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»Tut mir leid, Chandalen, ich fürchte, ja.«

Seine wachen, dunklen Augen kreuzten Richards Blick. »Wie konnten diese bösen Seelen in diese Welt gelangen?«

Richard fuhr sich mit der Zunge in die Mundwinkel. »Ich glaube, Kahlan könnte sie, ohne es zu merken oder zu wollen, mit Magie herbeigerufen haben, als sie mir das Leben retten wollte. Da sie gerufen wurden, um mir das Leben zu retten, ist es meine Schuld, daß sie hier sind.«

Chandalen ließ sich Richards Eingeständnis durch den Kopf gehen. »Die Mutter Konfessor hatte bestimmt nichts Böses im Sinn. Du hattest bestimmt nichts Böses im Sinn. Und doch sind die Chimären des Todes deinetwegen hier?«

Chandalens anfängliche Verwirrung und Bestürztheit war einem herrischen Tonfall gewichen. Schließlich war er jetzt ein Stammesältester. Seine Verantwortung für die Sicherheit seines Volkes ging über die eines Jägers hinaus.

So wie die Schlammenschen und die Baka Tau Mana viele Werte teilten und dennoch übereinander hergefallen waren, hatten auch Chandalen und Richard früher miteinander auf Kriegsfuß gestanden. Glücklicherweise hatten beide inzwischen erkannt, daß sie erheblich mehr gemeinsam hatten, als zwischen ihnen strittig war.

Richard blickte zu den fernen Wolken und den Regengüssen hinüber, die über dem düsteren und weit entfernten Horizont niedergingen. »Ich fürchte, genauso ist es. Außerdem habe ich es versäumt, wertvolle Informationen an Zedd weiterzugeben, als ich noch Gelegenheit dazu hatte. Er dürfte jetzt bereits auf der Suche nach den Chimären sein.«

Wieder dachte Chandalen ausgiebig über Richards Worte nach, bevor er antwortete.

»Ihr seid beide Schlammenschen und wart bemüht, uns zu beschützen. Wir wissen, es war nicht eure Absicht, die Chimären herzulocken und uns damit zu schaden.«

Chandalen richtete sich zu voller Größe auf – er reichte Richard nicht mal bis an die Schulter – und verkündete seine Entscheidung.

»Wir wissen, du und die Mutter Konfessor werdet tun, was ihr tun müßt, um diese Angelegenheit in Ordnung zu bringen.«

Richard kannte den Kodex aus Verantwortung, Zwängen und Pflichten nur zu gut, nach dem dieser Mann lebte. Er und Chandalen stammten zwar aus völlig unterschiedlichen Völkern, trotzdem war Richard weitgehend nach den gleichen Maßstäben aufgewachsen. Vielleicht, so überlegte er, unterschieden sie sich in Wirklichkeit gar nicht so sehr. Sie trugen vielleicht andere Kleider, aber sie empfanden durchaus ähnlich, hegten dieselben Sehnsüchte und dieselben Wünsche. Und sie teilten viele derselben Ängste.

Nicht nur sein Stiefvater, auch Zedd hatte Richard eine Menge eben jener Dinge beigebracht, die er von Chandalens Volk gelernt hatte. Fügte man jemandem Leid zu, aus welchem Grund auch immer, mußte man dies nach bestem Vermögen wiedergutmachen.

Während es verständlich war, Angst zu haben, und auch niemand etwas anderes von einem erwartete, galt es als das schlimmste Vergehen, vor selbst verursachten Scherereien davonzulaufen. Auch wenn der Zufall seine Hand im Spiel gehabt hatte, man versuchte gar nicht erst, dergleichen abzustreiten. Man lief einfach nicht davon. Man tat, was man tun mußte, um alles wieder in Ordnung zu bringen.

Wäre Richard nicht gewesen, wären die Chimären nicht befreit worden. Kahlans Bestrebungen, ihm das Leben zu retten, hatten andere bereits das ihre gekostet. Auch sie würde keinen Augenblick zögern, sich ihrer Pflicht zu stellen und alles in ihrer Macht Stehende tun, um den Chimären Einhalt zu gebieten. Das stand völlig außer Frage.

»Du hast mein feierliches Versprechen, Ältester Chandalen. Ich werde nicht eher ruhen, bis die Schlammenschen und alle anderen vor den Chimären sicher sind. Ich werde nicht eher ruhen, bis die Chimären wieder dorthin zurückgekehrt sind, wo sie hingehören, in die Unterwelt. Oder ich werde bei dem Versuch sterben.«

Ein dünnes, herzliches, stolzerfülltes Lächeln huschte über Chandalens Gesicht.

»Ich wußte, daß ich dich nicht an dein Versprechen zu erinnern brauchte, unser Volk zu beschützen, trotzdem tut es gut, aus deinem Munde zu hören, daß du dein Gelübde nicht vergessen hast.«

Chandalen überraschte Richard mit einem deftigen Schlag ins Gesicht.

