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»Ich frage mich, wieso Sie sich diesbezüglich so sicher sind«, sagte Kodell, holte seine Pfeife heraus und begann bedächtig Tabak hineinzustopfen.

»Ich habe mich immer schon mit der Frage beschäftigt, ob Compor nicht unter dem Einfluß der Zweiten Foundation stehen könnte. Sein Leben verlief viel zu glatt. Alles fiel ihm in den Schoß — und er ist so ein hervorragender Experte darin, den Kurs von Raumschiffen durch den Hyperraum zu verfolgen. Sein Verrat an Trevize war die simple Politik eines Ehrgeizlings — aber er hat ihn mit solcher Entschiedenheit begangen, daß ich mir irgendwie gleich dachte, daß dahinter mehr als persönlicher Ehrgeiz stecken muß.«

»Ausschließlich Mutmaßungen, Bürgermeisterin.«

»Mit den Mutmaßungen nahm es ein Ende, als er Trevize durch eine ganze Reihe kurz hintereinander vorgenommener Hypersprünge mit derartiger Sicherheit folgte, als sei’s nur ein Sprung gewesen.«

»Der Computer war ihm eine Hilfe, Bürgermeisterin.«

Aber da legte die Branno den Kopf zurück und lachte. »Mein lieber Liono, Sie werden so stark davon beansprucht, sich mit komplizierten Plänen und Planungen zu befassen, daß Sie völlig die Wirksamkeit einfacher und schlichter Verfahrensweisen aus den Augen verlieren. Ich habe Compor keineswegs Trevize nachgeschickt, weil es erforderlich gewesen wäre, Trevize verfolgen zu lassen. Wozu hätte das nötig sein sollen? Trevize mußte doch zwangsläufig, wie sehr es ihm auch darauf ankommen konnte, alle seine Bewegungen möglichst unauffällig zu vollziehen, auf jeder nicht zur Foundation gehörigen Welt Aufmerksamkeit erregen, sobald er sie betrat. Sein hochmodernes Foundationschiff, sein starker Terminusakzent, seine Foundationdevisen — das alles mußte ihn überall bald zu einem Mittelpunkt machen. Und in irgendwelchen Notfällen würde er sich automatisch an Bevollmächtigte der Foundation um Beistand wenden, genau wie er es auf Sayshell getan hat, und kaum war es geschehen, haben wir auch schon davon erfahren — und völlig ohne Compor. Nein…« — sie sprach mit einer gewissen Versonnenheit weiter —, »Compor ist fortgeschickt worden, um Compor zu überprüfen. Und das ist erfolgreich gelungen, denn mit voller Absicht haben wir ihm einen defekten Computer zur Verfügung gestellt — einen, der nicht defekt genug ist, um das Schiff manövrieruntüchtig zu machen, aber ohne Zweifel so mangelhaft, daß es ihm an sich unmöglich hätte sein müssen, Trevize durch einen Serien-Hypersprung zu folgen. Trotzdem hat Compor es ohne Schwierigkeiten geschafft.«

»Ich sehe, Bürgermeisterin, es gibt sehr viele Dinge, die Sie mir verschweigen, bis es Ihnen beliebt, sie mir mitzuteilen.«

»Ich verschweige Ihnen nur solche Angelegenheiten, Liono, deren Unkenntnis Sie nicht kränken kann. Ich bewundere Sie und brauche Sie, aber mein Vertrauen hat sehr eng gezogene Grenzen, ebenso wie Ihr Vertrauen zu mir… — bitte sparen Sie sich den Aufwand, das zu leugnen.«

»Ich spare ihn mir«, erwiderte Kodell kauzig, »und eines Tages werde ich mir die Freiheit nehmen, Sie daran zu erinnern. Gibt’s vorerst noch irgend etwas, das ich nun wissen sollte? Was ist das für eine Art von Schiff, mit dem sich Compor getroffen hat? Wenn Compor für die Zweite Foundation arbeitet, dann muß das fremde Raumschiff auch der Zweiten Foundation gehören.«

»Es ist immer wieder ein wahres Vergnügen, sich mit Ihnen zu unterhalten, Liono. Sie sind unheimlich schnell von Begriff. Wissen Sie, die Zweite Foundation macht sich nicht die Mühe, ihre Spuren zu verwischen. Sie bedient sich gewisser Abwehrmittel, die ihre Spuren unsichtbar machen, selbst wenn sie’s nicht sind. Der Zweiten Foundation würde es nie einfallen, ein Raumschiff von fremdartiger Konstruktion zu verwenden, nicht einmal, wenn sie wüßte, wie genau wir die Herkunft eines Raumers anhand der Regelmäßigkeiten seines Energieverbrauchs identifizieren können. Sie ist ja dazu in der Lage, aus jedem Verstand jede in dieser Hinsicht gewonnene Kenntnis zu entfernen, warum also sollte sie sich der Umstände eines Versteckspiels unterziehen? Nun, unser Scout hat jedenfalls innerhalb von Minuten nach der Ortung die Herkunft des Raumschiffs, mit dem sich Compor getroffen hat, ermitteln können.«

