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»Ich verstehe lediglich, daß du ein Feigling bist.«

»Wozu sollte es gut sein, sich wie ein Romanheld aufzuführen?« entgegnete Compor, dessen blaue Augen sich vor Empörung weiteten, mit Nachdruck. »Können wir, du und ich, uns gegen eine Organisation behaupten, die dazu imstande ist, unseren Verstand und unsere Emotionen zu lenken? Die einzige Methode, die Aussicht auf eine erfolgreiche Abwehr verspricht, beginnt damit, daß wir unsere Erkenntnisse geheimhalten.«

»Du hast also deine Meinung geheimgehalten und dich damit geschützt? Aber Bürgermeisterin Branno hast du sie nicht vorenthalten, stimmt’s? Das war doch ein großes Risiko.«

»ja. Aber es war mir die Sache wert. Unterhaltungen bloß unter uns hätten meines Erachtens zu nichts anderem geführt als daß man uns recht bald mental kontrolliert… oder sogar ganz aus dem Weg räumt. Ich dachte mir, wenn ich dagegen die Bürgermeisterin einweihe… Sie war gut bekannt mit meinem Vater, wie du weißt. Mein Vater und ich kamen als Einwanderer von Smyrno, und die Bürgermeisterin hatte eine Großmutter, die…«

»Das weiß ich alles«, sagte Trevize ungeduldig, »und über ein paar vorherige Generationen hinweg kannst du deine Abstammung aus dem Sirius-Sektor nachweisen. Das hast du jedem erzählt, den du kennst. Weiter, weiter, Compor!«

»Naja, jedenfalls, sie hat mich angehört. Ich dachte, wenn es mir gelingt, die Bürgermeisterin davon zu überzeugen — mit deinen Argumenten —, daß Gefahr droht, könnte die Föderation irgendwelche Maßnahmen ergreifen. Wir sind nicht so hilflos wie zu Lebzeiten des Fuchses, und selbst im schlimmsten Fall hätte sich der Vorteil ergeben, daß das Wissen um die Gefahr weite Kreise zieht und nicht ausschließlich wir besonders gefährdet sind.«

»Die Foundation gefährden, uns dagegen absichern«, sagte Trevize spöttisch. »Das ist wirklich anständiger Patriotismus.«

»Ich habe dergleichen als schlimmsten Fall eingeschätzt. Gerechnet habe ich mit der günstigsten Entwicklung.« Compors Stirn war leicht schweißig geworden. Anscheinend machte ihm Trevizes unerbittliche Verachtung zu schaffen.

»Und du hast mir von diesem deinem gerissenen Plan nichts verraten, richtig?«

»Nein, habe ich nicht, und das bedaure ich sehr, Trevize. Die Bürgermeisterin hat mich entsprechend angewiesen. Sie sagte, sie wünsche alles zu wissen, was du weißt, aber du wärst die Art von Person, die aus dem Häuschen gerät, wenn sie erfährt, daß man ihre Meinungsäußerungen weitererzählt.«

»Wie recht sie hatte!«

»Ich wußte nicht… Woher hätte ich wissen sollen… Es gab doch ganz einfach nichts, anhand dessen ich mir hätte vorstellen können daß sie beabsichtigt, dich festzunehmen und von unserem Planeten zu vertreiben.«

»Sie hat auf den richtigen Moment gewartet, den nämlich, in dem mein politischer Status als Ratsmitglied mich nicht länger schützte. Hast du das nicht vorausgesehen?«

»Wie hätte ich? Du hast es ja selbst nicht geahnt.«

»Hätte ich gewußt, daß sie meine Ansichten kennt, hätte ich’s geahnt.«

»Das ist nachträglich leicht gesagt«, entgegnete Compor mit einer plötzlichen Andeutung von unverschämter Anmaßung.

