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Shota schrie sie an. »Und was dann, Mutter Konfessor! Willst du ihn etwa großziehen? Willst du, daß die Welt von einem männlichen Konfessor heimgesucht wird? Ein männlicher Konfessor!« Sie faltete die Arme auseinander, ließ die Fäuste, deren Knöchel weiß angelaufen waren, zur Seite herabfallen. »Du wirst der Welt erneut ein Zeitalter der Finsternis bescheren! Ein Zeitalter der Finsternis! Und nur weil du diesen Mann liebst! Hast du je darüber nachgedacht, du unwissendes Kind?«

Der Kloß in Kahlans Hals drohte sie zu ersticken. Am liebsten wäre sie vor Shota davongelaufen, aber sie konnte sich nicht bewegen. »Nicht alle männlichen Konfessoren sind so.«

»Fast alle! Fast jeder einzelne von ihnen!« Sie zeigte mit dem Finger auf Richard, ohne ihn anzusehen. »Willst du die ganze Welt aufs Spiel setzen, weil du diesen Mann liebst? Willst du riskieren, daß alle in das grauenhafte Zeitalter der Finsternis verbannt werden, nur weil du dir aus Eigennutz wünschst, daß das Kind dieses Mannes überlebt?«

»Shota.« Richards Stimme klang überraschend ruhig. »Die meisten Konfessoren bringen Mädchen zur Welt. Du sorgst dich um etwas, das vielleicht nie eintrifft. Vielleicht bekommen wir gar keine Kinder. Nicht alle Paare sind fruchtbar. Deine Sorge reicht über zahlreiche Gabelungen des Wegs hinaus.«

Plötzlich glitt Richard an der Wand herab und landete stöhnend auf dem Boden. In einem Anfall von Zorn packte Shota sein Hemd mit ihren Fäusten und hob ihn hoch, rammte ihn gegen die Wand und preßte ihm erneut den Atem aus den Lungen. »Glaubst du, ich bin genauso dumm wie du? Ich kenne den Lauf der Zeit! Ich bin eine Hexe! Wenn du bei dieser Frau liegst, wird sie ein männliches Kind gebären! Sie ist Konfessor! Jeder Konfessor bringt einen Konfessor zur Welt! Immer! Wenn du ihr ein Kind machst, wird es ein Junge sein!«

Sie rammte ihn noch einmal gegen die Wand. Kahlan zuckte zusammen, als sie hörte, wie sein Kopf gegen die Wand prallte. Shotas Auftritt war beängstigend und entsprach überhaupt nicht ihrer sonstigen Art. Sie hatte Kahlan schon früher durch ihre äußerste Bedrohlichkeit beeindruckt, gleichzeitig aber einen intelligenten, vernünftigen Eindruck gemacht. Wenigstens bis zu einem gewissen Grad. Jetzt schien sie verändert zu sein, irgendwie unbeständig.

Richard versuchte nicht, ihre Hände zu lösen; Kahlan konnte aber sehen, daß er wütend wurde. »Shota -!«

Sie rammte ihn noch einmal gegen die Wand. »Hüte deine Zunge, oder ich schneide sie dir raus!«

Richards Zorn schien dem Shotas ebenbürtig. »Du hast dich schon einmal geirrt, Shota! Geirrt! Es gibt viele Wege, auf denen die Ereignisse in der Zeit vorwärts fließen können. Hätte ich beim letzten Mal auf dich gehört und Kahlan umgebracht, würde Darken Rahl jetzt über uns alle herrschen! Und zwar deswegen, weil ich deinen dummen Rat befolgt hätte! Durch sie habe ich Darken Rahl besiegt! Hätte ich getan, was du wolltest, hätten wir verloren!«

Er warf sich in die Brust. Sah sie wütend an. »Wenn du den weiten Weg hierher gemacht hast, um uns wegen einer angeblichen Gefahr zu drohen, vergeudest du bloß deine Zeit. Ich habe beim letzten Mal nicht auf dich gehört, und ich werde es auch diesmal nicht tun! Ich werde sie auf dein Wort allein weder töten noch aufgeben! Auch nicht auf das eines anderen!«

Shota starrte ihn einen Augenblick lang an, dann löste sie die Hände von seinem Hemd. »Ich bin nicht wegen einer ›angeblichen‹ Gefahr in der Zukunft hergekommen«, sagte sie leise. »Ich bin auch nicht gekommen, um mit dir darüber zu streiten, ob man mit einem Konfessor Kinder zeugen darf, Richard Rahl.«

Richard fuhr entsetzt zurück. »Ich bin nicht…«

»Ich bin gekommen, weil ich dich vielleicht töten will für das, was du getan hast, Richard Rahl. Daß ihr zwei unwissenden Kinder Babys machen wollt, ist nur ein Floh im Pelz des Monsters, das ihr bereits erschaffen habt.«

»Warum nennst du mich so?« fragte Richard leise.

