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»Vergiß doch mal diese theatralischen Redensarten, Mann«, sagte Compor mit allem Ernst. »Trevize, du wirst als Blitzableiter mißbraucht! Man hat dich losgeschickt, damit du etwaige Aktionen der Zweiten Foundation, falls es so etwas wie eine Zweite Foundation überhaupt gibt, auf dich ziehst. Mein intuitives Gespür bewährt sich auch noch bei anderen Dingen als Hyperraumsprüngen, und ich bin mir ganz sicher, daß das die Absicht ist, die hinter dem Verhalten der Bürgermeisterin steckt. Wenn du versuchst, die Zweite Foundation zu finden, wird sie auf dich aufmerksam werden, und sie wird Maßnahmen gegen dich ergreifen. Und sobald sie das tun, müssen sie sich irgendwie zeigen. Und dann wird Bürgermeisterin Branno zuschlagen.«

»Ein Jammer, daß deine hervorragende Intuition sich nicht bewährt hat, als die Branno meine Festnahme plante.«

Compor errötete. »Du weißt, daß so etwas nicht immer funktionieren kann«, sagte er leise.

»Und jetzt sagt deine Intuition dir, daß sie die Zweite Foundation anzugreifen beabsichtigt? Sie würde das nie wagen!«

»Ich glaube, doch. Aber darum geht’s gar nicht. Es geht darum, daß sie dich als Köder benutzt.«

»So?«

»Bei allen Schwarzen Löchern des Kosmos, folglich darfst du auf keinen Fall wirklich nach der Zweiten Foundation suchen. Ihr wär’s egal, wenn du im Laufe der Suche ums Leben kommst, aber mir nicht. Ich fühle mich schuldig, was deine Verbannung betrifft, und es wäre mir keineswegs recht, wenn man dich auch noch umbringt.«

»Ich bin zu Tränen gerührt«, sagte Trevize kühl. »Aber zufällig befasse ich mich im Moment mit einer ganz anderen Aufgabe.«

»Tatsächlich?«

»Gegenwärtig suchen Pelorat und ich nämlich die Erde, den Planeten, den einige Leute für die ursprüngliche Heimatwelt der menschlichen Rasse halten. Stimmt’s, Janov?«

Pelorat nickte. »Ja, es handelt sich dabei um eine rein wissenschaftliche Angelegenheit, und nebenbei eine Sache, für die ich mich schon seit langem interessiere.«

Compor wirkte einen Moment lang verständnislos. »Sie suchen die Erde?« vergewisserte er sich. »Aber warum denn?«

»Um sie genau zu erforschen«, gab Pelorat zur Antwort. »Als die eine Welt, auf der sich — vermutlich aus niedrigeren Lebensformen — das menschliche Leben entwickelt hat, statt wie auf allen anderen schon fix und fertig eingetroffen zu sein, dürfte sie ein Forschungsobjekt von einzigartiger Faszination abgeben.«

»Und vielleicht läßt sich dort mehr über die Zweite Foundation in Erfahrung bringen«, ergänzte Trevize.

»Aber es gibt keine Erde«, sagte Compor. »Wußten Sie das nicht?«

»Keine Erde?« Wie immer, wenn er zu äußerster Halsstarrigkeit entschlossen war, wirkte Pelorats Gesicht völlig ausdruckslos. »Wollen Sie behaupten, es habe keinen Planeten gegeben, auf dem die menschliche Spezies entstanden ist?«

»O nein, natürlich gab’s mal eine Erde. Das steht außer Frage. Aber heute gibt’s keine mehr. Keine bewohnte Erde. Die gibt’s nicht mehr.«

»Gewissen Geschichten zufolge…«, begann Pelorat ungerührt zu widersprechen.

»Warten Sie mal, Janov«, sagte Trevize. »Nun hör mal,: Compor, woher willst du das wissen?«

»Wie meinst du das, woher? Es gehört zu meinem Erbe. Ich kann meine Abstammung bis in den Sirius-Sektor zurückverfolgen, falls es erlaubt ist, diese Tatsache noch einmal zu wiederholen, ohne dich zu langweilen. Dort wissen alle über die Erde Bescheid. Sie befindet sich im selben Sektor, das heißt, sie gehört nicht zur Foundation-Föderation, und anscheinend befaßt man sich deshalb auf Terminus nicht mit ihr. Aber wie dem auch sei — dort ist die Erde.«

»Das gilt als eine Möglichkeit, ja«, sagte Pelorat. »Zur Zeit des Imperiums hat die ›Sirianische Alternative‹, wie man’s nannte, einmal erheblichen Enthusiasmus ausgelöst.«

