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Zitternd, schmerzerfüllt und bis auf die Knochen ermüdet von seinem Kampf, ließ er sich umsorgen, bis Cogline ihn in der Dunkelheit zum Ausruhen zurückließ. Er war sich bewußt, daß Ondit sich neben ihm zusammenrollte und Wache hielt, was auch immer ihm drohen mochte. Die Moorkatze war bereit, Cogline zu rufen, wenn es nötig sein würde. Er schluckte gegen die Trockenheit in seiner Kehle an, und sagte sich, daß die Krankheit vergehen würde, daß er wieder gesund sein würde, wenn er erwachte. Er war entschlossen, daß es so sein müßte.

Er schloß die Augen, und während sie sich schlössen, klammerte sich sein Geist an einen letzten, heilenden Gedanken.

Der Kampf war an diesem Tag verloren worden. Die Vier Reiter waren erneut über ihn gekommen. Aber er hatte etwas aus seiner Niederlage gelernt – etwas, was sich letzten Endes als ihr Verderben erweisen würde.

Er atmete tief und ruhig ein und ließ den Atem wieder ausströmen. Schlaf rauschte in warmen, entspannenden Wellen durch seinen Körper.

Wenn er den Schattenwesen das nächste Mal gegenübertreten würde, versprach er sich, bevor er entglitt und seinen Schwur mit Schichten eiserner Entschlossenheit umgab, würde er ihnen ein Ende bereiten.

14

Während Walker Boh darum kämpfte, sich von den Vier Reitern vor Paranor zu befreien, überzeugte Wren Elessedil das Hohe Konzil der Elfen davon, daß sie sich um die Föderationsarmee kümmern mußten, die nach Norden kam, um sie zu vernichten. Gleichzeitig führte Morgan Leah Damson und eine kleine Gruppe Geächteter an, um Padishar Creel aus Tyrsis zu befreien und folgte Par Ohmsford seinem Bruder Coll.

Es war eine beschwerliche, mühselige Unternehmung. Nachdem Damson und er sich getrennt hatten, hatte Par seine Suche sofort aufgenommen. Er war sich der Tatsache bewußt, daß Coll nur Minuten Vorsprung hatte und sagte sich, daß er ihn sicherlich erreichen würde, wenn er schnell genug wäre. Die Morgendämmerung hatte eingesetzt und Dunkelheit, die seine Unternehmung hätte hemmen können, verblaßte zu verstreuten Schatten und Flecken von Dunst, die in den Bäumen verweilten. Coll floh in unbekümmerter Nichtbeachtung alles anderen außer der Vision, die ihm das Schwert von Shannara gezeigt hatte. Er war verwirrt und erschreckt, und sein Schmerz war greifbar gewesen. Wie stark würde er sich in einem solchen Zustand bemühen, seine Flucht zu verbergen? Wie weit würde er laufen können, bevor ihn die Erschöpfung überwältigte?

Die Antwort war nicht die, die Par erwartet hatte. Obwohl er den Spuren seines Bruders ziemlich leicht folgen konnte und die Fährte inmitten eines Durcheinanders von Gestrüpp und Gräsern deutlich zu sehen war, stellte er fest, daß er nicht näher an ihn herankam. Trotz allem – oder vielleicht auch wegen allem – schien Coll unerwartete Kräfte in sich entdeckt zu haben. Er lief vor Par davon, beeilte sich nicht nur, sondern blieb nicht einmal stehen, um zu rasten. Und er lief auch nicht in gerader Linie. Er rannte hierhin und dorthin, begann in einer Richtung und wandte sich dann in der nächsten Sekunde um, aus keinem erkennbaren Grund, sondern scheinbar aus einer Laune heraus. Es war, als sei er wahnsinnig geworden, als würden Dämonen ihn verfolgen oder wären in seinem Kopf eingeschlossen, so daß er nicht bestimmen konnte, woher sie kamen.

Ja, tatsächlich, dachte Par, während er ihm folgte, so mußte es für Coll wohl sein.

