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Jetzt mußte sich Flint dem Wesen stellen. Er hielt seine schwere Axt wieder kampfbereit, während der Krieger ihn mit seinen kalten Augen musterte. Dem stämmigen Zwerg waren weder lebensgefährliche Zweikämpfe noch untote Monster etwas Neues, aber das hier war etwas, dem er noch nie begegnet war. Er war sich keineswegs sicher, ob seine einfache Waffe diesen offensichtlich magischen Gegner überhaupt verletzen konnte.

Der Skelettkrieger streckte ihm die Spitze seines Schwerts entgegen, während er seinen Schild eine halbe Armlänge vor sich hielt. Flint begriff, daß er nicht zum ersten Mal gegen Axtträger kämpfte, und sein offenbar noch vorhandenes untotes Gehirn konnte noch nachdenken und sich erinnern. Die Art, wie er Tolpan angegriffen hatte, zeigte seine Kampferfahrenheit.

Der kräftige Zwerg richtete seine Augen fest auf das Visier des Wesens, als er vorsprang und seine schwere Doppelaxt gegen das Schwert schwang. Der uralte Stahl fuhr unter einem Funkenschauer und Splitterregen in die Wand, und Flint merkte, wie seine Axt abprallte, da er sie nicht mehr kontrollieren konnte. Zu spät erkannte er, daß das Monster ihn geködert hatte, weil es wußte, daß sein Schwert den Schlag vertragen konnte. Der Schild fuhr nach vorn auf die Axt zu, traf die zurückprallende Klinge von der Seite und fing sie dadurch ein wie der Baumstumpf die Axt des Holzhackers. Der Schild drehte ab und riß Flint den Schaft aus den Händen. Dann sauste das Schwert durch die muffige Luft. Seine Spitze durchtrennte sauber den gehärteten Lederpanzer über Flints linker Schulter. Ein größer werdender Fleck verdunkelte das Hemd unter der beschädigten Rüstung.

Flint taumelte rückwärts und hielt sich den verwundeten Arm.

Der Skelettkrieger sprang vor, um den Angriff fortzuführen, doch jetzt sackte sein Schild vom Gewicht von Flints darin eingebetteter Axt herunter. Das war die Blöße, auf die Tanis gewartet hatte. Der Halbelf feuerte dem Untoten einen rasiermesserscharfen Pfeil genau in die ungedeckte Brust. Der Pfeil durchschlug Vorder- und Rückseite des Kettenhemds und traf die Wand dahinter, während Teile der Kettenrüstung auf den Boden rieselten. Das schmerzunempfindliche Wesen schien die Wunde nicht zu bemerken.

Kelu, der die Gefahr für Flint erkannte, riß Nandas Stab an sich und schoß nach vorn. Mit kalter Treffsicherheit traf er das Monster zweimal mit voller Kraft gegen den Helm, doch das Bastardschwert des Skelettkriegers blitzte nur einmal auf, anscheinend ohne überhaupt die Richtung seines Angriffs zu ändern, und trennte dem Phaeton den rechten Arm am Ellenbogen ab. Als Kelu entsetzt und schockiert seinen Arm anstarrte, schlitzte ihm ein zweiter Schlag quer den Bauch auf, und ein dritter riß ihn vom Schlüsselbein bis zum Nabel auf. Der verstümmelte Körper des Phaetons sank in eine sich ausbreitende, tiefrote Lache am Boden.

Während Tanis entgeistert die Leiche anstarrte, riß der Skelettkrieger die Axt aus seinem Schild und schleuderte sie zur Seite. »Alles zurück, den Gang hoch!« schrie der Halbelf, wobei er den Stab aufhob und ihn Nanda zurückgab. »Das hier können wir nicht bekämpfen. Es ist zu gefährlich.« Als die Überlebenden eilig wieder auf die Kammer zuliefen, legte Tanis einen Pfeil auf und deckte ihren Rückzug, obwohl er sich fragte, was ein weiterer Pfeil helfen mochte, falls das Monster beschloß, ihnen zu folgen.

Es verfolgte sie nicht, sondern nahm wieder seine Wache in dem grauenvollen Gang auf.

Tanis’ Erleichterung über ihren leichten Rückzug wurde durch einen Schrei von hinten beendet. Als er herumfuhr, sah er, daß sie schon fast an der Kammer waren. Doch die Tür wurde von einem riesigen Golem verstellt, einer lebenden Steinstatue aus reinweißem Granit, der von einem Netz aus pulsierenden, roten Adern durchzogen war. Die Statue ähnelte einem Minotaurus, denn sie hatte einen Stierkopf auf einem Menschenkörper. Ein Golem blockierte den Ausgang, und ein weiterer stand hinter ihm in der Kammer.

Den Schrei hatte Baji ausgestoßen, der gerade in den mächtigen Armen des Golems zerquetscht wurde. Seine Füße baumelten mehr als zwei Fuß hoch über dem Boden, und der Golem überragte ihn immer noch um einen vollen Kopf. Mit jedem Schrei wurde der Griff des Golems fester, so daß der verängstigte Phaeton nicht mehr einatmen konnte.

