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Und plötzlich wußten sie es. »Ihr seid der König vom Silberfluß«, flüsterten sie gemeinsam, und das Lampenlicht streckte sich aus und umschloß auch sie.

Im selben Augenblick griffen die Schattenwesen an. Sie kamen als schwarze Flut von dem Abhang herab, und ihre Schreie und ihr Geheul erschütterten die seltsame Stille, die der König vom Silberfluß mit sich gebracht hatte. Sie kamen zähneknirschend und mit ausgestreckten Klauen heran und zerrissen wütend Luft und Erde. Noch vor ihnen kam Felsen-Dall heran, in etwas Unbeschreibliches verwandelt, und er kam so schnell, daß er den Abstand zwischen sich und den Ohmsfords in Sekundenschnelle überbrückt hatte. Eisenbänder wickelten sich um Pars Kehle und Colls Brust, zogen sich fest zu und drohten sie zu ersticken. Sie hatten ein Gefühl, als würden sie gänzlich in die Schwärze eingesogen, als würden sie in eine Grube versinken, die zu tief war, um gemessen werden zu können. Einen Augenblick lang waren sie verloren, und dann erreichte sie die Stimme des Königs vom Silberfluß wieder und sammelte sie ein, barg sie wie die Hände einer Mutter, die ihr Kind umfaßt, befreite sie von den Eisenbändern und trug sie aus der Schwärze hinauf.

Felsen-Dalls Stimme war das Kratzen von Eisen auf Stein, und die Stimme des Königs vom Silberfluß verklang wieder. Erneut schloß sich die Dunkelheit um sie, und die Bänder packten sie. Par kämpfte verzweifelt darum, freizukommen. Er konnte das furchtbare Schwanken der Magien spüren, die beide Gegner losgelassen hatten, die Kräfte des Ersten Suchers und die des uralten Geists, während sie um die Kontrolle über ihr Leben kämpften, um Coll und ihn. Sein Bruder war von ihm getrennt worden, denn er konnte nicht mehr spüren, daß er sich an ihn drängte. Einen Moment lang konnte er Coll sehen, konnte die vertrauten Gesichtszüge erkennen, und dann war auch das fort.

»Par, ich muß dir sagen...« hörte er seinen Bruder aufschreien.

Die Magie des Wunschgesangs baute sich in ihm auf, und die Worte seines Bruders verklangen in deren Ansturm.

Die Lampe des Königs vom Silberfluß schnitt in die Dunkelheit der Schattenwesen und zwang sie fort. Par griff nach dem Licht, streckte seine Hände danach aus. Aber die Dunkelheit wogte wieder heran wie ein Schrei der Verzweiflung und der Verärgerung. Sie trennte Par von dem Licht und schloß ihn aus.

Erschreckt ließ Par seine Magie frei. Sie drang aus ihm heraus wie eine Flut im Frühlingssturm, wie ein reißender Strom, der nicht gebremst werden kann. Par spürte die Magie weißheiß und wild überall ausbrechen und alles verbrennen. Sie fegte wütend über ihn hinweg, und Par konnte nichts mehr tun, um ihr Einhalt zu gebieten.

Er spürte, wie er sich veränderte, spürte, wie er seinen Körper verließ, wie er sein Gesicht zur Seite wandte und verbarg, wer und was er war. Die Veränderung war erschreckend und real. Es war, als würde er seine Haut abstoßen.

Er sah die Lampe des Königs vorn Silberfluß verschwinden. Er sah, wie sich die Dunkelheit um ihn schloß.

Dann gaben seine Kräfte nach, er verlor das Bewußtsein und sah überhaupt nichts mehr.

16

Barsimmon Oridio mußte Wren Mitteilung machen. Er richtete sich nach der Entscheidung des Hohen Konzils, sich der herannahenden Föderationsstreitmacht zu stellen, anstatt sie in Arborlon zu erwarten, aber er mußte ihr melden, daß es mindestens eine Woche dauern würde, die gesamte Armee zu versammeln und auszurüsten. Daher beschloß sie, mit so vielen Männern, wie er in zwei Tagen bereitstellen konnte, auszuziehen, um als Vorhut in die Auseinandersetzung zu ziehen. Wie es vorauszusehen gewesen war, wehrte sich der alte Krieger dagegen und zweifelte den Sinn dieses Vorhabens an, eine kleine Streitmacht gegen so viele zu führen. Er stellte die Frage, was geschehen würde, wenn sie in eine Falle geraten würden und kämpften müßten. Sie hörte ihm geduldig zu und erklärte dann, daß der Zweck dieser Vorhut nicht sei, sich dem Feind zu stellen, sondern der, ihn auszukundschaften und vielleicht zu behindern, indem sie ihn die Anwesenheit einer anderen Armee auf dem Feld entdecken ließ. Es gab keinen Grund, sich Sorgen zu machen, versicherte sie ihm. Bar sollte den Befehlshaber der Vorhut auswählen, und sie würde an dessen Entscheidungen gebunden sein. Bar war erregt und wütend, aber schließlich lenkte er ein und gab sich mit ihrem Versprechen zufrieden, daß sie warten würde, bevor sie irgendeine Art von Offensive ergriffe, bis er mit dem Hauptteil der Armee nachkommen würde.

