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«Fruit n' Nut Bar und Starlight Mints.»

«Jujubes.» Jane lächelte.

«Unfair. Damit habe ich das ganze ins Rollen gebracht.»

«Du hast es aber nicht gesagt, als wir loslegten.»

«Du bist ein hinterfotziges Schwein.»

«Ißt du etwa mit diesem Mund?»

«Wir alle wissen schon wen.»

«Ach, Harriet, müssen wir denn in sexuelle Anzüglichkeiten abgleiten? Entweder fallen dir noch mehr Süßigkeiten ein oder nicht.»

«Wie ist der Stand?»

Jane rollte naiv mit den Augen. «Ich hab's vergessen.»

«Ich nicht.» Harriet zählte die Striche in ihrem kleinen Adreß­buch zusammen. «Du hast 22, und ich habe 26.»

«Bist du eine Streberin.» Jane konzentrierte sich. «Pom­Poms, warte, dräng mich doch nicht. Merrimints.»

«York Peppermint Patties.» Harriet war wie Ming, der Gna­denlose.

Jane dachte nach. Sie dachte angestrengt nach. Sie umkreiste einmal die Schreibwarenvitrine. «Du gewinnst.»

«Gut! Ich nehme diese Anstecknadel auf der Stelle mit. Ich danke dir sehr.»

Jane murrte, als die Dame hinter der Vitrine Harriet die heißbegehrte Nadel gab. «Ich bitte um eine Schweigeminute im Gedenken an mein dahinscheidendes Geld.»

Eine Flut von Federn und Tulpen ergoß sich über den unteren Raum des noblen Restaurants. Howard Dominick präsentierte ein neues Tomahawk-Sortiment: Pocahontas. Dosen mit Tal­kumpuder, geformt wie Indianerzelte, stiegen aus den Tulpen und Federn empor. Darüber schwebten kleine Pocahontas- Parfumproben, jede Probe an einem kleinen gelben Luftballon. Intimpuder mit derselben Duftnote war dezent in einer Ecke ausgestellt. Der mit seinem neuen Sortiment nicht zufriedene Howard dekorierte eine ganze Wand mit anderen Tomahawk­Produkten. Der Nagellack «Autumn Plum» glänzte mit dem Lippenstift «Mocha Maid» um die Wette.

Lavinia trug Gelb. Solange sie sich nicht rührte, hätte sie als überdimensionale Tulpe durchgehen können. Die Skulptur aus Eis, ein großer Tomahawk, schmolz langsam dahin.

Howard warf jedes Jahr während der Meisterschaften in New York eine riesige Party. Auch wenn das Turnier in Washington, D. C., hinsichtlich der Spielergebnisse der Höhe­punkt der Turnierrunde war, galt es in geschäftlicher Hinsicht nur als kleiner Fisch. In New York tätigte Howard seine Ab­schlüsse, leitete seinen Firmenzweig und beeindruckte oder bedrückte seine Konkurrenz. Natürlich lud er sie zu jeder Party ein.

Miguels weiße Zähne blitzten unter seinem pechschwarzen Bart hervor. Tatiana Mandelstam, Herrscherin über die stärkste Konkurrenz von Tomahawk, hörte ihm mit verzückter Auf­merksamkeit zu.

«Senora, wie machen Sie das nur? Sie haben das Geheimnis ewiger Jugend entdeckt.»

Die ältere Lady schüttelte den Kopf. Sie war Bewunderung gewöhnt. «Ganz und gar nicht, Mr. Semana. Ich praktiziere nur, was ich predige - Bewegung, gutes Essen und gewissenhafteste Anwendung meiner Kosmetika.»

«Wenn dem so ist, werde ich Ihre Zaubertränke kistenweise kaufen.»

«Diesen Herbst bringe ich ein Kosmetiksortiment für Män­ner heraus.» Ihre dunklen Augen strahlten.

«Ich bin im rechten Moment geboren.» Er reichte zum Ta­blett eines Kellners hinüber, ergriff ein Glas Champagner und bot es der Herrscherin an. «Warum auch Tomahawk den ganzen Spaß überlassen?»

Lässig setzte sie das Glas an die Lippen und lächelte. Sie war interessiert.

«Tomahawk kann nach Belieben über die Mädchen verfügen. Jugend, Gesundheit, Frische. Aber keine von ihnen wird mit einem speziellen Sortiment identifiziert. Rainey Rogers reprä­sentiert zum Beispiel nicht Pocahontas.»

Tatiana hörte zu. Sie kannte die Branche, und - noch wichti­ger - sie kannte ihren Kundenkreis. «Reden Sie weiter.»

«Wäre es nicht wunderbar, wenn meine Schwester Carmen ein neues Sportparfum repräsentierte, das aus Ihrer Produktion käme?»

Tatiana schien sich das zu überlegen, dann sah sie direkt in Miguels hübsches Gesicht. «Wunderbar für Ihre Schwester, aber nicht für uns.»