Shota betrachtete sein fahles Gesicht. »Weil das dein Name ist.«

»Ich bin Richard Cypher. George Cypher war mein Vater.«

»Du bist von einem Mann namens George Cypher aufgezogen worden. Gezeugt wurdest von einem gewissen Darken Rahl. Er hat deine Mutter vergewaltigt.«

Richard wurde noch blasser. Kahlan sehnte sich nach ihm. Jetzt begriff sie, jetzt wußte sie, daß es die Wahrheit war. Das war es, was sie in ihm gesehen hatte: das Gesicht seines Vaters, Darken Rahl. Sie versuchte verzweifelt, sich loszureißen, zu ihm zu gehen, doch es gelang ihr nicht.

Richard schüttelte ungläubig den Kopf. »Nein. Das ist nicht wahr. Das kann nicht sein.«

»Doch«, fuhr Shota ihn an. »Darken Rahl war dein Vater. Und dein Großvater ist Zeddicus Zu’l Zorander.«

»Zedd?« sagte er tonlos. »Zedd ist mein Großvater?« Er richtete sich auf. »Darken Rahl … Nein, das kann nicht sein. Das ist nicht wahr.«

Er drehte sich um und sah Kahlan an. Er sah es ihrem Gesicht an, ja, sie wußte, daß es die Wahrheit war. Er wandte sich wieder Shota zu. »Zedd hätte es mir gesagt. Bestimmt. Ich glaube dir nicht.«

»Das ist mir gleich«, sagte sie tonlos. »Es ist mir gleich, was du glaubst. Ich kenne die Wahrheit.« Ihre Gefühle kehrten zurück. »Und die Wahrheit ist, daß du der Bastard eines Bastards eines Bastards bist! Und jeder dieser unehelichen Söhne, bis ganz zurück, besitzt die Gabe. Schlimmer noch, Zedd besitzt die Gabe ebenfalls. Du besitzt sie ebenfalls, aber sie stammt aus zwei Blutlinien von Zauberern.« Sie sah ihn wütend aus ihren großen Augen an. »Du bist ein sehr gefährlicher Mann, Richard Rahl.« Richard sah aus, als würde er jeden Moment zusammensinken. »Du besitzt die Gabe. In diesem Fall wäre ich eher geneigt, von einem Fluch zu sprechen.«

»Da gebe ich dir sogar recht«, sagte Richard leise.

»Du weißt, daß du die Gabe besitzt? Darüber brauchen wir also nicht zu streiten?« Richard konnte lediglich nicken. »Was das übrige anbelangt, das könnte mich kaum weniger kümmern. Du bist der Sohn von Darken Rahl und andererseits der Enkelsohn von Zeddicus Z’ul Zorander. Er ist der Vater deiner Mutter. Solltest du das nicht wahrhaben wollen, bitte. Glaube, was du willst. Gib dich einer Täuschung hin, wenn du möchtest. Ich bin nicht hier, um deine Herkunft aufzuklären.«

Richard ließ sich zurücksinken, bis er an der Wand lehnte. Er raufte sich die Haare. »Geh fort, Shota. Bitte, geh fort.« Seine Stimme klang, als wäre alles Leben aus ihm gewichen. »Ich will nichts mehr von dem hören, was du zu erzählen hast. Geh einfach fort. Laß mich allein.«

»Ich bin enttäuscht von dir, Richard.«

»Das ist mir gleichgültig.«

»Ich hatte dich nicht für so dumm gehalten.«

»Das ist mir ebenfalls gleichgültig.«

»Ich dachte, George Cypher würde dir etwas bedeuten. Ich dachte, du hättest ein gewisses Ehrgefühl.«

Er hob den Kopf. »Wie meinst du das?«

»George Cypher hat dich aufgezogen. Hat dir seine Zeit geschenkt, seine Liebe. Er hat dich unterrichtet, sich um dich gekümmert, dich ernährt. Dich geformt. Und das willst du alles fortwerfen, nur weil jemand deine Mutter vergewaltigt hat? Das ist es, was dir wichtig ist?«

In Richards Augen loderte es wie Feuer auf. Er hob langsam die Hände. Kahlan glaubte, er würde versuchen, Shota zu erwürgen, dann jedoch ließ er die Hände wieder sinken. »Aber … wenn Darken Rahl mein Vater ist…«

Shota warf die Arme in die Luft. »Was? Plötzlich spielst du dich auf wie er? Und fängst an, ganz unvermittelt widerliche Dinge zu tun, nur weil du es jetzt weißt? Hast du Angst, du könntest losziehen und unschuldige Menschen umbringen, weil du erfahren hast, daß Darken Rahl dein richtiger Vater ist? Du willst das, was du von George Cypher gelernt hast, in den Dreck treten, weil du herausgefunden hast, daß dein Name Rahl ist? Und du nennst dich der Sucher. Ich bin enttäuscht von dir, Richard. Ich dachte, du wärst selbst Manns genug. Und nicht die Spiegelung dessen, was andere über deinen Vorfahr denken.«