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»So?« meinte Gendibal ohne merkliche Überzeugtheit. »Interessant. Um so besser. Zu wissen, wann man sich der Wahrheit bedienen kann, ist bewundernswert, denn keine Unwahrheit kann man mit gleichwertiger Glaubwürdigkeit an den Mann bringen. Das hat Palver einmal gesagt. ›Je näher sie an der Wahrheit liegt, um so besser ist die Lüge, und die beste Lüge ist die Wahrheit selbst, wenn man sie als Lüge verwenden kann‹, hat er wörtlich gesagt.«

»Eines muß ich noch erwähnen«, sagte Compor. »Indem ich die Anweisung befolgt habe, Trevize bis zu Ihrer Ankunft im Sayshell-Sektor festzuhalten — und zwar um jeden Preis —, mußte ich in meinen Anstrengungen weit genug gehen, um in ihm unverkennbar den Verdacht zu erzeugen, ich stünde unterm Einfluß der Zweiten Foundation.«

Gendibal nickte. »Ich glaube, das war unter den gegebenen Umständen unvermeidbar. Seine Monomanie in dieser Frage würde ohnehin genügen, um ihn überall die Zweite Foundation wittern zu lassen, ob sie nun da ist oder nicht. Wir müssen seine Haltung ganz einfach berücksichtigen.«

»Sprecher, wenn es absolut notwendig ist, daß Trevize bleibt, wo er ist, bis Sie eintreffen, könnten wir die Dinge beschleunigen und vereinfachen, wenn ich Ihnen entgegenfliege, Sie an Bord meines Raumschiffs nehme und Sie nach Sayshell bringe. Das würde keinen Tag…«

»Nein, Observator«, erwiderte Gendibal scharf, »Sie werden nichts dergleichen tun. Die Leute auf Terminus wissen, wo Sie sind. Sie haben an Bord Ihres Raumers eine Hypersonde, die sich nicht demontieren läßt, richtig?«

»Ja, Sprecher.«

»Und wenn man auf Terminus weiß, daß Sie auf Sayshell gelandet sind, dann weiß auch Terminus’ Botschafter auf Sayshell darüber Bescheid — und damit weiß der Botschafter auch, daß sich Trevize auf Sayshell befindet. Die Hypersonde würde den Leuten auf Terminus verraten, daß sie einen gewissen Punkt in einigen hundert Parsek Entfernung angeflogen haben und zurückgekehrt sind, während der Botschafter nach Terminus durchgäbe, daß Trevize im Sayshell-Sektor geblieben ist. Welche Schlußfolgerungen könnte man auf Terminus daraus ziehen? Nach allem, was bekannt ist, handelt’s sich bei Terminus’ Bürgermeisterin um eine scharfsinnige Frau, und am allerwenigsten möchte ich sie durch irgendwelche rätselhaften Vorgänge so in Aufregung versetzen, daß sie womöglich ein Geschwader ihrer Flotte schickt. Die Wahrscheinlichkeit für so etwas ist unerfreulich hoch.«

»Bei allem Respekt, Sprecher«, meinte Compor, »welchen Grund hätten wir, uns vor einem Flottenverband zu fürchten, wenn wir seinen Kommandanten unter unsere Kontrolle bringen können?«

»Wie wenig wir auch Grund haben müßten, wir besitzen noch weniger Grund zur Beunruhigung, solange keine Flotte hier ist. Bleiben Sie, wo Sie sind, Observator! Sobald ich ankomme, werde ich Sie an Bord ihres Raumschiffs aufsuchen, und dann…«

»Und dann, Sprecher?«

»Na, dann übernehme ich alles weitere.«

49

Nachdem er den Mentalkontakt unterbrochen hatte, saß Gendibal noch lange ruhig an seinem Platz und dachte nach.

Während des langen Flugs nach Sayshell — unvermeidlich lang in diesem Raumschiff, das sich mit der technischen Fortschrittlichkeit der Produkte der Ersten Foundation nicht messen konnte —, hatte er noch einmal jeden einzelnen der vielen Berichte über Trevize zu Rate gezogen. Sie erstreckten sich über nahezu ein Jahrzehnt.

Insgesamt und zudem im Licht der jüngsten Ereignisse betrachtet, war nicht länger irgendein Zweifel daran möglich, daß Trevize einen hervorragenden Rekruten für die Zweite Foundation abgegeben hätte, wäre es nicht seit Palvers Zeiten ein Prinzip gewesen, alle Terminus-Geborenen von der Rekrutierung auszunehmen.

