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Rainey war im Begriff, all das zu ändern, selbst als Carmen einen weiteren Aufschlag schmetterte, einen Aufschlag, der von Raineys Schläger abprallte. Die Achtzehnjährige hatte sich täg­lich sechs Stunden darauf gedrillt, Carmens Aufschlag zu parie­ren. Sie lenkte Carmen gegen sie zurück wie ein erfahrerer Judoka, der einen größeren Mann fällt. Mit wachsender Frustra­tion schwankte Carmen, ob sie wie der Teufel auf den Ball dreschen oder hinten bleiben und die Langeweile durchstehen sollte. So gewann man kein Tennismatch.

Rainey blies ihr mit 6:4 im dritten Satz die Lichter aus. Harriet spendete höflichen Beifall. Miguel zündete sich eine neue Zigarette an und lächelte dünn. Was waren schon 20000 Dollar? Das Bekleidungssortiment würde ihm Millionen einbringen! Lavinia, Howard und ein Rudel Fotografen fielen auf den Platz ein. Den Kopf in ein Handtuch gewickelt, ging Car­men ihren privaten Gedanken nach und riß sich zusammen.

Als sie schließlich allein in der Dusche stand, weinte sie. Warum ins Finale kommen, um dann zu verlieren? «Ich werde den Slam gewinnen», schwor sie sich. «Ich muß an meinem ersten Aufschlag arbeiten. Ich muß an meinen zweiten Auf­schlag arbeiten. Ich werde an allem arbeiten. Ich will diesen Slam gewinnen. Danach kann mich niemand mehr abschrei­ben!» Sie wollte schon auf die Wand einschlagen und überlegte es sich dann anders. Keine Verletzungen. Nicht jetzt.

Das French Open würde in der letzten Maiwoche bis zur ersten Juniwoche stattfinden. Es wurde auf Asche gespielt, zermürbender roter Asche - ein so mörderischer Belag, daß er selbst einen stahlharten Mann wie Guillermo Vilas schaffte. Ein vierstündiges Match war auf Aschebelag an der Tagesordnung. Krämpfe kamen wie Fliegen. Spieler mußten ihr Match drange­ben, wie sie Geliebte drangaben. Das French Open, die Spezia­lität von Page Bartlett Campbell, würde das am schwersten zu gewinnende Turnier werden. Rainey wartete im Hintergrund. Wenn Page versagte - auf Asche kaum vorstellbar -, wäre Rainey auf der Stelle da, ein Barrakuda, der Blut witterte. Irgendwie, irgendwie mußte Carmen mehr Geduld entwickeln und sich auf eine langsamere Gangart einstellen, auf die endlo­sen Punkte und das French selbst. In Anbetracht der beleidigen­den Art der Pariser wunderte sich Carmen, wieso eigentlich nicht mehr von ihnen in ihren Betten von wütenden Amerika­nern ermordet worden waren.

«Ich muß es gewinnen. Ich will es gewinnen. Ich werde es gewinnen!» flüsterte Carmen vor sich hin. Wenn sie das French gewann, würde sie niemand von den drei anderen Siegen abhal­ten, das wußte sie. Rasen war ihr bester Belag. Beim US Open machten sie den Belag langsamer, um längere Kämpfe aus dem Spiel der Herren herauszuholen. Für die Damen war das ein Desaster, aber wenn Carmen das French gewänne, wäre das Open immer noch schneller als diese Ascheschicht. Sie würde das US Open, Wimbledon und das Australian Open auf Rasen spielen und den Grand Slam gewinnen.

Während sie sich ein Glas kalten Weißweins schmecken ließ, besprach sich Susan mit Martin Kuzirian, einem Reporter und langjährigen Bekannten. Sie hatte ihm im Laufe der Jahre Ex­klusivinterviews gegeben, ihn mit anderen Leuten im Sport zusammengebracht und sich ganz besonders bemüht, ihn sich warmzuhalten. Für die, die sie mochten, war dies eine symbio­tische Beziehung, für die, die sie nicht mochten, eine parasitäre.

Mit gefräßigem Lächeln sagte Martin: «Tolle Aussicht.»

«Ja, die Simpsons wissen zu leben.»

«Wo sind sie eigentlich?»

«In Tortola. Sie kommen erst im April zurück.»

«Kann ich ihnen nicht verdenken. Nach einer Weile schafft einen das Wetter, und wenn dich das Wetter nicht fertigmacht, dann tun es bestimmt die Leute.»

«Dafür siehst du aber noch gut aus.»

«Das Leben ist ganz nett zu mir.» Er lächelte.

«Ich habe eine Geschichte für dich.»

