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Wie kam es, daß er keine Anzeichen von Verschleiß aufwies? Konnte es sein, daß fünfzehn Jahre als Direktor des Sicherheitsbüros keinerlei Spuren hinterließen?

57

Kodell nickte feierlich, während er die Branno in dem formellen Stil begrüßte, wie er vorgeschrieben war, ehe man mit der Bürgermeisterin eine Diskussion begann. Diese Tradition existierte seit den miesen Zeiten der Indburs. Fast alles hatte sich seither geändert, die Etikette jedoch am wenigsten.

»Entschuldigen Sie die Verspätung, Bürgermeisterin«, sagte er, »aber der Arrest Ratsherr Trevizes bahnt sich nun allmählich einen Weg durch die anästhetisierte Haut des Rates.«

»Ach?« meinte die Bürgermeisterin phlegmatisch. »Müssen wir mit einer Palastrevolution rechnen?«

»Nicht die geringste Chance. Wir haben alles voll unter Kontrolle. Aber es ist Unruhe zu befürchten.«

»Sollen sie Unruhe veranstalten. Danach werden sie sich wohler fühlen, und ich — ich bleibe ihnen aus dem Weg. Ich kann mich auf die allgemeine öffentliche Meinung verlassen, nehme ich an?«

»Ich glaube, ja. Vor allem außerhalb Terminus’. Niemand außerhalb Terminus’ schert sich darum, was aus einem aus der Reihe getanzten Ratsmitglied wird.«

»Aber ich.«

»Aha? Liegen weitere Neuigkeiten vor?«

»Liono«, sagte die Bürgermeisterin, »ich möchte Näheres über Sayshell wissen.«

»Ich bin kein wandelndes Geschichtsbuch«, erwiderte Liono Kodell mit unvermindertem Lächeln.

»Ich will nichts von Geschichte hören. Ich will die Wahrheit wissen. Warum ist Sayshell unabhängig? Sehen Sie mal her!« Sie deutete in das Rot der Foundation, das einen beträchtlichen Teil der holographischen Karte ausmachte, und darin, schon ziemlich weit in den inneren Spiralen, sah man eine ganz vom Rot umschlossene Tasche in Weiß.

»Die Sayshell-Union ist regelrecht von uns eingekapselt, kann man sagen«, meinte die Branno. »Ihre Region wirkt wie von uns aufgesaugt. Trotzdem ist sie weiß. Unsere Karte zeigte sie nicht einmal im Rosa der zuverlässigen Verbündeten.«

Kodell hob die Schultern. »Sie ist offiziell auch kein zuverlässiger Verbündeter, aber das hat uns noch nie beunruhigt. Sie ist neutral.«

»Na schön. Dann schauen Sie sich das an!« Erneut nahm die Bürgermeisterin eine Schaltung vor. Das Rot weitete sich merklich aus. Nun hatte es die halbe Galaxis erfaßt. »Das war das Reich des Fuchses zur Zeit seines Todes«, sagte Bürgermeisterin Branno. »Wenn Sie aufmerksam ins Rot schauen, können Sie die Sayshell-Union ganz im Innern sehen, diesmal vollkommen umschlossen — aber trotzdem weiß! Sie ist die einzige Enklave, der der Fuchs ihre Freiheit gelassen hat.«

»Sie war damals auch neutral.«

»Der Fuchs hatte wenig Respekt, was Neutralität anging.«

»In diesem Fall hat er ihn anscheinend gehabt.«

»Anscheinend gehabt. Was weist Sayshell an Besonderem auf?«

»Nichts«, antwortete Kodell. »Glauben Sie mir, Bürgermeisterin, Sayshell gehört uns, wann immer wir’s haben wollen.«

»Tatsächlich? Aber aus irgendeinem Grund ist es bis jetzt nicht so.«

»Weil einfach keine Notwendigkeit bestand, einen Anschluß durchzusetzen.«

Die Branno lehnte sich in den Sessel, und indem ihr Arm über die Kontrollen glitt, löschte sie die Galaxis. »Ich glaube, nun besteht die Notwendigkeit.«

»Pardon, Bürgermeisterin?«

»Liono, ich habe diesen Trevize als Blitzableiter ins All gescheucht. Ich habe es in der Erwartung getan, daß die Zweite Foundation in ihm eine größere Gefahr sieht, als überhaupt jemals von diesem Schwachkopf ausgehen kann, die Foundation dagegen als geringere Bedrohung betrachtet. Der Blitz der Zweiten Foundation sollte ihn treffen und uns dadurch verraten, wo sie steckt.«

»Ja, Bürgermeisterin.«

»Meine Absicht war, daß er die verfallenen Ruinen Trantors aufsucht und dort in dem herumwühlt, was noch von der Bibliothek übrig ist, daß er nach der Erde forscht. Die Erde ist diese Welt, falls Sie sich noch erinnern, von der alle möglichen langweiligen Mystiker uns einreden möchten, sie sei die Ursprungswelt der menschlichen Rasse, als wäre das irgendwie von Bedeutung, selbst wenn’s stimmen sollte, was unwahrscheinlich ist. Die Zweite Foundation hätte nach meiner Einschätzung schwerlich glauben dürfen, daß er es auf so etwas abgesehen hat, und sie hätte Maßnahmen ergreifen müssen, um herauszufinden, was er wirklich treibt.«