Die Nachricht von dem Herannahen der Föderationsarmee und von der Gefahr, die sie darstellte, machte die Runde unter den Elfen, die sich in der Umgebung niedergelassen hatten. Wer wollte, konnte nach Arborlon kommen, das als Festung für das Elfenvolk dienen würde. Wer bleiben wollte, wo er war, sollte darauf vorbereitet sein, zu fliehen, falls die Föderation durchbrach. Flugreiter wurden zu den entferntesten Punkten und zum Wing Hove ausgesandt, und außerdem wurden Läufer eingesetzt. Familien aus den Ansiedlungen in der Nähe der Stadt begannen bald darauf, in die Stadt zu strömen. Wren brachte sie in Lagern unter, die über die Klippe verteilt lagen und von den Schutzwällen, die gerade errichtet wurden, ein Stück entfernt waren. Dieses Mal war die Stadt nicht hinter Mauern geborgen. Der Elfitch war zu Elventine Elessedils Zeiten bei dem Angriff der Dämonen zerstört worden, und den Keel hatten sie auf Morrowindl zurücklassen müssen. Sie würden Bollwerke errichten, aber diese würden weder groß, noch hoch, noch unüberwindbar sein. Die Klippen des Carolan und die Wasser des Rill Song boten einen gewissen natürlichen Schutz vor einem Angriff von Westen, und im Norden und im Süden befanden sich hohe Berge. Aber die Föderation würde sehr wahrscheinlich von Osten, durch das Tal von Rhenn, angreifen. Welche Schutzwälle auch immer zu errichten waren, sie würden dort errichtet werden müssen.

Wren sprach mit ihren Verwaltern und den Befehlshabern ihrer Armee lange darüber, in welcher Form diese Schutzwälle errichtet werden sollten. Im Osten der Stadt gab es bis zu den Ebenen überall riesige Wälder, und viele von ihnen waren unpassierbar für eine Streitmacht von der Größe derjenigen, die sich näherte. Alle waren sich einig, daß die Föderationsarmee versuchen würde, ihre geballte Kraft einzusetzen, um die Elfen zu vernichten, und zwischen den Bäumen auszuschwärmen würde seinen Befehlshabern sicher nicht als erwägenswerte Alternative erscheinen. Daher würde die Armee sicher durch den Rhenn kommen und dem Hauptweg von Westen bis an die Stadt folgen, um dort auszuschwärmen. Aber selbst diese Annäherung würde den Angreifern nicht leicht werden. Es war viele Jahre her, seit der Weg regelmäßig benutzt worden war, wenn er überhaupt benutzt worden war, seit die Elfen aus dem Westland verschwunden waren. Große Teile des Weges hatte der Wald zurückgefordert. Er gab in jenen Tagen eigentlich mehr einen Pfad als einen Weg. Er war eng und gewunden, und es gab Stellen, an denen sich eine kleine Streitmacht eine Zeitlang gegen eine weitaus größere Armee würde behaupten können. Befestigungsanlagen sollten an so vielen dieser Stellen errichtet werden, wie die Zeit es zuließ, wobei Fallgruben und andere Arten von Fallen eingesetzt werden sollten, um jegliches Vorankommen zu behindern. Gleichzeitig sollte die Elfenarmee versuchen, die Föderationsstreitmächte auf dem Grasland im Osten zu behindern, wobei sie sich auf ihre Kavallerie, ihre Bogenschützen und die Flugreiter verlassen mußte, wenn sie der Übermacht der Südlandinfanterie entgegentreten wollte. Wenn das fehlschlug, mußten sie am Rhenn einen letzten Versuch unternehmen. Ein Bautrupp wurde ausgesandt, der die Arbeit an einer Verteidigungsanlage gegen die Annäherung von Osten her beginnen sollte, während ein zweiter sich daranmachte, am Carolan Befestigungen zu errichten. Ein Angriff von Westen war zwar unwahrscheinlich, aber es gab auch keinen Grund, irgend etwas dem Zufall zu überlassen.