Выбрать главу

»Schön, also Wonne. Sie haben unsere Namen gekannt.«

»Ja, Trev.«

»Woher wußten Sie sie?«

»Es war für mich wichtig, sie zu wissen, damit ich meine Aufgabe erfüllen kann. Folglich wußte ich sie.«

»Wissen Sie, wer Munn Li Compor ist?«

»Ich wüßte es, wäre es für mich wichtig, zu wissen, wer er ist. Da ich aber nicht weiß, wer er ist, kommt Mr. Compor nicht zu uns.« Einen Augenblick lang überlegte sie. »Genauer gesagt, es kommt niemand außer Ihnen beiden.«

»Wir werden sehen.«

Er spähte hinab. Gaia war ein stark wolkiger Planet. Zwar gab es keine zusammenhängende Wolkendecke, aber es war eine vielfältig durchbrochene, bemerkenswert regelmäßig verteilte Schicht von Wolken vorhanden, die auf keinen Teil der planetaren Oberfläche klare Sicht erlaubte.

Er schaltete auf Mikrowellen um, und der Radarschirm glitzerte auf. Die Oberfläche ähnelte auf dem Schirm beinahe einer Darstellung des Sternenhimmels. Offenbar war Gaia eine Welt vieler Inseln, vergleichbar mit Terminus, aber noch ausgeprägter. Keine der Inseln war sonderlich groß, und keine lag von den anderen isoliert. Man hatte den Eindruck eines planetenweiten Archipels. Der Orbit des Raumschiffs war stark zur Äquatorialebene geneigt, aber man sah keine Anzeichen von Polkappen.

Auch fehlten die unmißverständlichen Beweise einer ungleichmäßigen Bevölkerungsverteilung, wie sie sich beispielsweise an der Beleuchtung auf der Nachtseite leicht ablesen ließ.

»Werden wir in der Nähe der Hauptstadt landen, Wonne?« erkundigte sich Trevize.

»Gaia wird Sie absetzen, wo es geeignet ist«, entgegnete Wonne gleichgültig.

»Eine Großstadt würde ich vorziehen.«

»Sie meinen eine große Bevölkerungsgruppe?«

»ja.«

»Das liegt allein bei Gaia.«

Das Schiff setzte seinen Abwärtskurs fort, und Trevize versuchte, sich ein wenig damit zu amüsieren, daß er Mutmaßungen darüber anstellte, auf welcher Insel sie wohl niedergehen würden. Welche es auch sein mochte, anscheinend sollte die Landung innerhalb der nächsten Minuten erfolgen.

73

Das Raumschiff landete ganz ruhig, fast wie federleicht, ohne einen Moment der Reibung, ohne anomale Schwerkrafterscheinungen. Einer nach dem anderen verließen sie es: zuerst Wonne, dann Pelorat, zuletzt Trevize.

Das Wetter ließ sich mit dem Frühsommer in Terminus City vergleichen. Leichter Wind wehte, und die spätmorgendliche Sonne schien von einem getupften Himmel herab. Der Untergrund, auf den sie ihre Füße setzten, war begrünt, und in einer Richtung standen zahlreiche Reihen von Bäumen, offenbar ein Obstgarten, während in einer anderen Richtung in einiger Entfernung die Küste verlief.

Man hörte ein leises Summen, das von Insekten stammen konnte, das Flattern eines Vogels — oder irgendeines kleinen Flugwesens —, und von einer Seite hörte man etwas Klack-klack machen, bei dem es sich möglicherweise um irgendein Farmgerät handelte.

Pelorat war der erste, der den Mund auftat, aber er äußerte sich zu nichts von dem, was man sah oder hörte. »Ah, das riecht gut«, sagte er statt dessen, »ganz wie frisches Apfelmus.«

»Wahrscheinlich ist das, was wir dort sehen, eine Apfelplantage«, sagte Trevize, »und es ist durchaus denkbar, daß man Apfelmus herstellt.«

»Auf Ihrem Schiff dagegen«, sagte Wonne, »hat’s gerochen wie… Na — es hat jedenfalls schrecklich gerochen.«

»Solange Sie an Bord waren, haben Sie sich nicht beschwert«, grollte Trevize.