»Aber er ist nicht nach Trantor geflogen.«

»Nein, nicht. Völlig wider Erwarten ist er nach Sayshell geflogen. Warum?«

»Keine Ahnung. Bitte, Bürgermeisterin, verzeihen Sie einem alten Bluthund, der die Gewohnheit hat, alles in Zweifel zu ziehen, und verraten Sie mir, woher Sie wissen, daß er und dieser Pelorat sich nach Sayshell begeben haben. Ich weiß, Compor hat’s gemeldet, aber wie weit können wir Compor trauen?«

»Anhand der Hypersonde wissen wir, daß Compors Schiff tatsächlich auf dem Planeten Sayshell gelandet ist.«

»Gewiß, das steht außer Zweifel, aber woher wollen Sie wissen, daß sich Trevize und Pelorat ebenfalls dort aufhalten? Compor kann aus irgendwelchen anderen Gründen nach Sayshell geflogen sein und weiß womöglich selbst nicht, wo die anderen stecken, und interessiert sich auch nicht dafür.«

»Unser Botschafter auf Sayshell hat uns über die Ankunft des Schiffs unterrichtet, das wir Trevize und Pelorat gegeben haben. Ich bin nicht zu glauben bereit, das Raumschiff sei ohne die beiden dort eingetroffen. Außerdem behauptet Compor, er hätte mit ihnen gesprochen, und sollte man ihm nicht trauen können, es liegen zudem andere Berichte vor, denen zufolge sie der Universität von Sayshell City einen Besuch abgestattet und sich dort mit einem Historiker ohne besondere Reputation getroffen haben.«

»Von alldem hat mich nichts erreicht«, sagte Kodell unverändert freundlich.

Die Branno schnaubte. »Sie brauchen sich nicht übergangen zu fühlen. Ich beschäftige mich persönlich mit dieser Sache, und die entsprechenden Informationen müßten inzwischen an Sie weitergeleitet worden sein — ohne erhebliche Verzögerung. Die neueste Mitteilung — gerade erst eingetroffen — stammt von unserem Botschafter. Unser Blitzableiter hat sich wieder auf den Weg gemacht. Auf dem Planeten Sayshell ist er für zwei Tage geblieben, und nun ist er weitergeflogen, nach einem anderen, von dort etwa zehn Parsek entfernten Planetensystem. Die Bezeichnung und die galaktischen Koordinaten seines Ziels hat er dem Botschafter zukommen lassen, und der hat sie uns weitergereicht.«

»Liegt eine vergleichbare Nachricht von Compor vor?«

»Compors Mitteilung, daß Trevize und Pelorat Sayshell verlassen hätten, ist sogar noch vor der Nachricht des Botschafters eingetroffen. Compor weiß noch nicht, wohin die beiden unterwegs sind. Vermutlich folgt er ihnen.«

»Wir übersehen das vielfältige Warum der Situation«, konstatierte Kodell. Er schob sich eine Pastille in den Mund und begann versonnen zu lutschen. »Warum ist Trevize nach Sayshell geflogen? Warum hat er Sayshell wieder verlassen?«

»Die Frage, die mich am meisten beschäftigt, lautet: Wohin? Wohin fliegt Trevize jetzt?«

»Sie haben eben erwähnt, Bürgermeisterin, Bezeichnung und Koordinaten seines Ziels seien von ihm unserem Botschafter übermittelt worden, oder nicht? Wollen Sie andeuten, er habe unseren Botschafter belogen? Oder der Botschafter belüge uns?«

»Selbst wenn wir einmal unterstellen, daß jeder Beteiligte die Wahrheit spricht und keinem von ihnen ein Fehler unterlaufen ist — der Name, der in diesem Zusammenhang genannt wird, interessiert mich sehr. Trevize hat dem Botschafter mitgeteilt, er fliege nach Gaia. Das schreibt sich G-A-I-A. Trevize hat den Namen genau buchstabiert.«

»Gaia?« wiederholte Kodell. »Nie gehört.«

»Tatsächlich? Das ist keineswegs verwunderlich.« Die Branno zeigte in die Luft, wo eben noch die Hob-Karte zu sehen gewesen war. »Anhand der Karte, die wir in diesem Raum projizieren können, läßt sich binnen einer Sekunde — jedenfalls angeblich — jeder Stern lokalisieren, um den eine bewohnte Welt kreist, und dazu viele wichtige Sterne mit unbewohnten Planetensystemen. Man kann über dreißig Millionen Sterne darstellen — wenn man richtig mit den Kontrollen umzugehen versteht, kann man sie einzeln, paarweise oder auch in Gruppen lokalisieren. Man kann sie in fünf verschiedenen Farben markieren, sowohl einzeln wie auch alle gleichzeitig. Unmöglich ist offenbar jedoch eines — auf dieser Karte Gaia zu finden. Soweit es die Karte betrifft, existiert Gaia nicht.«