Sie blickte an sich hinunter und löste die Frage des Verständigungsproblems, indem sie meinte: »Sehe ich nicht wie ein Mensch aus?«
Sie sprach das Galakto-Standard mit einem ganz geringfügigen Zögern, als müsse sie sich ein wenig um die richtige Aussprache bemühen.
Pelorat nickte. »Ich kann’s nicht leugnen«, sagte er mit ansatzweisem Lächeln. »Sehr menschlich. Wundervoll menschlich.«
Die junge Frau breitete die Arme aus, als fordere sie zu genauerer Untersuchung auf. »Das will ich doch hoffen, Gentlemen. Für diesen Körper sind schon Männer gestorben.«
»Ich würde lieber dafür leben«, erwiderte Pelorat, selber leicht überrascht über diese Anwandlung von Charme.
»Eine gute Entscheidung«, sagte die Frau ernsthaft. »Sobald man diesen Leib berührt, wird alles Stöhnen zum Stöhnen der Ekstase.«
Sie lachte, und Pelorat lachte mit ihr.
»Wie alt sind Sie?« raunzte Trevize, der dem Gespräch mit finster gerunzelter Stirn zugehört hatte, die Frau an.
Sie schrak, hatte es den Anschein, ein bißchen zurück. »Dreiundzwanzig… Gentleman.«
»Warum sind Sie zu uns gekommen? Welche Absichten verfolgen Sie hier?«
»Ich bin gekommen, um Sie nach Gaia zu bringen.« Ihre Beherrschung des Galakto-Standard ließ ein wenig nach, und ihre Vokale neigten zum Diphthongieren. Das ›gekommen‹ klang aus ihrem Mund wie ›gekommemb‹, ›Gaia‹ wie ›Geier‹.
»Ein Mädchen als Eskorte?«
Die Frau straffte ihre Haltung, und plötzlich machte sie den Eindruck einer Person, die alles unter Kontrolle hat. »Ich bin Gaia«, sagte sie, »so gut wie jeder andere. Das ist meine Schicht auf der Station.«
»Ihre Schicht? Waren Sie die einzige Person an Bord?«
»Mehr ist nicht nötig.« Sichtlicher Stolz.
»Und nun ist sie leer?«
»Ich halte mich nicht länger dort auf, Gentlemen, aber sie ist nicht leer. Sie ist da.«
»Sie? Wen meinen Sie?«
»Die Station. Sie ist Gaia. Sie braucht mich nicht. Sie hält Ihr Schiff fest.«
»Wenn sie Sie nicht braucht, was haben Sie dann in der Station gemacht?«
Pelorat hatte Trevize schon einmal am Ärmel gezupft, war jedoch abgeschüttelt worden. Jetzt versuchte er es nochmals. »Golan«, sagte er eindringlich und halb im Flüsterton, »schreien Sie sie nicht an. Sie ist ein Mädchen. Überlassen Sie mir die Sache.«
Trevize schüttelte ärgerlich den Kopf, aber Pelorat ergriff bereits die Initiative. »Junge Frau«, erkundigte er sich, »wie lautet Ihr Name?«
Die Frau lächelte mit plötzlicher sonniger Freundlichkeit, als wüßte sie den höflicheren Ton sehr zu schätzen. »Wonne«, gab sie zur Antwort.
»Wonne?« wiederholte Pelorat. »Ein sehr hübscher Name. Aber das ist doch sicherlich nicht alles?«
»Natürlich nicht. Das wäre was, einen Namen mit bloß zwei Silben zu haben. Er würde in jeder Sektion dupliziert, sodaß wir einer den anderen nicht mehr voneinander unterscheiden könnten, und die Männer würden für den falschen Körper sterben. Mein vollständiger Name lautet Ywonnobiarella.«
»Na, das ist doch was!«
»Was? Sieben Silben? Das ist wenig. Ich habe Bekannte mit Namen von fünfzehn Silben, und sie werden’s nie müde, sich neue Kombinationen für ihre Freunde auszudenken. Seit ich fünfzehn geworden bin, ist es bei mir bei Wonne geblieben. Meine Mutter hat mich früher ›Bibbi‹ genannt, falls Sie sich so was überhaupt vorstellen können.«
»Im Galakto-Standard bedeutet ›Wonne‹ soviel wie ›Ekstase‹ oder ›Glückseligkeit‹«, sagte Pelorat.
