Выбрать главу

Sie schloß die Augen, griff hinein und hatte schließlich einen zappelnden Seelenfrosch in der Hand. Seine glatte, schleimige Haut war ekelhaft. Sie schluckte, riß ihre Konfessorenkraft in Gedanken zusammen, um sie nicht unbeabsichtigt freizusetzen, dann preßte sie sich den Froschrücken zwischen ihre Brüste und reichte den Korb weiter zu Richard.

Ein kribbelndes Ziehen spannte ihre Haut. Sie ließ den Frosch los und griff wieder nach Richards Hand, als die Wände zu schwanken begannen, so als sähe man sie durch Hitze und Rauch. Ihr Verstand mühte sich vergeblich, die Bilder des Seelenhauses ringsum festzuhalten. Sie schwebten davon, gleichzeitig spürte sie, wie sie selbst um die Schädel zu kreisen begann.

Ein Gefühl von Sanftheit umschmeichelte ihre Haut. Licht sprang tanzend aus den Schädeln in der Mitte und füllte ihre Augen. Das Geräusch von Boldas, Trommeln und Gesang drang an ihre Ohren. Der beißende Geruch des Feuers füllte ihre Lunge. Wie schon einmal wurde das Licht aus der Mitte heller, sog sie in sich auf, in seine seidene Leere, und wirbelte sie herum.

Und plötzlich waren sie von Gestalten umgeben. Kahlan kannte sie ebenfalls vom letzten Maclass="underline" es waren die Seelen der Vorfahren. Sie spürte eine hauchzarte Berührung an der Schulter: eine Hand, die Hand einer Seele.

Der Mund des Vogelmannes bewegte sich, doch es war nicht seine Stimme, die sprach. Es waren die vereinten Stimmen der Ahnenseelen, tonlos, hohl. Tot.

»Wer beruft diese Versammlung ein?«

Kahlan beugte sich zu Richard hinüber und sagte leise: »Sie wollen wissen, wer die Versammlung einberufen hat.«

Er nickte. »Ich. Ich habe diese Versammlung einberufen.«

Die Berührung löste sich von ihrer Schulter, und die Seelen schwebten von hinten in die Mitte des Kreises.

»Sag deinen Namen.« Beim Echo ihrer Stimmen kräuselte sich die Haut ihrer Arme schmerzhaft. »Deinen vollen und wahrhaftigen Namen. Wenn du ganz sicher bist, daß du diese Versammlung trotz aller Gefahr willst, dann äußere nach deinem Namen deine Bitte. Du erhältst nur diese eine Warnung

Richard lauschte ihrer Übersetzung starren Blicks. »Richard, bitte…«

»Ich muß.« Er richtete seinen Blick wieder auf die Seelen in der Mitte und atmete tief durch. »Ich heiße Richard…« Er mußte schlucken und schloß kurz die Augen. »Ich heiße Richard Rahl, und ich bitte um diese Versammlung.«

»So sei es denn«, war ein hohles Flüstern zu vernehmen.

Die Tür zum Seelenhaus öffnete sich mit einem lauten Krachen.

Kahlan fuhr mit einem leisen Schrei hoch. Sie spürte, wie auch Richards Hand zuckte. Die Tür stand offen, ein schwarzer Schlund im weichen Licht, das sie umgab. Alle Ältesten hatten den Kopf gehoben, ihre Augen hatten nicht mehr diesen glasigen, fernen Blick. Sie schienen verwirrt, wie benommen.

Dann kamen die Stimmen der Seelen zurück, diesmal nicht durch die Ältesten, sondern aus der Mitte, von den Seelen selbst. Ihr Klang war noch schmerzhafter als zuvor.

»Alle bis auf den, der die Seelen der Verstorbenen ruft, dürfen gehen. Geht, solange ihr noch könnt. Hört auf unsere Warnung. Wer bleibt, riskiert, seine Seele zu verlieren.« Sie drehten sich wie ein Mann zu Richard um. Ihre Stimmen waren ein Zischen. »Du darfst nicht gehen

Verängstigt wechselten die Ältesten hektische Blicke, während Kahlan für Richard übersetzte. Sie wußte: So etwas war noch nie vorgekommen.

»Alles raus«, zischte Richard leise. »Sorge dafür, daß alle verschwinden. Ich will nicht, daß jemandem etwas zustößt.«

Kahlan sah die sorgenvolle Blicke des Vogelmannes. »Bitte, ihr müßt alle sofort gehen. Solange ihr noch könnt. Wir möchten nicht, daß einem von euch etwas zustößt

Die Ältesten musterten den Vogelmann. Er starrte Kahlan einen Augenblick lang an, warf einen knappen Blick auf Richard, dann wieder auf sie.