»Und was möchtest du jetzt hier von mir? Du bist nun ebenso klüger als vorher.«

»Ich möchte das alles wieder gut machen. Den Schaden, den ich dir unwissentlich — ich betone, unwissentlich — zugefügt habe.«

»Herrje«, sagte Trevize trocken, »wie lieb von dir! Aber du hast meine anfängliche Frage noch nicht beantwortet. Wie bist du hier hergekommen? Wieso befindest du dich gegenwärtig auf demselben Planeten wie ich?«

»Dafür sind keine umständlichen Erklärungen erforderlich«, antwortete Compor. »Ich bin dir gefolgt.«

»Durch den Hyperraum? Obwohl mein Raumschiff die Sprünge serienmäßig durchgeführt hat?«

Compor schüttelte den Kopf. »Durchaus kein Rätsel. Ich habe das gleiche Schiff wie du, mit einem gleichartigen Computer. Du weißt, ich habe immer diesen Trick beherrscht, zu erraten, welche Richtung ein Raumer durch den Hyperraum nehmen wird. Normalerweise ist meine Schätzung nicht besonders genau, und in zwei von drei Fällen irre ich mich, aber mit dem Computer bin ich viel besser. Du hast am Anfang ein bißchen gezögert, und dadurch erhielt ich die Chance, deine Geschwindigkeit festzustellen und deine Richtung zu schätzen, bevor du zum Hypersprung übergegangen bist. Ich habe die Daten und meine intuitiven Extrapolationen dem Computer eingespeist, und den Rest hat er erledigt.«

»Und du hast die Stadt tatsächlich vor mir erreicht?«

»Ja. Du hast keine Gravo-Landung vorgenommen, ich hab’s. Ich habe mir gedacht, daß du die Hauptstadt aufsuchst, deshalb bin ich auf kürzestem Wege hinunter, während du…« Compor vollführte eine kurze Spiralbewegung mit dem Zeigefinger, als sei er ein Raumschiff, das einem Leitstrahl folge.

»Du hast beträchtlichen Ärger mit den sayshellischen Behörden riskiert.«

»Tja…« Compors Gesicht verzog sich zu einem Lächeln, das ihm unbestreitbar gehörigen Charme verlieh, und fast empfand Trevize wieder etwas von den alten freundschaftlichen Gefühlen für ihn. »Ich bin nicht immer und in jeder Beziehung ein Feigling«, sagte Compor.

Trevize nahm sich zusammen. »Wie bist du an ein gleichartiges Raumschiff gelangt?«

»Auf genau die Weise, wie du an so einen Raumer gelangt bist. Die Alte… Bürgermeisterin Branno… sie hat ihn mir zur Verfügung gestellt.«

»Warum?«

»Ich will vollkommen ehrlich zu dir sein. Ich habe den Auftrag erhalten, dir zu folgen. Die Bürgermeisterin wollte wissen, wohin du gehst, was du unternimmst.«

»Und du hast es ihr pflichtgemäß gemeldet, vermute ich. Oder hast du die Bürgermeisterin genauso hintergangen?«

»Ich hab’s ihr gemeldet. Mir blieb keine Wahl. An Bord meines Raumschiffs ist eine Hypersonde, die ich nicht finden sollte, die ich aber gefunden habe.«

»Und?«

»Unglücklicherweise ist sie mit den entscheidenden Instrumenten des Raumers gekoppelt, so daß ich sie nicht entfernen kann, ohne das ganze Schiff lahmzulegen. Jedenfalls wüßte ich keinen Weg, um sie ohne entsprechende Folgen zu beseitigen. Infolgedessen weiß sie ohnehin, wo ich mich befinde, und damit auch, wo du bist.«

»Einmal angenommen, du wärst nicht dazu imstande gewesen, mir zu folgen. Dann wüßte sie jetzt nicht, wo ich bin. Hast du nicht soweit gedacht?«

»Doch, natürlich. Ich habe sehr wohl überlegt, ihr durchzugeben, ich hätte den Anschluß verloren… aber sie hätte es mir ja doch nicht geglaubt, oder? Und ich hätte für wer weiß wie lange nicht nach Terminus heimkehren können. Und ich bin anders als du, Trevize. Ich bin kein unbekümmerter Mensch ohne irgendwelche Bindungen. Ich habe eine Frau auf Terminus… obendrein ist sie schwanger… und ich möchte zu ihr zurückkehren. Du kannst es dir leisten, nur an dich selbst zu denken. Ich kann mir so was nicht erlauben. Außerdem, ich bin auch gekommen, um dich zu warnen. Bei Seldon, ja, das versuche ich die ganze Zeit, und du willst mir nicht zuhören. Du redest dauernd von anderen Dingen.«

»Deine plötzliche Sorge um mich kann mich nicht sonderlich beeindrucken. Wovor kannst du mich noch warnen? Ich habe eher den Eindruck, daß du das einzige bist, wovor ich gewarnt sein muß. Du hast mich verraten, und nun verfolgst du mich, um mich auch weiter zu verraten. Gegenwärtig versucht außer dir niemand, mir zu schaden.«