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Es heißt, wenn dies geschieht, würden wir kein freies Volk mehr sein, sondern wären seinem Willen unterworfen. Wir unterliegen seiner Herrschaft.

Dafür haben unsere Meister der Klinge ihr ganzes Leben lang geübt. Sie hatten die Ehre, den Caharin auszubilden, damit er die Seele der Finsternis bekämpfen kann. Das war der Beweis, daß Richard der Caharin ist, der gekommen war, uns wieder in unser Land zu führen, so wie es die Altvorderen versprochen haben.«

Eine sanfte Brise fuhr in Du Chaillus dichtes Haar. Ihre dunklen Augen ließen keinerlei innere Erregung erkennen, eine solche verriet jedoch ihre kaum merklich gebrochene Stimme. »Er hat die dreißig getötet, wie in dem alten Gesetz festgeschrieben. Die dreißig sind für unser Volk von nun an Legende.«

»Ich hatte keine andere Wahl.« Richard brachte kaum mehr als ein Flüstern zustande. »Sie hätten mich sonst getötet. Ich bat sie aufzuhören. Ich flehte Du Chaillu an, sie zurückzuhalten. Ich habe ihr nicht das Leben gerettet, nur um am Ende diese Menschen töten zu müssen. Letztendlich war es Notwehr.«

Kahlan bedachte Du Chaillu mit einem langen, harten Blick, bevor sie sich wieder an Richard wandte. »Sie wurde gefangengehalten, und du hast ihr das Leben gerettet und sie zu ihrem Volk zurückgebracht.« Richard nickte. »Und dann hat sie ihr Volk aufgefordert, es solle versuchen, dich zu töten? Das war ihr Dank?«

»Es steckte noch mehr dahinter.« Es behagte Richard gar nicht, das Vorgehen dieser Menschen verteidigen zu müssen – ein Vorgehen, das zu einem gewaltigen Blutvergießen geführt hatte. Er hatte den Übelkeit erregenden Gestank noch immer in der Nase, doch ungeachtet der schmerzlichen Erinnerungen versuchte Richard es zu erklären, in Worten, die Kahlan verstehen würde. »Was sie getan hatten, war eine Art Gottesurteil, eine Prüfung auf Leben und Tod. Ich war dadurch gezwungen, zu lernen, wie man die Magie des Schwertes auf eine Weise einsetzt, die ich zuvor niemals für möglich gehalten hätte. Um zu überleben, mußte ich mich der Erfahrungen jener Menschen bedienen, die das Schwert vor mir benutzt hatten.«

»Was soll das heißen? Wie konntest du dich ihrer Erfahrungen bedienen?«

»Die Magie des Schwertes der Wahrheit bewahrt die Essenz des Kampfeswissens all jener auf, die das Schwert zuvor in Händen gehalten haben – sowohl der Guten als auch der Bösen. Ich kam dahinter, wie man dieses Können für sich nutzt, indem ich die Seelen des Schwertes in Gedanken zu mir sprechen ließ. Allerdings war in der Hitze des Gefechtes nicht immer Zeit, das Wissen in Form von Worten aufzunehmen.

Manchmal erschien mir daher die Information, die ich benötigte, in Form von Bildern – von Symbolen. Es entstand eine entscheidende Verbindung, die mir verstehen half, warum man mir in den Prophezeiungen den Namen fuer grissa ost drauka gegeben hatte: Bringer des Todes.«

Richard berührte das Amulett auf seiner Brust. Der Rubin verkörperte einen Blutstropfen. Die ihn umgebenden Linien waren eine symbolische Darstellung des Tanzes. Für einen Kriegszauberer barg dies eine Bedeutung.

»Dies«, meinte Richard leise, »dies ist der Tanz mit den Toten. Doch das habe ich damals erst verstanden, bei Du Chaillu und ihren dreißig Kämpfern.

In den Prophezeiungen heißt es, ich würde sie eines Tages aufsuchen. Die Prophezeiungen und ihre alten Gesetze besagen, sie müßten mir beibringen, mit den Seelen derer zu tanzen, die das Schwert früher bereits in Händen gehalten hatten. Ich bezweifle, ob sie voll und ganz begriffen haben, wie ihre Prüfung dies bewirken sollte, sie wußten nur, daß sie ihrer Pflicht nachkommen mußten und daß ich, vorausgesetzt ich wäre der Richtige, überleben würde.

