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Compor hegte den Ehrgeiz, eines Tages nach Trantor zu gehen, obwohl er selbst es als reichlich unwahrscheinlich betrachtete, daß sein Wunsch jemals in Erfüllung ging. Aufgrund seiner Ausbildung wußte er, daß man dann und wann einen tüchtigen Observator beförderte und nach Trantor holte, aber so etwas geschah selten. Die Qualitäten, die einen guten Observator auszeichneten, stimmten nicht unbedingt mit jenen Eigenschaften überein, die jemandem zu einem Sitz an der Tafel der Sprecher verhalfen.

Da war zum Beispiel Gendibal, der fünf Jahre jünger war als Compor. Er mußte als Junge rekrutiert worden sein, genau wie Compor, aber ihn hatte man direkt nach Trantor gebracht, und heute war er Sprecher. Über den Grund gab Compor sich keinen Mißverständnissen hin. In letzter Zeit war er mit Gendibal häufig in Kontakt gewesen und hatte die Macht, die im Geist dieses jungen Mannes wohnte, aus persönlicher Erfahrung kennengelernt. Er hätte sich dagegen nicht eine Sekunde lang behaupten können.

Compor war sich kaum jemals eines niedrigen Status bewußt. Er erhielt nur selten einen Anlaß, um über so etwas nachzudenken. Immerhin war sein Status (geradeso wie im Fall anderer Observatoren, nahm er an) nur niedrig, maß man ihn am Standard Trantors. Auf den eigenen, nichttrantorischen Welten mit ihren nichtmentalischen Gesellschaftsformen war es für Observatoren leicht, einen hohen Status zu erlangen.

Beispielsweise hatte Compor nie Schwierigkeiten dabei gehabt, die besten Schulen zu besuchen, gute Kontakte zu knüpfen. Er hatte sich auf einfache Weise der Mentalik bedienen und seine natürliche intuitive Begabung verstärken können (wegen dieser natürlichen Begabung war er ursprünglich überhaupt rekrutiert worden — in dieser Beziehung war er sicher), und dadurch hatte er es geschafft, auf dem Gebiet der Hyperorientierung ein wahrer Star zu werden. Schon am College war er eine Berühmtheit, und ihr verdankte er es, daß er seinen Fuß unverzüglich auf die erste Sprosse der Leiter einer politischen Karriere setzen konnte. Sobald die gegenwärtige Krise vorüber war, ließ ein Ende seines weiteren Aufstiegs sich nicht absehen.

Wenn die Krise erfolgreich beendet worden war — woran es keinen Zweifel geben konnte —, würde man sich dann nicht daran erinnern, daß er, Compor, es gewesen war, der zuerst auf Trevize aufmerksam geworden war, nicht als Mensch (das hätte jeder gekonnt), sondern auf Trevizes Geist?

Er war Trevize auf dem College begegnet und hatte ihn zunächst nur als aufgeräumten, gewitzten Freund betrachtet. Eines Morgens jedoch hatte er sich träge aus dem Schlaf emporgerungen, und im Strom von Bewußtseinseindrücken, der das Nirgends-Niemals-Land des Halbschlafs zu durchspülen pflegte, war plötzlich spürbar geworden, es war ein Jammer, daß man Trevize nicht rekrutiert hatte.

Natürlich war es unmöglich gewesen, Trevize zu rekrutieren, denn er war auf Terminus geboren und im Gegensatz zu Compor kein Eingeborener einer anderen Welt. Doch selbst wenn man das einmal beiseite ließ, war es längst zu spät gewesen. Nur ganz junge Menschen sind noch elastisch genug, um eine Ausbildung in Mentalik zu genießen; die schwierige Unterweisung eines Erwachsenen in dieser Fähigkeit, eines Menschen also, dessen Hirn sozusagen schon im Schädel festgerostet war, hatte man lediglich in den ersten beiden Jahrhunderten nach Seldon praktiziert.

Aber wenn Trevize ohnehin nicht zur Rekrutierung geeignet gewesen war und zudem altersmäßig nicht mehr in Frage kam, was hatte dann Compors Beunruhigung über diese Tatsachen verursacht?

Während ihrer nächsten Begegnung hatte Compor den Geist Trevizes tief und gründlich erforscht und dabei entdeckt, was ihn anfangs so verstört hatte. Trevizes Verstand wies Charakteristika auf, die nicht mit dem übereinstimmten, was man ihn gelehrt hatte. Immer wieder narrte ihn dieses Bewußtsein. Wohin er seinen Funktionen auch folgte, fand er Lücken. Nein, es konnten natürlich keine wirklichen Lücken sein — tatsächliche Bereiche von Nichtexistenz. Es mußte sich um geistige Zonen handeln, wo Trevizes Geist zu tiefgründig aktiv war, um beobachtet werden zu können.

