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»Sayshell dürfte die Ereignisse anders interpretieren, Kodell. Falls Gaia existiert, ist sie auf jeden Fall von der Sayshell-Union umgeben, auch wenn sie kein politischer Teil von ihr ist, und es gibt Präzedenz-Fälle, nach denen solche Enklaven beim Eindringen feindlicher Kriegsschiffe als zum umgebenden Territorium gehörig gelten.«

»Unsere Raumer sind keine ›feindlichen Kriegsschiffe‹. Wir leben mit Sayshell im Frieden.«

»Und ich sage Ihnen, daß Sayshell womöglich nicht davor zurückschreckt, uns den Krieg zu erklären. Man könnte sicher nicht erwarten, einen Krieg gegen uns durch militärische Überlegenheit zu gewinnen, aber es ist eine Tatsache, so ein Krieg würde in der ganzen Galaxis eine Welle antifoundationistischer Aktivitäten auslösen. Ein sichtbarer Expansionismus der Foundation wird das Entstehen von gegen uns gerichteten Allianzen zur Folge haben. Einige Mitglieder der Föderation dürften ihre Haltung zu uns neu durchdenken. Wir könnten einen derartigen Krieg durchaus durch innere Zwistigkeiten verlieren, und dadurch würde der Wachstumsprozeß, der sich fünfhundert Jahre lang so gut bewährt hat, umgekehrt werden.«

»Kommen Sie, kommen Sie, Thoobing, hören Sie auf!« sagte Kodell gleichgültig. »Sie sprechen, als seien fünfhundert Jahre gar nichts, als wären wir noch die Foundation, wie sie zu Salvor Hardins Lebzeiten bestand, die sich mit dem Mini-Königreich Anacreon herumgeschlagen hat. Wir sind heute viel stärker, als früher das Galaktische Imperium es selbst in seinen besten Zeiten gewesen ist. Ein Geschwader unserer Flotte könnte es mit der ganzen damaligen Kaiserlichen Raummarine aufnehmen, wir können jeden Sektor der Galaxis besetzen, ohne überhaupt viel von Kampfhandlungen zu bemerken.«

»Wir haben es nicht mit dem Galaktischen Imperium zu tun. Es geht hier um Planeten und Sektoren der Gegenwart.«

»Niemand ist so fortgeschritten wie wir. Uns könnte schon jetzt die gesamte Galaxis gehören.«

»Dem Seldon-Plan zufolge müssen bis dahin noch fünfhundert Jahre vergehen.«

»Der Seldon-Plan unterschätzt die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts. Wir können es schon heute tun. Verstehen Sie mich richtig, ich sage nicht, wir wollen es tun, oder wir sollten’s. Ich stelle bloß fest, wir können es heute tun.«

»Kodell, Sie haben Ihr ganzes Leben auf Terminus verbracht. Sie kennen sich in der Galaxis nicht aus. Mit unserer Raummarine und unserer Technik sind wir sicherlich dazu imstande, die Streitkräfte anderer Welten zu schlagen, aber wir sind nicht dazu in der Lage, eine ganze Galaxis, die von Rebellion und Haß brodelt, zu regieren — und dahin wird’s kommen, wenn wir die Herrschaft über die Galaxis mit Gewalt antreten. Ziehen Sie die Schiffe zurück!«

»Unmöglich, Thoobing. Denken Sie einmal nach — was wäre, wenn Gaia kein Mythos ist?«

Thoobing schwieg einen Moment lang, forschte sehr aufmerksam in Kodells Gesicht, als wolle er seine Gedanken zu lesen versuchen. »Eine Welt im Hyperraum — kein Mythos?«

»Eine Welt im Hyperraum ist gewiß nur Aberglauben, aber selbst Aberglauben kann auf gewisse Wahrheiten zurückzuführen sein. Trevize, dieser Mann, den wir ins Exil geschickt haben, spricht davon, als ob sie ein wirklicher Planet im realen Weltraum wäre. Wenn er nun recht hat?«

»Unsinn! Daran glaube ich nicht.«

»Nicht? Glauben Sie’s wenigstens mal einen Augenblick lang. Stellen Sie sich vor eine reale Welt, die Sayshell Schutz gegen den Fuchs und ebenso gegen die Foundation gewährt hat!«

»Aber Sie widersprechen doch sich selbst. Wie soll Gaia die Sayshell-Union vor der Foundation schützen? Eben in diesem Moment schicken wir ja Schiffe hin.«

