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»Aber ich habe dich getötet.«

Die leuchtende, strahlende, weiß gewandete Gestalt lachte erneut. »Mich umgebracht? Das hast du allerdings. Und du hast Magie benutzt, um mich an einen anderen Ort zu schicken. An einen Ort, wo ich bekannt bin. Einen Ort, wo ich … Freunde habe. Und nun hast du mich zurückgerufen. Wiederum mit Hilfe von Magie. Nicht einfach nur zurückgerufen, Richard, sondern du hast dafür den Schleier weiter aufgerissen.« Er schüttelte langsam den Kopf. »Nimmt deine Dummheit denn überhaupt kein Ende?«

Darken Rahl kam auf Richard zu, er schien gleichzeitig zu schweben und zu laufen. Richard ließ Kahlans Hand los, während er zurückwich. Sie schaffte es nicht, ihre Beine in Bewegung zu setzen und ihm zu folgen.

Richard hatte die Augen weit aufgerissen. »Ich habe dich umgebracht. Ich habe dich besiegt. Ich habe gewonnen und du verloren.«

Der blonde Kopf nickte langsam. »Du hast eine kleine Schlacht in einem immerwährenden Krieg gewonnen, indem du die Gabe und das Erste Gesetz der Magie angewandt hast. In deiner Unwissenheit jedoch hast du das Zweite Gesetz der Magie verletzt und dadurch alles verloren.« Sein boshaft bedächtiges Lächeln kam zurück. »Wie überaus schade. Hat dir das denn nie jemand erklärt? Magie ist gefährlich. Ich hätte es dir beibringen können. Hätte alles mit dir teilen können.« Er zuckte mit den Achseln. »Aber das spielt keine Rolle. Du hast mir geholfen zu gewinnen, dabei hat dir nicht mal jemand gezeigt, wie. Ich könnte nicht stolzer auf dich sein.«

»Was ist das Zweite Gesetz der Magie? Was habe ich nur getan!«

Rahl zog die Augenbrauen hoch und trat einen Schritt näher.

»Was, du kennst es nicht, Richard? Solltest du aber«, fügte er leise hinzu. »Du hast es heute ein zweites Mal gebrochen. Und dadurch, daß du es ein zweites Mal gebrochen hast, hast du den Schleier erneut eingerissen und mich hergeholt, damit ich ihn ganz aufreißen und den Hüter befreien kann.« Sein spöttisches Grinsen kehrte zurück. »Und alles ganz allein.« Er lachte höhnisch. »Mein Sohn. Du hättest dich niemals in Dinge einmischen sollen, die du nicht begreifst.«

»Was willst du!«

Rahl schwebte noch näher heran. »Dich, mein Sohn. Dich.« Seine Hand kam auf Richard zu. »Du hast mich in eine andere Welt geschickt, und nun werde ich dich dorthin schicken. Du bist dem Hüter versprochen. Er will dich. Du gehörst ihm.«

Ohne es zu bemerken, hatte Kahlan die Faust gehoben und in ihrem tiefsten Innern den Con Dar ausgelöst. Wut machte sich explosionsartig in ihrem Innern breit, und ein blauer Blitz schoß aus ihrer Faust. Die dunkle Leere ringsum wurde von einer Raserei aus Licht und Lärm fortgerissen, die den Boden unter ihren Füßen erzittern ließ. Das Haus der Seelen war wieder da, hell erleuchtet von dem bläulichen Lichtbogen, der bis zu Darken Rahl hinüberreichte.

Mühelos hob er die Hand und wehrte den Angriff ab. Der Lichtblitz spaltete sich. Ein Strahl barst krachend durch das Dach, schoß in den schwarzen Himmel und hinterließ einen Regen aus Ziegelsplittern. Der zweite Teilstrahl schlug im Boden ein, und Staub spritzte in alle Richtungen auf.

Darken Rahls und ihr Blick trafen sich. Seine Augen brannten sich ihr in die Seele. Er hatte das boshafteste Grinsen im Gesicht, das sie je gesehen hatte. Es schien jede Faser ihres Seins zu quälen. Sie versuchte noch einmal, ihre Kraft herbeizurufen, doch nichts geschah. Er hatte irgend etwas getan. Kahlan versuchte es, konnte aber keinen Muskel rühren. Richard schien ebenso gelähmt zu sein wie sie.

Ihre Welt brach mit beängstigender Geschwindigkeit zusammen. Richard, heulte sie in Gedanken auf. Mein Richard. Geliebte Seelen, laßt das nicht zu.

Wutentbrannten Blicks gelang es Richard, einen Schritt nach vorn zu machen, Darken Rahl jedoch legte ihm die Hand auf die linke Seite seiner Brust, über dem Herzen, und ließ ihn zu Stein erstarren.

