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Kahlan wappnete sich für ihre Unterlassungslüge, hielt aber seinem prüfenden Blick nicht stand. Sie schmiegte ihr Gesicht an seine Schulter und suchte verzweifelt nach einer Möglichkeit, ihn vom Thema abzubringen. »Und dann haben die Ältesten und ich dich hierhergetragen, damit Nissel deine Brandwunde verbinden konnte. Sie meinte, die Wunde sei schlimm, aber mit der Packung würde sie wieder verheilen. Du mußt sie ein paar Tage drauflassen, damit die Wunde sich ausreichend schließt.«

Sie drohte ihm verärgert mit dem Finger. »Ich kenne dich. Bestimmt willst du sie früher abnehmen. Du glaubst immer, alles am besten zu wissen. Aber das stimmt nicht. Du wirst sie drauflassen, wie ich es dir gesagt habe, Richard Cypher.«

Sein Lächeln wurde schmaler. »Richard Rahl.«

Sie starrte ihn an. »Tut mir leid«, meinte sie leise. »Richard Rahl.« Sie zwang sich zu lächeln. »Mein Richard. Vielleicht könntest du den Namen ändern, wenn wir verheiratet sind. Du könntest Richard Amnell werden. Gatten von Konfessoren nehmen manchmal den Familiennamen ihrer Frau an.«

Er grinste. »Das gefällt mir. Richard Amnell. Ehemann der Mutter Konfessor. Hingebungsvoller Ehemann. Liebevoller Ehemann.« Sein Blick bekam wieder etwas Gehetztes. »Manchmal habe ich Angst, weil ich nicht weiß, wer oder was ich wirklich bin. Manchmal glaube ich…«

»Du bist ein Teil von mir, und ich bin ein Teil von dir. Das allein zählt.«

Er nickte abwesend, Tränen glitzerten in seinen Augen. »Ich wollte helfen mit der Versammlung. Ich wollte einen Weg finden, um all dem hier ein Ende zu machen. Statt dessen ist es, wie Darken Rahl sagte, ich habe alles nur noch schlimmer gemacht. Er hatte recht, ich bin dumm. Ich werde schuld sein, wenn…«

»Hör auf, Richard. Du bist verwundet worden. Du bist bloß erschöpft. Wenn du dich erholt hast, wirst du dir etwas überlegen. Du wirst wissen, was zu tun ist.«

Er gab sich einen Ruck. Dann warf er die Decke fort und sah an sich herab. »Wer hat mir den Schlamm heruntergewaschen und mich angezogen?«

»Die Ältesten haben den Schlamm heruntergewaschen. Nissel und ich wollten dich anziehen«, meinte sie und fügte hinzu, als er rot wurde, »aber du warst zu groß und schwer für uns. Die Ältesten haben auch das übernommen. Sie hatten alle Hände voll zu tun. Sie mußten alle mithelfen.«

Er nickte gedankenverloren. Er hörte längst nicht mehr zu. Er tastete nach der Stelle auf seiner Brust, wo gewöhnlich die Pfeife, Scarlets Zahn und der Strafer hingen, fand sie aber nicht. »Wir müssen fort von hier. Wir müssen zu Zedd. Sofort, bevor noch etwas geschieht. Ich brauche Zedds Hilfe. Wo ist Scarlets Zahn? Ich muß sie rufen. Wo ist mein Schwert?«

»Deine Sachen befinden sich alle im Haus der Seelen.«

Er rieb sich mit den Händen übers Gesicht und dachte nach, dann fuhr er sich mit den Fingern durchs Haar. »Also gut.« Er sah ihr entschlossen in die Augen. »Ich gehe den Zahn holen und rufe Scarlet, dann suche ich unsere Sachen zusammen und bereite alles für unseren Aufbruch vor.« Er drückte sie sanft am Oberarm. »Du gehst zu Weselan und ziehst dein Hochzeitskleid an. Wir können getraut werden, während wir auf Scarlet warten. Sobald Scarlet hier ist, brechen wir auf.« Er gab ihr einen Kuß auf die Wange. »Dann sind wir verheiratet und werden vor Einbruch der Dunkelheit bei Zedd in Aydindril sein. Alles wird gut werden, du wirst sehen. Alles wird gut werden. Ich werde dahinterkommen, was ich falsch gemacht habe, und es wiedergutmachen. Das verspreche ich.«

Sie schlang ihm die Arme um den Hals. »Wir werden es wiedergutmachen«, verbesserte sie ihn. »Zusammen. Immer zusammen.«

Er lachte ihr leise ins Ohr. »Zusammen. Ich brauche dich. Du leuchtest mir den Weg.«

