»Das wird er doch wohl kaum geglaubt haben.«
»Natürlich nicht. Aber er mußte so tun, als glaube er es, andernfalls hätte er nämlich keine Wahl gehabt, als beleidigt zu sein. Aber weil Beleidigtsein ohne konsequentes Ergreifen konkreter Maßnahmen nichts anderes als eine Demütigung ist, er das jedoch auf keinen Fall wünschte, war’s der einfachste Weg, zu glauben, was ich sage.«
»Ist das auch ein Beispiel dafür, wie Menschen sind?«
»Ja. Sie werden sich schon noch daran gewöhnen.«
»Woher wissen Sie, daß dies Fahrzeug nicht abgehört wird?«
»Mit so was habe ich gerechnet. Deshalb habe ich ein beliebiges anderes genommen, nicht das, was man mir angeboten hat. Kann sein, alle werden abgehört, klar… Na, aber was reden wir denn schon, das so schrecklich sein könnte?«
Pelorat wirkte unbehaglich. »Ich weiß nicht, wie ich’s sagen soll. Es kommt mir irgendwie unhöflich vor, mich darüber zu beklagen, aber mir mißfällt, wie’s hier riecht. Da ist so ein… Geruch.«
»Im Fahrzeug?«
»Nein, ich hab’s schon auf dem Raumhafen bemerkt. Ich vermute, so riechen Raumhäfen nun einmal, aber das Fahrzeug trägt den Geruch mit sich. Können wir die Fenster öffnen?«
Trevize lachte. »Ich glaube, ich könnte relativ leicht herausfinden, welcher Schalter am Armaturenbrett dafür zuständig ist, aber das würde nichts nützen. Der ganze Planet stinkt so. Ist es schlimm?«
»Nicht allzu stark, aber man merkt’s… — und es riecht ein wenig widerwärtig. Riecht diese ganze Welt so?«
»Ich vergesse immer wieder, daß Sie noch nie auf einer anderen Welt waren. Jede bewohnte Welt hat ihren eigenen Geruch. Zumeist geht er von der Gesamtheit der Vegetation aus, obwohl ich annehme, daß auch die Tiere und sogar die Menschen ihren Teil dazu beitragen. Und soviel ich weiß, gefällt niemandem der besondere Geruch einer Welt, wenn er sie zum erstenmal betritt. Aber man gewöhnt sich daran, Janov. In wenigen Stunden merken Sie’s nicht mehr, das verspreche ich Ihnen.«
»Sie meinen doch sicher nicht, daß es auf allen Planeten so wie hier riecht.«
»Nein, wie gesagt, jeder Planet besitzt seinen eigenen Geruch. Würden wir genug Aufmerksamkeit darauf verwenden, oder wären unsere Nasen besser — etwa wie bei den anacreonischen Hunden —, könnten wir wahrscheinlich bereits anhand eines kurzen Umherschnupperns bestimmen, auf welcher Welt wir uns befinden. Während meiner Anfangszeit in der Raummarine konnte ich am ersten Tag auf einer fremden Welt nie etwas essen. Später habe ich dann den alten Raumfahrertrick gelernt, schon vor der Landung an einem mit dem für die entsprechende Welt typischen Geruch imprägnierten Tuch zu riechen. Wenn man den Planeten schließlich betritt, fällt der Geruch einem nicht mehr so auf. Und nach einiger Zeit wird man in dieser Beziehung ganz einfach härter — man lernt, gar nicht mehr darauf zu achten. Am schlimmsten ist eigentlich die Heimkehr.«
»Wieso?«
»Glauben Sie, Terminus riecht nicht?«
»Wollen Sie behaupten, er riecht?«
»Natürlich riecht’s dort. Sobald Sie sich bezüglich des Geruchs einer anderen Welt — so wie Sayshell — akklimatisiert haben, wird es Sie überraschen, wie’s auf Terminus stinkt. Früher pflegte die Crew, wenn sich nach längerem Dienstflug die Schleuse wieder auf Terminus öffnete, zu rufen: ›Wieder daheim auf unserem Misthaufen!‹«
Pelorat wirkte angewidert.
Die Hochbauten der Stadt rückten sichtlich näher, aber der Professor hielt seinen Blick auf die unmittelbare Umgebung gerichtet. Andere Bodenfahrzeuge verkehrten in beide Richtungen, und gelegentlich sah man oben einen Flugapparat; Pelorat aber betrachtete die Bäume.
