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»Ich wünschte wirklich, es wäre so. Nun sobald wir Aydindril erreichen, könnten wir dem entgegenwirken«, meinte Richard. »Trotzdem handelt es sich um die Chimären. Ich könnte mir vorstellen, Zedd wollte uns einfach in Sicherheit wissen, während er sich um die Lösung des Problems kümmert, wie man die Chimären wieder in die Unterwelt zurücktreiben kann.«

»Lord Rahl ist die Magie gegen die Magie«, sagte Cara, an Kahlan gewandt. »Er versteht sich sicherlich am besten auf diese Dinge. Wenn er der Meinung ist, es sind die Chimären, dann sind es auch die Chimären.«

Kahlan warf sich mit einem verzweifelten Seufzer das lange Haar über die Schulter.

»Das redest du dir doch nur ein, Richard. Du sprichst davon, als sei es die Wahrheit, und schon beginnst du, Cara ebenso zu überzeugen wie dich selbst. Du glaubst, es stimmt, und schon schenkst du der Sache mehr Glauben, als sie tatsächlich verdient.«

Offenbar wollte sie an das Erste Gesetz der Magie erinnern und unterstellte ihm, er sei einer Lüge aufgesessen.

Richard versuchte die glühende Entschlossenheit einzuschätzen, die sich so überdeutlich in ihren grünen Augen zeigte. Er war auf ihre Hilfe angewiesen; allein konnte er sich dem Problem nicht stellen.

Schließlich entschied er, daß ihm nichts anderes übrig blieb. Er bat alle zu warten, legte einen Arm um ihre Schultern und führte sie ein Stück fort, bis er sicher war, daß die anderen nicht mithören konnten.

Er war darauf angewiesen, daß sie ihm glaubte; er hatte längst keine andere Wahl mehr.

Er mußte es ihr erzählen.

29

Kahlan ließ sich von ihm bereitwillig ein Stück durch das feuchte Gras führen. Sie war eher bereit, mit ihm allein zu diskutieren, als vor all den anderen; Richard seinerseits hatte ebenfalls keine Lust, ihr vor allen anderen zu erklären, was er zu sagen hatte.

Über seine Schulter sah Richard Chandalens Jäger, die wie beiläufig dastanden, auf ihre Speere gestützt, Speere, die in Gift getaucht waren. Sie schienen träge darauf zu warten, daß Richard und Kahlan ihre Unterredung beendeten und zurückkehrten. Doch er wußte, sie hatten nichts Träges an sich. Sie waren, wie er jetzt sah, strategisch postiert, um die Baka Tau Mana genau im Blick zu behalten. Schließlich war dies ihr Land, und die Baka Tau Mana waren, auch wenn sie Richard kannten, Außenstehende.

Die Baka Tau Mana wiederum wirkten vollkommen gleichgültig gegenüber den Jägern der Schlammenschen. Die Meister der Klinge tauschten ein paar unbekümmerte Bemerkungen aus, sahen zu den Unwetterwolken am Horizont hinüber, räkelten sich oder gähnten.

Richard hatte gegen die Meister der Klinge der Baka Ban Mana gekämpft und wußte, daß sie alles andere als gleichgültig waren, denn sie waren jeden Augenblick bereit zu töten. Sie fristeten eine karge Existenz, umringt von Feinden, die entschlossen waren, sie umzubringen, daher lag es in ihrem antrainierten Wesen, jederzeit darauf gefaßt zu sein, töten zu müssen.

Als Richard in Schwester Vernas Begleitung den Meistern der Klinge zum ersten Mal begegnet war, hatte er sie gefragt, ob sie gefährlich seien. Schwester Verna hatte geantwortet, in ihrer Jugend habe sie einen Meister der Klinge der Baka Ban Mana gesehen, der in die Garnison in Tanimura eingedrungen sei und fast fünfzig gut bewaffnete Soldaten getötet habe, bevor man ihn überwältigen konnte. Sie hatte berichtet, sie hätten gekämpft wie unsichtbare Seelen, wofür manche sie sogar hielten.

Richard wollte nicht, daß ein harmloser Irrtum oder ein kleiner Fauxpas dazu führte, daß die Schlammenschen und die Baka Tau Mana übereinander herfielen. Dafür waren sie alle viel zu gute Kämpfer.

Cara, alles andere als kühl, bedachte alle miteinander mit wütenden Blicken.

Den drei Seiten eines Dreiecks gleich waren Schlammenschen, Baka Tau Mana und Cara Teil ein und desselben Ringes. Sie alle waren mit Richard und Kahlan verbündet und hatten sich denselben Zielen verschrieben, obwohl ein jeder von ihnen die Welt mit anderen Augen sah. Sie alle schätzten dieselben Dinge im Leben: Familie, Freunde, harte Arbeit, Ehrlichkeit, Pflicht, Treue, Freiheit.