»Deren Einsatz betrifft nicht Sayshell, sondern Gaia, von der so rätselhaft wenig bekannt ist, die so sehr Wert darauf legt, niemandes Interesse zu wecken, daß sie es geschafft hat, ihren Nachbarn einzuflüstern, sie befände sich im Hyperraum, während man sie durchaus im Normalraum suchen muß, und der es sogar gelungen ist, außerhalb der Datenspeicher der besten und vollständigsten galaktischen Sternenkarten zu bleiben.«

»Dann dürfte sie ja eine höchst ungewöhnliche Welt sein, deren Bewohner die Fähigkeit haben müßten, den menschlichen Geist zu manipulieren.«

»Und haben Sie nicht eben erst erwähnt, unter anderem erzähle man auf Sayshell, der Fuchs sei von Gaia gekommen, um die Galaxis zu unterwerfen? Und hatte nicht der Fuchs die Fähigkeit, das menschliche Bewußtsein zu manipulieren?«

»Und Gaia ist also eine Welt voller Füchse?«

»Sind Sie sicher, daß das undenkbar ist?«

»Warum nicht gleich die Welt einer wiedererstandenen Zweiten Foundation?«

»Ja, warum nicht? Ist das nicht eine Untersuchung wert?«

Thoobing zeigte nun allen Ernst. Während des letzten Wortwechsels hatte er verächtlich gelächelt, doch jetzt senkte er den Kopf, musterte seinen Gesprächspartner unter den Brauen hervor. »Wenn Sie das im Ernst meinen, halten Sie solche Nachforschungen nicht für gefährlich?«

»Sind sie gefährlich?«

»Sie beantworten meine Fragen mit Gegenfragen, weil Sie keine vernünftigen Antworten haben. Was könnten unsere Raumschiffe gegen Füchse oder die Zweite Foundation ausrichten? Falls sie existieren, ist es dann nicht viel wahrscheinlicher, daß Sie in eine Falle gelockt werden? Sehen Sie mal, Sie versuchen mir hier einzureden, daß die Foundation schon heute zur Errichtung ihres Imperiums fähig sei, obwohl der Seldon-Plan erst die Hälfte des veranschlagten Zeitraums hinter sich hat — ich dagegen habe Sie gewarnt, daß so was ein überstürztes Vorgehen wäre, daß die Implikationen des Seldon-Plans Sie zurückhalten müßten. Vielleicht ist diese Sache, falls Gaia wirklich existiert, ein Trick, um ein solches Vorgehen zu bremsen. Also tun Sie jetzt freiwillig, wozu Sie später möglicherweise gezwungen werden. Tun Sie jetzt friedlich und ohne Blutvergießen, was Sie später womöglich — vielleicht nach einem blutigen Desaster — gezwungenermaßen tun müssen. Ziehen Sie die Schiffe zurück!«

»Es geht nicht. In der Tat beabsichtigt Bürgermeisterin Branno sogar, persönlich mit diesen Schiffen zu fliegen, und es sind bereits Scouts durch den Hyperraum ins mutmaßliche Gaia-Territorium vorgestoßen.«

Thoobing quollen die Augen hervor. »Dann gibt’s bestimmt Krieg, ich sag’s Ihnen.«

»Sie sind unser Botschafter. Verhindern Sie’s! Machen Sie den Sayshellern alle Zusicherungen, die sie haben wollen! Dementieren Sie alle bösen Absichten, die uns unterstellt werden! Sagen Sie ihnen, falls es sein muß, es wird sich für sie auszahlen, wenn sie stillhalten und abwarten, daß Gaia uns vernichtet! Erzählen Sie ihnen, was Sie für richtig halten, aber sorgen Sie für Ruhe!«

Er schwieg einen Moment lang und betrachtete Thoobings fassungslose Miene. »Das ist nun alles, wirklich«, fügte er dann hinzu. »Soviel ich weiß, wird kein Raumer der Foundation auf irgendeiner Welt der Sayshell-Union landen oder durch irgendeinen Punkt im Normalraum fliegen, der zur Union gehört. Jedes sayshellische Schiff jedoch, das uns außerhalb des Territoriums der Union belästigt — folglich innerhalb des Territoriums der Foundation —, wird ohne Umstände in Staub verwandelt. Stellen Sie das völlig unmißverständlich klar und ermahnen Sie die Saysheller zur Zurückhaltung! Wenn Sie damit scheitern, werden Sie strengstens zur Verantwortung gezogen. Ihre Tätigkeit war bisher sehr leicht, Thoobing, aber nun stehen Ihnen härtere Zeiten bevor, und die nächsten paar Wochen könnten von alles entscheidender Bedeutung sein. Versagen Sie, werden Sie sich nirgendwo in der Galaxis noch irgendeiner Sicherheit erfreuen können.«