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»Wenn du das sagst, Meister, bin ich davon überzeugt.«

»Ich sage es. Also, fürchten Sie noch immer um mich?«

»Nein, Meister, bloß… Meister, sind das nur unsere Forscher, die Gedanken lesen können und… Gibt es vielleicht nicht andere Forscher, woanders eben, die es mit dir aufnehmen könnten?«

Einen Moment lang war Gendibal fassungslos. Diese Frau besaß ein erstaunliches Talent dafür, hinter die Dinge zu blicken.

Nun war es notwendig, zu lügen. »Es gibt keine«, sagte er.

»Man sieht aber doch so viele Sterne am Himmel. Einmal habe ich versucht, sie alle zu zählen, aber ich hab’s nicht geschafft. Wenn es soviel Welten mit Menschen gibt wie Sterne, müssen dann nicht auch noch mehr Forscher irgendwo dabeisein? Ich meine, andere Forscher außer denen auf unserer Welt?«

»Nein.«

»Und wenn doch?«

»Jedenfalls wären sie nicht so stark wie ich.«

»Und wenn sie dich plötzlich angreifen würden, bevor du überhaupt etwas merkst?«

»Das wäre unmöglich. Wollten sich irgendwelche fremden Forscher an mich heranmachen, ich würde sie bemerken, lange bevor sie mir irgendwie schaden könnten.«

»Wäre es dir möglich, vor ihnen zu fliehen?«

»Ich hätte es nicht nötig, zu fliehen, aber…« — er sah ihre Einwände voraus — »wenn es doch sein müßte, könnte ich mir rasch ein neues Schiff verschaffen — ein besseres als jedes andere Raumschiff in der Galaxis. Es wäre ausgeschlossen, daß sie mich fangen.«

»Könnten sie nicht dein Denken verändern und dich zum Bleiben bringen?«

»Nein.«

»Es könnten aber doch viele sein. Du bist bloß einer.«

»Sobald sie auftauchen — viel früher, als sie’s für möglich halten dürften —, würde ich merken, daß sie’s auf mich abgesehen haben, und daher könnte ich mich ihnen rechtzeitig entziehen. Unsere ganze Welt von Forschern stünde dann gegen sie, und das wäre ihr Ende. Das wäre ihnen von vornherein klar, deshalb würden sie’s ohnehin nicht wagen, irgend etwas gegen mich zu unternehmen. Sie würden’s sogar vorziehen, daß ich gar nichts von ihnen erfahre — aber ich würde sie bemerken.«

»Weil du so sehr besser als sie bist?« meinte Sura Novi, deren Miene von mit Zweifeln untermischtem Stolz strahlte.

Gendibal konnte ihr nicht widerstehen. Ihre natürliche Intelligenz, ihr schnelles Begriffsvermögen machten ihre Gesellschaft wirklich zu einem Vergnügen. Sprecherin Delora Delarmi, das sanftzüngige Monster, hatte ihm einen gewaltigen Gefallen erwiesen, als sie ihm dies hamische Farmermädchen aufdrängte.

»Nein, Novi«, sagte er, »nicht weil ich besser bin, obwohl das der Fall ist — sondern weil ich Sie dabei habe.«

»Mich?«

»Genau, Novi. Hätten Sie das gedacht?«

»Nee, Meister«, antwortete sie verblüfft. »Was könnte denn ich da tun?«

»Das hängt mit Ihrem Geist zusammen.« Sofort hob er eine Hand. »Nein, ich lese Ihre Gedanken nicht. Ich nehme lediglich die Umrisse Ihrer Psyche wahr, und diese Umrisse sind ganz glatt, Ihre Psyche hat ein außergewöhnlich glattes Profil.«

Sie legte eine Hand an ihre Stirn. »Weil ich ungebildet bin, Meister? Weil ich derartig dumm bin?«

»Nein, meine Liebe.« Ihm fiel gar nicht auf, wie er die Anrede wechselte. »Weil du innerlich aufrichtig und frei von Schuldgefühlen bist, weil du’s mit der Ehrlichkeit hältst und sprichst, was du denkst, weil du warmherzig bist und… und noch mehr in dieser Art. Sollten andere Forscher irgendwie unseren Geist antasten — deinen und meinen —, ließe ihr Tasten sich augenblicklich an deinem psychischen Profil feststellen. Ich würde so ein Tasten an deinem Geist bemerken, noch ehe ich es an meinem feststellen könnte — und dann hätte ich genug Zeit, um gegen sie eine Strategie zu entwickeln, das heißt, um herauszufinden, wie wir uns am besten wehren können.«

Nach seiner Erläuterung herrschte für eine ausgedehnte Weile Schweigen. Gendibal erkannte, daß Sura Novis Augen nicht allein glückliche Zufriedenheit widerspiegelten, sondern auch Triumph und Stolz. »Und aus dem Grund hast du mich mitgenommen?« fragte sie gedämpft.

