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Kahlan verschränkte die Arme. »Meiner Erfahrung nach, würde ich sagen, können Prophezeiungen manchmal eher verdunkelnd als erhellend sein.«

Ann mußte herzhaft lachen, »Ich kenne Schwestern, die Hunderte von Jahren älter sind als du und längst noch nicht so viel von den Prophezeiungen verstanden haben.«

Als sie fortfuhr, wurde ihre Stimme nachdenklich. »Ich unternahm diese Reise, weil ich Richard sehen wollte, als er noch ein neugeborenes Leben war, eine neugeborene Seele, die blinzelnd in die Welt blicke. Seine Mutter war so verblüfft, so dankbar für die Wiedergutmachung in Gestalt eines so prachtvollen Geschenks, das aus der Brutalität, mit der sich Darken Rahl an ihr vergangen hatte, entstanden war. Sie war eine bemerkenswerte Frau, denn sie gab die Bitterkeit und den Groll nicht an ihr Kind weiter. Sie war so stolz auf Richard, so voller Träume und Hoffnungen für ihn.

Als Richard noch dieses neugeborene Leben war, das an der Brust seiner Mutter saugte, nahmen Nathan und ich seinen Stiefvater mit, um das Buch der Gezählten Schatten wiederzubeschaffen, damit Richard, sobald er erwachsen wäre, über das Wissen verfügen konnte, sich von der Bestie zu befreien, die seine Mutter vergewaltigt und ihm das Leben geschenkt hatte.«

Ann sah verlegen lächelnd auf. »Eine Prophezeiung, siehst du.«

»Richard hat mir davon erzählt.« Kahlan sah sich nach dem Vogelmann um, der versunken die am Boden pickenden Hühner betrachtete.

»Richard ist der lang Erwartete: ein Kriegszauberer. In den Prophezeiungen ist nicht davon die Rede, ob er Erfolg haben wird, aber er ist der, der für den Kampf geboren wurde – sozusagen für den Kampf um die Unversehrtheit der Huldigung. Ein solcher Glaube erfordert manchmal allerdings eine große spirituelle Anstrengung.«

»Warum? Wenn er derjenige ist, auf den du gewartet hast – den du gewollt hast?«

Ann räusperte sich und schien ihre Gedanken zu ordnen. Kahlan glaubte, Tränen in den Augen der Frau zu erkennen.

»Er hat den Palast der Propheten zerstört. Richard ist es zu verdanken, daß Nathan entkommen konnte. Nathan ist gefährlich, schließlich hat er dir die Namen der Chimären verraten. Diese gefährlich übereilte Tat hätte uns alle ins Verderben stürzen können.«

»Sie hat Richard das Leben gerettet«, gab Kahlan zu bedenken. »Hätte Nathan mir nicht die Namen der drei Chimären verraten, wäre Richard tot. Dann läge dein Kiesel auf dem Grund des Teiches – wo er unerreichbar und für niemanden eine Hilfe wäre.«

»Wohl wahr«, gab Ann zu – widerstrebend, wie Kahlan fand.

Kahlan nestelte an einem Knopf, während ihr Anns Standpunkt allmählich immer deutlicher wurde. »Das muß schwer zu ertragen gewesen sein, mit ansehen zu müssen, wie Richard den Palast zerstörte. Dein Zuhause.«

»Zusammen mit dem Palast zerstörte er auch dessen Bann. Von jetzt an werden die Schwestern des Lichts altern wie alle anderen Menschen auch. Im Palast hätte ich vielleicht noch weitere hundert Jahre zu leben gehabt, die Schwestern hätten dort noch viele Jahrhunderte weiterleben können. Jetzt bin ich nichts weiter als eine alte Frau, die ihrem Ende entgegensieht. Richard hat mir diese Jahrhunderte geraubt und allen anderen Schwestern auch.«

Kahlan wußte nicht, was sie sagen sollte.

»Möglicherweise hängt die Zukunft eines jeden von ihm ab«, meinte Ann schließlich. »Das müssen wir uns stets vor Augen halten. Deswegen habe ich ihm bei der Zerstörung des Palastes geholfen, deswegen diene ich dem Mann, der scheinbar mein Lebenswerk zerstört hat: denn mein eigentliches Lebenswerk ist der Kampf dieses Mannes und nicht meine eigenen begrenzten Interessen.«

Kahlan hakte eine feuchte Haarsträhne hinter ihr Ohr. »Du redest von Richard, als sei er ein Werkzeug, das für euren Gebrauch geschmiedet wurde. Er ist ein Mann, der tun möchte, was Rechtens ist, trotzdem hat er auch seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Sein Leben gehört ihm allein, und weder dir noch irgendeinem anderen steht es zu, aufgrund von Dingen, die ihr in staubigen alten Büchern gefunden habt, Pläne für ihn zu schmieden.«