»Und nun, vermute ich, werden die Leute der Zweiten Foundation dies Wissen wieder aus unseren Gehirnen entfernen.«

»Falls sie dazu in der Lage sind, ja«, sagte die Branno. »Aber sie werden merken, daß die Dinge sich geändert haben.«

»Vor einer Weile haben Sie erklärt«, sagte Kodell, »Sie wüßten, wo sich die Zweite Foundation befindet. Erst würden Sie sich um Gaia kümmern, danach um Trantor. Ich schloß aus Ihren Äußerungen, daß das andere Raumschiff trantorischer Herkunft war.«

»Diese Schlußfolgerung ist völlig korrekt. Sind Sie überrascht?«

Bedächtig schüttelte Kodell den Kopf. »Im nachhinein eigentlich nicht. Während der Zeitspanne, in der man dem Fuchs Einhalt geboten hat, waren Ebling Mis, Toran Darell und Bayta Darell allesamt auf Trantor. Arkady Darell, Baytas Enkelin, kam auf Trantor zur Welt, und als es scheinbar gelang, auch die Zweite Foundation zur Strecke zu bringen, befand sie sich wieder auf Trantor. In ihrer Darstellung der damaligen Ereignisse spielt ein Preem Palver eine Schlüsselrolle, indem er immer im günstigsten Moment zur Stelle war, und er war ein trantorischer Händler. Man sollte es an sich für offensichtlich halten, daß die Zweite Foundation ihren Sitz auf Trantor hat oder hatte, wo übrigens auch Hari Seldon persönlich zur Zeit, als er die beiden Foundations gründete, gelebt hat.«

»Für ziemlich offensichtlich, ja, bloß ist niemals jemand auf diesen Gedanken gekommen. Dafür dürfte die Zweite Foundation gesorgt haben. Das ist es, was ich gemeint habe, als ich sagte, sie braucht ihre Spuren nicht zu verwischen, solange sie leicht gewährleisten kann, daß niemand in die Richtung dieser Spuren schaut.«

»In diesem Fall«, sagte Kodell, »sollten wir vielleicht nicht zu hastig in die Richtung schauen, in die sie uns möglicherweise gerne schauen sehen möchten. Wie kommt es nach Ihrer Meinung, daß Trevize zu der Einsicht gelangen durfte, daß die Zweite Foundation existiert? Warum hat die Zweite Foundation das nicht verhindert?«

Die Branno hielt ihre knorrigen Finger hoch und zählte an ihnen ihre Argumente ab. »Erstens ist Trevize ein sehr außergewöhnlicher Mann, an dem — trotz seiner unbezähmbaren Neigung, jede Vorsicht außer acht zu lassen — irgend etwas Besonderes ist, auch wenn ich leider nicht herausfinden konnte, um was es sich handelt. Er kann irgendwie ein Sonderfall sein. Zweitens ist die Zweite Foundation keineswegs in Unkenntnis geblieben. Compor hat sofort eingegriffen und mir Trevizes Auffassungen gemeldet. Ich mußte Trevize zum Schweigen bringen, ohne daß die Zweite Foundation sich zu einem offenen Vorgehen gehalten sah. Drittens, als ich nicht ganz so reagiert habe, wie man es von mir erwartete — keine Exekution, keine Haft, kein Auslöschen der Erinnerung, keine Anwendung der Psychosonde —, Trevize nämlich bloß ins Exil schickte, war die Zweite Foundation trotzdem gezwungen, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Sie hat sich für ein direktes Vorgehen entschieden und ihm eines ihrer eigenen Raumschiffe nachgeschickt. Ach…« — sie gab ihrem diebischen Vergnügen mit zusammengepreßten Lippen Ausdruck — »du, mein wunderbarer Blitzableiter!«

»Und was haben Sie nun vor?« erkundigte sich Kodell.

»Wir werden uns diesen Abgesandten der Zweiten Foundation vornehmen, der beobachtet worden ist. In der Tat sind wir bereits in schönster Gemütlichkeit zu ihm unterwegs.«