»Woher wissen Sie über die Foundation Bescheid?« wollte Pelorat wissen.
»Wir lernen davon in der Schule. Hauptsächlich wegen des Fuchses.«
»Warum wegen des Fuchses, Wonne?«
»Er war einer von uns, Gentle… Welche Silbe Ihres Namens darf ich benutzen, Gentleman?«
»Entweder Jan«, sagte Pelorat, »oder Pel. Welche ist Ihnen lieber?«
»Er war einer von uns, Pel«, sagte Wonne mit freundschaftlichem Lächeln. »Es weiß zwar niemand genau, wo eigentlich, aber er wurde auf Gaia geboren.«
»Er gilt wohl als gaianischer Held, was, Wonne?« meinte Trevize. Er legte nun eine entschiedene, nahezu aggressive Freundlichkeit an den Tag, warf einen beruhigenden Blick in Pelorats Richtung. »Nennen Sie mich Trev«, fügte er hinzu.
»O nein«, widersprach Wonne unverzüglich. »Er wird als Krimineller betrachtet. Er hat Gaia ohne Erlaubnis verlassen, und so etwas sollte niemand tun. Niemand weiß, warum er das gemacht hat, aber er ist fortgegangen, und das ist vermutlich der Grund, warum es mit ihm ein böses Ende genommen hat. Zum Schluß ist er von der Foundation besiegt worden.«
»Von der Zweiten Foundation?« hakte Trevize nach.
»Gibt’s mehr als eine? Wenn ich nachdenke, fällt’s mir vielleicht ein, aber eigentlich habe ich an Geschichte wenig Interesse. So wie ich es sehe, beschränkt sich mein Interesse auf das, was Gaia für am besten hält. Wenn Geschichte mir irgendwie abgeht, dann wohl deshalb, weil’s genug Historiker gibt, oder es kann sein, sie liegt mir einfach nicht. Ich werde voraussichtlich zur Weltraumtechnikerin ausgebildet. Jedenfalls teilt man mich immerzu für derartige Schichten ein, und anscheinend macht’s mir Spaß, und es ist ja logisch, hätte ich daran keinen Spaß, dann würde ich…«
Sie sprach ziemlich schnell, fast ohne Atem zu holen, und es kostete Trevize einige Mühe, eine Zwischenfrage zu stellen. »Wer ist Gaia?«
Wonne schaute verwundert drein. »Eben Gaia. Pel und Trev, bitte laßt uns weitermachen. Wir müssen auf die Oberfläche hinunter.«
»Wir sind doch schon dorthin unterwegs, oder nicht?«
»Ja, aber langsam. Gaia findet, Sie könnten sich viel schneller fortbewegen, wenn Sie das Potential Ihres Raumschiffs voll nutzen. Möchten Sie das tun?«
»Wir könnten’s«, antwortete Trevize grimmig. »Aber wenn ich die Kontrolle über das Schiff zurückerhalte, ist es nicht wahrscheinlich, daß wir dann sofort in die entgegengesetzte Richtung davonrasen?«
Wonne lachte. »Sie sind vielleicht komisch. Klar können Sie in keine Richtung fliegen, in die Gaia Sie nicht fliegen lassen will. Aber Sie dürfen in der Richtung schneller fliegen, wohin Gaia Sie fliegen zu sehen wünscht. Verstehen Sie?«
»Wir haben’s verstanden«, entgegnete Trevize. »Ich werde mich bemühen, meinen Sinn für Humor zu bändigen. Wo soll ich auf der Oberfläche landen?«
»Das ist gleichgültig. Steuern Sie die Oberfläche an, und Sie werden am richtigen Ort landen. Gaia wird dafür sorgen.«
»Bleiben Sie bei uns, Wonne«, fragte Pelorat nach, »damit wir gut behandelt werden?«
»Ich glaube, das läßt sich machen. Lassen Sie uns mal sehen… die reguläre Gebühr für meine Dienste — ich meine, für diese Art von Dienstleistungen — kann hier auf meiner Kontokarte verbucht werden.«
»Und die andere Art von Diensten?«
Wonne kicherte. »Sie sind ein netter alter Knabe.« Pelorat zuckte zusammen.
72
Wonne nahm den Abwärtsflug auf Gaias Oberfläche mit naiver Erregung auf. »Man spürt gar keine Beschleunigung«, bemerkte sie.