Kahlan legte ihm die Hand mit sanftem Nachdruck auf die Brust.

»Was immer ich im Augenblick fühle, Richard, ich weiß, du hast das Herz am rechten Fleck. Aber im Augenblick verhältst du dich nicht überlegt. Du bist der Sucher der Wahrheit, du mußt nicht ständig darauf beharren, du seist im Recht und würdest diese Dinge vollkommen durchschauen. Wir können der Magie der Schwestern der Finsternis und ihrem Lauer Einhalt gebieten. Zedd und Ann werden dem Bann entgegenwirken. Wieso benimmst du dich so starrsinnig?«

»Kahlan«, erwiderte er mit gesenkter Stimme, »dieses Huhn war eine Chimäre.«

Gedankenverloren spielte sie, ohne es zu merken, mit dem dunklen Stein an dem feinen Goldkettchen um ihren Hals. »Du weißt, ich liebe dich, Richard, und du weißt, daß ich an dich glaube, aber in diesem Fall bin ich einfach…«

»Kahlan«, fiel er ihr ins Wort. Er wußte, was sie dachte, was sie sagen wollte. Im Augenblick wollte er nichts weiter, als daß sie zuhörte.

»Du hast die in den Grußformeln genannten Chimären in diese Welt gerufen. Du hast es weder absichtlich getan, noch weil du Unheil stiften wolltest – kein Mensch würde etwas anderes vermuten. Du hast es getan, weil du mich retten wolltest. Ich war dem Tod nahe und brauchte deine Hilfe, daher trifft mich auch ein Teil der Schuld. Ohne mein Dazutun hättest du nicht zu handeln brauchen.«

»Vergiß unsere Vorfahren nicht. Hätten sie keine Kinder in die Welt gesetzt, wären wir nicht geboren worden und hätten unsere Verbrechen nicht begehen können. Vermutlich möchtest du sie ebenfalls verantwortlich machen?«

Er benetzte seine Lippen und faßte sie sacht bei den Schultern. »Ich wollte nur sagen, ausgelöst wurde dies alles durch deine Bereitschaft zu helfen. Aber damit hast du dich keinesfalls einer bösen Absicht schuldig gemacht. Das mußt du verstehen. Aber du hast die Worte ausgesprochen, die den Bann vollendet haben, und das macht dich ohne dein Wollen verantwortlich. Du hast die Chimären in diese Welt geholt.

Aus irgendeinem Grund wollte Zedd nicht, daß wir davon erfahren. Ich wünschte, er hätte uns die Wahrheit anvertraut, aber das hat er nicht. Gewiß hatte er Gründe, die er für wichtig genug erachtete, uns anzulügen. Nach allem, was ich weiß, waren sie das vielleicht sogar.«

Die Fingerspitzen an die Stirn gelegt, schloß Kahlan die Augen und seufzte nachsichtig. »Ich gebe dir recht, Richard. Zedds Verhalten ist in mancherlei Hinsicht verwirrend, außerdem sind noch viele Fragen offen, das heißt aber nicht, daß wir voreilige Schlüsse ziehen dürfen, nur um überhaupt eine Antwort zu haben. Zedd ist der Oberste Zauberer. Wenn er uns um etwas bittet, müssen wir darauf vertrauen.«

Richard berührte ihre Wange. Liebend gerne wäre er mit ihr allein gewesen, wirklich allein, und hätte versucht, seine dumme Nachlässigkeit wiedergutzumachen. Er hätte es gerne vermieden, ihr all diese Dinge sagen zu müssen, hatte aber keine andere Wahl.

»Bitte, Kahlan, hör dir an, was ich zu sagen habe, und entscheide dann, ja? Ich würde mich gerne irren, wirklich. Entscheide du.

Als die Jäger der Schlammenschen uns im Seelenhaus bewachten, waren die Chimären draußen. Eine von ihnen tötete ein Huhn, aus dem einfachen Grund, weil sie eben gerne töten.

Als Juni, wie ich, den Lärm hörte, sah er nach, konnte aber nichts entdecken. Daraufhin beleidigte er die Seele des Mörders, damit sie sich zu erkennen gab. Sie tat es und brachte ihn um, weil er sie beleidigt hatte.«

»Ich habe dieses Hühnerwesen ebenfalls beleidigt, wieso hat es mich dann nicht auch getötet?« Kahlan wischte sich erschöpft mit der Hand über die Augen. »Beantworte mir das, Richard. Wieso hat es mich nicht getötet?«