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Sie berührte impulsiv seinen Arm. »Und was wir gesehen haben, Morgan Leah, von hoch oben in dem Paß, in weiter Ferne hinter den Wachfeuern der Föderation, aber so deutlich, wie ich Euch sehe, war Paranor. Er ist zurück, Hochländer, aus der Vergangenheit zurückgekehrt. Par war sich dessen sicher. Er sagte, es bedeute, daß Walker Boh Erfolg gehabt hat!«

Dann beschrieb sie, jetzt wieder gedämpft, wie sie aus dem Paß heraus weitergereist waren, berichtete von ihrer schicksalhaften Begegnung mit Coll – oder dem Wesen, zu dem Coll geworden war, eingehüllt in diesen seltsamen, glänzenden Umhang, gebeugt und verzerrt, als wären seine Knochen neu angeordnet worden. In dem folgenden Kampf war plötzlich die Macht des Schwertes von Shannara heraufbeschworen worden und hatte enthüllt, was Par jetzt für die Wahrheit über seinen totgeglaubten Bruder hielt.

»Er ist natürlich hinter Coll hergegangen«, schloß sie. »Was sonst hätte er tun können? Ich wollte nicht, daß er ging, daß er ohne mich ging – aber ich hatte nicht das Recht, ihn aufzuhalten.« Sie suchte Morgans Blick. »Ich bin nicht so sicher wie er, daß es Coll ist, dem er folgt, aber ich verstehe, daß er auf die eine oder andere Weise herausfinden muß, ob er jemals Frieden finden kann.«

Morgan nickte. Er dachte daran, wieviel Damson Rhee von sich selbst aufgegeben hatte, um Par Ohmsford zu helfen, daß sie mehr riskiert hatte, als er von jemand anderem außer sich selbst und Coll erwartet hätte. Er dachte auch, daß die Geschichte, die sie ihm erzählt hatte, wahr klang, daß sie in ausgewogenem Gleichgewicht stand. Die Zweifel, die er mit hergebracht hatte, begannen zu schwinden. Sicherlich war Pars Beharrlichkeit, das Schwert von Shannara zu suchen, eine Charaktersache, wie auch diese neuerliche Suche nach seinem Bruder. Das Problem war jetzt, daß Par noch mehr allein war denn je, und Morgan wurde erneut an sein Versagen erinnert. Er selbst hätte auf seinen Freund aufpassen sollen.

Er bemerkte, daß Damson ihn beobachtete. Es war ein fester, prüfender Blick, und ohne Vorwarnung flammte sein Mißtrauen erneut auf. Damson Rhee – war sie der Freund, für den Par sie gehalten hatte, oder der Feind, dem er so verzweifelt zu entkommen suchte? Sicherlich hätte sie auch der Grund dafür sein können, daß er häufig nur sehr knapp entkommen war, der Grund dafür, daß die Schattenwesen ihn so häufig fast erwischt hatten. Aber andererseits, war sie nicht auch der Grund dafür, daß er entkommen war?

»Ihr seid Euch nicht sicher, was mit mir ist, nicht wahr?« fragte sie ruhig.

»Nein«, gab er zu. »Das bin ich nicht.«

Sie nickte. »Ich weiß nicht, was ich tun kann, um Euch zu überzeugen, Morgan. Ich weiß nicht, ob ich es überhaupt versuchen will. Ich muß alle mir noch verbliebene Energie dafür aufsparen, einen Weg für Padishars Befreiung zu finden. Und danach werde ich Par suchen.«

Sein Blick schweifte in die Räume ab, und er dachte an das düstere Mißtrauen, das die Schattenwesen in ihnen allen hervorriefen und wünschte, es könnte anders sein. »Als ich mit Padishar am Jut war«, sagte er, »war ich gezwungen, ein Mädchen zu töten, das in Wirklichkeit ein Schattenwesen war.« Er schaute wieder zu ihr hinüber. »Ihr Name war Teel. Mein Freund Steff liebte sie, und das kostete ihn das Leben.«

Er erzählte ihr dann von Teels wiederholtem Verrat und der Konfrontation tief in den Katakomben der Berge hinter dem Jut, wo er das Schattenwesen getötet, das Teel gewesen war, und Padishars Leben gerettet hatte.

»Was mir angst macht«, sagte er, »ist die Tatsache, daß Ihr eine weitere Teel sein könntet, so daß Par wie Steff enden würde.«

Sie antwortete nicht. Ihr Blick war abwesend und verloren, und sie schien durch ihn hindurchzusehen. Tränen traten in ihre Augen.

