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Denna schüttelte den Kopf. »Was er dir erzählt hat, ist kaum ein Bruchteil der ganzen Geschichte. Du kannst dir nicht vorstellen, was er dir alles nicht erzählt hat. Ich kenne seinen Wahn. Er wird dir das übrige nicht erzählen. Ich muß es tun.«

Kahlan kochte vor Wut. »Ich glaube, das wäre nicht klug von dir. Wenn er es mir nicht erzählen will, dann soll ich es wohl auch nicht erfahren.«

»Du mußt. Du mußt ihn verstehen, wenn du ihm helfen willst. In manchen Dingen verstehe ich ihn besser als du. Ich habe ihn an den Rand des Wahnsinns geführt und darüber hinaus. Ich habe ihn in der Ödnis des Irrsinns gesehen. Ich stand über ihn gebeugt und habe ihn gezwungen, dort zu bleiben.«

Kahlans Augen funkelten vor Wut. Sie sah, wie Denna Richard anblickte. Sie traute ihr nicht. »Du liebst ihn.«

Denna starrte sie an. »Er liebt dich. Ich habe diese Liebe dazu benutzt, ihm weh zu tun. Ich habe ihn an die Schwelle des Todes geführt und ihn dort gehalten, am Scheidepunkt. Andere hätten einen Mann schneller an diese Schwelle herangeführt, aber sie hätten ihn nicht dort halten können. Immer sind sie zu schnell einen Schritt zu weit gegangen, haben die Männer umgebracht und es beendet, bevor sie ihnen die allererlesensten Qualen entlocken, ihnen die grausamsten Wahnvorstellungen eingeben konnten. Darken Rahl hat mich ausgewählt, weil ich ein Talent dafür hatte, die Männer am Leben zu lassen und ihnen diese Schmerzen zuzufügen. Und dann noch mehr und immer mehr und immer mehr. Darken Rahl hat es mir selbst beigebracht. Manchmal mußte ich stundenlang dasitzen und warten, weil ich wußte, die nächste Berührung mit dem Strafer wäre eine Berührung zuviel — sie würde ihn töten. Während ich so dasaß und darauf wartete, daß er sich erholt, damit ich ihn weiter quälen konnte, hat er oft deinen Namen geflüstert, wieder und wieder, stundenlang. Er hat es nicht einmal selbst gemerkt.

Du warst der Faden, der ihn mit dem Leben verbunden hat. Ebendieser Faden hat es mir ermöglicht, ihm diese zusätzlichen Schmerzen zuzufügen. Er hat es mir ermöglicht, ihn immer näher an den Tod heranzuführen, immer tiefer in den Wahn. Ich habe seine Liebe für dich dazu benutzt, ihn weit über das sonst mögliche Maß hinaus zu strafen. Während ich so dasaß und hörte, wie er leise deinen Namen sprach, habe ich mir oft gewünscht, es wäre einmal, nur ein einziges Mal, mein Name, den er ruft. Er hat es nie getan. Mehr als für alles andere habe ich ihm deshalb weh getan.«

Kahlan liefen die Tranen über die Wangen, tropften ihr vom Gesicht. »Bitte, Denna, ich will nichts weiter hören. Ich kann es nicht länger ertragen — daß ich es war, die dir all das ermöglicht hat.«

»Du mußt. Ich habe noch nicht einmal angefangen, dir zu erzählen, was du wissen mußt, um ihm zu helfen. Du mußt begreifen, wie ich die Magie gegen ihn benutzt habe, wieso er die Magie haßt, die in ihm steckt. Ich verstehe das. Denn was ich ihm angetan habe, wurde auch mir angetan — von Darken Rahl.«

Während Kahlan zitternd dasaß und mit leerem Blick ins Leere starrte, fast wie in Trance, begann Denna, ihr zu erzählen, was sie Richard angetan hatte. Wie sie den Strafer benutzt hatte. Bei jeder Beschreibung einer Berührung, bei allem, zu was dieses Ding imstande war, zuckte Kahlan zusammen. Sie erinnerte sich nur zu gut an die Berührung, an diese wahnsinnigen Schmerzen. Sie erfuhr, daß das, was sie gespürt hatte, noch das Geringste war.

Sie weinte, als Denna ihr erzählte, wie Richard in Ketten dagehangen hatte, sie ihm den Kopf an den Haaren nach hinten gerissen und ihn gezwungen hatte, vollkommen reglos zu verharren, während sie ihm den Strafer ins Ohr gestoßen und einen bleibenden Schaden in seinem Kopf riskiert hatte. Und daß sie es hatte tun können, weil er Kahlan liebte. Sie schüttelte sich, als sie die entsetzliche Beschreibung dessen hörte, was dies bei ihm ausgelöst, was die Magie, und seine eigene Magie, bei ihm angerichtet hatte. Sie konnte Denna nicht ansehen, während diese erzählte. Konnte ihr nicht in die Augen blicken. Und das war erst der Anfang.