«Susan, du bist eine ständige Quelle der Inspiration. Viel­leicht werde ich mal wieder befördert, obwohl mir eine Gehalts­erhöhung lieber wäre.»

«Geht das nicht Hand in Hand?»

«Heute nicht mehr. Hast du noch nichts davon gehört? Wir haben eine tragfähige Wirtschaft. Die Inflation hält sie über Wasser.»

Susan drapierte ihren Arm über die Lehne des avantgardisti­schen Sofas; die Simpsons waren sehrau courant. «Die Ge­schichte ist, daß Carmen Semana und Harriet Thorn Rawls im nächsten Monat heiraten.»

«Was?» Er blickte ungläubig drein.

»Ja, sie werden heiraten. Ich habe es von Carmen selbst. Sie hat mich zur Hochzeit eingeladen.»

«Warum in aller Welt würden sie so etwas machen?»

«Genau das habe ich auch gesagt. Wenn Leute drei Jahre zusammenleben, ist das doch ein prima Ergebnis. Was soll schon dieser ganze Hokuspokus vor einem Mann in einer Kutte?»

«Ich erinnere mich dumpf, daß du es auch mal getan hast», stichelte Martin.

«Da war ich noch jung.»

«So jung nun auch wieder nicht.»

«Martin, wenigstens habe ich mir einen Mann zum Heiraten ausgesucht.»

Er lächelte und sagte dann: «Also noch immer glücklich verheiratet mit Craig?»

«Natürlich.»

«Warum gibst du mir diese Geschichte? Ich dachte, du und Carmen wäret Freundinnen.»

«Wir waren Freundinnen, bis sie Harriet kennenlernte. In Wahrheit stand sie auf mich. Ich glaube, sie hatte sich in mich verliebt, als sie sechzehn war, das arme Ding.»

Martin bemühte sich, nicht zu lachen. Hielt Susan ihn etwa für so blöde? «Ja, Kinder machen so ihre Phasen durch.»

«Ich erzähl dir das, weil ich weiß, daß du die Geschichte nicht unproportional aufbläst. Wenn diese beiden Naivlinge es durch­blicken lassen und die Klatschgeier sich darauf stürzen, könnte das uns allen schaden.» «Und du glaubst nicht, daß eine einzelne Geschichte über zwei Frauen dem Damentennis schadet?»

«Sie wird ein bißchen Staub aufwirbeln, aber das Damenten­nis ist zu bedeutend, als daß sie ihm schaden könnte.»

«Ja.» Er rieb sich das Kinn.

«Carmen ist ein Esel. Ich habe ihr gesagt, daß sie nicht heiraten soll, aber ich habe ihr auch mal gesagt, daß sie mit dieser Lehrerin nie eine Liebesgeschichte anfangen soll.»

«Durch Schaden wird man klug.»

«Wenn du Carmen fragst, ob sie heiratet, wird sie natürlich lügen. Das ist keine Geschichte, es sei denn, du erwischt sie auf frischer Tat.» Susan hatte alles wohl durchdacht. Die Hochzeits­feier war ein völliges Hirngespinst, das Kuzirians Gier nach einer großen Geschichte entflammen sollte. «Die Person, an die du dich halten solltest, ist Harriet. Oh, ich würde sie nicht fragen, ob sie heiratet. Das ist zu weit hergeholt. Ich würde sie nur fragen, ob sie eine Lesbe ist.»

«Warum?»

«Sie ist ein noch größerer Esel als Carmen.»

«Was meinst du damit genau?»

«Ich meine, daß Harriet nicht lügen könnte, selbst wenn ihr Leben davon abhinge.»

Martin wieherte nervös. Diese Geschichte konnte einen gro­ßen Karrieresprung bedeuten. Pech, daß Leute dabei zu Scha­den kamen, aber so ist es eben im Leben.

«Irgendeine Idee, wie man sie festnageln könnte?«

«Nimm sie auf einer Pressekonferenz beiseite. Sie hängt viel bei Ricky Cooper und Jane Fulton herum. Sie sind die einzigen Leute, die was mit ihr zu tun haben wollen.»

«Warum haßt du sie eigentlich? Ich bin neugierig.»

«Ich hasse sie nicht.»

Martin war gescheit genug, sie nicht zu bedrängen. «Was ist eine günstige Zeit, sie mir vorzuknöpfen?»

«In Hilton Head. Das Turnier dort fängt am 6. April an. Die Atmosphäre ist entspannt, locker, die Leute schlendern herum. Übrigens, die beste Art, Harriet zu provozieren, ist, sie in Carmens Beisein abzufangen und Carmen irgendwie zu attackie­ren. Harriet hat keinen Funken Verstand, wenn's um ihre Ge­liebte geht.»

«M-m-m.»

«Albern, nicht?»