»Meine Güte, Golan, es wird doch keine unerfreulichen Vorkommnisse geben, oder? Wir sind Foundationisten, und auf feindlichem Territorium…«
»Von feindlichem Territorium kann keine Rede sein, Janov. Keine Sorge, man wird höflich und korrekt zu uns sein. Sayshell gehört lediglich nicht der Foundationsföderation an. Weil man hier auf seine Unabhängigkeit stolz ist, weil man ungern daran denkt, daß man wesentlich schwächer ist, als wir’s sind, weil man also nur dank unserer Bereitschaft, Sayshell die Unabhängigkeit zu lassen, unabhängig bleibt, darum leistet man sich den Luxus, uns nicht zu mögen.«
»Dann wird’s also doch unerfreulich zugehen«, sagte Pelorat bedrückt.
»Keineswegs«, widersprach Trevize. »Kommen Sie, Janov, hören Sie auf, ich rede von der offiziellen Einstellung der sayshellischen Regierung. Die einzelnen Leute auf dem Planeten sind einfach Leute wie überall, und wenn wir freundlich auftreten, werden sie auch zu uns freundlich sein. Wir dürfen uns bloß nicht wie die Herren der Galaxis aufführen. Wir sind nicht auf Sayshell, um die Überlegenheit der Foundation zu demonstrieren. Wir sind normale Touristen und werden genau die Sorte von Fragen über Sayshell stellen, wie alle Touristen sie zu stellen pflegen. Und wenn die Situation es gestattet, dürfen wir uns auch ein bißchen legitime Entspannung gönnen. Es ist unser gutes Recht, ein paar Tage zu bleiben und zu sehen, was man hier zu bieten hat. Die Kultur könnte interessant sein, es könnte eine interessante Szenerie geben, interessantes Essen, und wenn das alles fehlt, läßt sich immer noch auf interessante Frauen hoffen. Wir haben Geld zu verplempern.«
Pelorat runzelte die Stirn. »Aber mein Bester!«
»Nun machen Sie aber mal ’n Punkt«, sagte Trevize. »So alt sind Sie noch nicht. Hätten Sie kein Interesse?«
»Ich will nicht sagen, es hätte nie eine Zeit gegeben, in der ich mich auch in dieser Rolle bewährt habe, aber jetzt ist doch sicherlich nicht die richtige Zeit für so etwas. Wir haben eine Mission zu erfüllen. Wir wollen Gaia finden. Ich habe nichts dagegen, sich ein paar schöne Tage zu machen — bestimmt nicht! —, aber wenn wir uns auf irgend etwas einlassen, kommen wir vielleicht so bald nicht wieder heraus.« Er schüttelte den Kopf. »Ich glaube«, sagte er nachsichtig, »Sie haben befürchtet, ich könne mich auf Trantor in der Galaktischen Bibliothek festkrallen und nicht mehr dazu imstande sein, mich loszureißen. Freilich, was die Bibliothek mir bedeutet, ist für Sie wohl eine attraktive, glutäugige Person — oder fünf bis sechs.«
»Ich bin kein Wüstling, Janov«, antwortete Trevize, »aber ich habe ebensowenig die Absicht, Asket zu werden. Na schön, ich verspreche Ihnen, wir verlieren Gaia nicht aus den Augen, aber wenn ein hübsches weibliches Wesen mir über den Weg läuft, wüßte ich keinen Grund in der Galaxis, warum ich nicht reagieren sollte.«
»Solange Sie Gaia an die erste Stelle setzen…«
»Das will ich tun, aber denken Sie dran, erzählen Sie nicht gleich jedem, daß wir von der Foundation sind. Man wird’s sowieso wissen, weil wir über Foundationwährung verfügen und mit starkem Terminus-Akzent sprechen, aber solange wir uns nicht dazu äußern, können sie sich so verhalten, als seien wir Fremde, die sich nicht so recht einordnen lassen, und freundlich zu uns sein. Kehren wir dagegen die Foundationisten heraus, wird man sich zwar höflich genug benehmen, uns aber nichts sagen, nichts zeigen, uns nirgends hinbringen, uns völlig uns selbst überlassen.«
Pelorat seufzte. »Ich werde die Menschen niemals verstehen.«