»In der gaianischen Sprache auch. Sie ist nicht sehr verschieden vom Standard, und ›Ekstase‹ ist genau die Bedeutung, die mein Name vermitteln soll.«
»Mein Name ist Janov Pelorat.«
»Das weiß ich. Und der andere Gentleman — dieser Schreihals — ist Golan Trevize. Wir haben Nachricht von Sayshell erhalten.«
»Wie haben Sie diese Nachricht erhalten?« fragte Trevize sofort, die Augen mißtrauisch zusammengekniffen.
Wonne wandte sich ihm zu. »Nicht ich habe sie erhalten, sondern Gaia«, erwiderte sie gelassen.
»Miss Wonne«, fragte Pelorat, »dürfen mein Partner und ich uns einen Moment lang allein unterhalten?«
»Ja, freilich, aber Sie wissen, alles muß weitergehen.«
»Es wird nicht lange dauern.« Pelorat zog kraftvoll an Trevizes Ellbogen, und Trevize folgte ihm widerwillig in die benachbarte Kabine.
»Was soll das?« flüsterte Trevize. »Ich bin sicher, sie versteht uns auch hier drin. Wahrscheinlich kann sie unsere Gedanken lesen, diese verdammte Kreatur.«
»Ob sie uns hört oder nicht, wir brauchen im Augenblick aus psychologischen Gründen etwas Absonderung. Hören Sie, mein Bester, lassen Sie sie in Ruhe. Wir können nun einmal nichts unternehmen, und es hat absolut keinen Zweck, sie dafür büßen zu lassen. Wahrscheinlich ist sie ihrerseits auch zu keinen Maßnahmen befugt. Sie ist bloß ein Laufmädchen. Solange sie an Bord ist, sind wir vermutlich sicher, man hätte sie bestimmt nicht zu uns aufs Schiff geschickt, wäre es jemandes Absicht, das Schiff zu vernichten. Aber wenn Sie sich weiter so grob aufführen, wird man es — und damit auch uns — vielleicht vernichten, sobald sie wieder von Bord gegangen ist.«
»Ich kann’s nicht ertragen, derartig hilflos zu sein«, murrte Trevize.
»Wem gefällt so was schon? Aber sich wie ein Grobian zu benehmen, macht einen nicht weniger hilflos. Dadurch wird man nur zu einem hilflosen Grobian. Ach, mein Bester, ich will ja auch keineswegs nun Sie ausschimpfen, Sie müssen entschuldigen, falls ich Sie übertrieben kritisiere, aber dem Mädchen kann man an nichts die Schuld geben.«
»Janov, es ist jung genug, um unsere jüngste Tochter sein zu können.«
Pelorat straffte sich. »Ein Grund mehr, sich anständig zu betragen. Ich weiß auch nicht so recht, was ich von dieser Bemerkung halten soll.«
Trevize überlegte für einen Moment, dann normalisierte sich sein Gesichtsausdruck. »Na schön. Sie haben recht. Ich dagegen nicht. Aber es ist irritierend, daß man ein Mädchen zu uns geschickt hat. Zum Beispiel hätte man uns statt dessen einen Offizier ihres Militärs rüberschicken können, das hätte sozusagen wenigstens gezeigt, daß man uns ernst nimmt. Aber ein Mädchen? Das die Verantwortung ständig auf Gaia schiebt?«
»Wahrscheinlich meint sie einen Herrscher oder so was, der den Namen des Planeten als Ehrentitel trägt, oder sie bezieht sich auf das planetare Parlament. Wir werden’s schon herausfinden, aber möglicherweise nicht durch direktes Ausfragen.«
»Männer sind für ihren Leib gestorben!« sagte Trevize. »Ha! Dabei ist sie breitarschig wie ein… ein…«
»Niemand verlangt von Ihnen, daß Sie dafür sterben, Golan«, meinte Pelorat nachsichtig. »Kommen Sie, erlauben Sie ihr eine gewisse Selbstironie. Ich persönlich finde so was ganz lustig, und es spricht für ein gutmütiges Naturell.«
Wonne stand am Computer, als sie zurückkehrten, beugte sich über ihn und betrachtete seine Bestandteile, wobei sie die Hände auf dem Rücken verschränkte, als fürchte sie sich davor, ihn anzufassen.
Sie blickte auf, als die beiden wieder eintraten, unter der niedrigen Türöffnung den Kopf einzogen. »Dies ist ein ganz erstaunliches Schiff«, sagte sie. »Ich begreife nicht die Hälfte von allem, was ich hier sehe, aber wenn Sie mir zur Begrüßung ein Geschenk machen möchten, dann nehme ich’s sofort. Es ist wunderbar. Daneben sieht mein Schiff richtig scheußlich aus.« Ihre Miene nahm einen Ausdruck eifriger Neugier an. »Sind Sie wirklich von der Foundation?«