»Kraft dem Richard mit dem Zorn. Möge seine Wut unsere Feinde heiß und schnell wie ein Lauffeuer verbrennen.«

Richard rieb sich das schmerzende Kinn und hatte Chandalen bereits den Rücken zugewandt, als er Kahlan mit Du Chaillu zurückkommen sah.

»Für einen Waldführer«, meinte Cara, »bringt Ihr Euch in eine Menge Schwierigkeiten. Was meint Ihr, werdet Ihr noch eine Ehefrau übrig haben, jetzt, nachdem die beiden miteinander fertig sind?«

Er wußte, Cara wollte ihn bloß auf ihre etwas seltsame Art aufziehen, um ihn ein wenig aufzumuntern. »Eine, hoffentlich.«

»Nun, wenn nicht«, setzte Cara feixend hinzu, »haben wir noch immer uns.«

Richard ging den beiden Frauen entgegen. »Die Stellung der Ehefrau ist vergeben, vielen Dank.«

Kahlan und Du Chaillu stapften Seite an Seite durchs Gras. Ihre Gesichter verrieten keinerlei Regung. Wenigstens konnte er kein Blut erkennen.

»Deine andere Gemahlin hat mich überredet, mit dir zu sprechen«, sagte Du Chaillu, als Richard bei den beiden angelangt war.

»Du kannst von Glück reden, daß du uns beide hast«, setzte sie hinzu.

Richard war klug genug, den Mund zu halten und sich seine flapsige Bemerkung zu verkneifen, die ihm bereits auf der Zunge lag.

31

Du Chaillu entfernte sich zu ihren Meistern der Klinge. Augenscheinlich erklärte sie den Männern, sie sollten sich niederlassen und ausruhen, während sie mit dem Caharin sprach. Während sie sich darum kümmerte, stieß Kahlan Richard in die Rippen und drängte ihn hinüber zu ihren Sachen.

»Hol Du Chaillu eine Decke, auf die sie sich setzen kann«, raunte Kahlan.

»Wozu braucht sie eine von unseren? Sie haben ihre eigenen Decken dabei. Außerdem muß sie sich nicht auf eine Decke setzen, um mir zu erklären, weshalb sie hier ist.«

Kahlan stieß ihn abermals in die Rippen. »Hol sie einfach«, meinte sie leise, damit die anderen nichts mitbekamen. »Falls es dir noch nicht aufgefallen sein sollte, die Frau ist schwanger, es täte ihr gut, sich zur Abwechslung hinsetzen zu können.«

»Aber das heißt doch nicht…«

»Richard«, fauchte Kahlan ihn an und brachte ihn damit zum Schweigen. »Wenn man unbedingt möchte, daß jemand tut, was man von ihm verlangt, läßt man ihm einen kleinen Sieg, damit er dabei sein Gesicht wahren kann. Wenn du willst, bringe ich sie ihr.«

»Na schön«, meinte Richard, »von mir aus. Ich nehme an…«

»Siehst du? Gerade hast du selbst den Beweis geliefert. Und die Decke wirst du ihr bringen.«

»Du Chaillu wird also ein kleiner Sieg zugestanden, aber mir nicht?«

»Du bist und bleibst ein großer Junge. Du Chaillus Preis ist eine Decke zum Draufsitzen, während sie dir erklärt, weshalb sie hier ist. Der Preis ist sehr gering. Du solltest keinen bereits gewonnenen Krieg weiterführen, nur um den Gegner vollends zu erniedrigen.«

»Aber sie…«

»Ich weiß. Was Du Chaillu zu dir gesagt hat, war nicht richtig. Du weißt das, ich weiß es, und sie weiß es auch. Aber ihre Gefühle waren verletzt, und das nicht völlig grundlos. Wir alle machen Fehler.

Sie hat das Ausmaß einer Gefahr nicht verstanden, die wir soeben erst erkannt haben. Um den Preis einer Decke zum Draufsitzen hat sie in den Frieden eingewilligt. Sie möchte nichts weiter, als daß du ihr eine Höflichkeit erweist. Du wirst dir nichts vergeben, wenn du ihren Empfindlichkeiten nachgibst.«

Richard warf einen Blick über die Schulter, als sie bei ihren Sachen angelangt waren. Du Chaillu sprach zu den Meistern der Klinge.

»Hast du ihr gedroht?« erkundigte sich Richard im Flüsterton, während er eine Decke aus ihrem Bündel zog.

»Aber ja«, flüsterte Kahlan zurück. Sie legte ihm eine Hand auf den Arm. »Geh behutsam mit ihr um. Möglicherweise klingen ihr noch ein wenig die Ohren nach unserer kleinen Unterredung.«