Gendibal nickte. »Das war ein wichtiger Grund. Ja.«

Ihre Stimme sank zu einem Flüstern herab. »Wie kann ich so nützlich wie möglich sein, Meister?«

»Indem du ganz ruhig bleibst«, antwortete Gendibal. »Dich nicht fürchtest. Und ganz einfach… so bleibst, wie du bist.«

»Ich werde bleiben, wie ich bin«, versicherte sie. »Und ich werde zwischen dir und der Gefahr stehen, wie ich’s schon im Fall Rufirant getan habe.«

Sie verließ den Kontrollraum, und Gendibal schaute ihr nach.

Es war seltsam, durch welche Vielseitigkeit sie sich auszeichnete. Wie konnte ein so simples Geschöpf eine solche Komplexität aufweisen? Unter der Glätte ihres psychischen Profils befanden sich eine enorme Intelligenz, Einsichtsfähigkeit und beachtlicher Mut. Was konnte er mehr verlangen — von überhaupt irgend jemandem?

Irgendwie schwebte vor seinem geistigen Auge ein Bild einer Sura Novi — die keine Sprecherin war, nicht einmal Zweitfoundationistin, nicht einmal gebildet —, die entschlossen an seiner Seite stand, im bevorstehenden Drama eine Nebenrolle von nichtsdestoweniger entscheidender Bedeutung spielte.

Doch er gewann keine Klarheit über Details. Er konnte noch nicht genau erkennen, was es war, das sie erwartete.

59

»Ein einziger Hypersprung«, murmelte Trevize vor sich hin, »und da sind wir schon.«

»Gaia?« fragte Pelorat und betrachtete über Trevizes Schulter den Bildschirm.

»Gaias Sonne«, antwortete Trevize. »Nennen Sie sie Gaia-S, wenn Ihnen das beim Unterscheiden hilft. Die Galaktografen machen’s bisweilen so.«

»Und wo ist Gaia selbst? Oder sollen wir Gaia-P sagen, für Planet?«

»Für den Planeten genügt ganz einfach ›Gaia‹. Wir können Gaia noch nicht sehen. Planeten kann man nicht so leicht sehen wie Sterne, und wir sind noch immer rund hundert Mikroparsek von Gaia-S entfernt. Beachten Sie, sie ist nur als Stern zu sehen, noch nicht als Scheibe, wenn auch als ziemlicher heller Stern. Starren Sie ihn nicht so direkt an, Janov, er ist hell genug, um Ihre Netzhaut zu schädigen. Sobald ich meine Beobachtungen erledigt habe, lege ich einen Filter über die Übertragung. Dann dürfen Sie ihn bestaunen, solange Sie Lust haben.«

»Wie weit sind hundert Mikroparsek in Maßen, die auch ein Mythologe begreift, Golan?«

»Drei Milliarden Kilometer. Ungefähr das Zwanzigfache des Abstands, den Terminus von unserer Heimatsonne einnimmt. Hilft Ihnen das weiter?«

»Ungeheuer. Aber sollten wir nicht näher ran?«

»Nein.« Überrascht blickte Trevize auf. »Doch nicht sofort. Nach allem, was wir über Gaia gehört haben, sollten wir unter solchen Umständen etwa überstürzt vorgehen? Es ist eine Sache, Kühnheit an den Tag zu legen, aber eine andere, sich wie ein Verrückter aufzuführen. Erst sehen wir uns hier mal vorsichtig um.«

»Wonach denn, Golan? Sie haben doch gesagt, wir können Gaia noch nicht sehen.«

»Nicht mit bloßem Auge, klar. Wir verfügen jedoch über Teleskope und einen hervorragenden Computer für Schnellanalysen. Wir können uns auf jeden Fall zuerst einmal einen Eindruck von Gaia-S verschaffen, und vielleicht lassen sich noch andere Dinge ermitteln. Behalten Sie nur die Ruhe, Janov.« Er streckte den Arm aus und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter.

»Gaia-S ist ein Einzelstern«, verkündete Trevize eine Weile später, »oder falls er doch einen Begleiter hat, ist er von Gaia-S weiter entfernt als im Moment wir, und bestenfalls handelt es sich um einen Roten Zwerg, das heißt, wir brauchen uns nicht damit zu befassen. Gaia-S ist ein Stern der Kategorie G 4, also kann ohne weiteres ein bewohnbarer Planet vorhanden sein, und das sind gute Aussichten. Wäre sie ein Stern der Kategorie A oder M, dann könnten wir gleich wieder abdrehen und umkehren.«