»Ich kann euch keine Hilfe bieten, Kind. Das ist noch nie vorgekommen. Ich weiß nicht, was es bedeutet

Kahlan nickte. »Ich verstehe. Geht jetzt, bevor es zu spät ist

Savidlin legte ihr kurz die Hand auf die Schulter, dann verschwanden die Ältesten durch das schwarze Nichts der Türöffnung. Sie saß mit Richard und den Seelen allein in der Stille.

»Kahlan, ich will, daß du auch nach draußen gehst. Geh. Sofort.« Seine Stimme klang ruhig, fast kalt. Angst tanzte in seinen Augen. Und Magie.

Sie betrachtete sein Gesicht, während er die Seelen anstarrte.

»Nein«, meinte sie leise. Sie wandte sich wieder der Mitte zu. »Ich werde dich nicht verlassen. Aus welchem Grund auch immer. Auch wenn die Worte noch nicht über uns gesprochen sind, so sind wir durch meine Magie in unseren Herzen miteinander vereint. Wir sind eins. Was dem einen passiert, passiert beiden. Ich bleibe.«

Richard sah nicht herüber. Er starrte weiter die Seelen an, die in der Mitte des Raumes kreisten, über den Schädeln. Sie hatte erwartet, er würde sie anschreien, damit sie ging. Er tat es nicht. Seine Stimme war sanft und gütig.

»Danke. Ich liebe dich, Kahlan Amnell. Also zusammen.«

Die Tür schloß sich mit einem Knall.

Kahlan fuhr hoch, und ein leiser Schreckenslaut entwich ihrer Kehle, bevor sie es verhindern konnte. Sie konnte ihren Puls in den Ohren hören. Der Versuch, ihren Atem zu beruhigen, mißlang. Statt dessen mußte sie schlucken.

Das Bild der Seelen verblaßte. »Wir können nicht Zeuge dessen werden, was du herbeigerufen hast, Richard Rahl. Es tut uns leid

Ihre Gestalten schienen vor ihren Augen zu verdampfen. Mit ihrem Verschwinden erlosch auch das Licht, und die beiden blieben in völliger Dunkelheit zurück. Sie hörte das leise Knistern des Feuers weit hinter dieser Finsternis, Richards schnellen Atem — und sonst nichts. Richards Hand fand ihre. Sie saßen zusammen in völliger Dunkelheit, alleine, nackt.

Kahlan wollte gerade anfangen zu denken — zu hoffen –, daß nichts passieren würde, als sie ein leichtes Glimmen vor sich bemerkte. Ein Licht begann zu glühen.

Ein grünes Licht.

Ein grüner Lichtschein von einer Farbe, wie sie ihn erst an einem einzigen Ort gesehen hatte.

In der Unterwelt.

Ihr Atem ging in unregelmäßigen Zügen. Das grüne Licht wurde heller, und mit ihm wurde ein entferntes Klagen laut.

Aus der Luft ringsum erhob sich ein ohrenbetäubendes Krachen, wie von einem Donnerschlag, unvermittelt, hart und schmerzhaft. Der Boden erzitterte unter dem Aufprall.

Mitten aus dem grünen Licht quoll ein weißlicher Schein, um sich dann zu einer Gestalt zu formen, die vor ihnen stehenblieb. Die feinen Härchen in ihrem Nacken stellten sich auf und erstarrten.

Die weiße Gestalt kam einen Schritt näher. Nur von ferne spürte Kahlan, wie schmerzhaft Richards Händedruck geworden war. Kahlan erkannte das weiße Gewand, das lange Blondhaar, das schmerzhaft schöne Gesicht, das vor ihnen stand und dieses kleine, grauenhafte Lächeln lächelte.

»Die guten Seelen mögen uns beschützen«, hauchte sie.

Es war Darken Rahl.

Genau gleichzeitig erhoben sich Richard und Kahlan langsam auf die Beine. Die leuchtenden blauen Augen verfolgten, wie sie sich erhoben. Entspannt, ohne Eile, hob Darken Rahl eine Hand und leckte sich die Fingerspitzen.

»Vielen Dank, Richard, daß du mich zurückgerufen hast.« Sein grausames Lächeln wurde breiter. »Wie umsichtig von dir.«

»Ich … ich habe dich nicht zurückgerufen«, brachte Richard leise hervor.

Darken Rahl lachte leise in sich hinein. »Und wieder machst du einen Fehler. Natürlich hast du mich zurückgerufen. Du hast eine Versammlung einberufen. Eine Versammlung der Ahnenseelen. Ich bin dein Ahne. Nur du hast mich zurückrufen können, durch den Schleier hindurch. Du allein.«

»Ich brandmarke dich.«

»Brandmarke mich, soviel du willst.« Er breitete die Arme aus, im weißen Licht, das ihn umgab. »Ich bin noch immer hier.«