»Es ist überhaupt nichts dabei. Sie brauchen nur sich selbst genau zu beobachten, dann werden Sie auch alle anderen verstehen. Wir sind in keiner Hinsicht anders als andere Menschen. Wie hätte Seldon seinen Plan ausarbeiten können — ganz egal, wie scharfsinnig seine Mathematik war —, wäre ihm keine gründliche Menschenkenntnis zueigen gewesen? Wie hätte er das alles schaffen können, wären Menschen nicht leicht durchschaubar? Zeigen Sie mir jemanden — bitte nehmen Sie das nicht persönlich —, der die Menschen nicht versteht, und ich werde beweisen, daß er sich ein falsches Bild von sich selbst fabriziert hat.«
»Ich nehm’s nicht persönlich. Ich gebe ohne weiteres zu, mir fehlt’s an Erfahrung, und ich habe ein reichlich egozentrisches, enges Leben geführt. Kann durchaus sein, daß ich mir nie viel Gedanken über mich selbst gemacht habe, deshalb dürfen Sie ruhig, was die Menschen betrifft, mein Führer und Ratgeber sein.«
»Gut. Dann hören Sie auf meinen Rat und schauen Sie sich die Gegend an. Wir gehen nun zur Landung über, und Sie können mir glauben, Sie werden nichts merken. Ich und der Computer werden das schon machen.«
»Golan, seien Sie nicht ärgerlich. Sollte eine junge Frau…«
»Lassen Sie’s gut sein! Ich muß mich jetzt um die Landung kümmern.«
Pelorat wandte sich ab und betrachtete die Welt, die am Ende der immer enger gewordenen Spirale lag, die das Schiff während des Anflugmanövers beschrieben hatte. Dies war die erste fremde Welt, die er in seinem Leben betreten sollte. Trotz der Tatsache, daß all die Millionen bewohnten Planeten der Galaxis von Menschen besiedelt worden waren, die nicht von dort stammten, erfüllte diese Aussicht ihn mit unschön ungewissen Ahnungen.
Alle, dachte er mit einem Schaudern nervöser freudiger Erregung, bis auf einen.
42
Nach den Standards der Foundation war der Raumhafen nicht groß, doch betrieb man ihn ziemlich tüchtig. Trevize sah zu, wie man die Far Star an einen Liegeplatz bugsierte und dort verankerte. Sie erhielten eine kompliziert codierte Besitzlegitimation.
»Bleibt das Schiff einfach hier zurück?« wollte Pelorat gedämpft wissen.
Trevize nickte und patschte dem anderen zur Ermutigung auf die Schulter. »Machen Sie sich keine Sorgen«, sagte er ebenso leise.
Sie stiegen in das Bodenfahrzeug, das sie gemietet hatten, und Trevize rief beim Bordcomputer den Stadtplan von Sayshell City ab, deren Hochbauten sich am Horizont erkennen ließen.
»Sayshell City«, sagte er, »die Hauptstadt des Planeten. Hauptstadt, Planet, Stern — alle heißen Sayshell. So hält man’s überall. Wir wohnen in Terminus City, das die Hauptstadt des Planeten Terminus ist, und obwohl wir von unserem Stern bloß als der Sonne sprechen, nennen Fremde ihn ebenfalls Terminus.«
»Ich bin beunruhigt wegen des Raumers«, sagte Pelorat.
»Dazu besteht kein Anlaß«, erwiderte Trevize. »Falls wir länger als ein paar Stunden auf Sayshell bleiben müssen, kehren wir heute abend zurück, um im Schiff zu übernachten. Sie müssen wissen, es gibt so was wie eine interstellare Raumhafen-Ethik, gegen die, soweit mir bekannt, nie verstoßen worden ist, nicht einmal im Krieg. Raumschiffe, die mit friedlichen Absichten landen, bleiben unbehelligt. Wäre es anders, könnte niemand sich noch irgendwo sicher fühlen, und jeder Handel wäre unmöglich. Jede Welt, wo dieser Kodex verletzt wird, müßte damit rechnen, von den Raumpiloten der ganzen Galaxis boykottiert zu werden, und so ein Risiko möchte man nirgendwo eingehen. Außerdem…«
»Außerdem?«
»Na, und außerdem habe ich mit dem Computer vereinbart, daß jeder, der sich nicht anhört und nicht aussieht wie wir, aber das Schiff zu betreten versucht, unverzüglich umgebracht wird. Ich habe mir auch die Freiheit genommen, das dem Kommandanten des Raumhafens zu erklären. Ich habe ihm in aller Höflichkeit gesagt, mit Rücksicht auf den Ruf des Raumhafens Sayshell City, absolut sicher und integer zu sein — bekannt in der ganzen Galaxis, habe ich gesagt —, würde ich diesen speziellen Mechanismus durchaus gerne desaktivieren, aber weil das Schiff ein neues Modell ist, wüßte ich nicht, wie.«