Sie hielt sich den Bauch und schlug sich ihre zitternde Hand vor den Mund, um sich nicht zu übergeben, während ihr Denna eine unsägliche Handlung nach der anderen beschrieb. Kahlan konnte nicht aufhören zu weinen. Sie würgte und schloß die Augen.

Während sie zuhörte, flehte sie die guten Seelen an, Denna möge ihr nicht das eine erzählen, das sie unmöglich ertragen konnte.

Dann erzählte es ihr Denna doch. Erzählte ihr, was eine Mord-Sith mit ihrem Gatten machte und warum ihre Gatten niemals lange lebten. Jede intime Einzelheit. Und daß sie das, was sie Richard angetan hatte, noch keinem anderen Gatten angetan hatte.

Mit einem Aufschrei drehte sich Kahlan zur Seite, kroch ein kurzes Stück fort und übergab sich. Auf eine Hand gestützt, die andere auf den Unterleib gelegt, weinte sie, würgte und erbrach sich. Dennas Hände waren bei ihr und hielten ihr Haar zurück, während Kahlan den Inhalt ihres Magens in den Staub spuckte. Sie kotzte, bis ihr Innerstes nach außen gekehrt war.

Sie spürte Dennas warme, kribbelnde Berührung auf ihrem Rücken. Sie wollte den Blitz herbeirufen, doch ihr war zu übel, um die Kraft dafür zu finden. Sie war hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, sich auf Richard zu werfen und ihn zu trösten und diese Frau mit der Magie des Con Dar, des Blutrauschs, in Stücke zu reißen.

Unter Würgen, Keuchen und unter Tränen gelang es Kahlan, die Worte hervorzustoßen. »Nimm … deine Hände … weg.« Die Hand, die ihre Haare hielt, verschwand. Die Hand auf ihrem Rücken entfernte sich. Ihr Magen stülpte sich in einem trockenen Würgen um. »Wie oft hast du ihm das angetan?«

»Oft genug. Es spielt keine Rolle.«

Kahlan drehte sich wütend um, ballte die Fäuste und schrie. »Wie oft?«

Dennas Stimme war sanft und ruhig. »Tut mir leid, Kahlan, ich weiß es nicht. Ich habe keine Strichliste geführt. Aber er war lange Zeit bei mir. Länger als jeder andere Gatte. Ich habe es fast jeden Abend getan. Was ich ihm angetan habe, habe ich keinem anderen angetan, denn kein anderer hatte Richards Kraft, die Kraft der Liebe, die er für dich empfand. Die anderen wären schon beim ersten Mal gestorben. Er hat lange gegen mich gekämpft. Ich habe es oft genug getan, das ist alles. Oft genug.«

»Oft genug! Oft genug für was?«

»Oft genug, um einen Teil von ihm in den Wahnsinn zu treiben.«

»Er ist nicht wahnsinnig! Das ist er nicht! Niemals!«

Denna betrachtete Kahlan, die sich vor Qual und Wut schüttelte. »Kahlan, hör mich an. Jeder andere wäre an dem zerbrochen, was ich getan habe. Richard hat sich gerettet, indem er seinen Verstand abgeteilt hat. Er hat sein Innerstes weggeschlossen, dorthin, wo ich nicht drankam, wo die Magie nicht hinreichte. Er hat dafür seine Gabe benutzt. Das hat sein Innerstes vor dem Wahnsinn gerettet. Doch in den dunkelsten Winkeln seines Verstandes lauert der Wahn. Ich habe seine eigene Magie gegen ihn benutzt, um ihn in den Wahn zu treiben. Er konnte sich nicht völlig vor dem schützen, was ich ihm angetan habe. Ich habe dir erzählt, was ich getan habe, damit du die Wahrheit seines Wahns erkennen kannst. Diesen Teil von sich mußte er aufgeben, um den Rest zu retten. Ich wünschte, ich hätte dasselbe tun können, als man es mir antat.«

Kahlan nahm Richards Hand und drückte sie an ihr Herz. »Wie konntest du das tun?« weinte sie. »Mein armer Richard. Wie konntest du? Wie konntest du das irgend jemandem antun?«

»Wir alle sind zu einem gewissen Grad wahnsinnig. Manche mehr als andere. Mein ganzes Leben war überschattet davon.«

»Wie konntest du es dann tun? Wie konntest du, wo du doch wußtest, wie es ist!«

Denna sah sie unter ihren Brauen hervor an. »Du hast selber schreckliche Dinge getan. Du hast deine Kraft dazu benutzt, Menschen weh zu tun.«

»Aber das waren Menschen, die sich grauenhafter Verbrechen schuldig gemacht hatten!«