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»Oh, Richard … wie gern würde ich das tun. Aber laß es uns gleich machen. Ruf Scarlet sofort. Wir können am Morgen heiraten, wenn sie eintrifft. Ich weiß, daß die Schlammenschen sich für uns beeilen würden. Anschließend treffen wir uns mit Zedd. Er wird wissen, was zu tun ist, und du brauchst keine Versammlung zu riskieren.«

Er schüttelte den Kopf. »Wir brauchen die Versammlung. Shota meinte, nur ich könne den Schleier schließen. Nicht Zedd. Was, wenn er keine Ahnung hat, was zu tun ist? Er hat selbst gesagt, daß er nicht viel über die Unterwelt weiß. Niemand tut das. Niemand kennt sich in der Welt der Toten aus.

Aber die Seelen der Vorfahren kennen sich aus. Um helfen zu können, muß ich so viel wie möglich in Erfahrung bringen. Wir dürfen keine Zeit darauf verschwenden, uns mit Zedd zu treffen, nur um festzustellen, daß er nicht weiß, was man unternehmen kann. Shota hat gemeint, nur ich könne den Schleier schließen. Vielleicht deshalb, weil ich der Sucher bin. Ich muß meine Pflicht tun und die Antworten suchen. Selbst wenn mir die Seelen nicht viel sagen, für Zedd könnten sie eine Bedeutung haben. Vielleicht weiß er dann, was zu tun ist, was ich unternehmen kann.«

»Und wenn wir vor Zedd in Aydindril eintreffen? Wenn wir auf Scarlet reisen, wird sie uns an einem Tag dorthin bringen. Vielleicht ist Zedd dann noch gar nicht da.«

»Und wenn schon. Wir wissen, daß er dorthin unterwegs ist, und werden ihn finden.«

Sie sah ihn einen Augenblick lang an. »Du hast dir das alles schon ganz genau zurechtgelegt, was?«

Er zuckte mit den Achseln. »Wenn irgend jemand meine Ideen untergraben kann, dann du. Hast du einen besseren Vorschlag?«

Schließlich schüttelte sie den Kopf. »Ich wünschte, ich hätte einen, aber das ist nicht der Fall. Der Plan gefällt mir — bis auf die Versammlung.«

Richards Miene entspannte sich zu einem sanften Lächeln. »Ich möchte dich wirklich gern in dem Hochzeitskleid sehen, das Weselan für dich schneidert. Hat sie es auch rechtzeitig fertig? Wir könnten die Hochzeitsnacht in Aydindril verbringen, in deinem Zuhause.«

Kahlan konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. »Hat sie. Und eine große Hochzeitsfeier ist gar nicht nötig. Wegen des Festessens für die Versammlung bleibt für die Vorbereitung ohnehin kaum Zeit. Aber der Vogelmann wird uns auch ohne trauen.« Sie sah ihn schüchtern an. »In Aydindril hätten wir ein richtiges Bett. Ein großes, bequemes Bett.«

Er schlang ihr den Arm um die Hüfte und zog sie an sich. Dann drückte er ihr einen sanften Kuß auf die Lippen. Sie wollte gar nicht mehr aufhören, schob ihn aber dann doch sanft von sich und blickte zur Seite.

»Richard … was ist mit den anderen Dingen, von denen Shota gesprochen hat? Dem Kind?«

»Shota hat sich schon einmal geirrt. In vielerlei Hinsicht. Selbst die Dinge, in denen sie recht hatte, haben sich nicht so entwickelt, wie wir erwartet haben. Ich werde dich nicht aufgeben, nur weil sie es sagt. Weißt du noch, was du einmal zu mir gesagt hast? Daß man seinen Weg niemals von einer schönen Frau bestimmen lassen soll, wenn ihr ein Mann die Sicht nimmt? Außerdem können wir vorher mit Zedd sprechen. Er weiß eine Menge über Konfessoren und über die Gabe.«

Sie strich ihm mit dem Finger über die Brust. »Du scheinst auf alles eine Antwort zu haben. Woher bist du eigentlich so klug?«

Er zog sie an sich und küßte sie, stürmischer diesmal.

Sie schmiegte sich an seine Schulter. Es schien eine Ewigkeit her zu sein, daß er sie in Westland getroffen hatte, als sie von einem Quadron verfolgt wurde. Ein ganzes Leben, nicht bloß ein paar Monate. Sie hatten so viel durchgemacht. Sie war es leid, in Angst zu leben, verfolgt und gejagt zu werden. Es war nicht fair, daß sofort, nachdem es vorbei war, alles wieder von vorn anfing.

Sie gab sich einen Ruck. Es war verkehrt, die Dinge auf diese Weise zu sehen. Das war das Problem und nicht die Lösung. Sie zwang sich, das neue Problem in seinem eigenen Licht zu sehen und nicht im Licht der Vergangenheit.

