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Kahlan brach es das Herz. Sie wollte ein letztes Mal sein Gesicht sehen, doch er drehte sich nicht um, als die beiden aufbrachen.

Kahlan sank auf die Knie. »Richard«, jammerte sie, »ich liebe dich.«

Er schien sie nicht zu hören, während er und Schwester Verna im verschneiten Grasland verschwanden. Kahlan hockte in ihrem Hochzeitskleid auf der Erde, ließ den Kopf hängen und weinte. Weselan legte den Arm um sie, versuchte, sie zu trösten.

Kahlan fielen seine Worte ein: Geh und suche Zedd. Sie zwang sich aufzustehen. Die Ältesten waren versammelt. Sie wandte sich ihnen zu.

»Ich muß sofort aufbrechen. Ich muß nach Aydindril. Ich brauche ein paar Männer, die mich begleiten, die mir helfen, es zu schaffen

Savidlin trat neben sie. »Ich komme mit. Und so viele meiner Jäger, wie du willst. Alle, wenn du möchtest. Wir nehmen hundert mit

Kahlan legte ihm die Hand auf seine Schulter und lächelte gerührt. »Nein. Ich möchte nicht, daß du mitkommst, mein Freund, und auch nicht deine Jäger. Ich werde nur drei Männer mitnehmen.« Verwirrtes Gemurmel erhob sich. »Mehr würden nur Aufmerksamkeit auf uns lenken, vielleicht sogar Schwierigkeiten bedeuten. Zu viert wird es leichter sein, sich unbemerkt durchzuschlagen. Auf diese Weise geht es auch schneller

Kahlan zeigte auf einen, der die Szene mit funkelnden Augen verfolgt hatte. »Ich nehme dich mit, Chandalen.« Seine beiden Brüder standen neben ihm. »Und euch, Prindin und Tossidin

Chandalen stürzte nach vorn. »Mich! Warum ausgerechnet mich!«

»Weil ich nicht scheitern darf. Ich weiß, wenn ich Savidlin mitnähme, würde er sein Bestes geben, doch wenn er versagt, dann wüßten die Schlammenschen, daß er sein Bestes versucht hätte. Du bist der bessere Menschenjäger. Richard hat mir mal erzählt, müßte er einen Mann aussuchen, der an seiner Seite kämpfen soll, dann wärst das du, obwohl du ihn haßt.

Dort, wo wir hingehen, bilden Menschen die Gefahr. Wenn ich es nicht schaffe und du mich enttäuscht, wird jeder denken, es läge daran, daß du nicht dein Bestes gegeben hast. Man wird immer glauben, daß du mich hast sterben lassen — einen anderen Schlammenschen hast sterben lassen — , weil du mich und Richard haßt. Läßt du zu, daß man mich tötet, wirst du bei den Schlammenschen — bei deinem eigenen Volk — nie wieder willkommen sein

Prindin trat vor, sein Bruder gleich neben ihm. »Ich komme mit. Mein Bruder auch. Wir werden dir helfen

Chandalen war außer sich. »Aber ich nicht! Ich werde nicht mitgehen!«

Kahlan blickte hinüber zum Vogelmann. Er sah sie aus seinen braunen Augen an, dann warf er Chandalen einen eisenharten Blick zu. »Kahlan ist ein Schlammensch. Du bist der tapferste und gerissenste Krieger von uns allen. Es ist deine Aufgabe, uns zu beschützen. Uns alle. Du wirst es tun. Du wirst mit ihr gehen. Du wirst ihre Befehle befolgen, und du wirst sie sicher dorthin bringen, wohin sie will. Wenn nicht, dann wirst du jetzt sofort gehen und niemals wiederkommen. Noch etwas, Chandalen. Komm nicht zurück, wenn sie getötet wird. Tust du es doch, dann werden wir dich töten wie jeden anderen Fremdling mit schwarzer Farbe über seinen Augen

Chandalen bebte vor Wut. Er bohrte seinen Speer in den Boden und stemmte die Fäuste in die Hüften. »Wenn ich unser Land verlassen soll, wird eine Zeremonie stattfinden müssen, um die Seelen um Schutz auf unserer Reise zu bitten. Das wird bis morgen dauern. Dann brechen wir auf

Alle Augen richteten sich auf Kahlan. »Ich breche in einer Stunde auf. Du wirst mich begleiten. Bis dahin hast du Zeit, deine Vorbereitungen zu treffen

Kahlan kehrte ins Haus der Seelen zurück, um ihr Hochzeitskleid gegen ihre Reisekleidung zu tauschen und ihre Sachen zusammenzupacken. Dankbar nahm sie Weselans Angebot an, ihr zu helfen.