Compor wußte nicht zu entscheiden, was das bedeuten mochte, aber er verfolgte fortan Trevizes Verhalten im Lichte dessen, was er bemerkt hatte, und begann infolge dessen zu mutmaßen, daß Trevize anscheinend die unheimliche Gabe besaß, anhand von etwas, das als unzulängliches Datenmaterial gelten mußte, zu korrekten Schlußfolgerungen zu kommen.

Konnte das in irgendeinem Zusammenhang mit den ›Lücken‹ stehen? Jedenfalls war das eine Angelegenheit, die seine mentalistischen Kräfte weit überforderte, mit der sich deshalb die Tafel der Sprecher selbst befassen mußte. Er hatte das unbehagliche Gefühl, daß diese seltsame Entscheidungskapazität in ihrem vollen Umfang sogar Trevize persönlich unbekannt war, und daß er dazu imstande sein könnte…

Zu was? Compors Kenntnisse reichten nicht aus, um darüber einen Befund abzugeben. Fast vermochte er die Bedeutung dessen, worüber Trevize verfügte, zu begreifen — aber nicht ganz. Er war sich nur der intuitiven Einsicht sicher — vielleicht handelte es sich auch nur um eine Vermutung —, daß Trevize (zumindest potentiell) eine Person von äußerster Wichtigkeit war.

Er mußte auf die Möglichkeit setzen, daß es sich so verhielt, und vorübergehend den Eindruck erwecken, als sei er nicht so recht qualifiziert für seinen Posten. Immerhin, wenn seine Ansichten sich als korrekt erwiesen…

Im Rückblick war er sich nicht völlig darüber im klaren, wie er genug Mut hatte aufbringen können, um seine Bemühungen fortzusetzen. Er hatte die Verwaltungsschranken, die die Tafel der Sprecher umgaben, nur mit Mühe durchdrungen. Fast war er schon geneigt gewesen, sich — mit einer beeinträchtigten Reputation abzufinden. Endlich war es ihm durch die nachgerade verzweifeltsten Anstrengungen gelungen, zum jüngsten Mitglied an der Tafel der Sprecher vorzustoßen, und schließlich war Stor Gendibal auf seine Eingaben eingegangen.

Gendibal hatte ihm geduldig zugehört, und von da an hatte zwischen ihnen ein besonderes Verhältnis bestanden. Auf Gendibals Weisung hin war es geschehen, daß er die Bekanntschaft mit Trevize weiterhin pflegte, und ebenso hatte er auf Compors Weisung sorgfältig die Situation geschaffen, die zu Trevizes Verbannung führte. Und durch Gendibal konnte Compor seinen Traum, nach Trantor gehen zu dürfen (wie er zu hoffen begann), vielleicht doch noch wahrmachen.

Alle Vorbereitungen hatten allerdings dem Zweck gedient, Trevize nach Trantor zu lotsen. Trevizes Weigerung, das zu tun, hatte Compor vollkommen überrascht und war auch von Gendibal (wie Compor aufgefallen war) nicht vorausgesehen worden.

Auf jeden Fall, Gendibal war nun persönlich unterwegs zum Brennpunkt des Geschehens, und für Compor verstärkte das noch das Gefühl einer Krise.

Compor sandte sein Hypersignal aus.

48

Eine mentale Berührung weckte Gendibal aus dem Schlummer. Sie war von effektiver Natur und besaß nicht im mindesten den Charakter einer Störung. Weil es auf das Weckzentrum des Gehirns direkt einwirkte, erwachte er ganz einfach.

Er setzte sich im Bett auf, die Decke rutschte von seinem wohlgeformten, geschmeidig-muskulösen Oberkörper. Er hatte die Berührung erkannt; für Mentalisten war ein derartiges Tasten so klar unterscheidbar wie Stimmen für Menschen, die sich überwiegend durch das gesprochene Wort verständigten.

Gendibal antwortete mit dem mentalen Standardsignal, fragte nach, ob ein kurzer Aufschub möglich sei, und erhielt das Mentalsignal für ›Kein Notfall‹.

Anschließend widmete sich Gendibal mit überflüssiger Hast der morgendlichen Toilette. Er stand noch unter der Schiffsdusche — das benutzte Wasser lief gerade in die Recyclinganlage ab —, da nahm er bereits von sich aus erneut Kontakt auf.