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»Novi«, erkundigte er sich, »wieso nenne ich Sie eigentlich nicht Sura?«

In unvermutetem Kummer sah sie ihn an. »Oh, Meister, tu’s nich!«

»Aber Rufirant hat’s an dem Tag getan, als wir uns kennengelernt haben. Ich kenne Sie inzwischen doch gut genug, so daß…«

»Ich weiß, er hat’s getan, Meister. Das ist, wie ein Mann zu ei’m Mädchen spricht, das kein Mann hat, kein Verlobten, das… allein is. Dann sagt man Vornamen. Fier mich ist mehr Ehre drin, wenn du ›Novi‹ sagst, und ich bin stolz, daß du’s machst. Und wenn ich auch jetzt kein Mann hab, ich hab’n Meister, und das find ich gut. Ich hoff, ’s stört dich nich, ›Novi‹ zu sagen…?«

»Nein, überhaupt nicht, Novi.«

Daraufhin glättete sich ihr Gemüt wunderschön, und Gendibal war erfreut. Viel zu erfreut. Durfte er sich über so etwas dermaßen freuen?

Mit gelinder Scham erinnerte er sich daran, daß es hieß, der Fuchs sei auf ähnliche Art und Weise von einer Frau der Ersten Foundation beeindruckt worden, Bayta Darell, und zwar zu seinem letztendlich verhängnisvollen Schaden.

Dieser Fall jedoch lag natürlich anders. Die Hamerin war sein Schutz gegen die Einwirkungen fremden Bewußtseins, und er wollte, daß sie diesem Zweck möglichst effizient diente.

Nein, das war nicht wahr. Seine Funktion als Sprecher würde leiden, wenn er aufhörte, den eigenen Verstand zu begreifen, oder gar — noch schlimmer — sich diese und jene Dinge zurechtlegte, um die Augen vor der Wahrheit zu verschließen. Die Wahrheit lautete, es bereitete ihm Vergnügen, sie innerlich ruhig, friedlich und zufrieden zu sehen — ohne daß er sie manipuliert hätte —, und er hatte daran sein Vergnügen, weil ganz einfach sie ihm Freude machte; und daran war (dachte er trotzig) nichts schlecht.

»Setzen Sie sich, Novi«, sagte er.

Sie gehorchte, setzte sich zimperlich auf die äußerste Stuhlkante, so weit von ihm entfernt, wie die Grenzen der Räumlichkeit es erlaubten. Ihr Geist war von Respekt erfüllt.

»Ich habe mich nach Art von uns Forschern über weite Ferne hinweg mit jemandem unterhalten, Novi«, erklärte er.

Sura Novi senkte ihren Blick. »Ich hab kapiert, Meister«, sagte sie traurig, »daß Forscher viel können, was ich nich versteh und mich nich mal vorstellen kann. Es sind schwierig Sachen und zu gewaltig fier mich. Ich schäm mich jetzt, weil ich gekommen bin, um Forscher zu werden. Wie is es, Meister, lachst du nich ieber mich?«

»Es ist keine Schande«, erwiderte Gendibal, »sich etwas zu wünschen, auch wenn man es nie erreichen kann. Sie sind nicht mehr jung und formbar genug, um noch eine Forscherin mit den Fähigkeiten werden zu können, über die ich verfüge, aber man ist nie zu alt, um noch etwas zu lernen, das man nicht weiß, mehr zu lernen, als man bereits kann. Ich werde Ihnen einiges über dies Raumschiff beibringen. Wenn wir an unserem Ziel ankommen, werden Sie sich ziemlich gut damit auskennen.«

Er freute sich insgeheim. Warum auch nicht? Er machte wohlüberlegt Schluß mit den stereotypen Vorstellungen von den Hamer. Welches Recht besaß eine so heterogene Gruppierung wie die Zweite Foundation überhaupt, sich derartig stereotypes Zeug zurechtzubasteln? Der Nachwuchs, der aus ihren Reihen hervorging, eignete sich nur selten, selbst Zweitfoundationisten von hohem Rang zu werden. Die Kinder von Sprechern qualifizierten sich fast nie zu Sprechern. Vor drei Jahrhunderten hatte es die drei Generationen aus der Familie Linguester gegeben, gewiß, aber nie war ganz der Verdacht ausgeräumt worden, daß der mittlere dieser drei Sprecher eigentlich nicht zur Familie gehört habe. Und wenn so etwas wahr sein sollte, wer waren die Leute der Universität dann, um sich selbst auf ein so hohes Podest zu stellen?

