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»Der Name ›Gaia‹ ist dem Planeten von Menschen gegeben worden — und wer weiß, warum? Die Ähnlichkeit mit einem alten Wort kann rein zufällig sein. Wenn ich nun daran denke, ist bereits die Tatsache, daß wir nach Gaia gelockt worden sind — wie sie vor einer Weile in allen Einzelheiten dargelegt haben — und nun gegen unseren Willen angezogen werden, ein Argument für die Nichtmenschlichkeit der Gaianer.«

»Wieso? Was hat das mit Nichtmenschlichkeit zu schaffen?«

»Sie sind neugierig auf uns — auf Menschen.«

»Janov, Sie sind verrückt«, sagte Trevize. »Sie müßten ja schon seit Jahrtausenden in einer Galaxis voller Menschen leben. Warum sollten sie dann ausgerechnet jetzt solche Neugier an den Tag legen? Weshalb nicht bereits viel früher? Und wenn ausgerechnet jetzt, wieso gerade auf uns? Wenn sie Menschen und menschliche Kultur erforschen wollten, warum nicht auf den Sayshell-Welten? Warum sollten sie uns von Terminus herlocken?«

»Sie könnten an der Foundation interessiert sein.«

»Quatsch!« sagte Trevize mit Nachdruck. »Janov, Sie wollen nichtmenschlicher Intelligenz begegnen, deshalb sehen Sie hier nichtmenschliche Intelligenz am Werk. Ich glaube, würden Sie nun wirklich nichtmenschlichen Fremden in die Arme laufen, Sie hätten gar keine Sorgen bezüglich Gefangennahme, Wehrlosigkeit, oder wegen der Aussicht, umgebracht zu werden — solange sie Ihnen bloß noch genug Zeit lassen, um Ihren Wissensdurst zu stillen.« Pelorat begann entrüstet einen Widerspruch zu stammeln, aber dann verstummte er und atmete erst einmal tief durch. »Naja, kann sein, Sie haben recht, Golan«, sagte er, »aber ich bleibe trotzdem noch für ein Weilchen bei meiner Vermutung. Ich glaube, wir brauchen nicht mehr lange zu warten, bis wir sehen, wer recht hat. Schauen Sie!«

Pelorat deutete auf den Bildschirm. Trevize, der ihn in der erregten Diskussion nicht beachtet hatte, drehte sich um. »Was ist los?«

»Hat da nicht ein Schiff von der Raumstation abgelegt?«

»Etwas ist da«, gab Trevize widerwillig zu. »Ich kann aber noch keine Details erkennen und auch nicht stärker vergrößern. Die Vergrößerung ist schon maximal eingestellt.«

Nach kurzer Zeit kommentierte er weiter. »Anscheinend kommt das Objekt tatsächlich näher, und ich nehme an, es ist wahrhaftig ein Schiff. Sollen wir eine Wette abschließen?«

»Was für eine Wette?«

»Sollten wir je nach Terminus heimkehren«, sagte Trevize sardonisch, »wollen wir für uns und einige Gäste, an denen uns gelegen ist — bis zu vier für jeden von uns, würde ich sagen —, ein großes Festessen geben — und ich trage die Kosten, wenn an Bord des Schiffs, das sich uns nähert, Nichtmenschen sind, und Sie übernehmen sie, sollten es Menschen sein.«

»Ich bin einverstanden«, antwortete Pelorat.

»Also abgemacht«, sagte Trevize und spähte auf den Bildschirm, versuchte Einzelheiten zu erkennen, während er überlegte, ob irgendwelche äußeren Details über jeden Zweifel hinaus die Nichtmenschlichkeit oder Menschlichkeit der an Bord befindlichen Wesen verraten konnten.

69

Das eisengraue Haar der Branno war makellos frisiert, und sie hätte ohne weiteres im Bürgermeisterpalast sein können, betrachtete man ihre Kaltschnäuzigkeit. Man sah ihr nicht an, daß sie sich erst zum zweitenmal in ihrem Leben im tiefen Weltraum aufhielt. (Und das erste Mal, als sie ihre Eltern auf einem Wochenendausflug nach Kalgan begleitet hatte, zählte kaum. Damals war sie erst drei gewesen.)

