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»Das stimmt. Aber ich bin kein Anhänger innerer Einkehr, und mein Glaube an diese Dinge beschränkt sich bestenfalls auf ein paar oberflächliche Angewohnheiten. Als ich J. P.s Aufsatz gelesen habe, hat sich in mir allerdings ein Gefühl verstärkt, das schon lange vorhanden ist. Ein Mythos, eine Sage — sie entstehen nicht einfach aus dem Nichts. Nichts entsteht so — oder kann so entstehen. Immer steckt darin ein wahrer Kern, wie sehr er auch verzerrt worden sein mag, und ich würde zu gerne die Wahrheit hinter dem Tag der Ersten Landung herausfinden.«

»Darf man unbesorgt darüber reden?« fragte Trevize nach.

Quintesetz zuckte die Achseln. »Nicht ganz, schätze ich. Konservativere Kreise unserer Bevölkerung wären wahrscheinlich entsetzt. Aber die sind nicht an der Regierung, und zwar schon seit einem Jahrhundert nicht mehr. Die Säkularisten sind stark, und sie wären noch stärker, würden die Konservativen es nicht so gut verstehen, unsere — entschuldigen Sie — antifoundationistischen Vorurteile auszunutzen. Aber ich diskutiere diese Sache ja im Rahmen meines wissenschaftlichen Interesses an der Vorgeschichte, deshalb wird die Akademische Liga mir notfalls ihre nachdrückliche Unterstützung gewähren.«

»Es wäre also nicht zuviel von Ihnen verlangt, S. Q.«, fragte Pelorat, »wenn Sie uns über das besagte zentrale Rätsel ein wenig mehr aufklärten?«

»Nein, durchaus nicht, aber lassen Sie mich erst dafür sorgen, daß man uns nicht stört oder irgend jemand etwas aufschnappt, was er nicht hören soll. Selbst wenn man dem Stier ins Gesicht schauen muß, sagt ein Sprichwort bei uns, braucht man ihn nicht auf die Nase hauen.«

Auf der Kontrollfläche eines Instruments auf seinem Schreibtisch nahm er rasch eine Reihe von Schaltungen vor. »So«, fügte er hinzu, »nun kann uns niemand belästigen.«

»Sind Sie sicher, daß Sie nicht abgehört werden?« fragte Trevize.

»Abgehört?«

»Angezapft. Belauscht! Mit einem Gerät beobachtet, das optisch oder akustisch aufzeichnet — oder beides.«

Quintesetz wirkte schockiert. »So was wäre hier auf Sayshell undenkbar!«

Trevize zuckte die Achseln. »Wie Sie meinen.«

»Bitte sprechen Sie weiter, S. Q.!« bat Pelorat.

Quintesetz spitzte die Lippen, lehnte sich in seinen Sessel, der unter dem ausgeübten Druck ein wenig nachgab, und legte die Fingerkuppen aneinander. Anscheinend dachte er darüber nach, wie er anfangen solle.

»Wissen Sie«, fragte er schließlich, »was ein Robot ist?«

»Ein Robot?« wiederholte Pelorat. »Nein.«

Quintesetz blickte Trevize an, der den Kopf schüttelte.

»Aber Sie wissen, was ein Computer ist?«

»Natürlich«, sagte Trevize gereizt.

»Nun gut, und ein mobiler computerisierter Apparat…«

»Ist ein mobiler computerisierter Apparat.« Trevize zeigte sich unvermindert ungnädig. »Es gibt zahllose Varianten, und ich kenne dafür keinen Überbegriff, nur mobiler computerisierter Apparat.«

»…der genau wie ein Mensch aussieht, ist ein Robot«, beendete S. Q. in unerschütterlichem Gleichmut seine Definition. »Das Unterscheidungsmerkmal eines Robots besteht daraus, daß er humaniform ist.«

»Warum denn humaniform?« fragte Pelorat in aufrichtigem Staunen.

»Da bin ich keineswegs sicher. Für einen Apparat ist so eine Form unverkennbar ineffizient, ich geb’s zu, aber ich wiederhole lediglich, was die Legende besagt. ›Robot‹ ist ein uraltes Wort aus einer nicht mehr bekannten Sprache, aber unsere Wissenschaftler behaupten, es besitzt die Bedeutung von ›Arbeit‹.«

»Ich wüßte kein einziges Wort«, erwiderte Trevize skeptisch, »das auch nur entfernt wie ›Robot‹ klingt und in irgendeinem Zusammenhang mit ›Arbeit‹ steht.«

»Im Galakto-Standard nicht, natürlich«, antwortete Quintesetz. »Aber sie sagen’s nun einmal.«