»Das ist keine Alternative«, sagte Compor vehement. »Es ist eine Tatsache.«

»Was würden Sie sagen«, meinte Pelorat, »wenn ich Ihnen verrate, daß es zahlreiche verschiedene Planeten in der Galaxis gibt, die man Erde nennt, oder die früher von ihrer stellaren Nachbarschaft Erde genannt worden sind?«

»Aber wovon ich spreche, das ist die richtige Erde«, erwiderte Compor. »Der Sirius-Sektor ist der am längsten besiedelte Teil der Galaxis. Das weiß jeder.«

»Sicher, das behaupten die Sirianer«, entgegnete Pelorat unbeeindruckt.

Compor wirkte frustriert. »Ich sage Ihnen…«

»Sag uns lieber«, unterbrach Trevize, »was aus der Erde geworden ist. Du behauptest, sie sei nicht länger bewohnt. Warum nicht?«

»Radioaktivität. Aufgrund außer Kontrolle geratener nuklearer Reaktionen ist die gesamte planetare Oberfläche radioaktiv verseucht, vielleicht auch infolge von Atomexplosionen, da bin ich mir nicht sicher… Jedenfalls ist dort heute jedes Leben unmöglich.«

Die drei Männer schauten einander für eine Weile stumm an, bis Compor offenbar das Bedürfnis verspürte, sich zu wiederholen. »Ich sag’s euch«, betonte er, »es gibt keine Erde. Es hat keinen Zweck, sie zu suchen.«

44

Zum erstenmal war Janov Pelorats Miene nicht ausdruckslos. Sie spiegelte keine Leidenschaft, keine der instabileren Emotionen wider. Aber seine Augen waren schmal geworden, und eine Art hitziger Intensität erfüllte jeden Muskel seines Gesichts.

»Was haben Sie gesagt, woher Sie das alles wissen wollen?« erkundigte er sich, und seiner Stimme fehlte es nun vollkommen am gewohnten Tonfall vorsichtiger Zurückhaltung.

»Wie ich gesagt habe«, antwortete Compor, »gehört’s zu meinem Erbe.«

»Reden Sie doch nicht so albern daher, junger Mann! Sie sind Ratsherr auf Terminus. Das bedeutet, Sie wurden auf einer Welt der Föderation geboren — ich glaube, Sie haben erwähnt, auf Smyrno.«

»Das ist richtig.«

»Na, und von was für einem Erbe reden Sie da? Wollen Sie mir weismachen, Sie hätten sirianische Gene, dank derer Sie ein angeborenes Wissen sirianischer Mythen bezüglich der Erde besäßen?«

Compor schaute verdutzt drein. »Nein, natürlich nicht.«

»Wovon also reden Sie?«

Compor schwieg einen Augenblick lang, sammelte anscheinend seine Gedanken. »Unsere Familie befindet sich im Besitz alter sirianischer Geschichtsbücher«, sagte er schließlich ruhig. »Es handelt sich also um ein äußeres Erbe, nicht um inneres Erbgut. Wir sprechen über dergleichen Dinge nicht zu Außenstehenden, vor allem nicht, wenn man eine politische Laufbahn mit Erfolg einschlagen will. Trevize meint anscheinend, wir würden darüber zu jedermann schwätzen, aber man glaube mir, ich erwähne so etwas nur gegenüber Freunden und guten Bekannten.«

Seine Stimme wies einen Anklang von Bitterkeit auf. »Theoretisch sind alle Bürger der Foundation gleich, aber die von den älteren Welten der Föderation sind gleicher als die von neueren Planeten, und solche, die von Welten außerhalb der Föderation stammen, sind sogar am gleichsten. Aber lassen wir das. Abgesehen von den Büchern, ich habe die alten Welten ja einmal besucht. He, Trevize, hör mal…«

Trevize war ein paar Schritte geschlendert, bis zum Ende der Räumlichkeit, und schaute nun durch ein dreieckiges Fenster hinaus. Es gewährte Ausblick auf den Himmel, schränkte zugleich jedoch den Blick auf das Stadtbild ein — bot mehr Licht und mehr Privatsphäre. Trevize reckte sich und spähte nach unten.

Er kehrte quer durch den Raum zurück. »Interessantes Fenster-Design«, sagte er. »Du hast mich gerufen, werter Ratskollege?«

»Ja. Erinnerst du dich noch an die Reise, die ich nach dem Abgang vom College unternommen habe?«