Quintesetz hellte die Beleuchtung auf, indem er einen Schalter in der Armlehne seines Sessels betätigte. In der plötzlichen Helligkeit nahm Quintesetz’ Miene einen eindeutig sardonischen Ausdruck an. »Da Sie Bürger der Foundation sind«, sagte er, »entsinnen Sie sich vielleicht an den Fuchs.«
Trevize errötete. In den fünf Jahrhunderten ihres Bestehens war die Foundation nur einmal besiegt worden. Die Eroberung war nur zeitweilig gewesen und hatte sie auf dem Wege zum Zweiten Imperium nicht ernsthaft aufhalten können, aber niemand, dem die Foundation zuwider war und ihre Selbstzufriedenheit ankratzen wollte, versäumte es, den Fuchs zu erwähnen, ihren einzigen Eroberer. Und wahrscheinlich (dachte sich Trevize) hatte Quintesetz die Beleuchtung erhellt, um sehen zu können, wie er die Selbstzufriedenheit von Foundationbürgern ankratzte.
»Ja«, antwortete Trevize, »wir von der Foundation erinnern uns an den Fuchs.«
»Der Fuchs hat eine Zeitlang über ein eigenes Imperium geherrscht«, sagte Quintesetz, »das so groß war wie heute die Foundation. Aber uns hat er nicht beherrscht. Uns hat er in Frieden gelassen. Einmal war er allerdings im Sayshell-Sektor. Wir haben eine Neutralitätserklärung unterzeichnet und ihn unserer Freundschaft versichert. Mehr hat er nicht verlangt. Wir waren die einzigen, von denen er in der Zeit, bevor Krankheit seiner Expansion Einhalt gebot und ihn dazu zwang, auf den Tod zu warten, nicht mehr verlangt hat. Wissen Sie, er war kein unvernünftiger Mann. Sinnlose Gewalt hat er nicht gebraucht, er war kein Blutherrscher, er hat human regiert.«
»Nur war er ein Eroberer«, meinte Trevize sarkastisch.
»So wie die Foundation«, sagte Quintesetz.
»Haben Sie noch mehr über Gaia zu erzählen?« entgegnete Trevize gereizt, weil ihm darauf keine geeignete Antwort einfiel.
»Nur eine Äußerung, die der Fuchs von sich gegeben hat. Der Darstellung der historischen Begegnung zwischen dem Fuchs und Präsident Kallo von der Union zufolge soll der Fuchs, als er schwungvoll seine Unterschrift unter das Dokument setzte, gesagt haben: ›Wie ich aus diesem Dokument ersehe, verhalten Sie sich auch zu Gaia neutral, und das ist für Sie ein glücklicher Umstand. Nicht einmal ich werde mich mit Gaia abgeben.‹«
Trevize schüttelte den Kopf. »Warum hätte er so etwas denn auch tun sollen? Sayshell war sehr auf Neutralität bedacht, und Gaia hatte ja nie irgend jemandem Schwierigkeiten gemacht. Der Fuchs verfolgte damals den Plan, die gesamte Galaxis zu erobern, warum also hätte er sich mit Kleinkram aufhalten sollen? Sobald er sein Ziel erreicht hätte, wäre ihm Zeit genug gewesen, um Sayshell und Gaia in die Tasche zu stecken.«
»Vielleicht, vielleicht«, sagte Quintesetz. »Aber einem Zeugen zufolge, der anwesend war, einer Person, der wir zu glauben geneigt sind, legte der Fuchs seinen Stift hin, als er sagte: ›Nicht einmal ich werde mich mit Gaia abgeben.‹ Dann soll er die Stimme gesenkt und hinzugefügt haben, und zwar in kaum hörbarem Flüstern, als solle niemand es hören: ›Nicht noch einmal.‹«
»Kaum vernehmlich sagen Sie, als solle niemand es hören. Wieso ist es trotzdem gehört worden?«
»Weil sein Stift vom Tisch rollte, als er ihn hinlegte, und selbstverständlich trat sofort ein Saysheller näher und bückte sich, um ihn aufzuheben. Deshalb war sein Ohr den Lippen des Fuchses ziemlich nah, als der Fuchs ›Nicht noch einmal‹ flüsterte, und daher konnte er’s hören. Und diese Person hat bis nach dem Tod des Fuchses darüber geschwiegen.«
»Gibt es Beweise dafür, daß es sich nicht bloß um eine Erfindung handelt?«
»Der Lebenslauf der erwähnten Person rechtfertigt die Auffassung, es für unwahrscheinlich zu halten, daß sie sich solche Dinge ausgedacht hat. Ihr Wort gilt im allgemeinen als glaubhaft.«
»Und wenn, was ergibt sich daraus?«
»Der Fuchs war niemals außer bei dieser einen Gelegenheit im Gebiet der Sayshell-Union oder in dessen Nähe, jedenfalls nicht nach seinem Tätigwerden in galaktischem Maßstab. Wenn er je auf Gaia gewesen sein soll, dann muß es gewesen sein, bevor er sich auf galaktischer Ebene zu betätigen begann.«
»Na und?«
»Na, und wo ist der Fuchs geboren?«
»Soweit ich informiert bin, weiß niemand darüber Bescheid«, erwiderte Trevize.