18

Dicke, fette Schneeflocken rieselten herab. Manchmal fielen sie dichter, sammelten sich in Böen und wurden zu weißen Schleiern hochgewirbelt. Richard ritt hinter Schwester Verna. Das dritte Pferd war an seinem festgebunden. Wenn der Schnee in dichten Wirbeln vom Himmel stürzte, war von der Schwester kaum mehr als ein grauer Schatten zu sehen.

Er kam nie auf den Gedanken, sich zu fragen, wohin sie ritten, oder sein Gewand gegen den kalten, schneidenden Wind zu schließen. Es war ihm egal, alles war ihm egal.

Seine Gedanken fanden keine Ruhe und schienen mit dem Schnee zu treiben und zu tanzen. Noch nie in seinem Leben hatte er jemanden so geliebt wie Kahlan. Sie bedeutete ihm sein ganzes Leben.

Und sie hatte ihn fortgeschickt.

Sein Schmerz war so groß, daß er an nichts anderes denken konnte. Er war bestürzt, daß sie seine Liebe in Frage stellen und ihn fortschicken konnte. Warum nur, fragte er sich.

Diese schwermütigen Gedanken ließen ihn nicht los. Er begriff nicht, wie sie ihn hatte bitten können, als Beweis für seine Liebe einen Halsring anzulegen. Er hatte ihr doch erklärt, was das für ihn bedeutete. Vielleicht hätte er ihr alles erzählen sollen. Vielleicht hätte sie dann verstanden.

Die Stelle an seiner Brust, wo Darken Rahl ihn verbrannt hatte, schmerzte. Als er die Hand hob und den Verband berührte, merkte er schließlich, daß das Schneetreiben aufgehört hatte. Die tiefhängenden, dahinjagenden Wolken waren hier und dort aufgerissen und ließen schräge Balken leuchtenden Sonnenlichts durch. Die Steppe war von stumpfer, brauner Farbe, die Wolken von einem matten, toten Grau. Die Landschaft war farblos, leer.

Am Stand der Sonne erkannte er, daß es auf den späten Nachmittag zuging. Sie waren lange schweigend geritten. Schwester Verna hatte nicht gesprochen.

Er hob die Hand und befühlte probeweise zum erstenmal den Halsring. Er war glatt, nahtlos, kalt. Er hatte sich geschworen, niemals wieder einen Halsring anzulegen. Das hatte er sich selbst versprochen. Und nun war es doch passiert. Schlimmer noch, er hatte ihn mit eigener Hand angelegt, und zwar, weil Kahlan ihn darum gebeten hatte. Weil sie an ihm zweifelte.

Zum allerersten Mal, seit er ihn angelegt hatte, zwang er sich, an etwas anderes zu denken. Er konnte nicht länger an Kahlan denken, es war zu schmerzhaft. Er war der Sucher — es gab andere Dinge, über die er nachdenken mußte, wichtige Dinge. Mit einem sanften Druck seiner Unterschenkel auf den Sattelgurt seines Pferdes trieb er es nach vorn und holte den kastanienbraunen Wallach der Schwester ein.

Richard wollte die Kapuze seines Gewandes nach hinten schieben und stellte fest, daß er sie nicht einmal übergestreift hatte, also fuhr er sich statt dessen mit den Fingern durch sein nasses Haar.

»Es gibt ein paar Dinge, über die wir uns unterhalten müssen. Wichtige Dinge, von denen Ihr nichts wißt.«

Sie warf ihm einen unbeteiligten Blick zu. Der Rand ihrer Kapuze verdeckte einen Teil ihres Gesichts. »Und welche Dinge wären das?«

»Ich bin der Sucher.«

Sie sah nach vorn. »Das ist mir nicht neu.«

Ihre ruhige, unbeteiligte Art ging ihm auf die Nerven. »Ich habe Pflichten. Ich habe es Euch schon einmal gesagt: es geschehen wichtige Dinge, von denen Ihr nichts wißt. Gefährliche Dinge.« Sie reagierte nicht. Es war, als hätte er überhaupt nichts gesagt. Er beschloß, gleich zum Kern der Sache vorzustoßen. »Der Hüter versucht, aus der Unterwelt zu entkommen.«

»Wir sprechen seinen Namen niemals aus. Du darfst ihn nicht in einer Weise aussprechen, wie du es gerade getan hast. Das weckt seine Aufmerksamkeit. Wenn wir gezwungen sind, von ihm zu sprechen, bezeichnen wir ihn als den Namenlosen.«

Sie sprach mit ihm wie mit einem kleinen Kind. Kahlans Leben war in Gefahr, und diese Frau behandelte ihn wie ein Kind. »Ist mir völlig gleich, wie Ihr ihn nennt. Er versucht zu entkommen. Und eins laßt Euch gesagt sein: Ich habe seine Aufmerksamkeit bereits geweckt.«