« Er hielt den Bogen immer noch gespannt, doch seine Zielsicherheit ließ nach. Er gab sich alle Mühe, sie wiederzufinden.

Zärtlich sog sie ein Ohrläppchen zwischen ihre Lippen und küßte dann sein Ohr. »Du hast gesagt, man muß schießen können, ganz gleich, was passiert«, flüsterte sie, während sie ihre Hand noch tiefer schob.

»Kahlan…« Seine Stimme klang schrill und angestrengt. »Das ist nicht fair … das ist geschummelt!«

»Was auch passiert. Das waren genau deine Worte. Du mußt in der Lage sein, den Schuß auch unter Druck abzugeben.« Sie fuhr ihm mit der Zunge ins Ohr. »Ist der Druck auch groß genug, mein Liebster? Kannst du noch? Kannst du noch schießen?«

»Kahlan…«, keuchte er. »Du schummelst…«

Sie lachte kehlig und drückte zu. Er keuchte und ließ die Sehne los. Am Flug erkannte sie, daß sie den Pfeil nie wiedersehen würden.

»Ich glaube, du hast danebengeschossen«, hauchte sie ihm ins Ohr.

Er drehte sich in ihren Armen um und ließ den Bogen fallen. Mit hochrotem Kopf schloß er sie in seine Arme.

Er küßte sie aufs Ohr. »Nicht fair«, murmelte er mit heißem Atem. »Du schummelst.« Als er ihr Ohr mit den Lippen berührte, blieb ihr die Luft weg.

Sie hielt sich fest, als er ihren Kopf an den Haaren nach hinten zog und ihren Hals mit seinen heißen Lippen berührte. Sie schauderte. Sie versuchte noch, sich durch das Hochziehen ihrer Schulter zu retten, dann stieß sie eine Mischung aus Lachen und Stöhnen aus, als ihr die Welt entgegenfiel und sie sich plötzlich unter ihm auf dem Boden wiederfand. Sie brachte gerade noch das meiste von ›Ich liebe dich‹ hervor, dann küßte er sie, und sie schlang ihm die Arme um den Hals. Luft bekam sie keine. Sie hätte sie auch nicht gewollt.

Sie überlegte gerade, wann seine Hände sich für ihre Untaten rächen würden, da sprang Richard auf die Füße.

Im Nu hatte er sein Schwert gezogen.

Die Leidenschaft in seinen Augen war der Wut gewichen. Der Zorn des Schwertes der Wahrheit blitzte in seinem Gesicht auf. Das Klirren des Stahls wurde vom Wind davongetragen. Er stand da mit offenem Hemd, mit nackter und vor Zorn bebender Brust. Sie stützte sich auf den Ellenbogen.

»Was ist los, Richard?«

»Da kommt etwas in unsere Richtung. Hinter mich, rasch!«

Kahlan sprang auf die Beine, schnappte sich ihren Bogen und legte einen Pfeil auf die Sehne. »Etwas?«