Man konnte nicht sagen, wie viele Rekruten von höchster Tauglichkeit der Zweiten Foundation im Laufe der Jahrhunderte entgangen waren. Es gab keine Möglichkeit, jeden einzelnen der Quadrillionen von Menschen, die die Galaxis bevölkerten, auf seine Eignung zu überprüfen. Doch wahrscheinlich hätte keiner davon vielversprechender sein können als Trevize, und bestimmt ließ sich keiner an einer wichtigeren Stelle ausfindig machen.

Andeutungsweise schüttelte Gendibal den Kopf. Trevize hätte keinesfalls unbeachtet bleiben dürfen, Terminus-Geborener oder nicht. Und man mußte es Observator Compor hoch anrechnen, daß er Trevize, obwohl durch die Jahre seine ursprünglichen Anlagen bereits entstellt waren, bemerkt hatte.

Heute war Trevize natürlich nicht mehr zu gebrauchen. Er war schon zu alt für die erforderlichen Anpassungen, aber es stand ihm noch diese angeborene Intuition zur Verfügung, diese Fähigkeit, auf der Grundlage völlig unzureichender Informationen zu einer richtigen Entscheidung zu gelangen, und dazu etwas… irgend etwas…

Der alte Shandess — immerhin Erster Sprecher und in dieser Funktion, wenngleich sein Zenit nun überschritten war, allzeit bewährt — sah da irgend etwas in diesem Trevize, sogar ohne genaue Kenntnis der angesammelten Daten, ohne zu wissen, welche Überlegungen Gendibal im Verlauf des Fluges angestellt hatte. Trevize, so lautete Shandess’ Meinung, war in dieser Krise die Schlüsselperson.

Warum hielt Trevize sich im Sayshell-Sektor auf? Welche Pläne verfolgte er? Was tat er?

Und er durfte nicht angetastet werden! Dessen war sich Gendibal völlig sicher. Bis sie ganz genau wußten, welche Rolle Trevize einnahm, wäre es total falsch gewesen, ihn irgendwie zu beeinflussen. Solange die Anti-Füchse — wer sie auch waren, was sie auch sein mochten — in diesem Spiel mitmischten, konnte jeder falsche Schritt bezüglich Trevizes — vor allem in bezug auf Trevize — völlig unerwartet vor ihrer Nase eine Nova explodieren lassen.

Er merkte, daß in seiner mentalen Nähe ein anderes Bewußtsein schwebte, und er wies es gedankenverloren ab, so wie er vielleicht mit der Hand eines der lästigeren Insekten auf Trantor verscheucht hätte — nur tat er es nicht mit der Hand, sondern mit seinen mentalen Kräften. Augenblicklich spürte er eine Aufwallung von Fremdschmerz und schaute auf.

Sura Novi hatte eine Hand an ihre gefurchte Stirn gehoben. »Verzeihung, Meister. Habe ganz plötzlich Kopfweh.«

Gendibal empfand sofort Zerknirschung. »Entschuldigen Sie, Novi, ich habe nicht richtig nachgedacht… — oder vielmehr, ich habe zu intensiv nachgedacht.« Im Handumdrehen und sehr behutsam bügelte er ihre beeinträchtigten mentalen Stränge aus.

Unversehens lächelte Novi erfreut. »Ganz plötzlich is es weg. Deine freundliche Stimme, Meister, is auf mich wie ’n Wunder.«

»Fein«, sagte Gendibal. »Stimmt irgend was nicht? Weshalb bist du hier?« Er sah davon ab, genauer in ihr Bewußtsein Einblick zu nehmen, um Details zu erfahren, selbst den Grund ihrer Anwesenheit festzustellen. Immer deutlicher verspürte er Widerwillen dagegen, in ihre Privatsphäre vorzudringen.

Novi zögerte, beugte sich dann ein wenig vor. »Ich machte mir Sorgen. Du hast ins Nix gestarrt, Meister, Geräusche gemacht, und dein Gesicht hat gezuckt. Ich bin hier stehengeblieben, steif vor Schreck, ich hab gefierchtet, dir geht’s nich gut… du bist krank… und ich weiß nich, was tun.«

»Das war nichts weiter, Novi. Es besteht kein Anlaß zur Furcht.« Er tätschelte ihr die Hand. »Da gibt’s nichts zum Fürchten. Verstehen Sie mich?«

Furcht — so wie jede andere starke Emotion — verzerrten und beeinträchtigten die Symmetrie ihres Geistes in gewissem Umfang. Er zog einen Zustand der Ruhe, Friedlichkeit und Zufriedenheit darin vor, mochte ihn aber ungern durch eine äußere Einflußnahme seinerseits hervorrufen. Die vorhin geschehene Adjustierung hatte sie als Resultat seiner Worte empfunden, und irgendwie hielt er es für empfehlenswerter, daß es so blieb.