»Wir verfügen über einen Gravitationsantrieb«, sagte Pelorat. »Alles beschleunigt als Ganzes, uns eingeschlossen, also spüren wir nichts.«
»Aber wie funktioniert so ein Antrieb, Pel?«
Pelorat zuckte die Achseln. »Ich glaube, Trev kennt sich damit aus«, antwortete er, »aber ich bezweifle, daß er gegenwärtig in der Stimmung ist, um sich darüber zu unterhalten.«
Trevize hatte das Schiff nahezu rücksichtslos Gaias Gravitationsquelle entgegengestürzt. Das Schiff reagierte auf seine Richtungsweisung, aber Wonne hatte ihm bestimmte Warnungen erteilt. Ein Überschreiten der Feldlinien der vorhandenen Gravitationskräfte war umständehalber gestattet, wenngleich nur gegen einen gewissen Widerstand. Jeder Versuch jedoch, wieder aufzusteigen, mißlang völlig.
Noch immer gehörte das Raumschiff nicht wieder ihm.
»Gehen Sie nicht ein bißchen schnell hinunter, Golan?« meinte Pelorat in gutartiger Weise.
»Die junge Dame hat gesagt«, erwiderte Trevize mit einer gewissen Ausdruckslosigkeit des Tonfalls, um sich nichts von seinem Ärger anmerken zu lassen (allerdings mehr Pelorat zuliebe als aus irgendeinem anderen Grund), »daß Gaia für alles sorgt.«
»Klar, Pel«, versicherte Wonne. »Gaia wird nichts dulden, wodurch dies Schiff gefährdet werden könnte. Ist was zu essen an Bord?«
»Ja, freilich«, bestätigte Pelorat. »Was hätten Sie denn gerne?«
»Kein Fleisch, Pel«, erwiderte Wonne in geschäftsmäßigem Ton, »aber Fisch oder Ei wäre mir recht, auch jede Sorte Gemüse, die Sie haben.«
»Einige unserer Lebensmittel stammen von Sayshell, Wonne«, sagte Pelorat. »Ich weiß nicht genau, was in den Dosen steckt, aber möglicherweise schmeckt’s Ihnen.«
»Naja, ich werd’s probieren«, sagte Wonne mit merklichen Bedenken.
»Sind die Bewohner Gaias Vegetarier?« wollte Pelorat erfahren.
»Viele.« Wonne nickte nachdrücklich. »Das hängt davon ab, welche Nährstoffe der Körper in besonderen Fällen benötigt. In letzter Zeit war ich nicht hungrig nach Fleisch, deshalb nehme ich an, ich brauche keines. Und auch auf Süßigkeiten hatte ich keinen Appetit. Käse schmeckt mir gut, und Garnele. Wahrscheinlich muß ich abnehmen.« Sie hieb sich rechts aufs Gesäß, daß es nur so klatschte. »Genau da müssen zwei bis drei Kilo verschwinden.«
»Ich sehe nicht ein, warum«, sagte Pelorat. »So können Sie doch viel bequemer sitzen.«
Wonne verdrehte den Hals, um ihre Rückseite zu betrachten, so gut es ging. »Ach, es spielt keine große Rolle. Das Gewicht verändert sich auf- oder abwärts, wie es gerade erforderlich ist. Ich sollte mir deswegen keine Gedanken machen.«
Trevize schwieg, weil er mit der Far Star zu schaffen hatte. Bevor er in einen Orbit einschwenkte, hatte er ein wenig zu lange gezögert, und nun kreisten die unteren Grenzen der planetaren Exosphäre am Raumschiff vorüber. Nach und nach entglitt der Raumer seiner Kontrolle wieder völlig. Es hatte den Anschein, als habe ein Außenstehender die Bedienung des Gravo-Antriebs erlernt. Wie von selbst schwang die Far Star sich ein Stück empor in dünnere Luft und verlangsamte rasch ihre Geschwindigkeit. Danach schlug sie einen neuen Kurs ein und senkte sich in vorsichtiger Abwärtsflugbahn hinab.
Wonne hatte die schrille Geräuschentwicklung des Luftwiderstandes ignoriert und schnupperte nun geziert an dem Dampf, der aus einer erhitzten Konserve aufstieg. »Das muß in Ordnung sein, Pel«, sagte sie, »sonst müßte es ungut riechen, und ich hätte keine Lust, es zu essen.« Sie steckte einen schmalen Finger hinein und leckte ihn ab. »Sie haben richtig geraten, Pel. Das ist Garnele oder so was. Gut!«
Mit einer Gebärde der Unzufriedenheit verließ Trevize den Computer.
»Junge Frau«, sprach er Wonne an, als sähe er sie zum erstenmal.
»Mein Name ist Wonne«, sagte sie mit fester Stimme.