»Immerhin ist es ja Thoobings Aufgabe, seine Meinung zu äußern und mich zu warnen«, sagte sie mit einer gewissen trägen Mattigkeit zu Kodell. »Nun gut, er hat mich gewarnt. Ich mache ihm das nicht zum Vorwurf.«

»Er ist schon zu lang an seinem Posten«, sagte Kodell, der an Bord des Raumers der Bürgermeisterin gekommen war, um mit ihr ohne die psychologischen Hemmnisse des Funkverkehrs reden zu können. »Er fängt an, wie ein Saysheller zu denken.«

»Das ist das Berufsrisiko eines Botschafterpostens, Liono. Warten wir, bis das alles hier vorbei ist, dann darf er erst einmal einen längeren Urlaub machen und anschließend einen anderen Posten antreten. Er ist ein fähiger Mann. Auf jeden Fall war er so gescheit, uns Trevizes Mitteilung ohne jede Verzögerung weiterzureichen.«

Kodell lächelte flüchtig. »Ja, wenngleich er mir gesagt hat, das habe er wider alle Vernunft getan. ›Weil’s meine Pflicht ist‹, hat er gesagt. Wissen Sie, verehrte Bürgermeisterin, ihm blieb gar nichts anderes übrig, obwohl seine Vernunft dagegensprach, denn sobald Trevize ins Territorium der Sayshell-Union einflog, habe ich Botschafter Thoobing damit beauftragt, uns umgehend alle Erkenntnisse über ihn zu übermitteln.«

»Ach?« Bürgermeisterin Branno drehte sich an ihrem Platz zur Seite, um Kodells Gesicht besser sehen zu können. »Und was hat Sie dazu veranlaßt?«

»Einige grundsätzliche Überlegungen. Er fliegt einen brandneuen Schiffstyp der Foundationsmarine, und so was konnte den Sayshellern nicht entgehen. Außerdem ist er ein undiplomatischer junger Hitzkopf, und man muß erwarten, daß er selber ihnen das deutlich macht. Daher könnte er in Schwierigkeiten geraten — und was jeder Foundationbürger ganz bestimmt weiß, ist doch, daß er, falls er irgendwo in der Galaxis Ärger bekommt, bloß nach dem nächstbesten Bevollmächtigten der Foundation zu schreien braucht. Mir persönlich würde es nichts ausmachen, Trevize in Schwierigkeiten zu sehen — sowas könnte ihm helfen, endlich erwachsen zu werden, und das wäre ihm nur von Nutzen —, aber Sie haben ihn als Blitzableiter losgeschickt, und ich habe dafür zu sorgen, daß Sie die Natur des Blitzschlags feststellen können, falls einer erfolgt, also habe ich veranlaßt, daß der nächste erreichbare Vertreter der Foundation ihn im Auge behält, sonst nichts.«

»Jetzt verstehe ich! Jetzt weiß ich auch, warum Thoobing so empfindlich reagiert hat. Von mir ist ihm nämlich eine ähnliche Vorwarnung zugegangen. Da er unabhängig voneinander von uns beiden gehört hat, kann man’s ihm kaum vorwerfen, daß er meint, das Auftauchen einer Handvoll Foundationraumschiffe habe mehr zu bedeuten, als wirklich dahintersteckt. Wie kommt es, Liono, daß Sie keine Rücksprache mit mir genommen haben, bevor Ihre Mitteilung an Thoobing abgegangen ist?«

»Würde ich Sie in alles einweihen, was ich veranlasse«, antwortete Kodell kühl, »hätten Sie keine Zeit, um Ihr Bürgermeisteramt auszuüben. Wie kommt es eigentlich, daß Sie mich nicht über Ihre Absicht, Thoobing zu informieren, aufgeklärt haben?«

»Würde ich Sie über alle meine Absichten aufklären, Liono«, erwiderte die Branno mißgestimmt, »wüßten Sie viel zuviel. Aber das ist eine unwichtige Angelegenheit, nicht anders als Thoobings Beunruhigung, und genauso verhält es sich mit allem, was die Saysheller unternehmen könnten. Ich interessiere mich viel mehr für Trevize.«

»Unsere Scouts haben Compor geortet. Er folgt Trevize, und beide nähern sich Gaia sehr vorsichtig.«

»Mir liegen die Berichte der Scouts komplett vor, Liono. Anscheinend nehmen Trevize und Compor beide Gaia sehr ernst.«

»Jeder belächelt den Aberglauben, der sich um Gaia rankt, Bürgermeisterin, und trotzdem denkt jeder: ›Was wäre, wenn…‹ Sogar Botschafter Thoobing hat sich ein bißchen Unbehagen anmerken lassen. Das alles könnte ganz gut auf einem raffinierten politischen Trick der Saysheller beruhen. Vielleicht eine Art von Tarnung. Wenn man Geschichten über eine geheimnisvolle, unnahbare Welt verbreitet, werden die Menschen nicht nur diese Welt meiden, sondern auch in der Nähe befindliche Welten — so wie die der Sayshell-Union.«

»Sie meinen, das könnte der Grund sein, warum der Fuchs Sayshell in Frieden gelassen hat?«