»An Bord mußte ich höflich sein. Ich war Gast auf Ihrem Schiff.«

»Und was spricht dagegen, auch höflich zu bleiben?«

»Jetzt befinde ich mich auf meiner eigenen Welt. Sie sind hier die Gäste. Nun ist es an ihnen, höflich zu sein.«

»Vermutlich hat sie bezüglich des Schiffs recht, Golan«, meinte Pelorat. »Gibt’s keine Möglichkeit, das Schiff mal so richtig zu lüften?«

»Doch«, antwortete Trevize barsch. »Das ist möglich — falls diese kleine Kreatur uns zusichern kann, daß man das Schiff unangetastet läßt. Wie sie uns bereits gezeigt hat, kann sie das Schiff mit ungewöhnlichen Kräften beeinflussen.«

Wonne richtete sich zu voller Körpergröße auf. »Klein bin ich nicht gerade, und wenn nicht mehr erforderlich ist, als es in Ruhe zu lassen, um es zu säubern, kann ich Ihnen versichern, es wird mir ein Vergnügen sein, davon auf Abstand zu bleiben.«

»Und wann können wir denjenigen aufsuchen, den Sie immer Gaia nennen?« wünschte Trevize zu wissen.

Wonne wirkte erheitert. »Ich weiß, Sie werden’s mir nicht glauben, Trev. Ich bin Gaia.«

Trevize starrte sie an. Schon oft hatte er die Redewendung ›seine Gedanken zusammennehmen‹ in metaphorischem Gebrauch gehört. Nun fühlte er sich zum erstenmal in seinem Leben, als sei er buchstäblich mit einem solchen geistigen Vorgang befaßt. »Sie?« meinte er schließlich.

»Ja. Und der Boden ist Gaia. Und die Bäume dort sind Gaia. Und auch das Kaninchen da hinten im Gras. Und der Mann, den Sie da drüben zwischen den Bäumen sehen. Der gesamte Planet und alles, was sich darauf befindet — das ist Gaia. Wir sind durchaus alle Individuen, allesamt separate Organismen, aber wir besitzen ein gemeinschaftliches Bewußtsein. Der unbelebte Planet am wenigsten davon, die verschiedenen Lebensformen in unterschiedlichen Graden, die Menschen am meisten — aber alles hat daran Teil.«

»Ich glaube, sie will damit sagen, Trevize«, bemerkte Pelorat, »Gaia ist eine Art von Kollektivbewußtsein.«

Trevize nickte. »Soviel habe ich sehr wohl kapiert. In dem Fall, Wonne — wer regiert diese Welt?«

»Sie unterhält sich aus eigener Kraft«, lautete Wonnes Antwort. »Die Bäume dort wachsen von sich aus in Reih und Glied. Sie vermehren sich genau in dem Umfang, wie’s erforderlich ist, um die Exemplare zu ersetzen, die aus irgendwelchen Gründen absterben. Die Menschen ernten Äpfel, soviel sie brauchen, andere Tiere, auch die Insekten, verzehren ihren Anteil — den und nicht mehr.«

»So, die Insekten wissen, wieviel sie fressen dürfen, hm?« brummte Trevize.

»Gewissermaßen, ja. Es regnet, wenn’s nötig ist, und es regnet ab und zu auch einmal stark, wenn das nötig sein sollte — und gelegentlich kommt es zu Perioden der Trockenzeit, falls das sein muß.«

»Und der Regen weiß auch, was er zu tun hat, was?«

»ja, gewiß«, antwortete Wonne völlig ernsthaft. »Wissen in Ihrem Körper all die vielen verschiedenen Zellen denn nicht auch genau, was sie zu tun haben? Wann sie wachsen und wann sie mit dem Wachsen aufhören müssen? Wann sie bestimmte Stoffe zu erzeugen haben und wann nicht, und wenn welche erzeugt werden müssen, wissen sie nicht auch, daß es soundsoviel sein muß, nicht mehr und nicht weniger? In gewissem Maß ist jede Zelle eine selbständige chemische Fabrik, aber alle bedienen sich ein und derselben Quelle von Rohstoffen, die sie durch ein gemeinsames Transportsystem erhalten, und alle tragen sie zu einem gesamtheitlichen Grobbewußtsein bei.«

»Das ist äußerst bemerkenswert«, sagte Pelorat mit einigem Enthusiasmus. »Sie wollen damit sagen, daß der Planet ein Superorganismus ist und daß Sie eine einzelne Zelle dieses Superorganismus sind.«

»Damit beschreibe ich allerdings nicht den tatsächlichen Sachverhalt, sondern gebe Ihnen eine Analogie. Wir sind vergleichbar mit Zellen, aber wir sind keine Zellen — verstehen Sie?«

»In welcher Hinsicht«, hakte Trevize nach, »sind Sie keine Zellen?«

»Wir bestehen selbst aus Zellen und besitzen im Verhältnis zu den Zellen ein Großbewußtsein, das Bewußtsein eines individuellen Organismus — eines Menschen, um meinen Fall zu nehmen.«

»Mit einem Leib, für den Männer sterben.«