»Also gut«, sagte Aulus, »achtundsechzig Silber-Tarsks. Das ist billiger, als diese Männer auf andere Weise zu ersetzen. Außerdem drängen die Vennaer darauf, die Arbeiten fortzusetzen.«
Ich hatte nicht gehört, dass die beiden Männer etwas über die weiblichen Arbeitssklaven vereinbart hatten. Tupita zum Beispiel war sicher auch in die Hand Pietro Vacchis, des Söldnerkapitäns, gefallen. Als Sklavin konnte ich natürlich nicht wagen, nach ihr zu fragen. Was, wenn sie mich dafür von ihren Tharlarions zertrampeln lassen würden?
Es wurde dunkler. Ich wollte zurück ins Lager. Ich fühlte mich hier, nackt, kniend und an den Steigbügel gekettet, sehr hilflos.
»Ich werde mit dir in dein Lager kommen und die achtundsechzig Männer abholen.« sagte Aulus.
»Gut.« stimmte Pietro Vacchi zu, sein Tharlarion wendend. Plötzlich überfiel mich ein Schrecken.
»Du kannst wieder hochkommen, Tuka.« sagte Aulus. »Was ist los?«
»Nichts, Herr.« antwortete ich schreckerfüllt.
Ich wollte nicht mit in das Söldnerlager, und das nicht nur, weil ich vor solchen Männern Angst hatte, sondern auch, weil Mirus, wie ich wusste, aus Brundisium war. Er und mein früherer Herr Hendow waren dort aufgewachsen. Sie kannten sich seit ihrer Kindheit. In der letzten Nacht, in der ich ihn in Hendows Taverne gesehen hatte, hatte Mirus mir gesagt, dass er und Hendow für den anderen sterben würden.
Ich erhob mich. Es war klar, dass Aulus den Kapitän in dessen Lager begleiten würde.
»Herr«, flehte ich, schmiegte mich an die Seite von Aulus’ Tharlarion und sah zu ihm auf, »bitte nimm mich nicht mit in das Lager der Söldner, bitte! Bitte!«
»Warum nicht?«
»Ich habe Angst vor jemandem, der dort sein könnte.«
»Wer?«
»Mirus, aus Brundisium.« schluchzte ich.
»Wenn er aus Brundisium stammt«, beruhigte er mich, »ist er wahrscheinlich schon auf dem Weg dorthin zurück.«
Ich sah mit Tränen in den Augen zu ihm auf. Was er da sagte, konnte natürlich stimmen. Ich wusste es nicht.
»Hab keine Angst.« sagte er.
»Bitte, Herr«, beharrte ich, »nimm mich nicht mit in das Lager.«
»War er in deiner Kette?«
»Ja, Herr.«
»Wenn er dich verletzen wollte«, sagte Aulus, »hätte er das schon längst tun können.«
»Bitte nimm mich nicht mit ins Lager!« flehte ich.
»Glaubst du wirklich, ich würde dich nach Venna zurückschicken?«
»Bitte, bitte!« flehte ich.
»Ich und viele andere, zum Beispiel Vacchi, werden dort sein, um dich zu beschützen.«
»Bitte, Herr!«
»Blamiere mich nicht.« warnte er.
»Los komm, Aulus!« rief Pietro Vacchi, über seine Schulter blickend. »Hol die Männer und vergiss den Wagen mit dem Geld nicht.«
»Wir kommen.« rief Aulus.
»Bitte, Herr!« weinte ich und schlang meine Arme um seinen Stiefel. »Bitte, Herr!«
Dann sah ich, wie er die Tharlarion-Peitsche hervorzog.
»Nein«, bettelte ich, »bitte!«
Da traf mich auch schon ein Schlag! Ich war gepeitscht worden! Ich schützte meine Augen und meinen Kopf, drehte mich um und lief von Aulus weg, bis mich die Kette an meinem Kragen stoppte und halberstickt und schreckerfüllt zurück zum Steigbügel riss. Aulus zog an der Kette und zerrte mich so zu ihm zurück. Dann, als ich nackt und zitternd vor ihm stand, schlug er dreimal zu und dann noch einmal. Ich schluchzte und weinte wild. Dann ließ er die Kette los und trieb seinen Tharlarion an, um mit Pietro Vacchi zu reiten. Ich stolperte hastig hinterher.
»Heute Abend«, sagte Pietro Vacchi, als hätte er die Prügel gar nicht bemerkt, »wirst du dich amüsieren wie ein Urbar!«
»Pietro Vacchis Gastfreundschaft ist weithin bekannt.« sagte Aulus.