»In der Sayshell-Union hat man stellenweise recht stark das Gefühl, daß er das Licht der Welt auf Gaia erblickt hat.«
»Wegen dieser einen Äußerung?«
»Nur zum Teil deswegen. Der Fuchs konnte nicht geschlagen werden, weil er über starke mentale Kräfte verfügte. Gaia kann offensichtlich auch nicht überwunden werden.«
»Gaia ist bisher nie überwunden worden. Das heißt aber keineswegs, daß sie sich durch Unüberwindbarkeit auszeichnet.«
»Sogar der Fuchs hat die Finger von ihr gelassen. Schauen Sie in den Archiven aus der Zeit seiner Oberherrschaft nach! Sehen Sie nach, ob er irgendeine Region in der Galaxis so vorsichtig behandelt hat wie die Sayshell-Union. Und wissen Sie, daß niemand, der je nach Gaia geflogen ist, um lediglich friedlichen Handel anzubahnen, zurückgekehrt ist? Was glauben Sie wohl, warum wir so wenig über Gaia wissen?«
»Ihre Ansichten grenzen an Aberglauben«, sagte Trevize.
»Nennen Sie’s, wie Sie wollen! Seit der Zeit des Fuchses haben wir Gaia jedenfalls aus unserem Denken gestrichen. Wir wünschen nämlich nicht, daß Gaia an uns denkt. Wir fühlen uns nur sicher, wenn wir so tun, als wäre sie gar nicht vorhanden. Es kann sein, daß die Regierung insgeheim selbst die Legende initiiert und gefördert hat, Gaia sei in den Hyperraum verschwunden, in der Hoffnung, die Bevölkerung werde vergessen, daß es tatsächlich einen Stern dieses Namens gibt.«
»Dann glauben Sie also, daß Gaia eine Welt voller Füchse ist?«
»Ich halte es für möglich. Ich rate Ihnen — in Ihrem Interesse —, Gaia nicht aufzusuchen! Wenn Sie’s tun, werden Sie niemals zurückkehren. Sollte die Foundation sich mit Gaia anlegen, würde sie weniger Intelligenz an den Tag legen als der Fuchs. Das können Sie Ihrem Botschafter sagen.«
»Geben Sie mir die Koordinaten, und wir werden Ihre Welt unverzüglich verlassen«, antwortete Trevize. »Ich werde Gaia erreichen, und ich werde auch zurückkehren.«
»Ich werde Ihnen die Koordinaten verschaffen«, sagte Quintesetz. »Natürlich arbeitet die astronomische Abteilung nachts, und wenn’s irgendwie geht, will ich sie ihnen sofort besorgen. Aber lassen Sie mich noch einmal von jedem Versuch abraten, Gaia aufzusuchen.«
»Ich beabsichtige den Versuch zu wagen«, sagte Trevize.
Und Quintesetz erwiderte bedrückt: »Dann beabsichtigen Sie Selbstmord.«
Vierzehntes Kapitel
Vorwärts!
55
Janov Pelorat betrachtete die noch trübe Landschaft draußen im Grauen der Morgendämmerung mit einem Gemisch aus Bedauern und Unsicherheit.
»Unser Aufenthalt ist zu kurz, Golan. Das ist eine angenehme und interessante Welt, finde ich. Ich würde gerne mehr von ihr kennenlernen.«
Trevize blickte mit schiefem Lächeln vom Computer auf. »Glauben Sie, ich nicht? Wir haben auf diesem Planeten nur zwei anständige Mahlzeiten eingenommen — beide total andersartig, aber jede exzellent. Ich hätte gerne mehr probiert. Und die einzigen Frauen, die wir gesehen haben, sind uns nur flüchtig unter die Augen gekommen… Und ein paar von ihnen sahen ganz anregend aus… für das, was jemand wie ich so mit Frauen im Sinn hat.«
Pelorat rümpfte andeutungsweise die Nase. »Ach, mein Bester! Diese Kuhglocken, die sie Schuhe nennen, und in die schreiendsten Farben sind sie gehüllt, und was sie erst mit ihren Wimpern anstellen! Haben Sie bemerkt, was sie mit den Wimpern anstellen?«