Er griff plötzlich nach hinten und zog das Schwert von Leah hervor. Damson beobachtete ihn regungslos. Ihre grünen Augen blieben auf die schimmernde Klinge gerichtet, während er sie mit der Spitze nach unten in die Erde steckte. Die Hände ließ er um den Knauf geschlossen.

»Legt Eure Hände auf die flache Seite der Klinge, Damson«, sagte er weich.

Sie sah ihn schweigend an und bewegte sich lange Zeit nicht. Er wartete, lauschte auf die entfernten Geräusche der Geächteten, die sich zum Essen versammelten, und versuchte die Stille um sie herum zu durchdringen. Das Licht schwand jetzt schnell, und Schatten waren überall. Er fühlte sich seltsam entrückt von allem um ihn herum, als sei er mit Damson Rhee in der Zeit festgefroren.

Nicht dieses Mädchen, hörte er sich im stillen beten. Nicht noch einmal.

Schließlich streckte sie die Hände aus und berührte das Schwert von Leah, legte ihre Handflächen fest gegen das Metall. Dann schloß sie freiwillig ihre Finger um die Schneide. Morgan beobachtete entsetzt, wie die Klinge tief in ihre Haut einschnitt und ihr Blut daran hinabzulaufen begann.

»Ein Schattenwesen könnte das nicht tun, nicht wahr?« flüsterte sie.

Er griff schnell hinab und zog ihre Finger fort. »Nein«, sagte er. »Es würde die Magie auslösen.« Er legte den Talisman beiseite, riß mehrere Streifen Stoff von seinem Umhang ab und begann ihre Hände zu verbinden. »Das hättet Ihr nicht tun müssen«, warf er ihr vor.

Ihr Lächeln war schwach und sehnsuchtsvoll. »Nein? Wäret Ihr Euch sonst meinetwegen sicher gewesen, Morgan Leah? Das glaube ich nicht. Und wenn Ihr Euch meinetwegen nicht sicher seid, wie können wir einander dann helfen? Es muß Vertrauen zwischen uns bestehen.« Sie sah ihn mit ihren sanften Augen an. »Besteht es jetzt?«

Er nickte schnell. »Ja. Es tut mir leid, Damson.«

Ihre verbundenen Hände griffen aufwärts, um seine zu umfassen. »Ich möchte Euch etwas sagen.« Wieder traten Tränen in ihre Augen. »Ihr habt gesagt, daß Euer Freund Steff Teel geliebt hat? Nun, Hochländer, ich liebe Par Ohmsford.«

Dann erkannte er dies alles selbst. Warum sie bei Par geblieben war, sich ihm so vollständig ergeben hatte, ihm sogar in die Grube gefolgt war, auf ihn aufgepaßt hatte, ihn beschützt hatte. Es war das, was er für Quickening getan hätte – zu tun versucht hatte. Damson Rhee hatte eine Verpflichtung übernommen, von der sie nur der Tod würde entbinden können.

»Es tut mir leid«, sagte er erneut und dachte, wie unangemessen das doch klang.

Ihre Hände ergriffen seine fester und ließen nicht los. In der Dämmerung sahen sie einander lange Zeit schweigend an. Während er ihre Hände hielt, wurde Morgan an Quickening erinnert, an die Art, wie sie sich angefühlt hatte, an die Gefühle, die sie in ihm hervorgerufen hatte. Er stellte fest, daß er sie verzweifelt vermißte und alles gegeben hätte, sie zurückzubekommen.

»Genug geprüft«, flüsterte Damson. »Laßt uns statt dessen sprechen. Ich werde Euch alles erzählen, was mir widerfahren ist. Ihr werdet dasselbe von Euch erzählen. Par und Padishar brauchen uns. Vielleicht können wir zusammen einen Weg finden, ihnen zu helfen.«

Sie drückte seine Hände, als würden die ihren nicht schmerzen, und lächelte ihm ermutigend zu. Er beugte sich hinab, um das Schwert von Leah wieder aufzunehmen, und ging dann mit ihr durch die Bäume auf den Widerschein der Herdfeuer zu. Sein Geist arbeitete, durchdachte das, was sie ihm erzählt hatte, trennte Eindrücke von Tatsachen und versuchte, etwas Nützliches herauszufiltern. Damson hatte recht. Der Talbewohner und der Anführer der Geächteten brauchten sie. Morgan war entschlossen, keinen von beiden im Stich zu lassen.