Ich hoffte inbrünstig, dass Mirus das Lager schon verlassen hatte und auf dem Weg nach Brundisium war. Bestimmt rechnete er nicht damit, dass ich im Lager auftauchen würde.
»Vielleicht solltest du sie darüber aufklären, was es bedeutet, eine Frau zu sein.«
»Sie weiß zu dienen.« sagte Aulus.
»Deine kleine Tuka ist hübsch.«
»Sie ist nur eine Sklavin«, sagte Aulus, »aber natürlich gehört sie die diesen Abend.«
»Ausgezeichnet.«
Ich eilte neben Aulus’ Tharlarion her, mit der Steigbügelkette an meinem Hals.
»He, Junge!« rief Vacchi und hielt sein Tharlarion zurück. »Das ist nicht der Weg nach Brundisium!«
Er sprach zu dem großen Mann im Schatten, der auf der Viktel Aria nordwärts ging. Die Gestalt im Schatten hob den Kopf. Ich war, sobald das Tharlarion stehen geblieben war, schnell niedergekniet und hatten meinen Kopf auf die Straßensteine gelegt. Ich wollte nicht erkannt werden. Die Gestalt im Schatten war jemand, den ich nicht verkennen konnte. Die Tharlarion liefen wieder südwärts los zum Lager Vacchis, Aulus’ Männer und der Wagen mit dem Geld folgten. Es gab keinen Zweifel, wer die Gestalt im Schatten gewesen war. Und sie war nach Norden gegangen, nicht nach Westen oder Nordwesten, in Richtung Brundisium. Sie war auf der Vitkel Aria nordwärts gegangen, nach Venna, wo sich das Lager der Schwarzen Kette des Ionicus befand.
Ich griff mit beiden Händen nach der Kette. Ich konnte sie nicht von meinem Hals lösen. In der Dunkelheit war ich bestimmt nicht erkannt worden. Ich war sicher nur eine gewöhnliche Sklavin gewesen, irgendein hübsches Ding, das im Dunklen mit dem Kopf am Boden auf der Straße gekniet hatte, den Hals an den Steigbügel ihres Herrn gekettet. Ich wagte es nicht, zurückzublicken. Wie furchterregend die Gestalt ausgesehen hatte, so groß, so breitschultrig, so entschlossen, so bedrohlich in den Resten einer Arbeitstunika. Und ich war jetzt auch sicher, dass sie bewaffnet gewesen war. Über seiner Schulter war ein Riemen gewesen, an dem eine Scheide befestigt war, die eindeutig eine Klinge enthielt.
»Vielleicht«, bemerkte Aulus, »könntest du sie am frühen Abend, bevor du sie in dein Zelt nimmst, vor deinen Männern auftreten lassen.«
»Womit?«
»Sie ist nicht ungeübt im Sklaventanz.«
»Meine Jungen könnten ein wenig Zerstreuung brauchen.« sagte Vacchi, »Außerdem könnte ich sie fünfmal zur Benutzung verlosen. Was meinst du?«
»Ausgezeichnet«, stimmte Aulus zu, »deine Männer werden erfreut sein.«
Ich sah zurück. Vor Angst hätte ich beinahe aufgeschrien. Der Mann, der nach Norden gegangen war, lief jetzt nicht mehr nach Norden. Er hatte die Richtung gewechselt und lief jetzt nach Süden. Als ich zurücksah, war er rechts hinter dem Wagen, nur zwanzig Yards hinter mir.
»Und wenn sie dann zu deinem Zelt gebracht wird«, fuhr Aulus fort, »ist sie schön angewärmt.«
»Genau.« lachte Vacchi.
Ich folgte den Männern an meiner Kette. Also sollte ich tanzen? Die Soldaten sollten Lose ziehen, wer mich benutzen durfte? Ich sollte Pietro Vacchi dienen? Aber was dann? Würde der Mann, der uns jetzt folgte, »seine Zeit abwarten«, wie Tupita angekündigt hatte? Würde er mich nicht früher oder später, wenn er nur geduldig abwartete, allein antreffen? Ich wäre vielleicht sogar mit gespreizten Armen und Beinen gefesselt. Ich hatte gehört, dass Söldner es manchmal genossen, Frauen so zu fesseln. Aber kaum weniger hilflos wäre ich, wenn ich in einen winzigen Sklavenkäfig gesperrt würde, durch dessen Gitterstäbe er sein Schwert stoßen könnte, hundert kurze, scharfe Stiche; oder ich wäre ihm genauso ausgeliefert, wenn ich mit dem Bauch an einen Baum gefesselt wäre.