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Alicia grauste bei Happys Anblick. Sie hätte schwören kön­nen, daß Happy Anabolika nahm, denn keine Frau konnte so gräßlich aussehen und wirklich Frau sein.

Selbst bei bestem Willen hapert es bei der neuen Geliebten an Nachsicht für die abgelegte Liebhaberin. In der abgelegten Liebhaberin brodelt für gewöhnlich der Haß.

In dieser Situation gab es für Alicia und Happy nichts zu gewinnen, aber Susan profitierte davon, denn sie hatte eine gefügige Geliebte und eine eifrige Partnerin im Doppel.

Happy wechselte ihre durchgeschwitzten Socken gegen ein frisches Paar. «Du solltest Harriet Rawls ignorieren. Susan mag sie nicht, das weißt du.»

«Harriet hat mir doch nichts getan», sagte Alicia ungerührt.

«Susan hat das Gefühl, daß sie auf die Tour einen schlechten Einfluß ausübt.» Happy verschwieg, daß Susan dies von allen glaubte, die Susans Charisma nicht erlegen waren.

«Ich habe ja nicht gesagt, daß ich sie mag. Ich sehe bloß keinen Grund, rüde zu sein, das ist alles.»

Happy schob sich einen Schritt näher an die sitzende Alicia. «Wenn du Susan liebst, sind ihre Feinde auch deine Feinde. Ihre Freunde sind deine Freunde. Warum tust du nicht, was sie sagt? Dann hältst du dich länger.»

«Warum hast du dich nicht länger gehalten?» Dieser Pfeil saß voll. Schließlich steckte doch etwas Leben in Alicia.

Happy senkte ihre Stimme. «Susan war ihr Spielzeug leid.»

«Señor Knipe, wie Sie wissen, kann sich meine Schwester vor Angeboten kaum retten.» Miguel zog seine Señor-Masche ab, wenn er mit Amerikanern redete. Je mehr er sich wie ein Gaucho aufführte, desto mehr gefiel es ihnen. Es war das Jahr, in dem Sportredakteure die Worte «furchterregend» und «rele­vant» entdeckten. Miguel beschloß, ein furchterregender und relevanter Südamerikaner zu sein.

«Ja, aber es ist für einen guten Zweck.» Mr. Knipe war in Chicago sozial engagiert.

«Zweifellos, doch wenn Carmen allen hilft, die sie darum bitten, was würde dann wohl aus ihrem Spielen?» Er tätschelte beschwichtigend den Arm des Abgeblitzten.

«Wollen Sie nicht einmal mit ihr reden?»

«Natürlich, natürlich.» Miguels Stimme triefte von Verständ­nis. «Wie ich höre, Mr. Knipe, haben Sie von British Leyland die, hm, wie heißt es doch gleich, Alleinvertretung.»

«Ja. Den Sozialisten abgejagt.» Mr. Knipe liebte Jaguars, MGs und die anderen Autos, aber manchmal trieben ihn die Verhandlungen mit den Engländern schier zur Weißglut.

«Ich bin ganz Ihrer Meinung. Wir haben zu Hause auch unsere Sorgen. Die Inflationsrate ist schrecklich, schrecklich. Haben Sie eine Vorstellung, was eines Ihrer Autos in Buenos Aires kosten würde?»

«Hm, nein. Ich habe noch nie darüber nachgedacht.»

Miguel lächelte sein gewinnendes Lächeln. «Heute würde es 100000 Dollar kosten. Morgen?» Seine Hand schraubte sich in die Luft.

Mr. Knipe lächelte. Er war im Bilde.

Harriet gab einem plötzlichen Bedürfnis nach, die Schnittblu­men in ihrem Hotelzimmer neu zu arrangieren. Es war der Abend vor dem Finale.

«Was tust du da?» Carmen hockte auf dem Bett und tüftelte an einem Kreuzworträtsel. Ihr Englisch war besser als das der meisten Amerikaner.

«Ich werfe diese langstieligen roten Rosen weg. Sie sind verwelkt.»

«Was ist ein anderes Wort für Fehlinformation?»

«Versuch's mal mit Quatsch.»

Carmen lächelte. »Nee, So viele Kästchen sind's nicht.» Sie blickte von ihrem Rätsel auf. «Woran denkst du eigentlich, wenn du nicht mit mir zusammen bist?»

«Historisches. Ich liebe Historisches. Katzenbestseller. Baby Jesus arbeitet an einem neuen.»

«Was?»

«Katapult. Dies ist eines über Katzenarchitektur.»