Bei Einbruch der Nacht war er erschöpft. Sein Gesicht und seine Arme waren von Staub und Schweiß überzogen, sein Haar war glanzlos und verklebt und seine Kleidung schmutzig. Da er fast alles Gepäck zurückgelassen hatte, um weniger zu tragen zu haben und schneller zu sein, trug er jetzt nur das Schwert von Shannara, eine Decke und einen Wasserschlauch bei sich. Dennoch konnte er kaum noch gehen. Er fragte sich, wie es Coll gelungen war, vor ihm zu bleiben. Seine Angst hätte ihn schon vor Stunden erschöpfen müssen. Das Spiegeltuch und die Schattenwesenmagie trieben seinen Bruder offenbar an wie eine Peitsche ein Tier. Der Gedanke ließ Par verzweifeln. Wenn Coll nicht langsamer wurde, wenn er nicht wenigstens einen kleinen Teil seines gesunden Menschenverstandes wiedererlangte, würde ihn die Anstrengung töten. Oder wenn die Anstrengung es nicht täte, dann würde es ein Fehler tun, wie er viele in der sorglosen Nichtbeachtung seiner persönlichen Sicherheit machte. Es gab Gefahren in diesem Land, die einen Mann sogar dann töten konnten, wenn er ein gesundes Maß an Vorsicht und gesundem Menschenverstand einsetzte. Im Moment besaß Coll Ohmsford anscheinend von beidem nichts.

Als er schließlich stehenblieb, befand sich Par unmittelbar westlich der Stelle, an der sich der Mermidon teilte und von wo aus ein Arm als Nebenfluß östlich zum Rabb hin verlief und der andere südwärts auf Varfleet und den Runne zu. Folgte man dem zweiten Arm weit genug, so konnte man den Regenbogensee erreichen. Und dann auch die Südwache. Das war die Richtung, die Coll eingeschlagen hatte, als es zu dunkel geworden war, daß er seine Spur weiter verfolgte. Je länger Par über diese Angelegenheit nachdachte, desto wahrscheinlicher schien es, daß sein Bruder schon die ganze Zeit über diesem Weg gefolgt war – wenn auch auf Umwegen. Zurück zur Südwache und den Schattenwesen. Das war wahrscheinlich, denn es war die Magie des Umhangs, die Coll zerrüttete.

Par wickelte sich in seine Decke und lehnte sich gegen einen alten Hickorybaum, um die Dinge zu überdenken. Das Schwert von Shannara lag auf dem Boden neben ihm, und seine Finger zogen die Umrisse des geschnitzten Hefts nach. Wenn die Schattenwesenmagie seinen Bruder kontrollierte, wußte Coll vielleicht gar nicht, was er tat. Er hatte vielleicht nach Par gesucht, ohne zu wissen, warum. Er floh jetzt vielleicht in demselben Zustand. Nur, daß das Schwert Coll die gleiche Vision gezeigt hatte, die es Par gezeigt hatte, und das bedeutete, daß Coll die Wahrheit über sich selbst gesehen hatte. Par hatte in jenen Momenten eine Verbundenheit verspürt. Coll und er standen sich so lange nahe, daß sie es beide hatten erkennen können. Hatte das die Dinge auf irgendeine Weise geändert? Versuchte Coll sich etwa von der Schattenwesenmagie zu befreien, nachdem er die Wahrheit über sich selbst gesehen hatte?

Par schloß gegen die drohende Müdigkeit fest die Augen. Er mußte schlafen, war aber nicht eher bereit dazu, bevor er nicht herausgefunden hatte, was vor sich ging. Damson hatte ihn gewarnt, daß ihn die Verfolgung in eine Art Falle führen könnte. Coll war nicht zufällig zu ihnen gekommen. Er war von den Schattenwesen gesandt worden. Warum? Um ihn zu verletzen? Oder um ihn zu töten? Par war sich nicht sicher. Wie war es Coll gelungen, ihn zu finden? Wie lange hatte er bereits gesucht? Die Fragen summten durch seinen Geist wie wütende Hornissen. Eindringlich und fordernd und mit giftigen Stacheln. Denk nach! Vielleicht hatte die Magie des Umhangs Coll geholfen, ihn zu finden – hatte Coll vielleicht angetrieben, daß er ihn fand. Die Magie hatte seinen Bruder infiziert und verwandelte ihn in ein Schattenwesen, während Coll die ganze Zeit glaubte, daß sie ihm half, seinen Gefangenenwärtern zu entkommen. Sie hatte ihn überlistet, daß er den Umhang anzog, damit sie mit ihrer Arbeit beginnen konnte, verführerisch...

Par atmete tief ein. Er konnte überhaupt kaum atmen, wenn er sich Coll als eines jener Wesen vorstellte, eines der Wesen in der Grube, jener Wesen, die selbst dann lebten, wenn sie bereits tot waren.

Er trank etwas Wasser, denn Wasser war alles, was er hatte. Wie lange war es her, seit er etwas gegessen hatte? Morgen würde er sich Nahrung suchen oder jagen müssen. Er mußte seine Kräfte wiedergewinnen. Keine Nahrung und nur wenig Ruhe, das würde ihn schließlich lahmlegen. Er konnte es sich nicht leisten, etwas zu riskieren, wenn er seinem Bruder auf irgendeine Weise nützen wollte.