»Das pflanzliche Leben kommt mir seltsam vor«, sagte er. »Halten Sie’s für möglich, daß einiges davon einheimisch ist?«
»Ich bezweifle es«, entgegnete Trevize gedankenverloren. Er studierte den Stadtplan und unternahm einen Versuch, den Computer des Fahrzeugs zu programmieren. »Es gibt kaum heimisches Leben auf irgendeinem von Menschen besiedelten Planeten. Siedler bringen meistens ihre eigenen Pflanzen und Tiere schon zur Zeit der Besiedlung mit, oder sie importieren sie wenig später.«
»Kommt mir trotzdem seltsam vor.«
»Sie können doch nicht auf der einen wie der anderen Welt die gleichen Abarten erwarten, Janov. Soviel ich weiß, ist während der anfänglichen Arbeit an der Encyclopedia Galactica ein Atlas der interstellaren Flora erstellt worden, der siebenundachtzig Computerspulen umfaßte und noch immer unvollständig war — und kaum hatte man ihn fertig, war er auch schon überholt.«
Das Fahrzeug gelangte in die Randbezirke der Stadt; Straßenschluchten klafften auf und verschlangen es. Pelorat schauderte ein wenig zusammen. »Von dieser Art städtischer Architektur halte ich überhaupt nichts.«
»Jedem das seine«, sagte Trevize mit der Gleichgültigkeit eines abgebrühten Raumfahrers.
»Übrigens, wohin geht’s eigentlich?«
»Tja«, sagte Trevize mit einem gewissen Maß von Überdruß, »ich versuche gerade, den Computer dazu zu bewegen, daß er den Wagen zum Touristenzentrum bringt. Ich hoffe, er kennt die Einbahnstraßen und die Verkehrsvorschriften, denn ich habe davon keinerlei Ahnung.«
»Was sollen wir dort, Golan?«
»Zunächst einmaclass="underline" wir sind Touristen, also ist es ganz selbstverständlich, daß wir das Touristenzentrum aufsuchen, und wir möchten uns ja so harmlos und unbefangen wie möglich benehmen. Und zweitens, wohin würden denn Sie sich wenden, um Informationen über Gaia zu erhalten?«
»An eine Universität«, sagte Pelorat. »Eine anthropologische Gesellschaft — oder ein Museum, jedenfalls nicht an ein Touristenzentrum.«
»Na, und damit erliegen Sie einem Irrtum. Im Touristenzentrum können wir als intellektuelle Typen auftreten, die wild darauf sind, eine Liste aller Universitäten, sämtlicher Museen und so weiter zu bekommen. Anhand dieser Liste werden wir dann entscheiden, wohin wir uns am besten zuerst wenden, und dort lassen sich möglicherweise Leute finden, die wir bezüglich Vorgeschichte, Galaktographie, Mythologie, Anthropologie oder sonst irgend was konsultieren können. Den Anfang jedoch machen wir im Touristenzentrum.«
Pelorat schwieg, und der Wagen setzte die Fahrt unbeirrbar fort, wenngleich seine Fahrweise sich unangenehm ruckartig gestaltete, sobald er sich in stärkeren innerstädtischen Verkehr einfädelte und in einen Teil davon verwandelte. Schließlich sauste er in einen Tunnel und vorbei an Schildern, denen man vielleicht Richtungsangaben und Verkehrshinweise hätte entnehmen können, wäre die Schrift aufgrund ihres Stils nicht nahezu unleserlich gewesen.
Zum Glück verhielt der Wagen sich allerdings gerade so, als sei ihm der Weg bekannt, und als er auf einen Parkplatz abbog und anhielt, befand sich in Sichtweite ein Schild, auf dem in der gleichen komplizierten Schrift ›Sayshell Out-World Milieu‹ stand, darunter jedoch in den leicht lesbaren Buchstaben des Galakto-Standard ›Sayshell Tourist Center‹.
Sie betraten das Gebäude, dessen Inneres bei weitem weniger groß war, als die Fassade sie glauben gemacht hatte. Es herrschte wenig Betrieb.
Es gab eine Reihe von Wartekabinen; in einer saß ein Mann, der die Nachrichtenstreifen las, die ein kleiner Ejektor abspulte, in einer anderen befanden sich zwei Frauen, die anscheinend ein verwickeltes Spiel mit Karten und Täfelchen spielten.