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«Duck dich hinter den Busch.» Harriet zog Carmen hinunter. «Komm, laß uns den Weg zurückgehen, den wir gekommen sind.»

«Gute Idee.» Carmen zwickte sie.

«Habt ihr euch gestritten, Miguel und du?»

«Nein. Außerdem hätte ich dir das erzählt. Ich erzähle dir doch alles. Er hat mich etwas genervt, weil er mich drängte, Ricky um Sendezeit zu bitten.»

«Was?»

«Kommentare zu Spielen, weißt du. Miguel meint, es würde größere Verträge einbringen.»

«Vermutlich würde es das, aber du kannst dich bei Ricky nicht einfach so anschmeißen.»

«Das habe ich auch gesagt. Er hat geschmollt und ge­schnaubt, sich schließlich aber wieder eingekriegt. Er hat auch gesagt, ich müßte mir eine neue Frisur zulegen.»

«Herrje.» Harriet ging weiter. «Offenbar hat sich Susan beru­higt.»

«Ja, ich glaube, daß sie mich ins Gesicht geschlagen hat, muß sie furchtbar geärgert haben.»

«Ich halte Susan für eine manische Blufferin.»

«Jedenfalls hat sie eindeutig ein Rad ab. Das legt sich wieder.»

«Na, ich würde ihr noch immer am liebsten maßgefertigte Betonstiefel verpassen», sagte Harriet.

Carmen legte einen Arm um Harriets Taille. «Du bist schreck­lich.»

Das war Martin Kuzirians großer Moment. Er hatte die beiden aus einiger Entfernung beschattet. Als sie kehrtmachten, war er weit genug weg, um ihre Aufmerksamkeit nicht auf sich zu lenken. Er bezog vor einem kleinen Andenkenladen Posten. Carmens Geste war ein Akt schlichter Zuneigung. Es mußte nichts Sexuelles dahinterstecken.

«Hallo.» Martin begrüßte sie, sobald er ihre Gesichter deut­lich sehen konnte.

Carmen ließ den Arm sinken. «Hallo.»

«Großes Match heute.»

«Danke. Hab ich Sie nicht im Interviewzelt gesehen?» Sie wußte genau, wer er war.

Geschmeichelt, daß sie von ihm Notiz genommen hatte, sagte er zurückhaltend: «Ja, ich bin beimThe Long Island Chronicle.»

Carmen ging weiter, und er hielt mit ihr Schritt.

Harriet stellten sich die Haare.

«Die Zeiten haben sich geändert. Es herrscht heutzutage doch so ein tabufreies Klima. Ich begreife nicht, warum Sie beide nicht Farbe bekennen und locker damit umgehen. Alle wissen doch, daß Sie sich lieben und heiraten wollen.» Ohne Vorwar­nung schlug er zu.

Harriet erstickte fast vor Lachen. «Sie haben wohl eine Meise.»

Carmen rückte ihm auf die Pelle. «Verziehen Sie sich.»

«Sie streiten also ab, daß Sie lesbisch sind?»

Harriet stellte sich vor Carmen. «Lassen Sie sie in Ruhe.»

«Ach ja, die Löwenmutter verteidigt ihr Junges.»

«Sie Scheißkerl.» Harriet versetzte ihm einen Schlag in die Magengrube. Er taumelte zurück.

«Schatz!» Carmen hielt Harriet mit beiden Armen fest. Wenn Harriet wütend wurde, hatte selbst Carmen beide Hände voll mit ihr zu tun.

«Wenn Sie keine Lesben sind, warum regen Sie sich dann so auf?» Kuzirian ließ nicht locker.

«Lassen Sie sie in Frieden.» «Harriet, schämen Sie sich etwa, weil Sie Carmen lieben?» «Hauen Sie ab, Sie Dreckskerl. Ja, ich liebe sie. Ich bin verdammt stolz darauf, daß ich sie liebe» - sie stockte und versuchte, die Sache noch hinzubiegen - «aber das heißt nicht, daß Carmen lesbisch ist, nur weil ich es bin.» Schweißgebadet zog Carmen Harriet fort. «Komm, vergiß es.» «Ich denk nicht dran.» Sie drehte sich zu Kuzirian um. «Las­sen Sie sie bloß in Ruhe.»

Er legte den Rückwärtsgang ein. «Okay, okay.» Er hatte, was er brauchte, um seine Geschichte in Gang zu bringen. Die Zeit würde ihm schon alles weitere liefern.