»Vielleicht wird es diesmal nicht so schwer. Vielleicht können wir es machen, wie du sagst. Wir finden heraus, was getan werden muß, und das war’s.« Sie gab ihm einen Kuß in den Nacken. »Wir sollten jetzt rausgehen, sie warten schon. Außerdem, wenn ich noch länger mit dir hier bleibe, halten wir uns nicht zurück, bis wir in dem bequemen Bett liegen.«

Sie verließen die Stille des Seelenhauses und gingen Hand in Hand durch die engen Gassen zwischen den Häusern des Dorfes. Sie fühlte sich sicher an seiner Seite. Vom ersten Tag an, als er ihr die Hand gereicht hatte, um ihr aufzuhelfen, hatte sie ihn gern bei der Hand gefaßt. Das hatte noch niemand getan: die Menschen hatten Angst vor Konfessoren. Hoffentlich war das alles bald vorbei, damit sie zusammen in Frieden leben konnten. Damit sie Händchen halten konnten, wann immer ihnen danach war, und nicht mehr fortzulaufen brauchten.

Der Trubel der Menschen, das Tanzen, die Unterhaltungen und die Kinder wurden immer lauter, bis die beiden auf das von Feuern erleuchtete freie Feld hinaustraten. Auf offenen, grasbedeckten Plattformen standen Musiker, die sich im Rhythmus der Löffel bewegten, mit denen sie die Rillen ihrer Boldas bearbeiteten, deren eingängige Melodien über das flache Grasland ringsum getragen wurden. Hektische Rhythmen hallten durch das ganze Dorf, wo ihnen andere antworteten oder einfielen. Kostümierte Tänzer zogen im Kreis umher, blieben stehen und drehten sich, sobald einer, springend und stampfend, der Menge aus fröhlichen Kindern und Erwachsenen Geschichten vortanzte. Von den Kochstellen stiegen süßlich duftender Rauch und Gerüche auf, die zu ihnen herüberwehten.

In der Mitte des Platzes loderten gewaltige Feuer donnernd und krachend auf und wärmten sie mit ihrer Hitze. Männer trugen stolz ihre feinsten Felle, Frauen ihre buntesten Kleider. Sie alle hatten sich das Haar ganz frisch mit Schlamm geglättet. Geflochtene Tabletts mit Tavabrot, gerösteten Paprikaschoten, Zwiebeln und langen Bohnen, Kohl, Gurken und Beete, Schalen mit gekochtem Fleisch und Huhn sowie Platten mit Wildschwein und Wildbret wurden von jungen Frauen von den Feuerstellen zu den Menschen hinübergetragen, die sich unter den verschiedenen Schutzdächern versammelt hatten. Das ganze Dorf feierte ein Freudenfest, um die Seelen seiner Ahnen willkommen zu heißen.

Savidlin erhob sich, als sie näher kamen, und lud sie auf die Plattform der Ältesten ein. Er sah würdig aus, mit dem offiziellen Kojotenfell auf seinen Schultern. Der Vogelmann und die anderen Ältesten begrüßten die beiden lächelnd und nickend. Richard hatte sich gerade mit verschränkten Beinen niedergelassen, als die jungen Frauen geflochtene Tabletts und Platten voller Speisen heranschleppten. Sie nahmen Tavabrotstücke und wickelten sie um die Paprikaschoten, vorsichtig darauf bedacht, sie nur mit der rechten Hand zum Mund zu führen. Eine Junge brachte Tonschalen und einen Krug mit Wasser, das leicht mit Gewürzen verfeinert war.

Als sie zu seiner Zufriedenheit versorgt waren, nickte der Vogelmann einer Gruppe von Frauen unter einem nahen Schutzdach zu. Was das bedeutete, wußte Kahlan. Die Frauen waren besondere Köchinnen — die einzigen, denen die Zubereitung der Festmahlspezialitäten gestattet war. Richard verfolgte aus den Augenwinkeln.

wie sich eine von ihnen mit einer geflochtenen Platte Trockenfleisch näherte, welches man säuberlich zu einem Kreis angeordnet hatte. Er ließ sich nicht anmerken, was er dabei empfand.

Wenn er dieses Fleisch nicht aß, würde keine Versammlung stattfinden. Schlimmer noch, es war nicht einfach irgendein Fleisch. Kahlan jedoch wußte, daß er entschlossen war und es irgendwie hinunterwürgen würde.

Die Frauen senkten die Köpfe, hielten die Platte dem Vogelmann hin, dann den anderen Ältesten. Nachdem sich jeder bedient hatte, reichten sie es den Frauen der Ältesten. Einige von ihnen nahmen sich ein Stück. Dann drehten sie sich um und hielten Richard die Platte hin. Er betrachtete sie einen Augenblick lang, dann langte er zu und nahm sich eines der größeren Stücke. Er hielt es zwischen seinen Fingern und betrachtete es. Die Frauen gingen, nachdem Kahlan abgelehnt hatte.