Ich brauchte dieses Wissen, um Darken Rahl Widerstand leisten und ihn in die Unterwelt zurückjagen zu können. Erinnerst du dich noch, wie ich ihn während der Versammlung bei den Schlammenschen anrief, wie er in diese Welt entkam und mich die Schwestern anschließend gefangennahmen?«

»Selbstverständlich«, meinte Kahlan. »Sie zwangen dich also zu einem Kampf auf Leben und Tod gegen eine ungeheuer große Übermacht, damit du deine innere Kraft, deine Gabe, unter Beweis stellen konntest. Und infolgedessen hast du dreißig ihrer Meister der Klinge getötet?«

»Genau so war es. Damit hatten sie die Prophezeiung erfüllt.« Er wechselte einen langen Blick mit seiner – zumindest in seinem Herzen – einzig wahren Gemahlin. »Du weißt, wie grausam Prophezeiungen sein können.«

Endlich wandte Kahlan den Blick ab und nickte, gefangen in ihren eigenen schmerzhaften Erinnerungen. Prophezeiungen hatten ihnen viel Ungemach bereitet und sie vor zahllose schwere Prüfungen gestellt. Eine dieser Prüfungen war seine zweite Frau, Nadine, gewesen, die ihm die Prophezeiungen aufgezwungen hatten.

Du Chaillu reckte das Kinn in die Höhe. »Fünf von denen, die der Caharin tötete, waren meine Ehemänner und die Väter meiner Kinder.«

»Ihre fünf Ehemänner … Gütige Seelen.«

Richard feuerte einen Blick auf Du Chaillu. »Das war nicht gerade hilfreich.«

»Soll das heißen, die Tötung ihrer Ehemänner zwingt dich aufgrund ihres Gesetzes dazu, ihr Gemahl zu werden?«

»Nein. Das geschah nicht, weil ich ihre fünf Ehemänner getötet hatte, sondern weil der Sieg über die dreißig Kämpfer bewies, daß ich ihr Caharin war. Du Chaillu ist ihre Seelenfrau, und den alten Gesetzen zufolge soll die Seelenfrau Gemahlin des Caharin sein. Ich hätte das früher bedenken müssen.«

»Offensichtlich«, fauchte Kahlan ihn an.

»Versteh doch, ich weiß, wie sich das anhören muß – ich weiß, es klingt alles vollkommen unlogisch…«

»Nein, schon gut. Ich verstehe.« Ihre frostige Miene ging in einen Ausdruck zorniger Verletztheit über. »Also hast du den Ehrenmann gespielt und sie geheiratet. Natürlich. Erscheint mir vollkommen logisch.« Sie beugte sich näher. »Und anschließend warst du so beschäftigt, daß du ganz vergessen hast, mir vor unserer Hochzeit davon zu erzählen. Natürlich. Ich verstehe schon. Wer hätte anders gehandelt? Schließlich kann man nicht verlangen, daß ein Mann sich all der Ehefrauen erinnert, die er überall zurückläßt.« Sie verschränkte die Arme und wandte sich ab. »Wie konntest du nur, Richard…«

»Nein! So war es nicht. Ich habe niemals meine Einwilligung gegeben. Niemals. Es fand keine Trauungszeremonie statt. Niemand hat irgendwelche Formeln gesprochen. Ich habe mich zu keiner Zeit erhoben, um einen Schwur zu leisten. Verstehst du denn nicht? Wir wurden nicht getraut! Und danach ist so viel passiert. Tut mir leid, daß ich vergessen habe, dir davon zu erzählen, aber ich kam gar nicht auf die Idee, weil ich es damals als unsinnigen Glauben eines vereinzelten Volkes abgetan habe. Damals war mir das alles nicht wichtig. Sie glaubt ganz einfach, weil ich diese Männer in Notwehr getötet habe, macht mich das zu ihrem Gemahl.«

»Tut es auch«, warf Du Chaillu ein.

Kahlan sah kurz zu Du Chaillu hinüber, während sie seine Worte kühl einer genauen Betrachtung unterzog. »Dann hast du also wirklich nie im eigentlichen Sinn des Wortes eingewilligt, sie zu ehelichen?«

Richard warf die Hände in die Höhe. »Das versuche ich dir doch die ganz Zeit zu erklären. Es handelt sich schlicht um einen Glauben der Baka Ban Mana.«

»Baka Tau Mana«, verbesserte Du Chaillu.

Richard achtete nicht auf sie, sondern beugte sich ganz nahe zu Kahlan. »Tut mir leid, aber könnten wir vielleicht später darüber reden? Möglicherweise haben wir es mit einem ernsten Problem zu tun.« Sie zog eine Braue hoch. Er verbesserte sich. »Mit einem weiteren ernsthaften Problem.«

Sie bedachte ihn mit einem nachsichtigen Stirnrunzeln. Er wandte sich ab, zupfte einen Grashalm ab und dachte darüber nach, wie wahrscheinlich ein Problem war, das größer war als Kahlans Zorn.

»Du bist in Magie bewandert. Ich will damit sagen, du bist in Aydindril bei dem Zauberer aufgewachsen, der dich ausgebildet hat, und du hast Bücher in der Burg der Zauberer studiert. Du bist die Mutter Konfessor.«