Carmen schleifte Harriet zum Apartment zurück. Sie drückte Harriet eine Coca-Cola in die Hand. Harriet hätte das Glas am liebsten zerschmettert, überlegte es sich aber und trank dann einen Schluck. Sie kam langsam wieder auf den Boden. Es folgte eine Tirade so gemeiner Flüche, daß Carmen nur den zahmsten behielt: «Ich wünsche ihm die Krätze an den Hals, dem Arsch­loch, dem elenden.» Den Flüchen und Folterdrohungen folgte eine gewisse Stille, die von Ausbrüchen wie «Ficker, Scheißer, Verdammter» unterbrochen wurde. Schließlich schwieg sie.

Carmen war totenbleich.

Harriet seufzte. «Ich hab's verpfuscht. Ich glaube, ich habe uns ein Schlamassel eingebrockt.»

«Er wird nichts darüber schreiben. Du hast ihm Feuer unterm Arsch gemacht.»

«Nein. Ich habe diesem Arschloch gegeben, was es wollte. Ich habe ihm gesagt, daß ich lesbisch bin. Besser, du denkst lange und gründlich darüber nach, wie du mit der Sache umgehen willst.»

«Dahin wird es nicht kommen.» Carmen konnte sich mit Problemen nicht theoretisch auseinandersetzen. Schon gar nicht mit künftigen.

«Ich glaube doch.»

Rickeys und Janes hübsches weißes Schindelhaus lag mitten im Herzen von Princeton. Da es gleich nach dem Bürgerkrieg gebaut war, war alles darin nach menschlichen Maßen eingerich­tet - nichts war exakt, und doch wirkte alles exakt. Unebene, im Laufe der Zeit glattgetretene Kieferndielen glänzten in der Farbe des Sirups, den Ricky gerade über die Pfannkuchen goß. Singend machte er an diesem Morgen das Frühstück.

Jane blättertePortfolio durch, eine Zeitschrift, die sich haupt­sächlich mit Malerei befaßte. «He, Schatz, in Philadelphia gibt es im Sommer eine Rosa Bonheur-Ausstellung. Sie wird sonst nirgendwo in den Vereinigten Staaten gezeigt. Da müssen wir unbedingt hin.»

«Klingt gut.» Er überschlug die ersten Seiten und vertiefte sich in die Sportseiten. Plötzlich stand er auf, setzte sich und stand wieder auf. «Jesus, Maria und Josef.»

Beunruhigt fragte Jane: «Was ist los?»

«Sieh dir das an.»

Jane stellte sich neben ihn und las. «Heiliger Bimbam.»

«Kuzirian ist ein Schwein.» Rickys Hände begannen zu zit­tern.

«Er schreibt nicht, daß Carmen eine Lesbierin ist, nur ihre <Freundin, mit der sie in einem Haus in Cazenovia zusammen lebt, Harriet Rawls, Dozentin für Religion am Cazenovia Col­lege). Er sagt nicht direkt, daß Carmen lesbisch ist.»

«Muß er ja auch nicht.»

Das Telefon läutete. Jane nahm den Hörer ab. «Hallo, Frank.» Pause. «Ich denke überhaupt nicht dran.» Sie warf den Hörer auf die Gabel.

«Was wollte dein Chefredakteur?»

«Er will, daß ich wegen der Geschichte nach Hilton Head fliege.»

«Kaum legt jemand einen Köder aus, schon sammeln sich die Schakale.»

«Ich rufe Harriet und Carmen an.» Sie wählte ihre Nummer. «Verdammt.» Sie wählte noch mal. «Niemand zu Hause. Sie müssen auf dem Tennisplatz sein. Ricky, was können wir tun?»

«Warten, bis wir mit ihnen geredet haben.» Er strich sich mit den Fingern durchs graue Haar. «Diese Sache könnte sie ausein­anderbringen.»

Jane fragte verblüfft: «Hältst du Carmen denn für einen Feigling?»

«Nein, aber sie ist jung. Sie hat nur Harriet, und im Moment ist Harriet die Ursache des Problems.»

Jane runzelte die Brauen. «Nicht im entferntesten. Die Ur­sache des Problems ist eine Schlange im Tennissport. Dies ist von einem Insider gekommen. Von wem nur?»

Ricky setzte sich. «Wer haßt Carmen am meisten?»

«Es ist zu absurd.» Jane verbannte das Gesicht, das ihr in den Kopf kam, aus ihren Gedanken.

«An wen denkst du?»

«Susan Reilly.»

«Das ist zu absurd.» Ricky spießte seinen Pfannkuchen auf.

«Weibliche Intuition, Schatz.»

«So ziemlich das einzige, was wir tun können, ist, Artikel zu schreiben, in denen wir das Recht auf eine Privatsphäre vertei­digen.»

«An der Oberfläche, ja. Manchmal macht mich unser Beruf krank. Martin Kuzirian nennt sich Journalist.» Jane schob ihr Essen auf dem Teller herum. «Wenn ich still abwarte wie ein Ameisenlöwe, wird die schuldige Ameise schon früher oder später in die Falle tappen.»