Sie löste sich von ihm und warf ihm einen strengen Blick zu. »Nun, ich habe strikte Anweisungen für dich, und du wirst genau das tun, was man dir sagt. Du wirst hier warten, bis Nissel dir erlaubt aufzustehen. Sie hat gesagt, wenn du aufwachst, muß sie die Packung und den Verband wechseln und dir deine Medizin geben. Du sollst hierbleiben, bis sie fertig ist. Verstanden? Ich will nicht, daß du mir krank wirst und stirbst, nicht, nachdem ich mir soviel Mühe gegeben und dich gerettet habe — und ich habe mir sehr viel Mühe gegeben. Danach werde ich zu Weselan gehen, damit sie mein Kleid anpassen kann. Wenn Nissel mit dir fertig ist, dann« — sie drohte ihm mit dem Finger — »und erst dann darfst du gehen und Scarlet rufen. Wenn du hier mit Nissel fertig bist, wenn du Scarlet gerufen und unsere Sachen zusammen hast, dann wirst du kommen und mich holen, damit wir heiraten können.« Sie gab ihm einen Kuß auf die Nasenspitze. »Aber nur, wenn du mir versprichst, mich immer zu lieben.«

»Immer«, meinte er und feixte.

Sie legte ihm die Hände um den kräftigen Hals und verschränkte die Finger hinter seinem Kopf. »Ich werde Nissel wecken und sie bitten, sich mit dir zu beeilen. Danach darfst du keine Zeit mehr verlieren, Richard. Rufe Scarlet schnell, so schnell du kannst. Ich will fort von hier. Ich will fort, bevor Schwester Verna auch nur in die Nähe kommt. Ich will kein Risiko eingehen, auch wenn sie angeblich erst in ein paar Tagen zurück sein soll. Ich will, daß wir dann fort sind. Fort von den Schwestern des Lichts. Ich will dich zu Zedd bringen, damit er dir mit deinen Kopfschmerzen helfen kann, bevor sie schlimmer werden.«

Er grinste sie schief an wie ein kleiner Junge. »Und was ist mit deinem großen Bett in Aydindril? Du hast es doch auch eilig, dorthin zu kommen, oder?«

Sie drückte ihm sanft einen Finger auf die Nase. »Ich war noch nie mit jemandem in diesem Bett. Hoffentlich bist du nicht enttäuscht.«

Er packte sie mit seinen kräftigen Händen am Handgelenk und zog sie so fest an sich, daß sie aufstöhnte. Er befreite ihren Hals von ihren langen Haaren und drückte ihr einen zärtlichen Kuß darauf — genau dorthin, wo Darken Rahls Lippen gewesen waren. »Enttäuscht? Das, meine Liebste, ist das einzige auf der ganzen Welt, das du bestimmt nicht kannst.« Er küßte sie noch einmal kribbelnd auf den Hals. »Jetzt geh und hole Nissel. Wir verschwenden unsere Zeit.«

Kahlan zupfte an dem Stoff und versuchte ihn so hoch zu ziehen, wie es irgend ging. »Ich habe noch nie etwas so tief Ausgeschnittenes getragen. Meinst du nicht … man kann zuviel erkennen?«

Weselan sah vom Boden auf, wo sie gerade mit dem Saum des blauen Kleides beschäftigt war. Sie nahm die feine Knochennadel aus dem Mund und stand auf, um den Sitz des Kleides zu bewundern. Sie betrachtete einen Augenblick lang das tief ausgeschnittene Dekollete.

»Meinst du, es wird ihm gefallen?«

Kahlan spürte, wie sie rot wurde. »Doch, ich denke schon. Hoffentlich, aber…«

Weselan beugte sich ein Stück näher. »Wenn du dir Sorgen machst, weil er zuviel sehen könnte, solltest du dir das Ganze vielleicht noch einmal überlegen

Kahlan machte ein erstauntes Gesicht. »Er ist schließlich nicht der einzige, der hinschauen wird. Ich habe so etwas noch nie getragen. Ich … ich mache mir Sorgen, daß ich dem Kleid vielleicht nicht gerecht werde

Weselan tätschelte lächelnd Kahlans Arm. »Das Kleid steht dir ausgezeichnet. Du siehst wundervoll darin aus. Genau das richtige

Kahlan schien immer noch besorgt, als sie an sich herabsah. »Wirklich? Bist du sicher? Fülle ich es auch richtig aus?«

Weselans Schmunzeln wurde noch breiter. »Bestimmt. Du hast schöne Brüste. Jeder sagt das

Kahlan fühlte, wie sie rot wurde. Sie war sicher, daß Weselans beiläufige Bemerkung der Wahrheit entsprach. Bei den Schlammenschen waren bewundernde Bemerkungen über die Brüste einer Frau in aller Öffentlichkeit ebenso normal wie anderswo die von einem Mann geäußerte Ansicht, eine Frau habe ein hübsches Lächeln. Diese zwanglose Haltung hatte sie mehr als einmal in einem unbedachten Augenblick überrascht.