»Du verstehst mich falsch. Das genau macht ihn so wertvolclass="underline" seine Instinkte, seine Neugier, sein Mut.« Ann tippte sich gegen die Schläfe. »Sein Verstand. Unser Ziel ist es nicht, zu lenken, sondern zu folgen, selbst wenn es schmerzlich ist – auf dem Pfad zu wandeln, auf dem er uns führt.«

Kahlan wußte, wie sehr das stimmte. Richard hatte den Bund zerstört, der die Länder der Midlands über Tausende von Jahren vereint hatte. Unter ihrer Aufsicht als Mutter Konfessor waren die Midlands an Richard in seiner Funktion als Lord Rahl von D’Hara gefallen, zumindest jene Länder, die sich ihm bis jetzt ergeben hatten. Sie wußte um die Güte seines Handelns und um dessen Notwendigkeit, trotzdem war es gewiß nicht leicht gewesen, ihm auf diesem Pfad zu folgen.

Andererseits war Richards kühne Tat die einzig echte Möglichkeit gewesen, sämtliche Länder zu einer Macht zu vereinen, die darauf hoffen konnte, gegen die Tyrannei der Imperialen Ordnung bestehen zu können. Jetzt beschritten sie diesen neuen Pfad gemeinsam, Hand in Hand, vereint in Ziel und Entschlossenheit.

Kahlan verschränkte abermals die Arme und ließ sich, die albernen Hühner beobachtend, nach hinten gegen die Wand sinken. »Falls du die Absicht hattest, mir wegen meiner eigensüchtigen Wünsche bezüglich meines ersten Tages mit meinem Gatten Schuldgefühle einzureden, so ist dir das gelungen. Aber ich kann nichts dagegen tun.«

Ann ergriff sachte Kahlans Arm. »Nein, Kind, das war keineswegs meine Absicht. Ich verstehe, daß Richards Taten einen manchmal zornig machen können. Ich möchte dich nur bitten, hab Geduld und laß ihn tun, was er glaubt, tun zu müssen. Er ignoriert dich nicht aus Eigensinn, sondern weil er tut, was seine Natur von ihm verlangt.

Nichtsdestoweniger ist seine Liebe für dich stark genug, ihn von dem, was er tun muß, abzulenken. Du darfst dich nicht einmischen, indem du ihn bittest, seine Pflichten zu vernachlässigen, wenn er dies von selbst nicht tun würde.«

»Ich weiß«, seufzte Kahlan. »Aber Hühner…«

»Irgend etwas ist mit der Magie nicht mehr in Ordnung.«

Kahlan sah die alte Hexenmeisterin stirnrunzelnd an. »Was meinst du damit?«

Ann zuckte mit den Achseln. »Ich bin mir nicht sicher. Zedd und ich glauben, eine Veränderung in unserer Magie bemerkt zu haben. Sie ist noch zu fein, um sie tatsächlich mit den Sinnen erfassen zu können. Ist dir eine Veränderung in deinen Fähigkeiten aufgefallen?«

In einem kurzen Ausbruch kalter Panik richtete Kahlan ihre Gedanken nach innen. Eine kaum merkliche Veränderung in der Magie eines Konfessors war schwer vorstellbar – sie existierte einfach. Das Kernstück ihrer Kraft im Innern sowie ihre Fähigkeit, diese einzudämmen, erschienen ihr angenehm vertraut. Allerdings ….

Kahlan scheute zurück vor diesem Schleier aus düsteren Mutmaßungen.

Magie war ohnehin schon schwer genug greifbar. Durch eine hinterhältige List hatte ein Zauberer sie einst dazu gebracht zu glauben, ihre Kraft sei verloren, obwohl sie ihr in Wirklichkeit nie abhanden gekommen war. Der Glaube daran hatte Kahlan fast das Leben gekostet; sie hatte nur deshalb überlebt, weil sie rechtzeitig erkannt hatte, daß sie ihre Kraft immer noch besaß und sie sich mit ihrer Hilfe retten konnte.

»Nein, sie ist wie immer«, antwortete Kahlan. »Ich habe am eigenen Leib erfahren müssen, wie leicht man sich selbst einreden kann, die eigene Magie lasse nach. Wahrscheinlich ist es überhaupt nichts – du bist nur besorgt, das ist alles.«

»Das mag wohl sein, nur ist Zedd der Überzeugung, man sollte Richard freie Hand lassen. Daß Richard ganz von selbst, ohne unsere Kenntnis der Magie, zu dem Glauben gelangt ist, es gebe irgendwelche ernsthaften Scherereien, bekräftigt unsere Vermutung nur. Wenn es stimmt, dann ist er bereits weiter als wir. Uns bleibt nichts anderes übrig, als ihm zu folgen.«