Perplex lächelte Miguel noch immer.

Sie fuhr fort: «Sehen Sie, Carmen hat nicht das richtige Image für uns.»

«Aber sie ist jung und die Verkörperung von Gesundheit. Kleine Mädchen und Teenager schicken ihr bergeweise Fan­post.»

«In bezug auf Tennis zweifellos.» Sie setzte ihren leeren Kelch auf dem Tablett eines anderen Kellners ab. «Tennis und Gla­mour sind einander widersprechende Geschäfte, mein guter Mann. Ihre vollkommene Schwester mag die Verkörperung von Gesundheit sein, aber sie ist nicht die Verkörperung von Weib­lichkeit. Tatiana-Kosmetik proklamiert die Frau als das uner­gründliche Mysterium. Sie könnten Carmen die Fingernägel anmalen, ihr das Haar färben, die Locken herausziehen oder drinlassen, ihr den besten Maskenbildner New Yorks schicken und ihr schmeichelhafte Kleider anziehen ...» Sie hielt inne. Miguel hing ihr an den Lippen. «Und sie sähe noch immer wie ein kesser Vater aus.» Damit wandte sich Tatiana distinguiert ab, um sich mit einem anderen Bauern zu unterhalten, ihre Sma­ragde und Diamanten funkelten im Licht. Nicht umsonst nannte man sie die Herrscherin.

Gary Shorter verbreitete Munterkeit wie andere Tripper. Rainey hatte in zwanzig Minuten gegen Susan Reilly anzutreten - eine schwere Partie. Rainey hörte sich seine Ratschläge an: Halte Susan innen, direkt in der Mitte, und dann treibst du sie mit einem scharfen kurzen Cross weit aus dem Platz hinaus. Da Susan weite Winkel von Rainey erwartete, konnte sie nach Garys Schätzung Susans Spielrhythmus knacken. Rainey hatte Susan schon früher auf dem Platz gegenübergestanden und wußte, daß nichts Susans Spielrhythmus knacken konnte, wenn sie in der richtigen Verfas­sung war. Falls sie in der falschen Verfassung war, würden sie bereits die Ansagen der Linienrichter fertigmachen. Wie alle Spielerinnen haßte es Susan, sich für einen Punkt die Seele aus dem Leib zu ackern und dann erleben zu müssen, wie so eine fette Kröte in einer Tomahawk-Jacke den Ball entschied.

«Tief. Placier die Augschlagsreturns tief. Selbst beim zweiten Aufschlag ist sie mörderisch.» Gary tätschelte seinem Schütz­ling die Schulter.

«Ich spiele jetzt seit fünf Jahren gegen sie», fauchte Rainey. Bloß weil sie achtzehn war, behandelte sie jeder wie ein Kind. Auf dem Platz war sie eine Veteranin; Gary Shorter konnte sich den Schmus schenken. Ihre Mutter glaubte jedoch, daß er ihr Spiel verbesserte.

Rainey war bewundernswert, aber nicht liebenswert. Sie war nicht arrogant, erwartete aber, daß es nach ihrer Nase ging. Sie be­fahl nie etwas, wiederholte allerdings ihre Forderungen so oft, bis sie erfüllt wurden. Ihre Mutter machte die Schmutzarbeit; sie war keine bestechliche, ausbeuterische Kuh. Sie liebte Rainey und lebte, wie viele Mütter, durch ihre Tochter. Daß sie ihr Kind in die enge, von Konkurrenz zerfressene Tenniswelt drängte, konnte nur bedeuten, daß sie entweder von der Existenz einer größeren Welt nichts wußte oder aber von jener Welt enttäuscht war.

Tomahawk warb mit Rainey öfter als mit anderen Mädchen, weil sie anerkannt war, und weil sie heterosexuell war. Tatiana Mandelstam hatte auf ihre überspannte Weise recht. Rainey war keine große Schönheit, aber als ganz normale Frau zu propagie­ren. Howard Dominick beabsichtigte, Rainey einen Vertrag als Modell für eine Teenager-Kosmetikserie anzubieten, die noch in den Labors von Clark & Clark entwickelt wurde und in etwa einem Jahr auf den Markt kommen würde.

Rainey tat für Geld alles, und doch war sie nicht habgierig. Ihre Familie war groß, und sie hatte die Opfer, die ihre Eltern, Schwestern und ihr Bruder ihretwegen auf sich genommen hatten, noch in lebhafter Erinnerung. Selbst wenn sie dabei draufging - sie würde sie dafür entschädigen, indem sie die größte Tennisspielerin der Welt wurde. Sie würde den Grand Slam gewinnen. Nicht dieses Jahr, aber bald. Sie wußte, daß sie es schaffen konnte, selbst wenn es nur vier Spielerinnen und Spieler je gelungen war. Sie konnten nicht ihre Motivation gehabt haben oder ihre Schuldgefühle.