»Ich zeichne dich, Richard. Für den Hüter. Mit dem Zeichen des Hüters. Du gehörst ihm.«

Richard warf den Kopf nach hinten. Sein Schrei schien das Gefüge der Luft zu sprengen, war so voller Verzweiflung, daß es ihr Herz und Seele auseinanderriß. Kahlan fühlte sich, als müßte sie in diesem Augenblick tausend Tode sterben.

Als Darken Rahl Richard die Hand auf die Brust legte, kräuselten ein paar Rauchfetzen davon. Der Gestank verbrannten Fleisches stieg Kahlan in die Nase.

Darken Rahl zog seine Hand zurück. »Das ist der Preis der Dummheit, Richard. Du bist gezeichnet. Jetzt gehörst du dem Hüter. Jetzt und für immer. Die Reise beginnt.«

Richard brach zusammen wie eine Marionette, der man die Fäden gekappt hatte. Kahlan wußte nicht, ob er bewußtlos war oder tot. Irgend etwas hielt sie aufrecht, aber ihre Beine waren es nicht. Es waren die Fäden, die Darken Rahl in Händen hielt.

Er schwebte zu ihr herüber. Er beugte sich bedrohlich über sie, erdrückte sie mit seinem blendenden Glanz. Kahlan wollte im Boden versinken, die Augen schließen, konnte aber nicht.

Schließlich fand sie ihre Stimme wieder. »Töte mich auch«, sagte sie leise. »Schicke mich dorthin, wo du ihn hingeschickt hast. Bitte.«

Er griff mit seiner glühenden Hand nach ihr. Der Schmerz in ihrem Herzen riß allen Sinn aus ihrem Verstand. Er spreizte die Finger. Die Berührung auf ihrer Haut jagte eine Schockwelle aus Feuer und Eis durch ihren Körper.

Er zog die Hand zurück.

»Nein.« Wieder machte sich das unbarmherzige Lächeln auf Darken Rahls Gesicht breit. »Nein. Das wäre zu einfach. Er soll sehen, was mit dir geschieht. Er soll hilflos zusehen.« Zum ersten Mal lächelte er so, daß man seine Zähne sehen konnte. »Er soll leiden.« In seinen Augen war dasselbe furchteinflößend wütende Funkeln, das Richard geerbt hatte.

»Du wirst für’s erste weiterleben. Du wirst dich noch früh genug unter anderen Qualen winden, sowohl lebendig als auch tot«, sagte er leise mit einem wohlbedachten gnadenlosen Unterton. »Und er wird dabei zusehen. Bis in alle Ewigkeit. Ich werde zusehen. Bis in alle Ewigkeit. Der Hüter wird zusehen. Bis in alle Ewigkeit.«

»Bitte«, jammerte sie, »laß mich mit ihm gehen.«

Er streckte einen Finger vor und berührte eine ihrer Tränen. Die Berührung war so schmerzhaft, daß sie zurückschreckte. »Da du ihn so sehr liebst, werde ich dir etwas schenken.« Er drehte sich um und reckte seinen Arm geschmeidig in Richards Richtung. Seine beängstigenden blauen Augen kehrten zu ihr zurück. »Ich werde ihn noch ein Weilchen leben lassen. So lange, daß du mitansehen kannst, wie das Zeichen des Hüters ihn ausbluten läßt. Ihm die Seele aus dem Leibe zieht. Zeit ist nichts. Der Hüter wird ihn bekommen. Ich schenke dir dieses Fünkchen Zeit der Ewigkeit, damit du zusehen kannst, wie dein Geliebter stirbt.«

Er beugte sich zu ihr vor. Sie mühte sich ab, wollte zurückweichen, doch es gelang ihr nicht. Seine Lippen hinterließen einen Kuß auf ihrer Wange. Der Schmerz fuhr wie ein stummer Schrei durch ihren Körper und füllte ihren Verstand mit den Bildern einer Vergewaltigung. Sein Mund war dicht an ihrem Ohr.

»Genieße mein Geschenk«, flüsterte er ihr plump vertraulich ein. »Beizeiten werde ich auch dich bekommen. Für immer. Zwischen Leben und Tod. Für immer. Ich würde dir gern erzählen, wie sehr du leiden wirst, aber ich fürchte, du wärst nicht in der Lage, es zu verstehen. Ich werde es dir schon bald zeigen.« Er hauchte ihr sein Lachen ins Ohr. »Sobald ich den Schleier ganz zerrissen und den Hüter befreit habe.«

Sie stand hilflos da, während er ihr einen zweiten Kuß auf die Wange drückte. Die grauenerregenden Bilder, die er in ihren Verstand einbrannte, hinterließen ein Gefühl der Schande, das alles überstieg, was sie für möglich gehalten hatte. »Nur ein winziger Vorgeschmack. Bis bald, Mutter Konfessor.«

Nachdem er von ihr abgelassen hatte, konnte sie sich wieder bewegen. Verzweifelt versuchte sie, ihre Kraft zu sammeln. Sie ließ sich nicht packen. Sie schüttelte sich unter Tränen, als sie sah, wie er durch die Tür des Seelenhauses glitt und verschwand.