Carmen lachte, aber insgeheim wurmte es sie, daß Harriet auf ihre Frage nicht ernsthaft eingegangen war - wobei ernsthaft bedeutete, daß Harriet nicht an Historisches, sondern an sie denken sollte. Viele romantische Anspielungen kamen bei Har­riet nicht an. Sie war zu ehrlich, um romantisch zu sein.

Minutenlang herrschte Stille im Raum. Der Bleistift kratzte übers Papier,

«Bist du sauer?» Harriet war etwas irritiert.

«Nein.»

Harriet rieb Carmens Schulter. Sie wußte, sie hatte etwas Falsches gesagt, wußte aber nicht, was. «Ich habe heute über Kachel und Lawrence Burns nachgedacht.»

«Huch.»

«Was meinst du, wie werden Menschen bloß so?»

«Gewohnheit.» Carmen fühlte sich besser. Die Massage hob ihre Laune.

Rachel und Lawrence Burns waren ein Ehepaar mittleren Alters, das in Cazenovia lebte. Rachel wünschte sich Kinder, brachte aber lediglich eine dermatoide Zyste hervor, ein Knäuel unentwickelter Augen, Zähne und Haare. Diesen Horror ver­wahrte sie in einem Mayonnaiseglas, setzte eine Baseballkappe obendrauf und nannte ihn Gene. Wenn man sich mit Rachel unterhielt, kam sie unweigerlich auf ihren «Jungen» und seine Liebe zum Baseball zu sprechen. Zweifellos hatte Rachel nicht alle Tassen im Schrank, aber sie war harmlos.

«Merkwürdig jedenfalls.» Harriet massierte mit den Daumen zwischen Carmens Schulterblättern. «Menschen, die ihre Le­benspflichten erfüllen, sind offensichtlich normal, haben aber alle irgendwo eine Macke.»

«Was diese olle Katze angeht, hast du ein Rad ab.»

«Ich habe nie gesagt, daß ich ganz richtig bin, was Baby Jesus betrifft.»

Harriet küßte Carmen auf die Wange. «Was hältst du von Sex in der Nacht vor einem schweren Match?»

«Das hättest du mich fünf Minuten eher fragen sollen. Jetzt ist es zu spät.» Sie umarmten sich, und Harriet biß in Carmens Unterlippe.

Carmen setzte ein Bein zwischen Harriets Beine. Ihre Arme, stark wie die eines Durchschnittsmannes, umschlossen Harriets Taille. Sie leckte Harriets Ohr, ihren Hals und kehrte zu ihrem Mund zurück. Mit einer Hand knöpfte sie Harriets Bluse auf, ein schwieriges Unterfangen. Mit ihrem Bein rollte sie Harriet auf den Rücken. Mit der Hand fuhr sie ihr unter den Rock. Carmen mochte gern, daß Harriet Röcke trug. Es war viel aufregender, unter einem Rock über die Rundung eines Schenkels zu strei­chen als über ein Hosenbein. Ihr Zeigefinger tastete über den Rand von Harriets Seidenslip, dann glitt ihre Hand überra­schend unter den Stoff.

Carmen liebte Überraschungen, vor allem wenn sie deren Urheberin war. Ihre Handfläche glitt über Harriets feuchte Stelle. Carmens Zunge tauchte in Harriets Mund, und sie drang in ihre Geliebte ein. Sie hatte nicht die Zeit für eine lange Liebesnacht. Fester umschloß sie Harriets Bein und bewegte sich im Einklang mit ihr. Zuerst langsam, dann schneller, stieß sie in die Möse der Geliebten.

Als sie kamen, war es, als hätten sich zwei Motten ins Licht verirrt. Sie berührten die Flamme, versengten sich die Flügel und stürzten sogleich auf die Erde.

Zwei Stockwerke unter Harriet und Carmen schlich Alicia Brin­ker, die Frau mit der kühnen Vagina, heimlich über den Flur. Zwei kurze Klopfer, und eine Tür ging auf.

«Wo zum Teufel bist du gewesen?» fragte Susan.

«Ich bin beim Lesen eingeschlafen.»

«Du hast in deinem Zimmer gesessen und gelesen? Ich sitze hier und kaue mir die Nägel wund. Weißt du, wie spät es ist?»

«Hm, nein», sagte Alicia, «ich habe die Zeit total vergessen.»

«Du kommst zwei Stunden zu spät!»

«Susan, es tut mir leid.»

«Leid? Ich muß morgen gegen Hilda Stambach spielen, und dir tut es leid. Ich brauche dich hier bei mir.»

«Es tut mir leid. Es wird mir nicht wieder passieren.»

«Was hast du denn so Wichtiges gelesen?»

«Wenn wir an Jesus glauben, werden wir von allen Sünden reingewaschen.»

«Das hab ich schon in der ersten Klasse gehört.»