Er sah Sura Novis Augen leuchten und freute sich darüber.

»Ich werd mich schwer anstrengen, daß ich alles lern, was du mich lernst, Meister«, versicherte sie.

»Davon bin ich überzeugt«, antwortete er — und stutzte plötzlich. Ihm fiel auf, daß er während der Unterhaltung mit Compor in keiner Weise angedeutet hatte, daß er nicht allein kam. Compor ahnte nichts von einer Begleiterin.

Mit einer Frau konnte man vielleicht rechnen; zumindest würde Compor ohne Zweifel keinerlei Überraschung zeigen. Aber mit einer Hamerin?

Einen Moment lang gewannen die von Gendibal abgelehnten ›stereotypen Vorstellungen‹ die Oberhand, und er war froh, daß Compor noch nie auf Trantor gewesen war und Novi deshalb nicht als Hamerin erkennen konnte.

Er streifte diese Anwandlung entschieden ab. Was bedeutete es schon, ob Compor dergleichen wußte oder nicht — oder sonst irgend jemand? Gendibal war ein Sprecher der Zweiten Foundation, und innerhalb der Schranken, die der Seldon-Plan zog, durfte er tun und lassen, was ihm paßte, und niemand hatte sich einzumischen.

»Meister«, fragte Sura Novi, »wenn wir am Ziel sind, werden wir uns da trennen?«

Er sah sie an. »Wir werden uns nicht trennen, Novi«, antwortete er mit mehr Nachdruck, als er vielleicht selbst beabsichtigt hatte.

Und die Hamerin lächelte scheu, und in diesem Augenblick — bei der Galaxis! — wirkte sie wie… wie jede andere Frau.

Dreizehntes Kapitel

Universität

50

Pelorat rümpfte die Nase, als er und Trevize wieder die Far Star betraten.

Trevize hob die Schultern. »Der menschliche Körper ist ein starker Gerucherzeuger. Recycling wirkt sich nie sofort aus, und künstliche Duftstoffe überlagern nur, sie verdrängen keinen natürlichen Geruch.«

»Und ich vermute, keine zwei Raumschiffe riechen gleich, wenn sie erst einmal für einen längeren Zeitraum von verschiedenen Leuten benutzt worden sind.«

»Das stimmt, aber haben Sie Sayshell nach einer Stunde noch gerochen?«

»Nein«, gestand Pelorat.

»Na, und nach einer Weile wird Ihnen der Geruch hier drin auch nicht mehr auffallen. Wenn man lange genug in einem Raumschiff gelebt hat, wird man seinen Geruch sogar als deutlichstes Zeichen dafür begrüßen, daß man wieder daheim ist. Und nebenbei, Janov, sollten Sie sich nach unserem Abenteuer zu weiteren Reisen durch die Galaxis entschließen können, achten Sie bitte darauf, daß es als unhöflich gilt, Bemerkungen über den Geruch eines Raumschiffs oder eines Planeten gegenüber den Personen zu machen, die die Bewohner sind. Unter uns ist das natürlich nicht so schlimm.«

»Das Komische daran ist, Golan, ich betrachte die Far Star als so was wie ein Zuhause. Zumindest ist das Schiff von der Foundation gebaut worden.« Pelorat lächelte. »Wissen Sie, ich habe mich eigentlich nie als Patriot gefühlt. Ich ziehe es vor, die gesamte Menschheit als meine Nation anzusehen, aber ich muß sagen, daß ich die Foundation jetzt, da ich von ihr fort bin, richtig liebe.«

Trevize machte sein Bett. »Sie sind nicht so besonders weit von der Foundation entfernt. Die Sayshell-Union ist vom Föderations-Territorium nahezu umschlossen. Wir haben hier einen Botschafter und eine umfangreiche Vertretung, vom Konsul abwärts. Die Saysheller widersprechen uns sehr gern, aber im allgemeinen tun sie nichts, was uns verärgern könnte. Janov, ich schlage vor, wir gehen ins Bett. Heute haben wir nichts erreicht, und morgen müssen wir’s besser anpacken.«

Aber es war leicht, von einer zur anderen Kabine etwas zu hören, und als es im Raumschiff dunkel war und Pelorat sich eine Zeitlang ruhelos hin und her gewälzt hatte, meldete er sich plötzlich nicht allzu laut erneut zu Wort. »Golan?«