»Dem kann eine umgekehrte Etymologie zugrunde liegen«, sagte Pelorat. »Diese Apparate sind zur Arbeit verwendet worden, und so ist ihre Bezeichnung zum Begriff für ›Arbeit‹ geworden. Aber warum erzählen Sie uns davon?«

»Weil es hier auf Sayshell ein ganz fester Bestandteil der Überlieferung ist, daß damals, als die Erde die einzige bewohnte Welt war und die gesamte Galaxis noch unbesiedelt vor ihr lag, Roboter erfunden und eingesetzt worden sind. Es soll also zwei Sorten von Menschenwesen gegeben haben — natürlich entstandene und künstlich geschaffene, solche aus Fleisch und solche aus Metall, biologisch und mechanisch, komplexer und simpler Art…«

Quintesetz verstummte und lachte kläglich auf. »Verzeihen Sie. Es ist unmöglich, über Roboter zu reden, ohne aus dem Buch der Ersten Landung zu zitieren. Die Bewohner der Erde jedenfalls entwickelten Roboter — mehr brauche ich Ihnen eigentlich nicht zu sagen. Das ist klar genug.«

»Und warum haben sie diese Roboter entwickelt?« fragte Trevize.

Quintesetz hob die Schultern. »Wer kann das aus diesem zeitlichen Abstand noch sagen? Vielleicht waren’s zu wenige Menschen, und sie brauchten diese Art von Hilfe. Vielleicht erforderte gerade die große Aufgabe der Erforschung und Besiedlung der Galaxis eine derartige Unterstützung.«

»Das klingt recht einleuchtend«, sagte Trevize. »Sobald dann die Galaxis kolonialisiert war, brauchte man die Roboter nicht mehr. Heute gibt’s jedenfalls bestimmt keine humanoiden mobilen computerisierten Apparate in der gesamten Galaxis.«

»Auf jeden Fall«, sagte Quintesetz, »berichtet die Sage folgendes — und ich möchte meine Wiedergabe grob vereinfachen und all die poetischen Ausschmückungen weglassen, von denen ich, um ehrlich zu sein, nichts halte, obwohl die Bevölkerung im allgemeinen alles wortwörtlich für bare Münze nimmt oder es wenigstens vorgibt. Also, rings um die Erde entstanden also Kolonialwelten, die benachbarte Sterne umkreisten, und diese Kolonien verwendeten in viel größerem Umfang Roboter als die Erde selbst. Auf neuen, noch unerschlossenen Welten gab es einen viel höheren Bedarf an Robotern. Auf der Erde dagegen schlug man mit der Zeit eine entgegengesetzte Richtung ein und wollte keine Roboter mehr haben, man rebellierte sogar gegen sie.«

»Und was geschah dann?« fragte Pelorat.

»Die Außenwelten waren stärker. Dank der Hilfe ihrer Roboter brachten die Kinder der Erde ihrer Mutter Erde eine Niederlage bei und begannen sie zu beherrschen… Entschuldigen Sie, ich gleite immer wieder ins Zitieren ab. Aber danach flohen Menschen von der Erde, mit besseren Raumschiffen, besseren Methoden des Hyperraumflugs. Sie flohen zu fernen Sternen und Welten, weitab von den näheren, anfangs besiedelten Planeten. Sie gründeten neue Kolonien — ohne Roboter —, in denen Menschen frei leben konnten. Das waren die sogenannten Zeiten der Flucht, und der Tag, an dem die ersten Menschen von der Erde im Sayshell-Sektor eintrafen — das soll heißen, hier auf diesem Planeten —, ist der Tag der Ersten Landung, der hier seit vielen tausend Jahren alljährlich gefeiert wird.«

»Mein Bester«, äußerte Pelorat, »was Sie da sagen, heißt ja nichts anderes, als daß Sayshell direkt von der Erde aus besiedelt worden sei.«

Quintesetz überlegte, zögerte für einen Augenblick. »Das ist der offizielle Glaube«, sagte er dann.

»Offenbar glauben Sie nicht so recht daran«, sagte Trevize.

»Ich habe eher den Eindruck…«, begann Quintesetz, doch da unterbrach er sich mitten im Satz und platzte mit etwas anderem heraus. »Ja, stimmt, ich glaub’s nicht! Es ist einfach allzu unwahrscheinlich, aber es handelt sich dabei um ein offizielles Dogma, und wie sehr die Regierung inzwischen auch säkularisiert sein mag, es ist wesentlich, daß man dazu wenigstens Lippenbekenntnisse ablegt. Aber zur Sache! Ihr Artikel, J. P., enthält keinen Hinweis, daß Ihnen diese Geschichte geläufig ist — über Roboter und zwei Phasen der Kolonisation, einer begrenzten Siedlungstätigkeit mit und einer größeren galaktischen Besiedlung ohne Roboter.«