Tanis stand hilflos da. Er hatte einen schußbereiten Bogen in der Hand, konnte aber nicht schießen, weil er Angst hatte, Baji zu treffen. Nanda schlug mit seinem Stab auf das Wesen ein, doch die Holzwaffe konnte gegen Stein nichts ausrichten. Augenblicke später war Bajis Kampf zu Ende, und er fiel wie eine Marionette schlaff zu Boden. Im gleichen Moment traf Tanis’ Pfeil den Golem in den Hals, prallte aber ab, wobei er die Oberfläche kaum ankratzte. Ein zweiter Pfeil traf die Stirn und zerbrach.

Tanis legte gerade einen dritten Pfeil auf, als jemand ihn aus seinen Händen riß. Tolpan stand vor ihm. »Die können wir auch nicht bekämpfen, Tanis. Sie sind zu stark. Du verschwendest bloß Pfeile. Wir müssen irgendwie aus diesem Gang raus.«

Tanis ließ den Bogen sinken. »Wenn wir alle auf einmal dieses Skelettdings angreifen, müßten wenigstens zwei oder drei von uns durchkommen. Ich glaube kaum, daß es uns alle umbringen kann. Das ist kein überzeugender Plan, aber…«

Hoto, der den Minotaurus mit krachenden Schlägen durch seinen Knüppel in Schach gehalten hatte, rief über die Schulter: »Vielleicht kann ich das tote Ding da aus dem Gang entfernen. Laßt mich vorgehen.« Als er zurückwich und den Gang hinunterkam, senkte der Minotaurengolem den Kopf und drang in den Korridor ein. Mit weit ausgestreckten Armen langte er nach allem, was er erwischen konnte, doch die Phaetone und ihre Verbündeten hatten bereits einen guten Vorsprung.

Als sie sich dem Platz des Skelettkriegers näherten, sah Tolpan, wie dieser erneut die glitzernde Klinge und den mitgenommenen Schild zum Kampf hob. Er fragte sich, was ein alter Phaeton mit einem Stock und einem Messer wohl ausrichten konnte. Hoto wies die anderen an, zurückzubleiben, als er sich dem Monster näherte.

»Der Golem kommt näher«, brüllte Tanis. »Wir können ihn nicht lange hinhalten.«

Nanda packte Tanis am Arm. »Es wird nicht lange dauern. Bedeck dein Gesicht und die Augen.«

»Was ist mit dem Golem?« wollte Flint wissen. Er umklammerte immer noch ächzend die verletzte Schulter im Versuch, die Wunde zusammenzudrücken. Sein Ärmel war dunkel und verklebt. Er wußte, daß es sie nur noch mehr in Gefahr bringen würde, wenn er zum Verbinden anhalten würde, bevor sie einen halbwegs sicheren Ort erreicht hatten.

»Ich kann den Golem aufhalten«, behauptete Nanda, der im Gang zurückhumpelte. Tolpan wollte dem verletzten Phaeton gerade nachlaufen, als der schwach erleuchtete Gang plötzlich in Flammen stand. Brüllende Hitze und Licht strömten von Hotos Platz, aber auch von hinten aus, wo Nanda dem Golem gegenüberstand. Der Kender merkte, wie sich seine Augenbrauen vor Hitze kräuselten – und das war nur ein sehr schwacher Hinweis darauf, welche Gewalt gegen die Steinminotauren und den Skelettkrieger aufgebracht wurde.

Zwischen den Fingern hindurch spähte Tolpan nach vorne in den Tunnel. Hoto stand in einem Inferno. Er hatte seine hinreißenden Flammenflügel vor sich ausgestreckt, sie um den Krieger geschlungen und zog ihn zu einer tödlichen Umarmung an sich. Der Krieger schlug skrupellos auf eine Schwinge ein, mußte jedoch zusehen, wie sein Schwert, ohne Schaden anzurichten, durch die Flamme fuhr. Augenblicklich erkannte das Monster, daß es nutzlos war, die Flügel anzugreifen, und stürzte sich kopfüber auf Hoto. Tolpan hätte sich fast abgewandt, weil er nicht sehen wollte, wie der heldenhafte Phaeton durchbohrt wurde, doch dann fiel ihm etwas auf, was er vorher übersehen hatte: Hoto stand nicht, sondern schwebte, von seinen Flügeln getragen, etwa eine Handbreit über dem Boden. Als das Schwert nach vorne zuckte, wich er sofort zur Seite aus. Der Untote stürzte durch die Wucht seines Angriffs genau in den Flammenflügel und saß nun zwischen beiden Flügeln fest.

Das Wesen schlug wild um sich, als es sich von Flammen umgeben sah. Dabei schrie es schauerlich und markerschütternd. Das Schwert traf Hoto ins Bein und fuhr dann über seinen Rücken, doch das festgenagelte Monster hatte kaum noch Kraft. Innerhalb weniger Sekunden begann das mumifizierte Fleisch zu rauchen und rollte sich an den glühenden Knochen auf, bevor es in Flammen aufging. Das Monster wehrte sich noch, bis Bänder und Knorpel verbrannt waren. Der versperrte Gang füllte sich mit übelriechendem Qualm. Schließlich lagen nur noch geschwärzte Knochen und die geschmolzene Kettenrüstung als Häufchen auf dem Boden. Der Schild war ein vager Schemen aus Asche, und das Schwert glühte sanft im schwachen Licht.